PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TdL Tarifverhandlungen 2022



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 [14] 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38

Relaxometrie
28.08.2022, 10:20
Lasst uns nicht auf andere Berufsgruppen hauen.
Sehr richtig!
Bei Lehreren ist es ja ein großer Unterschied, ob sich da einer mit einer Fächerkombination z.B. Religion/ Sport durchs Berufsleben chillt, auf Neuerungen in den Fächern nicht eingeht und den Unterricht nicht vorbereitet, oder ob da ein hochaktiver Lehrer mit teils ausufernden Korrekturfächern (Fremdsprachen, Deutsch...) in den Sommerferien die fürs kommende Schuljahr angesetzte neue Lektüre schonmal durcharbeitet, den Unterricht immer gut vorbereitet und bei den teilweise wohl auch ausufenden Sitzungen/ Besprechungen/ Konferenzen aktiv dabei ist.
Wenn man in einem System nicht drin steckt, findet man die Vorteile immer ganz toll (Waaas? 6 Wochen Sommerferien?), sieht die Nachteile aber kaum.
Was nicht heißen soll, dass ich die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern akzeptabel finde.

Endoplasmatisches Reticulum
28.08.2022, 10:21
Eine Gewerkschaft, die in Erwartung schwieriger Verhandlungen alle Forderungen fallen lässt und nimmt was ihr hingehalten wird, ist keine Gewerkschaft sondern ein Bettler um Almosen.



Das habe ich auch in keiner Weise nachvollziehen können! Ohne Ärzte läuft im Krankenhaus gar nichts, egal wie viele tolle Verwaltungsangestellte und Pflegefachpersonen man hat. Es läuft einfach GAR NICHTS. Man hat alle Argumente in der Hand, zusätzlich sind die Unikliniken (zumindest in NRW) durch einen 11-wöchigen Streik von Verdi massiv angeschlagen und fürchten einen Ärztestreik mehr als der Teufel das Weihwasser. Für Verdi ist man sogar direkt aus der TdL ausgetreten um einen extra Entlastungvertrag mit Verdi verhandeln zu können.


Der Esel ist auch nur so schnell zu treiben wie die Organisation, Mobilisation und Streikbereitschaft der ÄrztInnen hergibt. Eingeschätzt Bei ÄrztInnen schwierig angesichts der rein monetären Forderungen. In NRW im Kontext eines langen Pflegestreiks insgesamt fraglich

Salatsultan meinte ja, insbesondere auch auf Grund des Pflegestreiks sei die Streikbereitschaft bei den Ärzten in NRW fraglich. Ich wäre da aber eher bei dir, dass das ein absolutes Argument pro Streik ist, nicht dagegen. Ein besseres Druckmittel als ohnehin schon angeschlagene Arbeitsgeber kann es doch gar nicht geben? Hmm ...

Endoplasmatisches Reticulum
28.08.2022, 10:28
Bei Lehreren ist es ja ein großer Unterschied, ob sich da einer mit einer Fächerkombination z.B. Religion/ Sport durchs Berufsleben chillt, auf Neuerungen in den Fächern nicht eingeht und den Unterricht nicht vorbereitet, oder ob da ein hochaktiver Lehrer mit teils ausufernden Korrekturfächern (Fremdsprachen, Deutsch...) in den Sommerferien die fürs kommende Schuljahr angesetzte neue Lektüre schonmal durcharbeitet, den Unterricht immer gut vorbereitet und bei den teilweise wohl auch ausufenden Sitzungen/ Besprechungen/ Konferenzen aktiv dabei ist.
Wenn man in einem System nicht drin steckt, findet man die Vorteile immer ganz toll (Waaas? 6 Wochen Sommerferien?), sieht die Nachteile aber kaum.

