PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TdL Tarifverhandlungen 2022



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 [26] 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38

dissection
05.09.2022, 19:14
Ich mach halt jetzt noch den Facharzt, das wird leider dauern, aber hab eigentlich derzeit ne ganz akzeptable Stelle.
Mein Credo ist also tatsächlich *nur* so entspannt wie möglich zum FA zu kommen. Ich hatte mal Ambitionen aber seit dem PJ gibts die nicht mehr.
Und spätestens danach (also nach dem FA) bin ich dann mal wieder weg.
Ich bin Zweitstudentin gewesen und habe `nen Master in internat. BWL. Ich kann also auch woanders wieder einsteigen. Bin zwar raus aus der Materie aber mit Master und Facharzt eröffnen sich sicher neue interessante Aspekte.... Und vor allem ohne diesen Tarifscheiß. Und noch wichtiger: Nicht in einer Klinik.

Gratuliere zu dieser vernünftigen Entscheidung. Ich rate jüngeren Familienmitgliedern und Bekannten tatsächlich aktiv vom Karriereweg der Medizin ab, die letzten 100 Seiten liefern Begründungen genug. Schade um den mal ganz abwechslungsreich gewesenen Job.

Arrhythmie
05.09.2022, 20:35
Kollege hat letztens zu mir gesagt: Ich mag Dich, Du bist gut, ich will dass Du bleibst. Lass Dich nicht verheizen.

Ja... das hat mir zusätzlich zu denken gegeben. Stück für Stück.... Erst dieses PJ was objektiv gar nichtmal so schlimm war im Vergleich (aber auch hier hat man einfach das erste Mal *so richtig* bemerkt wie es mit der Wertschätzung der eigenen Arbeit bestellt ist... und mir persönlich ist das *leider* wichtig. Ich arbeite gerne, ich gebe gerne, aber wenn wenig bis nichts zurück kommt kehrt sich das bei mir zügig um)
Dann andere Kleinigkeiten die sich irgendwann aufsummieren. Jetzt das hier.... Also es kommt genug zusammen. Ich bereue mein Zweitstudium nicht, keineswegs, ich mag Medizin einfach. Aber es wird für mich nach dem FA (das dauert eh noch lange genug...) tatsächlich Zeit einen anderen Weg einzuschlagen wo ich mein Erst- und Zweitstudium verbinden kann oder eben einfach anderweitig profitiere. Ich hab es zwar bisher eher ausgeschlossen aber so wie sich das hier in D entwickelt muss ich sagen dass ich das Spiel nicht unbegrenzt lange weiterspielen werde.

Relaxometrie
05.09.2022, 21:17
Aber es wird für mich nach dem FA (das dauert eh noch lange genug...) tatsächlich Zeit einen anderen Weg einzuschlagen wo ich mein Erst- und Zweitstudium verbinden kann oder eben einfach anderweitig profitiere.
Die Krankenhäuser sind voll mit Ärzten, die "noch dieses oder jenes erreichen möchten" und planen, dann auszusteigen. Sehr viele steigen nie aus und so wird das System von verständlicherweise unzufriedenen Ärzten aufrechterhalten.
Ich kritisiere nicht, dass Du noch bis zum FA im Krankenhaus bleiben möchtest. Ich habe es ja selbst mit Fach- und Stellenwechseln versucht und lange ebenfalls dazu beigetragen, dass das System immer noch nicht vor die Wand fährt.
Aber wenn Du auch schon vor dem FA eine Möglichkeit hast, auszusteigen, würde ich es machen. Auf jeden Fall sollte man nicht im Krankenhaus bleiben, weil man hofft, dass "es besser wird". Das ist meiner Meinung nach in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Gleichzeitig hoffe ich, dass ich mich mit dieser Prognose täusche.

Dooly
05.09.2022, 22:22
„Trauriges Highlight“ fasst es vorläufig abschließend passend zusammen.

Die Dinge werden sich ändern, wenn es irgendwann nicht mehr läuft, also ziemlich sicher mit der Zeit. Um die Defizite im System zu demaskieren, können alle einen Beitrag leisten (ohne direkt alle Zelte abzubrechen) und ansonsten wird’s einfach dauern.

Vor ein paar Tagen kam eine Reportage von Team Upward online mit dem Titel „Ärzte überm Limit: Wenn im Krankenhaus nur noch der Gewinn zählt“, das u. a. auch die Auswertung des MB Monitor thematisiert. Fand die Doku so bla, weil irgendwie alles old news. Das Interview mit der Ärztin Tina Rudolph (Gesundheitsausschuss Bundestag, SPD) fand ich ganz interessant zu sehen. https://youtu.be/_AB7kmblXZ0

Als Nächstes wird eine der größeren Baustellen sein, das Gehalt mit der VKA neu zu verhandeln. Vielleicht ist es auch ganz wissenswert, was der MB bei den Privaten so reißen kann. Verdi hatte vor Wochen für Helios NDS eine Mitgliedsbefragung zum Angebot von Helios durchgeführt. Hab nicht rausgefunden, was dabei raus kam, die Abstimmung lief bis Ende August. Fand das Angebot schon deutlich schwächer, als die Forderungen. Falls das Angebot abgelehnt wird, müsste konsequenterweise bei Verdi gestreikt werden. Dann würde das für den MB bedeuten a) Streik nicht möglich und b) große Forderungen nicht möglich. Aber vielleicht steht Helios ja eh momentan nicht an.

