PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was haltet Ihr von Homöopathie?



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 [9] 10

Simone_th
15.08.2008, 12:23
Da es zu meinen Vorlieben gehört uralte Threads auszugraben....
Wie geht Ihr mit Patienten um, die fest an Homöopathie und andere, nicht belegbare Wirkungen von Medikamenten und Pflanzen glauben? Ich beobachte bei mir, besonders aber bei meinen fortgeschritteneren Kollegen eine bestimmte Hilfslosigkeit bei diesem Thema. Denn so einfach, wie man es gerne hätte, ist es leider nicht zu handhaben. Denn irgendwie handelt es sich dabei um Glaubensfragen, die es sicher zur berücksichtigen gilt. Ich möchte folgenden, fiktiven, hoffentlich nicht zu weit hergeholten, Vergleich ziehen:

Eine Frau entbindet nach einer Risikoschwangerschaft, aus medizinischen Gründen, ebenfalls aus sozialen, ist es, was sie selbst auch sieht, davon abzuraten, in nächster Zeit eine weitere Schwangerschaft zu riskieren. Das Naheliegenste ist dabei, ihr eine wirksame Verhütung zu verabreichen. Sobald man ihr aber eine Spirale oder Pille empfiehlt, blockt sie ab und meint, aus religiösen Gründen käme ein solches Mittel nicht in Betracht. Dabei sehe ich es als Pflicht an, dies zu berücksichtigen, und gemeinsam Alternativen zu diskutieren, obwohl ihr Einwand wissenschaftlich nicht belegar ist und einzig mit ihrem Glauben in Verbindung steht. Man diskutiert am Ende eine Lösung, die aus ärztlicher Sicht nicht optimal ist, aber für die Frau vertretbar ist.

Nehmen wir dann einen zweiten Fall, eine Frau, welche nicht einem christlichen Ideal nachgeht, sondern ihren "Glauben" an die Homöopathie hat und Einwände zur Sprache bringt, die ebenfalls nicht belegbar ist. Etwa bei einer Ovarialzyste. Eine Therapie mit Gestagenen ist angezeigt, aus medizinischer Sicht spricht alles dafür. Die Frau glaubt aber an die Homöopathie und lehnt die Einnahme von künstlichen Hormonen ab. Stattdessen präferiert sie die Einnahme irgendwelcher Globuli die ihr ihre Homöopathien empfohlen hat. Eine Wirkung ist nicht belegbar, aber es handelt sich am Ende wiederum um eine Glaubensfrage. Wie soll man dabei reagieren? Wie im ersteren Fall eine suboptimale Therapie in Kauf nehmen, weil eine andere Behandlung aufgrund ihres "Glaubens" nicht vereinbar wäre? In beiden Fällen handelt es sich um Einwände, die wissenschaftlich nicht belegbar sind, jedoch im Bezug auf das persönliche Wohlbefinden der Patientin zu berücksichtigen sind.

Evil
15.08.2008, 12:51
Prinzipiell kann ich einem Patienten eine Therapie ja nur anbieten und ihn nicht dazu zwingen. Wenn sich jemand also nach ausführlicher Beratung hartnäckig weigert, meinen Vorschlägen zu folgen, nun, dann ist das seine freie Entscheidung.
Mehr als versuchen, jemanden zu überzeugen, können wir nicht.
Allerdings sehe ich dann auch keinen Sinn darin, den Patienten weiter zu behandeln.
:-meinung

SkyFire
14.09.2008, 13:50
Mein Buchtipp zum Thema "Alternative Medizin":

"TRICK OR TREATMENT - Alternative Medicine On Trial" von Simon Singh und Edzard Ernst

Leider bisher nur in englischer Sprache.

Mit evidenzbasierten Daten zu allen möglichen alternativen Richtungen insbesondere Akupunktur, Homöopathie, Chiropraktik und Pflanzenheilkunde.

Edzard Ernst ist Professor für Komplementäre Medizin in Exeter und überraschend nüchtern, was die Beurteilung der Wirksamkeit von Alternativer Medizin angeht.

Simon Singh kennt man als Autor anderer populärwissenschaftlicher Werke (i.e. "Fermats letzter Satz").