Hauen wollen wir uns nicht. Aber man sollte auch keine Argumente akzeptieren, die uns Ärzte im Vergleich unpassend negativ darstellen. Das Gehaltsplus durch Dienste ist eben keine "bessere Bezahlung", wenn es hauptsächlich durch zusätzliche Arbeit über das vertraglich vereinbarte Pensum hinaus zustande kommt und sich ansonsten aus Schmerzensgeld für Nacht-, Wochenend-, und Feiertagsarbeit zusammensetzt. Und wenn man sagt, dass andere Berufsgruppen ja auch zusätzlich arbeiten müssen, ist das ein fragiles Argument, wenn die dafür 30-40 % ihrer Arbeitszeit reserviert bekommen. Man darf auch nicht vergessen, dass uns die Dienste mit zunehmender Erfahrung zwar weniger stressen, sie aber in ihrer Häufigkeit nicht abnehmen und gleichzeitig durch zunehmende Arbeitsverdichtung vom Stresslevel her überkompensiert werden können - vor allem wenn umliegende Krankenhäuser schließen, was immer mehr passieren und zu weiteren Stürmen auf die immer weniger vorhandenen ZNAs führen wird. Als Lehrer ist zumindest der Grenzaufwand der Unterrichtsvorbereitung absehbar fallend, und zwar deutlich.

Ich würde den Lehrerjob niemals machen woll, in Zeiten völlig enthemmter Kreischkinder und woker Jugendkultur schon gar nicht. Da habe ich absoluten Respekt vor. Ich glaube aber dennoch, dass es dem durchschnittlichen Lehrer nach dem Einlebungsschock der ersten 2, 3 Jahre und wenn die meisten Klassenstufen schonmal unterrichtet wurden und für fast alle Stunden vorbereitetes Material im großen Ordner existiert, im Vergleich zum durchschnittlichen Assistenzarzt von der Work-Life-Balance her ziemlich gut geht. Meine Lehrer damals hatten jedenfalls sehr deutlich eher Probleme mit Boreout statt Burnout, was nicht besser sein muss. Das soll den Lehrer nicht schlecht reden, aber ärztliche Demut ist auch nicht angebracht.

Relaxometrie
28.08.2022, 10:50
Eine Gewerkschaft, die in Erwartung schwieriger Verhandlungen alle Forderungen fallen lässt und nimmt was ihr hingehalten wird, ist keine Gewerkschaft sondern ein Bettler um Almosen.
Sehr gute Aussage!
Bei jedem Streik der Bahn denke ich, dass der MB mal Nachhilfestunden bei Weselsky nehmen muss. Klar bringen einen die Bahnstreiks an den Rand des Wahnsinns, wenn man genau während der Zeit eine Bahnfahrt plant, oder sogar Pendler ist. Aber da ist Deutschland auch selbst Schuld, wenn die Bundesbahn so mies organisiert ist, dass eben Gewerkschaftsstrukturen ein Land halb lahm legen können. Aber Weselsky&Co kann ich da keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil. Die setzen nur ihre Rechte durch.

Hat schon jemand ein offizielles Statement von Frau Johna mitbekommen? Vermutlich schafft sie es jetzt auch wieder, diesen unsäglichen Vertragsabschluss so zu kommunizieren, dass es nach einer tollen Leistung des MB aussieht, anstatt kleinlaut das Komplettversagen zuzugeben.




Und wenn man sagt, dass andere Berufsgruppen ja auch zusätzlich arbeiten müssen, ist das ein fragiles Argument, wenn die dafür 30-40 % ihrer Arbeitszeit reserviert bekommen. Man darf auch nicht vergessen, dass uns die Dienste mit zunehmender Erfahrung zwar weniger stressen, sie aber in ihrer Häufigkeit nicht abnehmen und gleichzeitig durch zunehmende Arbeitsverdichtung vom Stresslevel her überkompensiert werden können - vor allem wenn umliegende Krankenhäuser schließen, was immer mehr passieren und zu weiteren Stürmen auf die immer weniger vorhandenen ZNAs führen wird. Als Lehrer ist zumindest der Grenzaufwand der Unterrichtsvorbereitung absehbar fallend, und zwar deutlich.
Ja, sehe ich auch so.

Tapsie
28.08.2022, 11:31
Habt ihr die Antworten vom MB auf Twitter gelesen? Ich finde die schon sehr unverschämt...

dissection
28.08.2022, 12:17
In wenigen Wochen sollte ich meine erste Stelle in einer kompetitiven Uni in einem kompetitiven Fach antreten. Ich hatte mir schon die Rahmenbedingungen zurechtgelegt, um 100%ige Leistung inklusiver hoher Forschungsbereitschaft erbringen zu können. Während des gesamten Studiums hatte ich sehr hart gearbeitet, zig Erstautorenschaften gesammelt und mehrere Auslandsaufenthalte an Ivy-League Universitäten gehabt. Die Meldung hat aber am Freitag etwas in mir ausgelöst. "Wofür?", dachte ich mir. Wofür mache ich das? Mir wurde jeglicher Leistungsgedanke in Deutschland geraubt. Warum sollte ich mich derart aufopfern, wenn es nicht einmal annähernd finanziell honoriert wird?