Ah, P. S.: Es würde mich freuen von Rückmeldungen des MBs zu lesen. Ich hab immer noch keine Antwort.

Relaxometrie
05.09.2022, 22:57
Fand die Doku so bla, weil irgendwie alles old news. Das Interview mit der Ärztin Tina Rudolph (Gesundheitsausschuss Bundestag, SPD) fand ich ganz interessant zu sehen.
Ja, die Doku, die ich mir nur angesehen habe, weil sie kurz und knackig und nicht eine dieser Endlosreportagen ist, bringt genau NICHTS Neues. Man kann es nicht mehr hören, weil die gleichen Themen seit Jahren durchgekaut werden, sich aber nur wenige Dinge im Schneckentempo verbessern.
Die SPD-Politikerin kann auch alles nur bedauern und schrecklich finden. Sie sagt, sie könne sich nicht vorstellen, dass es im pflegerischen und ärztlichen Bereich zu noch weiterem Personalabbau kommen könne. Tja, dann kennt sie die Krankenhausverwaltungen eben noch nicht gut genug.
Dann wird noch gesagt, dass in dieser Legislaturperiode die Fallpauschalen in der Geburtshilfe und in der Pädiatrie reformiert werden sollen. Bedeutet also: die anderen Fachgruppen warten nochmal mindestens vier Jahr darauf, refomiert zu werden (restliche Legilaturperiode der aktuellen Regierung + die Zeit, die eine Regierung nach den nächsten Wahlen erstmal braucht, um sich konkret inhaltlichen Dingen widmen zu können)?
Ich habe es weiter oben ja schonmal geschrieben: wenn man auf baldige Veränderungen hofft, um dadurch für sich akzeptable Arbeitsbedingungen zu bekommen, sollte man das Krankenhaus verlassen.

Zu den Rückmeldungen des MB: bisher weder auf meine kurze Mail an den Landesverband, in der ich mitgeteilt habe, dass ich den Tarifvertrag für Uniklinikärzte schlecht finde, noch eine endgültige Bestätigung meiner Kündigung.

Nefazodon
05.09.2022, 23:30
Hier auch nichts Neues. Hatte schon Befürchtungen meine Mail wäre im Spamfilter hängen geblieben, aber wenn ihr auch nichts gehört habt, kann es das ja nicht sein.

Markian
06.09.2022, 08:13
Bei mir kam auch nichts, wenn man sich aber anschaut, was die Piloten alles durchboxen, dann wird man wirklich traurig. Warum schaffen wir das nicht?:-nix

Heerestorte
06.09.2022, 08:16
Man muss sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen, was da los ist....

Oder mal die Menschheit fragen:
"Ist euch euer Flug in den Urlaub oder die Gesundheit wichtiger?"

Und obwohl den allermeisten letzteres wichtiger ist, werden die Provider dieser Bereiche so behandelt...

Arrhythmie
06.09.2022, 15:50
Echt verrückt (von unserer Position aus) was die Piloten treiben. Oder auch: Genau richtig so!

Wenn es nicht so zum heulen wäre würde ich mich darüber kaputt lachen was man mit uns treibt.

Endoplasmatisches Reticulum
06.09.2022, 16:40
Nah! Euch fehlen bloß das gesundheitsökonomische Grundverständnis und die 10jährige praktische Erfahrung in Tarifverhandlungen, um zu verstehen, dass das bei uns alles ganz anders ist und der Topf nunmal einfach leer ist und die Arbeitgeber bei uns sowieso nicht mit sich verhandeln lassen und mehr halt einfach nicht geht.

Markian
06.09.2022, 16:57
Dann muss man den Topf halt größer machen.

Evidence based
06.09.2022, 17:34
Dann muss man den Topf halt größer machen.

Der Topf ist groß genug, man verpulvert den Inhalt nur an den falschen Stellen.

Endoplasmatisches Reticulum
06.09.2022, 20:18
Der Topf ist groß genug, man verpulvert den Inhalt nur an den falschen Stellen.
Und das ist eine makropolitische Problemstellung, die über Arbeitskampfmaßnahmen nicht adressiert werden kann.

FirebirdUSA
06.09.2022, 21:34
Der Topf ist groß genug, man verpulvert den Inhalt nur an den falschen Stellen.

Wirklich? Na dann erläutere doch mal den Masterplan. An vielen Stellen wird sicher unnötig Geld ausgegeben, aber das Problem ist so Vielschichtig, dass ich ehrlich gesagt nicht so richtig weiß wie das Problem gelöst werden soll.
..

