Famulatur Radiologie
Klinikeindrücke aus Uppsala (Schweden)
Axel Schlaeger
Als ich zwischen dem 9. und 10. Semester nach Uppsala kam, wusste ich fast nichts über Schweden. Ich sprach kein Wort Schwedisch. Ich begleitete meine Freundin, die für ein Jahr an der Universität von Uppsala studieren sollte. Da ich sehr interessiert an Radiologie bin, entschloss ich mich, in der Radiologie des Universitätskrankenhauses zu fragen, ob ich eine Famulatur machen könnte. Ich rief Kjerstin Adel, die Chefsekretärin, an, die alles für mich in die Hand nahm. Ich musste nach zwei Tagen wieder anrufen und alles war organisiert!
Das Universitätskrankenhaus in Uppsala (Schweden)
Die radiologische Abteilung des Akademiska Sjukhuset Uppsala ist eine der größten in ganz Schweden. Sie besteht aus einem 300m langen Flur, entlang dem zahlreiche verschiedene Bereiche untergebracht sind, in denen insgesamt über 50 Radiologen arbeiten. Ich verbrachte zwei Wochen in der Thoraxröntgen-Abteilung und zwei Wochen in der neuroradiologischen Abteilung. Mittwoch nachmittags gibt es eine Konferenz für alle Radiologen, auf der neue Mitarbeiter vorgestellt werden. So auch ich, so dass mein Gesicht den meisten bekannt war und ich durch alle Bereiche ziehen und dort bleiben konnte, wo es gerade interessant war.
Sich sprachlich bei den Schweden zurecht zu finden ist nicht schwer
Da ich kein Wort Schwedisch sprach, mussten alle Englisch mit mir reden. Aber das war absolut kein Problem. Die Schweden allgemein und schwedische Ärzte vielleicht im Besonderen sprechen sehr gut Englisch! Einzig die radiologischen Demonstrationen waren auf Schwedisch. Aber Schwedisch und Deutsch sind sehr ähnliche Sprachen, und besonders wenn ich die Bilder vorher schon gesehen hatte, habe auch ich dort einiges verstanden.Das digitale Bildverarbeitungssystem war beeindruckend: Die Thorax-Röntgenabteilung
In der Thoraxabteilung verbrachte ich zwei Wochen. Sehr beeindruckend für mich war auch das 2001 eingeführte digitale Bildverarbeitungssystem. Die Röntgenbilder werden nicht mehr ausgedruckt, sondern auf dem Monitor angeschaut. Mit zahlreichen Bearbeitungs- und Rekonstruktionsmöglichkeiten! Die ganze Zeit saß ich neben einem Oberarzt und habe mit ihm zusammen Röntgenbilder befundet. Die Thoraxabteilung ist im Vergleich zu den anderen Abteilungen nicht so stark ausgelastet, so dass sehr viel Zeit für Erklärungen und Fragen blieb! Zwei Wochen sind bei Weitem nicht genug, um die Thoraxradiologie wirklich zu können. In der Tat finde ich es jetzt fast schwieriger als vorher. Aber ich habe doch mitgenommen, wie man ein Röntgenbild anschaut und wie man sich ein System zurechtlegt, um nichts zu übersehen.
Abstecher in die Neuroradiologie
Da das Universitätskrankenhaus von Uppsala eine große neurochirurgische Abteilung besitzt, haben auch die Neuroradiologen einiges zu tun. Trotzdem habe ich mich dort sehr wohl gefühlt! Wegen der vielen Arbeit war es anders als in der Thoraxabteilung nicht möglich, den ganzen Tag nur mit einem Arzt zusammen zu arbeiten. Daher bin ich von Workstation zu Workstation gezogen – und habe immer die interessantesten Fälle gezeigt bekommen. Neuroradiologie ist ein sehr weites und sehr interessantes Feld. Aber zwei Wochen sind vielleicht nicht einmal genug, um die Grundlagen zu lernen. Was ich gelernt habe, war systematisch nach Veränderungen zu suchen, immer mit dem Hintergedanken, dass es ein Artefakt sein könnte. Bei Kernspintomographiebildern lernte ich hauptsächlich die Signale unterschiedlicher Gewebe in verschiedenen Sequenzen.Mein Fazit: Schweden war eine meiner besten Famulaturen!
In keiner meiner vorhergehenden Famulaturen bin ich so gut betreut und so warm empfangen worden. Selten nur war es für mich ein Nachteil, nicht Schwedisch sprechen zu können. Trotzdem wäre die Bilanz wohl für Schwedisch sprechende Studenten mit Sicherheit noch besser gewesen. Ich denke, dass besonders Studenten, die Schwedisch lernen wollen, sehr von einer solchen Famulatur profitieren werden, da viele Ärzte auch sehr sprachinteressiert sind und gerne über Eigenheiten der schwedischen Sprache reden.
Alles in Allem habe ich viel über Radiologie gelernt und natürlich mein Englisch aufgefrischt. Allerdings auch sehr viel über Schweden, schwedische Bräuche und Besonderheiten. Und da gibt es einiges Interessantes zu entdecken!
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