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Lava
23.02.2012, 16:32
Kann man frische und alte Ausrisse tatsächlich im Röntgen differenzieren?


Selbstverständlich kann man das.

PsychoFan
23.02.2012, 18:15
Manchmal macht es Sinn das Ganze aus der Patientensicht zu erleben. Acht wartende Patienten (ich war Nummer 8), um drei Uhr angekommen, nach drei Stunden liegen auf den Stühlen (alle Liegen belegt) mal kurz nach Hause sich ein Schmerzmittel spritzen, weil es nicht mehr auszuhalten war, dann zurück und noch zwei weitere Stunden.

Nachdem ich nach 5 Stunden beim Arzt nicht drangekommen bin (in der Zwischenzeit keine neuen Zugänge) bin ich in ein anderes KH gefahren. Das Lustige war, als ich ging, war das vier Stunden zuvor abgenommene Labor immer noch nicht fertig.

Irgendwie war es erniedrigend, muss ich sagen, wenn man da so liegt auf den Stühlen, vor Schmerzen gekrümmt und herablassend von oben von vorbeigehenden Schwestern angeschaut wird. Als Arzt gehe ich nicht in eine Rettungsstelle, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Behandeln kann ich mich selbst, mit Untersuchen ist es jedoch ein bisschen schwieriger, gerade wenn der Grund des Erscheinens eine gastrointestinale Blutung ist. Entschuldigt bitte meine Vulgarität: Ich kann mir ja schlecht selbst ein Endoskop in den Hintern stecken. Da ich in der Psychiatrie arbeite, habe ich leider auf Arbeit auch keins parat, sonst wäre ich auf Arbeit gefahren und hätte den Diensthabenden um Hilfe gebeten.

Ist ja nicht neu, diese Rettungsstelle ist ja bekannt, nach Todesfällen nach 11-stündiger Wartezeit in Vergangenheit soll sich was geändert haben. Hat sich aber nicht. Aus der Vergangenheit, selbe Rettungsstelle: Herzrhythmusstörung nach Thoraxtrauma - EKG verweigert, entscheidet ja der D-Arzt (da auf Arbeit passiert), der ist jedoch im OP. Wann er zurück sein werde - in mindestens drei Stunden.

Als Arzt hat man es leichter - wenn nötig, kann man die Rettungsstelle wechseln, ein Taxi zu bezahlen kann man sich leisten, man setzt sein Leben nicht unnötig aufs Spiel, gibt halt paar Euro aus und fährt woanders hin. Ich bin halt nicht der Typ, der Krawalle machen kann und sich durchsetzt, ist vielleicht mein Fehler, vielleicht sollte ich mich ändern statt zu jammern.

Vielleicht bin ich auch zu hysterisch oder auch einfach narzisstisch gekränkt, doch es hat mich echt getroffen, die ganze Geschichte. Der Schmerz und die Angst um die eigene Gesundheit sind zu verkraften, aber das Gefühl auf andere angewiesen zu sein und keine Hilfe zu erhalten und das noch unter Kollegen - das kränkt.

dreamchaser
23.02.2012, 18:30
Manchmal macht es Sinn das Ganze aus der Patientensicht zu erleben. Acht wartende Patienten (ich war Nummer 8), um drei Uhr angekommen, nach drei Stunden liegen auf den Stühlen (alle Liegen belegt) mal kurz nach Hause sich ein Schmerzmittel spritzen, weil es nicht mehr auszuhalten war, dann zurück und noch zwei weitere Stunden.

Nachdem ich nach 5 Stunden beim Arzt nicht drangekommen bin (in der Zwischenzeit keine neuen Zugänge) bin ich in ein anderes KH gefahren. Das Lustige war, als ich ging, war das vier Stunden zuvor abgenommene Labor immer noch nicht fertig.

Irgendwie war es erniedrigend, muss ich sagen, wenn man da so liegt auf den Stühlen, vor Schmerzen gekrümmt und herablassend von oben von vorbeigehenden Schwestern angeschaut wird. Als Arzt gehe ich nicht in eine Rettungsstelle, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Behandeln kann ich mich selbst, mit Untersuchen ist es jedoch ein bisschen schwieriger, gerade wenn der Grund des Erscheinens eine gastrointestinale Blutung ist. Entschuldigt bitte meine Vulgarität: Ich kann mir ja schlecht selbst ein Endoskop in den Hintern stecken. Da ich in der Psychiatrie arbeite, habe ich leider auf Arbeit auch keins parat, sonst wäre ich auf Arbeit gefahren und hätte den Diensthabenden um Hilfe gebeten.