Grüße...

anba
14.09.2008, 14:48
Mit evidenzbasierten Daten zu ... Homöopathie, Ähem, das klingt etwas missverständlich.... :-))

milz
14.09.2008, 17:07
Gibt es eigentlich für die "Pille", Viagra, Insulin oder ähnliche Medikamente schon Konkurrenzprodukte in Form hochpotenter Globuli? Da hätte man mal Indikationen mit einem harten Endpunkt, wo man sich nicht rausreden kann, wenn es in die Hose geht.

SkyFire
14.09.2008, 20:37
Ähem, das klingt etwas missverständlich.... :-))

Wieso sollte es keine evidenzbasierten Daten zu Homöopathie geben? Ich habe ja nicht behauptet, das diese eine Wirksamkeit jenseits des Placeboeffektes nahelegen... Buch lesen... :-D

Linda.1001
21.09.2008, 11:32
http://pseudowissenschaft.marcus-haas.de/medizin/wasser.html



http://www.pro-physik.de/Phy/leadArticle.do?laid=5992


ich werf mal nen bisschen Zündstoff in die Diskussionsrunde


Homöopathie ist unterlassene Hilfeleistung :-meinung

hennessy
21.09.2008, 12:16
....


Homöopathie ist unterlassene Hilfeleistung :-meinung
warum funktioniert dann manches z.B. bei Tieren?
Placebo-effekt scheidet ja aus. Was ist es dann?

stud_tir
21.09.2008, 13:00
Wieso sollte der Placebo-Effekt ausscheiden?
Auch ein Hund fühlt sich vielleicht besser, wenn Herrchen/Frauchen sich um ihn kümmert oder hat gelernt, dass Schmerzen weggehen, wenn der komische Tierarzt eine Spritze gibt.
Abgesehen davon: Welche Studie zeigt denn diese Wirksamkeit? Und geht dabei über die "ich habe es so empfunden, dass es meinem Hund danach besser ging" (also quasi ein Placebo-Effekt beim Besitzer).

Ich kenne keine einzige Studie, die Wirksamkeit über dem Placebo-Effekt bei Homöopathie findet - aber einige (hier bereits verlinkte), die *keine* Wirksamkeit finden.

Linda.1001
21.09.2008, 13:10
warum funktioniert dann manches z.B. bei Tieren?


Also bei meinem Hamster wurde auch ein homoöpathisches Mittel gegen eine Pneumonie gegeben, was ich bis heute als unterlassene Hilfeleistung ansehe!!! Ein Antibiotikum hätte ihn wahrscheinlich eher retten oder helfen können als sowas. :-(

Die Veterinäre in diesem Forum mögen wahrscheinlich eher was dazu sagen können aber das ist meine Meinung. :-nix

Wo sind hier bitte die Studien die den Gegenbeweis bzw die Wirksamkeit dieser Mittel beweisen? Quellen?

stud_tir
21.09.2008, 13:41
Wo sind hier bitte die Studien die den Gegenbeweis bzw die Wirksamkeit dieser Mittel beweisen? Quellen?Eigentlich muss die Wirksamkeit eines Mittels bewiesen werden - und zwar im Vergleich zum Placebo-Effekt und in einer Blindstudie. Also Bitte - wo sind diese Studien?
Studien von beispielsweise Edzard Ernst (http://www.pms.ac.uk/compmed/ernst.htm) zeigen, dass Homöopathie nicht mehr und nicht weniger ist als ein Placebo (ein Interview beispielsweise im Heise Technology Review (http://www.heise.de/tr/Homoeopathika-sind-Placebos--/artikel/110778)).

Die Diskussion mit Homöopathie-Gläubigen ist genau das - die Diskussion um eine Religion. Und leider entzieht sich die Diskussion um Religion immer noch der Evidenz. Ich kann auch glauben, dass das Wasser von Lourdes heilt, Beweise dafür gibt es nicht. Ist ungefähr genauso sinnvoll wie der Glaube an "besondere Informationen im Wasser" oder an eine geheimnisvolle Lebenskraft.
Auch Bachblüten, Energiekristalle und Handauflegen sind "unwiderlegbar" - solange eine Behandlungsmethode sich evidenzbasierten Untersuchungen entzieht ("die klassische Wissenschaft kann gar nicht fassen was hier passiert", etc).