[...]

Um das Ganze aber in ein produktives Licht zu bringen: Ich denke nicht, dass Massen an Briefen eine Wirkung erzielen werden. Die werden einfach nur geschreddert. Wie kann man wirklich Einfluss ausüben? Hierfür drei Fragen:
1) Wie kann man das Bewusstsein hierfür unter allen Ärzten schaffen? Eine social media Kampagne aufziehen? In die ganzen WhatsApp und Facebook Gruppen der ehemaligen Jahrgänge schreiben mit der Bitte das weiterzuleiten?
2) Gibt es die Möglichkeit von der Basis einen Widerspruch gegen den Vertragsabschluss einzulegen? Wie mit Petition o.Ä.?
3) Wie realistisch ist es, eine neue Gewerkschaft aufzuziehen?

Ich war auch immer relativ engagiert, habe drei Erstautorenschaften gemacht, Auslandsaufenthalte, 4 Jahre Uni-Innere. Meiner Meinung nach ist deine Ansicht relativ realistisch. Unsere Oberärzte, die 14 Jahre lang ihr Leben der Klinik geopfert haben (mit genannten 70 h Wochen) sind häufig vorgealtert und verbittert und krebsen mit 130-140k rum. Wenn du nicht habilitierst wird man dir nach 15 Jahren nonchalant die Tür zeigen. Wenn du Uni-Oberarzt wirst hast du eine sehr undankbare mittlere Position: Verantwortung für den Mist den deine Assistenzärzte mit Forschungsschwerpunkt klinisch so treiben, Lehre (inklusive Erstellen von Lehrplänen, Entwurf von Konzepten und Folien und natürlich das Dozieren selbst) und weiter hohen Publikationsdruck, Hintergrunddienste in denen du mit 45 Jahren nachts noch aus dem Bett geklingelt wirst. Ich antizipiere einen starken Abbau des biomedizinischen Forschungsstandortes Deutschland sowie einen deutlichen Mangel an Uni-Ärzten in ein paar Jahren. Es gibt meiner Meinung nach kaum eine Berufsgruppe in der die Arbeitsbelastung in so einem Missverhältnis zu Entwicklungsmöglichkeiten und (finanzieller) Wertschätzung steht wie bei Uni-Ärzen.

@Salatsultan:
Du bezeichnest dich als überrascht von der Reaktion auf diesen Verrat an der Ärzteschaft. Seid ihr Menschen beim Marbuger Bund ignorant und überlest das Stimmungsbild der deutschen Ärzteschaft auf Twitter, coliquio, medi-learn etc. oder blendet ihr es einfach wissentlich aus da ihr die Abhängigkeitsverhältnisse von Ärzten in Weiterbildung kennt? Du nennst selbst das Problem des geringen Verhandlungshebels aufgrund kaum vorhandener Streikbereitschaft. Wie wär es wenn der Marburger Bund an diesem systemischen Mangel des maximalen Ausgeliefertseins der Ärzt:innen in Weiterbildung arbeitet? Ihr habt auf so vielen Ebenen versagt und ich wünsche euch dass eure Mitgliederzahlen massiv leiden. Nochmal zusammengefasst:
- die Leistungsträger der Pandemie, maximal öffentlichkeitswirksam in sämtlichen Medien dargestellt (Ärztebelastung in Praxen und Kliniken waren monatlich Themen)
- zunehmende Personalflucht im deutschen Gesundheitssystem, katalysiert durch die Arbeitsverdichtung
- psychische Belastung durch die Pandemie-Übersterblichkeit in den überlasteten Kliniken (ich habe von meiner Covid-IMC an "guten Tagen" 2-3 Patienten verkabelt und auf Intensivstation geschoben, dabei unter persönlicher Schutzausrüstung geschwitzt und mir Ausschlag geholt - es war körperlich und psychisch kein normales Arbeiten mehr)
- Rekordinflation in einer deglobalisierenden Welt mit Rohstoffmangel
- zahlreiche deutsche Gewerkschaften die es besser vorgemacht haben und bessere Tarifabschlüsse erwirkt haben (meiner Meinung nach ist das deutsche Gewerkschaftssystem ein immerhin geringer Ausgleich zur höchsten Steuerbelastung weltweit)
-......