Ist ja nicht neu, diese Rettungsstelle ist ja bekannt, nach Todesfällen nach 11-stündiger Wartezeit in Vergangenheit soll sich was geändert haben. Hat sich aber nicht. Aus der Vergangenheit, selbe Rettungsstelle: Herzrhythmusstörung nach Thoraxtrauma - EKG verweigert, entscheidet ja der D-Arzt (da auf Arbeit passiert), der ist jedoch im OP. Wann er zurück sein werde - in mindestens drei Stunden.

Als Arzt hat man es leichter - wenn nötig, kann man die Rettungsstelle wechseln, ein Taxi zu bezahlen kann man sich leisten, man setzt sein Leben nicht unnötig aufs Spiel, gibt halt paar Euro aus und fährt woanders hin. Ich bin halt nicht der Typ, der Krawalle machen kann und sich durchsetzt, ist vielleicht mein Fehler, vielleicht sollte ich mich ändern statt zu jammern.

Vielleicht bin ich auch zu hysterisch oder auch einfach narzisstisch gekränkt, doch es hat mich echt getroffen, die ganze Geschichte. Der Schmerz und die Angst um die eigene Gesundheit sind zu verkraften, aber das Gefühl auf andere angewiesen zu sein und keine Hilfe zu erhalten und das noch unter Kollegen - das kränkt.

Klar ist das alles andere als ideal gelaufen - ich habe aber leider nicht 100% herauslesen können, was der Grund der Nicht-Behandlung war, da du mehrere Beispiele miteinander vermischt. War es der im OP festsitzende Arzt, der nicht kommen konnte? Dann hatte der ja gar keine Chance, die Behandlung durchzuführen, wenn es nicht noch einen Kollegen gibt, der das übernehmen könnte. Und dann liegt dort ein Systemfehler vor, der nur zu ändern ist, wenn die entsprechenden Stellen davon mitbekommen - in diesem Falle könntest du dich doch in einem netten Schreiben an das KH wenden in dem du diese Mißstände aufführst. Hat zumindest mehr Chancen wahrgenommen zu werden, als hier den Frust abzuladen.

wjsl
24.02.2012, 00:49
Machst du das dann über die Kontur? Oder den Vernarbungsgrad?

Kackbratze
24.02.2012, 01:57
Wegen welcher Beschwerden kommen Eure Patienten nachts in die Notfallambulanz?

Löcher im Darm. Nach Selbst-Darmspülung.

dreamchaser
24.02.2012, 08:55
Fieberhafte Infekte seit 3 Tagen - nee, zum Hausarzt ging nicht, da hatte keiner Zeit sie hinzufahren (junges Mädel). Aber abends um 23 Uhr soll die Wunderheilung vollbracht werden. Und dann noch gegen ärztlichen Rat das KH verlassen. Grr...

Leelaacoo
24.02.2012, 09:07
Besser noch bei meiner Mutter: Anruf um 1 Uhr nachts, das 4 Jahre alte (sonst gesunde) Kind fiebert seit 1/2 h (!!!) bis 38,8°C, man solle doch bitte für einen Hausbesuch vorbeikommen...auf die Empfehlung, doch mal abzuwarten und ggf. ein Fieberzäpfchen zu geben sagte die erboste Mutter, man werde dann eben in die Kinderklinik fahren, weil sie müsse ja auch schlafen...dass das Kind dort erst recht Keime abbekommt und um 1 Uhr nachts aus dem warmen Bettchen gerissen wird, wenn es sich eh schon krankfühlt...die Welt ist nicht mehr zu retten...der 21.12. 2012 möge bitte schneller kommen.

LG Lee

dreamchaser
24.02.2012, 09:14
Besonders schön ist auch der Kommentar solcher Leute in der Notaufnahme, wenn man schon freundlich erklärt, dass man noch auf die Laborwerte warten müsse (und eh schon Stunden im Akkord arbeitet, da die Notaufnahme brechend voll ist - u.a. durch solche Leute - und im Haus alle Betten belegt sind), wie lange es denn noch dauere, denn man sei ja müde und wolle nach Hause und endlich schlafen. Da werde ich dann mal richtig aggressiv...als ob ich nicht müde sei um 2 Uhr und genervt, weil die Leute meinen, um 3 Uhr könne man sowas mal eben abklären lassen.

Ersa
24.02.2012, 09:25
Anruf um 1 Uhr nachts, das 4 Jahre alte (sonst gesunde) Kind fiebert seit 1/2 h (!!!) bis 38,8°C, man solle doch bitte für einen Hausbesuch vorbeikommen...

Ach, über sowas rege ich mich schon gar nicht mehr auf. Ist Alltag. Ich frage mich eher, warum jemand auf die Idee kommt mitten in der Nacht bei seinem sonst beschwerdefreien Kind plötzlich Fieber zu messen...