Also bitte liebe Gläubigen - überlegt euch ganz genau, was Glaube ist (und ob ihr einen persönlichen Glauben einem Patienten antun könnt und ob ihr dann nicht lieber Theologie studieren solltet) und was Evidenz-basierte Behandlungsmethode ist...

SkyFire
22.09.2008, 19:07
E
Studien von beispielsweise Edzard Ernst (http://www.pms.ac.uk/compmed/ernst.htm) zeigen, dass Homöopathie nicht mehr und nicht weniger ist als ein Placebo

Von dem eben (neben Simon Singh) oben von mir erwähntes, wirklich lesenswertes Buch stammt. In diesem wird u.a. widerlegt, dass es bei Tieren keinen Placeboeffekt gibt. Die Argumentation ist die von stud tir kurz angerissene. Gleiches gilt für Babies.

Zuckertablettsche gefällig? :-keks

airmaria
26.08.2010, 09:34
hier mal ein schöner "übersichtsartikel" (http://bazonline.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Ist-die-Homoepathie-wirkungslos/story/25596518) zum thema, zwar nicht wissenschaftlich, dafür aber wahr :-))

wie auch immer, es kann wirklich nicht sein, dass die kosten für homöopathie von der allgemeinheit getragen werden! daher finde ich es wichtig, dass solche aktionen - wie die aktuelle kampagne (http://www.1023.org.uk/) in england - laufen!
airmaria

Pherenike
29.08.2010, 15:22
In einem Blog gefunden:

Bei richtiger Anwendung wirkt Homöopathie:

Homöopathie wirkt (http://www.herzdamengeschichten.de/2010/08/04/hausapotheke/)

:-D

Muriel
29.08.2010, 15:50
Hehe, sehr schön :-))

Die Niere
29.08.2010, 19:26
In einem Blog gefunden:

Bei richtiger Anwendung wirkt Homöopathie:

Homöopathie wirkt (http://www.herzdamengeschichten.de/2010/08/04/hausapotheke/)

:-D
Kann ich mir richtig gut vorstellen wie der Kleine überall die Globuli hängen hat und damit rumspielt...muss mir auch welche besorgen wenn ich mal nen Kind hab :-D

lg, n

Hoppla-Daisy
29.08.2010, 19:35
Sehr geil :-top

Mondo Medicale
22.09.2010, 01:03
Meine Mutter hatte Brustkrebs und nachdem sie eine Weile irgendwelche Globuli genommen und ihre Ernährung auf Budwig Kost umgestellt hatte, war er weg und ist bisher nicht wiedergekommen. Was jetzt genau geholfen hat, weiß ich auch nicht. Möglicherweise ein dicker, fetter Placebo-Effekt, weil sie jahrelange, vehemente Verfechterin der Homöopathie ist...
Nur so als kleinen Einwurf... Ich habe selbst keine wirkliche Meinung zur Homöopathie, da ich mich (noch) nicht damit auskenne. Ich bin aber grundsätzlich allem gegenüber offen, aber kritisch.

Annabell Lee
26.09.2010, 17:40
In unserer Arbeitsgruppe hat eine Doktorandin die Validität homöopathischer Studien untersucht und das Urteil war vernichtend: Keine genügte den Anforderungen guter wissenschaftlicher Praxis!

Sofern der Placeboeffekt ausreicht, reicht auch Homöopathie; sonst ist es unterlassene Hilfeleistung.

Homöopathie ist vielleicht das Mittel der Wahl für die Patienten, die selbst von einem Affen behandelt werden könnten...und eben deshalb nicht behandelt werden sollten...

Tellerrand
25.04.2011, 17:23
Man muss ja als Arzt nicht an die Homöopathie glauben. Aber man kann sich vielleicht ein paar Sachen von ihr abschauen.. Ein Artikel dazu in der ZEIT: "Glauben und Globuli - Die Homöopathie wird leidenschaftlich geschmäht und geliebt. Was die Schulmedizin von ihr lernen kann" http://www.zeit.de/2010/50/Homoeopathie