Die demografischen Prognosen zeigen eindrucksvoll, wie durch die Veränderung im Altersaufbau die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen stark steigen (also ein zusätzlicher Bedarf an Ärzten entsteht), aber die Zahl der Erwerbsfähigen deutlich abnehmen wird. In etwa zehn Jahren erwartet uns ein historisch einmaliger Übergang: Die Babyboom-Generation wird beginnen, aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Wenn also bereits heute Engpässe im Arbeitsmarkt der Gesundheitsberufe spürbar sind, so droht in wenigen Jahren ein eskalierender Wettbewerb um die (zu) knappe Ressource „Arzt“.
Ist die Nachfrage nach Arbeitskräften (hier Ärzten) größer als das Angebot, so erfreuen sich die Ärztinnen und Ärzte eines steigenden Marktwertes. Anstellungskonditionen wie Vergütung, soziale Nebenleistungen, Arbeitszeitkonditionen usw. lassen sich in diesem Fall sehr arbeitnehmerfreundlich durchsetzen. Andererseits lassen sich andere Parameter der Arbeitszufriedenheit nur dann befriedigen, wenn ausreichend ärztliche Kollegen/Kolleginnen bereitstehen, um entsprechende Wünsche erfüllen zu helfen.
Bemerkenswert bei der Ursachenforschung ist die Tatsache, dass in Deutschland ein ungebrochener Run auf das Medizinstudium besteht. Die Zahl von mehr als 80.000 immatrikulierten Medizinstudierenden ist recht konstant; das Interesse junger Menschen, sich dem Arztberuf zuzuwenden, scheint also stabil. Auch die Abbrecherquote hat mit fünf Prozent (2006) nicht zugenommen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung gibt die Zahl der in 2008 registrierten Ärzte mit 421.686 an. Unter ihnen sind 319.696 in einem ärztlichen Berufsfeld tätig – mehr als 100.000 ausgebildete Mediziner haben sich also gegen die Ausübung des Arztberufs entschieden und nehmen etwa Aufgaben in der Forschung (Pharma), in großen Unternehmen (Medizintechnik u.a.), Beratungsfirmen oder der IT-Branche wahr. Die hauptsächlich feststellbaren Ursachen dieses sich verschlechternden Verhältnisses liegen in:
- attraktiven Tätigkeitsfelder abseits der unmittelbaren Patientenversorgung,
- einer sehr deutlichen Zunahme der Beschäftigung von Ärzten in Teilzeit,
- dem Trend zum früheren Ausstieg aus dem Berufsleben.