Tansania – District Krankenhaus Handeni - Chirurgie
Februar – April 2002
Constantin Wauschkuhn
Seit dem Physikum studiere ich am Klinikum Mannheim (Fakultät für klinische Medizin Mannheim der Universität Heidelberg) und plantefür die Semesterferien nach dem 5. Klinischen Semester eine Auslandsfamulatur (meine Email:

).
Hier der Bericht über meine Zeit in Tansania:
1.Motivation für eine Famulatur im Ausland
Seit dem Afrika-Aufenthalt für sechs Wochen vor 9 Jahren und Beginn meines Studiums plante ich für das Ende des Studiums eine Famulatur in Afrika. Ich versuchte erst, einem Platz über den DFA (www.famulantenaustausch.de) zu bekommen – leider hatten sich aber so viele Kommilitonen beworben, dass ich im Losentscheid keinen Platz bekommen habe.
Nun schrieb ich über Internet die verschiedenen Organisationen (GTZ, DED, Gesellschaft für Tropenchirurgie, Arbeitsgemeinschaft für Frauengesundheit in Entwicklungsländern, ...), Botschaften u.a. in Tansania, Ghana und Botswana an – und aus Tansania kam dann auch schon bald eine Mail von einem Deutschen Chirurgen des DED, der dort in einem Distict Hospital arbeitet. Dazu schickte er gleich eine Liste mit den häufigsten Krankheiten und Operationen, Infos zu dem Krankenhaus... demnach gibt es 110 Betten – mit einem Einzugsbereich von 360.000 Menschen und an Erkrankungen/Eingriffen kommen häufig Malaria, Diarrhöe, Pneumonie, Geschlechtskrankheiten, Geburten (->Sectio)... vor.
2.Vorbereitung der Famulatur
Zur Vorbereitung besuchte ich die "Sommerakademie der Tropenkrankheiten" des Missions-ärztlichen Instituts in Würzburg. Dies kann ich nur jedem empfehlen – neben der Vermittlung von fachlichen Kenntnissen über Tropenkrankheiten, Entwicklungshilfe, Gesundheitssysteme..., die ja an der Uni oft sehr kurz kommen, ist besonders der Austausch mit anderen Famulanten und Ärzten, die schon im Ausland waren, eine gute Vorbereitung.
Ausserdem besorgte ich mir den Lonely-Planet-Führer über Tansania und das Buch "Medical Practice in Developing Countries" zum Mitnehmen für die Kitteltasche und aus der UB "Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern".
3.Fachliche Eindrücke, Tätigkeitsbeschreibung
Meine Famulatur sollte den Schwerpunkt in der Chirurgie haben (neben Gyn und Tropen-krankheiten), was sich schon daraus ergab, dass mein direkter Ansprechpartner ein deutscher Chirurg war. Er ist für zwei Jahre für den DED dort im Krankenhaus.
Ich lief ihm ständig hinterher, machte Visiten auf der chirurgischen Männerstation, der gemischt internistisch + chirurgischen Frauenstation, bei den Kindern und auf Maternity Ward mit sowie manchmal auf der Isolierstation. Bei den Visiten wurden Medikamente verordnet, Verbände gewechselt, gegipst, Wun-den kontrolliert, Therapien festgelegt...
Im OP durfte ich bei Kaiserschnitten, Leisten- und Nabelhernien, Tubenligaturen... assistieren. Kleine Sachen konnte ich selber machen wie suprapubischen Blasenkatheder legen, Abszesse spalten + Gummilasche einlegen, Nähen, Lipom entfernen, Wunden säubern...
Natürlich habe ich auch einige Narkosen gemacht (immer Ketamin + Atropin), Spinale gesetzt bzw. lokale Betäubung. Elektive OP-Tage waren Di und Do.
Auf Maternity Ward konnte ich die vaginale Untersuchung lernen, das Stadium der Geburt einschätzen, Grösse des Fetus, Lage... erkennen und auch einige Geburten selber "durchführen".
Zwischendurch haben wir in der Ambulanz die Patienten untersucht, die den Clinical Officern zu kompliziert erschienen. Im OP gab es ein paar Bücher, so dass ich zwischendurch auch mal was nachlesen konnte, wie man z.B. einen Gips bei einem Neugeborenen mit Klumpfuss macht... (diese Bücher werden leider von den Clinical Officern fast nie angeschaut).
Auf der "Was will ich lernen-Liste", die ich zusammen mit dem Chirurg am Anfang ausgearbeitet habe, war am Ende alles abgehakt!
4.Sprachprobleme mit Ärzten und Patienten
Mein direkter Ansprechpartner war ein deutscher Chirurg - da gab es also keine Sprachprobleme. Mit den anderen Mitarbeitern hatte ich wenig Kontakt. Die anderen "Ärzte", Pfleger... sprachen mehr oder wenig gut Englisch. Mit den Patienten war eine Kommunikation so gut wie nicht möglich, da die nur Kisuaheli konnten und ich mit meinen wenigen Brocken da schnell aufgeschmissen war. Beim Zuhören konnte ich allerdings einiges verstehen. Die "Krankenakten" (=alte vergilbte lose Zettel...) wurden auf Englisch geführt, das konnte ich dann wenigstens lesen. Allerdings ist das ein Problem, da eben viele Pfleger das Englisch nur sehr schlecht lesen und verstehen können. 5. Beziehung zu den Gastgebern und zu der Bevölkerung
Von allen Seiten wurde ich herzlich begrüst, ich fühlte mich willkommen. Ich wurde von Anfang an als vollwertiger Arzt angesehen. Ein paar der tansanischen "Ärzte" zeigten mir mal was, ansonsten wurden ständig freundliche Worte gewechselt. Ich verhielt mich gegenüber den Leuten im Krankenhaus eher zurückhaltend, denn ich konnte hier bei so kurzer Aufenthaltszeit eh nichts gross verändern. Und ich wollte auch nicht als der besserwissende Europäer auftreten.
Die Bevölkerung war sehr freundlich, in den Grossstädten wurde man, wie überall auf der Welt, ab und zu angesprochen, ob man nicht was kaufen wollte. Aber das war nicht zu lästig und mit ein paar Brocken Kisuaheli konnte man sich schnell durchsetzen.
Als Weisser war man eben deutlich sichtbar und im Vergleich zu der Bevölkerung auch sehr reich (Durchschnittslohn Tansania 30 US $)
6. Gesundheitsversorgung und medizinische Ausbildung im Land, "Primary Health Care"
Der Süden des Landes ist sehr arm. Im Norden, wo ich war, sind die Leute etwas reicher, das heisst sie haben etwas Bargeld und müssen nicht nur vom eigenen Feldanbau leben.
Das Krankenhaus muss von den Patienten bezahlt werden, alles ist zwar im Vergleich zu Europa sehr billig, aber aber für viele Einheimische sehr teuer. Und eine Busfahrt in ein weit entferntes Krankenhaus incl. der Verpflegung dort können sich viele nicht leisten.
Ich selber arbeitete im Distict Hospital Handeni, die erste Station eines Patienten nach der Dispensary bzw. dem Health Center im eigenen Dorf. Es gab dort Röntgen und ein Ultraschallgerät (beide lieferte nicht immer so gute Bilder, wie man sie in Deutschland gewohnt ist). Schwierige Fälle wurden entweder nach Tanga ins Regional Hospital oder direkt nach Dar Es Salaam bzw. Moshi in die grossen Lehrkrankenhäuser geschickt.