Ihr habt auf so vielen Ebenen versagt und euch überflüssig gemacht, shame on you. Bei 42 vertraglichen Wochenarbeitsstunden und nun 10 % Reallohnverlust pro Jahr kann ich nur sagen: Hört auf uns unsere Lebenszeit zu stehlen und ein "Fickt euch!" das von Herzen kommt.

Also, was ist nun die Handlungsrationale?
Wir brauchen wieder vermehrt Solidarität der deutschen Ärzteschaft untereinander und wieder mehr drive um diesen Beruf in Deutschland halbwegs attraktiv zu halten. Wir müssen auf die mangelden Qualitätskontrollen beim Import von ausländischen Ärzten und die resultierende Patientengefährdung öffentlichkeitswirksam hinweisen um dem Lohndumping entgegen halten zu können. Wir müssen die Kommerzialisierung der deutschen Medizin und durch die Klinikketten durch die Medien schleifen, mit gutem Beispiel geht ein Regensburger Orthopäde, Prof. Grifka (mit Bundesverdienstkreuz eine Instanz in seinem Bereich; https://www.donaukurier.de/lokales/landkreis-kelheim/professor-grifka-geht-gegen-asklepios-klinik-in-bad-abbach-vor-6412947 ) voran. Wir müssen der Servicementalität der deutschen (Inanspruchnahme von Facharztleistungen innerhalb von 3 Wochen als Recht, wenn nicht möglich, dann Aufsuchen einer Notaufnahme) Bevölkerung und das wahrgenommene Recht auf Spitzenmedizin zu jeder Zeit relativieren. Gute Medizin hat weiter ihren Preis. Ich werde demnächst meinen Twitteraccount vermehrt für das Hinweisen auf Missstände und Kritik, auch gegen den MB nutzen. Das obige Logo von diesem Saftladen und Parodie ist ein guter Start. Unterschätzt nicht eure Reichweite. Klärt Studierende und Kolleg:innen über die Beschlüsse und die starken Negativfolgen auf. Die Probleme enden ja nicht mit dem Verlassen der Klinik, die Rechenbeispiele über die Gewinnverluste der deutschen Praxen machen es anschaulich. Es ist eure Zukunft.

NitroBacter
28.08.2022, 13:17
Die Twitterantworten sind ja auch zum Verzweifeln, die scheinen ihre eigenen Zahlen nicht nachzurechnen. :-kotz

][truba][
28.08.2022, 13:19
zeigt mal einer n Link?

Tapsie
28.08.2022, 13:20
https://twitter.com/marburger_bund/status/1563101095416991745

rnn77
28.08.2022, 13:25
Der Maßstab für die Verhandlungen ist der Abschluss aus 11/2021 mit Verdi - und der ist eine schwere Hypothek. Signifikante Änderungen und Anpassungen der Entgelttabelle waren nicht erzielbar.

Danke für deine Antwort. Ich kann sie jedoch leider nicht ganz nachvollziehen, da mir anscheinend Hintergrundwissen fehlt.

Warum ist der Abschluss mit Verdi 11/2021 als Maßstab zu nehmen? Warum kann man sich nicht in die Verhandlung begeben und dass gleiche Einstiegsgehalt wie ein angestellter Lehrer fordern? Wie gesagt Lehrer sind absolut ihr Geld wert, darum geht es mir nicht. Das kannst du auch in jeder Talkshow dem Publikum erklären, dass Lehrer und Ärzte das gleiche Gehalt verdienen sollen.