Evidence based
07.09.2022, 04:28
Wirklich? Na dann erläutere doch mal den Masterplan. An vielen Stellen wird sicher unnötig Geld ausgegeben, aber das Problem ist so Vielschichtig, dass ich ehrlich gesagt nicht so richtig weiß wie das Problem gelöst werden soll.
..

Es gibt natürlich keinen Masterplan. Es gibt bei den vielen unterschiedlichen Interessen auch kaum Möglichkeiten für wirklich tiefgreifende Reformen. Ich sage nur, dass wir prinzipiell einen ziemlich großen Topf an Geld haben, der aktuell an vielen Stellen nicht sinnvoll eingesetzt wird. Einen noch größeren Topf wird man nicht bekommen.

Thomas24
07.09.2022, 09:59
Es gibt natürlich keinen Masterplan. Es gibt bei den vielen unterschiedlichen Interessen auch kaum Möglichkeiten für wirklich tiefgreifende Reformen. Ich sage nur, dass wir prinzipiell einen ziemlich großen Topf an Geld haben, der aktuell an vielen Stellen nicht sinnvoll eingesetzt wird. Einen noch größeren Topf wird man nicht bekommen.

Vor allem nicht in Zeiten, in denen der Kuchen insgesamt anfängt zu schrumpfen.

Relaxometrie
07.09.2022, 10:09
Wirklich? Na dann erläutere doch mal den Masterplan.
Mir würden da schon Dinge einfallen. Ob die finanziell allerdings wirklich so stark ins Gewicht fallen, kann ich nicht beurteilen. Allerdings denke ich schon, dass es dicke Brocken sind:

-Krankenkassenanzahl nochmal deutlich reduzieren
-Sinnlose Maximalmedizin am Lebensende reduzieren
-Bürokratie reduzieren
-Das Notfallsystem mit Notaufnahmen in den Krankenhäusern und dem KV-Notdienst endlich so stärken, dass Pillepalleanfragen von fordernden Patienten abgewiesen werden dürfen. Setzt natürlich fachärztliche Triage voraus und kann nicht von einem Berufsanfänger in einer Notaufnahme geleistet werden, der zu seiner eigenen Sicherheit natürlich zu einer Überdiagnostik neigt.

Diese Punkte werden ja auch immer wieder mal diskutiert und von der Politik durchgekaut. Aber auch die Politik scheint leider eine Absicherungsmentalität zu nutzen und kann sich zu keinen dringend erforderlichen, auch machbaren, aber einschneidenen Änderungen durchringen. Stattdessen wird hier noch ein Gutachten eingeholt, dort nochmal diskutiert (gefaselt, lamentiert) und letztlich nichts entschieden.

Thomas24
07.09.2022, 10:16
Mir würden da schon Dinge einfallen. Ob die finanziell allerdings wirklich so stark ins Gewicht fallen, kann ich nicht beurteilen. Allerdings denke ich schon, dass es dicke Brocken sind:

-Krankenkassenanzahl nochmal deutlich reduzieren
-Sinnlose Maximalmedizin am Lebensende reduzieren
-Bürokratie reduzieren
-Das Notfallsystem mit Notaufnahmen in den Krankenhäusern und dem KV-Notdienst endlich so stärken, dass Pillepalleanfragen von fordernden Patienten abgewiesen werden dürfen. Setzt natürlich fachärztliche Triage voraus und kann nicht von einem Berufsanfänger in einer Notaufnahme geleistet werden, der zu seiner eigenen Sicherheit natürlich zu einer Überdiagnostik neigt.

Diese Punkte werden ja auch immer wieder mal diskutiert und von der Politik durchgekaut. Aber auch die Politik scheint leider eine Absicherungsmentalität zu nutzen und kann sich zu keinen dringend erforderlichen, auch machbaren, aber einschneidenen Änderungen durchringen. Stattdessen wird hier noch ein Gutachten eingeholt, dort nochmal diskutiert (gefaselt, lamentiert) und letztlich nichts entschieden.

Habe keine aktuellen Zahlen, aber das letzte Mal, als ich in die Daten geguckt habe wurden nur knapp 16% durch den (niedergelassenen) ärztlichen Bereich verursacht und knapp 84% der Kosten nicht durch den ärztlichen Bereich verursacht. Heilmittel/Hilfsmittel, Pharma, allgemeine und besondere Verwaltung usw.

Choranaptyxis
07.09.2022, 10:29
-Krankenkassenanzahl nochmal deutlich reduzieren

Wofür man alleine 11 AOK braucht, hat sich mir noch nie erschlossen.

freak1
07.09.2022, 15:27
Irgendwo muss man doch Freunde und Bekannte (z.B. als Politiker) lukrativ unterbringen können. Da bieten sich solche Mehrfachstrukturen an. Die Stellen im ÖRR sind leider begrenzt.