Einstiegsgehalt eines angestellten Lehrers in Berlin beträgt 5701,88 Euro
Einstiegsgehalt Arzt Uniklinik 4938, 79 Euro

http://https://www.bz-berlin.de/ratgeber/beamter-oder-angestellter-welcher-lehrertyp-verdient-mehr (www.bz-berlin.de/ratgeber/beamter-oder-angestellter-welcher-lehrertyp-verdient-mehr)

schnix25
28.08.2022, 13:52
Mit diesem Tarifvertrag nimmt die Attraktivtät der Uni noch weiter ab. Man muss sich zum Vergleich mal nur den BG-Tarifvertrag anschauen, im ersten Jahr aktuell 300€ mehr pro Monat, und da wird der neue Vertrag erst noch verhandelt für nächstes Jahr.
Ich bin mal gespannt wie das in den Universitätklinikgremien aufgefasst werden wird. Wenn die Gehälter an städtischen Häusern mit weniger Wochenarbeitszeit besser sind als an den Unis, läuft ja wohl was falsch. Aber wahrscheinlich kann man da nur träumen, dass von Ordinarien Druck auf den MB aufgebaut werden wird. Insgesamt wird das die Personalsituation jedoch mit Sicherheit nicht entspannen an den Unis. Aktuell würde ich jeder Person absolut von der Uni abraten, sofern man sich nicht sicher ist, dass man die Habilitation unbedingt erreichen möchte. Alles andere gibt es auch an städtischen Häusern.
Interessant finde ich auch, dass zu den weiteren Forderungen wie Zeitzuschläge und weitere Tarifstufe für Oberärzte überhaupt keine Stellung mehr genommen wird. Das ist einfach restlos unter den Tisch gefallen. Und dass die Zeitzuschläge sich am Tabellentgelt orientieren, sollte doch dem MB wohl hoffentlich klar sein.

Relaxometrie
28.08.2022, 13:54
Wir müssen der Servicementalität der deutschen (Inanspruchnahme von Facharztleistungen innerhalb von 3 Wochen als Recht, wenn nicht möglich, dann Aufsuchen einer Notaufnahme) Bevölkerung und das wahrgenommene Recht auf Spitzenmedizin zu jeder Zeit relativieren. Gute Medizin hat weiter ihren Preis.
Neben den anderen richtigen Aspekten, die Du angesprochen hast, möchte ich diesen mal herausnehmen. Denn bzgl. der dringend erforderlichen Reduktion der Servicementalität einiger Patienten sehe ich eben leider auch null Verbesserungswillen seitens der Arbeitgeber und der Politik. Alles Jasager, die zwar die Not der ZNAs und der dort Arbeitenden sehen, aber "den Patienten nicht verprellen wollen" :-kotz Es ist einfach alles eine unsäglich widerliche Pampe, die keine Aussicht auf Verbesserung hat. Der MB scheint korrupt zu sein und die eigenen Pöstchen zu verteidigen, ohne das zu machen, was sie sollen, nämlich für die Basis zu kämpfen (siehe eines meiner Vorpostings; Erhöhung der Vorstandsgehälter in NRW/RLP um 10% zwischen 2019 und 2020).

Bluej
28.08.2022, 13:58
Grad einen Post vom MB auf Twitter gelesen:
"In Tarifverhandlungen kann man nicht wahllos alles fordern, was einem wichtig ist. Man kann kann nur das zum Gegenstand der Verhandlungen machen, was kündbar war. Da gibt es Fristen, die sich aus dem Tarifvertrag ergeben. Deshalb ging es jetzt primär um Geld. Beim nächsten anders"

Soso es ging also dieses mal primär um Geld...

freak1
28.08.2022, 14:07
Jeder von uns sollte sofort austreten. Falls das genug tun, entzieht man dem MB die Grundlage (das Recht auf Vertretung der Mitglieder in den Verhandlungen) und dann wird dort schon gut Panik aufkommen.

Relaxometrie
28.08.2022, 14:10
Jeder von uns sollte sofort austreten. Falls das genug tun, entzieht man dem MB die Grundlage (das Recht auf Vertretung der Mitglieder in den Verhandlungen) und dann wird dort schon gut Panik aufkommen.
Kann man doch nicht machen :-)) Die armenarmenarmen Vorstände verhungern dann bestimmt.

rnn77
28.08.2022, 14:23
Leider hat der Marburger Bund bis heute nicht kommuniziert, wer wie abgestimmt hat. Man muss hierbei wissen, dass es eine kleine und eine große Tarifkommission gibt. Die Mitglieder lassen sich googlen. Eine Erklärung für die schlechten Verhandlungen wäre es, dass dort eine viel Zahl an Juristen und kaum Weiterbildungsassistenten sitzen. Somit würde die zahlenden Mitgliedern durch die eigene Tarifkommision nicht richtig repräsentiert werden, da ihre Interessenvertreter in diesen Gremien überhaubt nicht sitzen.

Ich fang mit der kleine Tarifkommision an
[http://www.marburger-bund.de/bundesverband/der-marburger-bund/der-verband/tarifgremien/kleine-tarifkommission

Bauer, Klaus-Martin - Bayern = Anwalt

Beermann, Dr. Claus - NRW/RLP = Facharzt
Bigge, Sandra - Baden-Württemberg = Ass. jur
Botzlar, Dr. Andreas - Bundesvorstand = Facharzt
De Noni, Sven - Niedersachsen = Rechtsanwalt
Dierkes, Dr. Christine - Bayern = Ärztin
El-Hamid, Dr. Feras - NRW/RLP = Arzt
Janke, Dr. Christoph - Baden-Württemberg = Oberarzt
Kerner, Dr. Dorothea - Saarland = Oberärztin
Kühnau, Dr. Hans-Christoph - Hamburg = Facharzt
Ottmüller, Sylvia - Bundesvorstand = Fachärztin
Roy, Dr. Sebastian - Thüringen = Oberarzt
Sorge, Dr. Jonathan - NRW/RLP = Arzt
Twardy, Christian - Bundesvorstand= Jurist
Wagner, Andreas - Hessen = Jurist
Weber, Jürgen A. - NRW/RLP = Oberarzt
Werner, Dr. Thomas - Berlin-Brandenburg = Facharzt
Wessendorf, Michael - Schleswig-Holstein = Facharzt


Zusammenfassung:

Die kleine Tarifkommission besteht aus 18 Personen. Davon sind 5 Juristen und 13 Ärzte. Von den Ärzten sind 10 Fachärzte und 3 Ärzte.
Von diesen 3 Ärzten ist leider mir nicht ganz klar, ob sie noch in der Weiterbildung sind oder bereits Facharzt.

Damit sind jedoch ganz klar die Weiterbildungsassistenten nicht genug vertreten in der kleinen Tarifkommision. Das ist eine weitere Erklärung für das Verhandlungsergebniss und warum ein angestellter Lehrer zum Einstieg in Berlin mehr verdient als eine Arzt zum Einstieg. Diese Realität betrifft die Tarifkommision überhaupt nicht.

Wer möchte kann sich gerne noch die zusätzlichen Mitglieder der großen Tarifkommision ansehen. Die meisten der Leute haben auch eine Email Adresse und werden sicherlich gerne erklären, wie es zu so einem Ergebniss kommen konnte. Natürlich muss dieser Austauch gesittet und höfflich und respektvoll stattfinden.

freak1
28.08.2022, 14:27
Es gibt viele, sehr gut bezahlte Aufsichtsratsposten bei verschiedensten Klinikkonzernen, da verhungert niemand. ;)

Cor_magna
28.08.2022, 14:34
Hatte kürzlich überlegt beim MB einzutreten, glaub ich denk da nochmal drüber nach...

Relaxometrie
28.08.2022, 14:36
Bei Twitter schreibt der MB:
"In Tarifverhandlungen kann man nicht wahllos alles fordern, was einem wichtig ist. Man kann nur das zum Gegenstand der Verhandlungen machen, was kündbar war. Da gibt es Fristen, die sich aus dem Tarifvertrag ergeben. Deshalb ging es jetzt primär um Geld."
Daraus muss man doch wohl schließen "Was interessiert mich mein Gewäsch von gestern", oder? War die primäre Forderung von 8,9% Gehaltserhöhung also von Anfang an formal falsch?

Bonnerin
28.08.2022, 14:44
Die gewünschte Tabelle steht auch so in der aktuellen MB-Zeitung, die gestern gekommen ist. Ein r/agedlikemilk-Moment.

Johna kann halt gut hohl quatschen, sonst auch nichts. Aber CDU-Mann Henke war ja auch nicht besser. Ich denke, ich suche die Unterlagen mal um auch auszutreten. Wobei ich noch auf eine Mitgliedsbefragung und eine krasse Ohrfeige für dieses "Ergebnis" hoffe.