Leelaacoo
24.02.2012, 09:51
Ach, über sowas rege ich mich schon gar nicht mehr auf. Ist Alltag. Ich frage mich eher, warum jemand auf die Idee kommt mitten in der Nacht bei seinem sonst beschwerdefreien Kind plötzlich Fieber zu messen...

Na ja, ich nehme schon an, dass das Kind aufgewacht ist und nun eben krank war...WAS JA MAL im Leben vorkommen kann, das mit dem "ansonsten gesund" ist nur insofern wichtig, als dass ich die Aufregung bei einem Kind nach Chemo wegen Leukämie o.ä. ja natürlich verstanden hätte, dass man da bei Fieber einen Arzt benachrichtigt...aber ein normales Kind mit 1/2 h Fieber während der großen Erkältungszeit...muss man nicht kapieren...oder die Vorstellung eines 6jährigen Kindes im Notdienst eines fremden Pädiaters um 20 Uhr abends mit der Begründung "die Handflächen des Kindes wären immer wieder schwitzig...sonst aber keine Beschwerden, das ganze seit mehreren Monaten...der eigene Pädiater habe aber keinen Grund gefunden, weshalb man nun den Notdienst nutze"... grauenvoll...ein Grund mehr, warum ich froh bin, mich trotz Elternwunsches gegen die Kinderheilkunde entschieden zu haben. Man hat manchmal das Gefühl, manche Eltern WÜNSCHEN sich regelrecht eine Diagnose...anstatt sich zu freuen, dass es nichts Schlimmes ist...hab zwar auch in der Inneren Angehörige, die anstrengend sind, aber die armen Kiddies würden mir viel mehr leidtun und ich hätte schon längst ein Magenulcus.

...wenn ich das alles so lese...da freu ich mich über die ITS-Einweisungsgründe...auch wenns "nur" C2 ist... never ever Ambulanz/Praxis o.ä.

LG Lee

WackenDoc
24.02.2012, 12:50
@wjsl: Du bist dir aber schon sicher, dass du 6 Jahre Medizin studiert hast?

wjsl
25.02.2012, 23:41
Ja, und beschämenderweise hab ich noch immer Probleme das Alter eines Bandrisses im Röntgenbild auf den ersten Blick differenzieren zu können. Aber freu dich doch, wenn du so gut im Befunden bist.

Coxy-Baby
26.02.2012, 07:41
Ja, und beschämenderweise hab ich noch immer Probleme das Alter eines Bandrisses im Röntgenbild auf den ersten Blick differenzieren zu können. Aber freu dich doch, wenn du so gut im Befunden bist.

Das ist ja auch nicht schlimm, nur das letzte Mal hast du gefragt, ob man überhaupt einen Unterschied sieht und das ist ja dann doch noch etwas anderes....

WackenDoc
26.02.2012, 08:55
Ich hab auch nicht behauptet, dass ICH das unterscheiden kann- bin schließlich kein Radiologe. Aber die Tatsache, dass man es kann, gehört zum medizinischen Grundwissen.

Lava
26.02.2012, 11:17
Zumal die Rede von knöchernen Ausrissen war und nicht von einem Bänderriss, den man - mit Verlaub - auf einem Röntgenbild sowieso nicht sieht.

Aber irgendwie sind wir vom Thema abgekommen.

Ehemaliger User 20130505
26.02.2012, 12:28
Hm, nochmal röntgen ist ja irgendwie auch schwachsinnig. Was soll sich an dem Bild geändert haben? Das hab ich mich auch gefragt, aber ich fand es wenigstens beruhigend zu sehen, dass das Fragment in seiner Position geblieben und inzwischen nicht disloziert war. So kann ich hoffen, dass es tatsächlich wieder anwachsen wird bzw. bereits angewachsen ist. Ich hab deshalb extra nochmal gefragt und der UCH hat mir gesagt, der Spalt sei etwa 1 mm breit und würde ganz sicher zuwachsen.


Mal eine andere Frage dazu: Man könnte das ja auch als nicht dislozierten Bruch der Fibula sehr weit unterhalb der Syndesmose betrachten. Könnte man es dann als eine Minimalvariante eines Weber A bezeichnen?

Lava
26.02.2012, 20:37
Mal eine andere Frage dazu: Man könnte das ja auch als nicht dislozierten Bruch der Fibula sehr weit unterhalb der Syndesmose betrachten. Könnte man es dann als eine Minimalvariante eines Weber A bezeichnen?

Im Prinzip ja. Soweit ich weiß gibt es keine ICD Nummer für einen knöchernen Bandausriss. Ich kodiere das immer als Fraktur. ;-)

Ehemaliger User 20130505
27.02.2012, 07:29
Ich kodiere das immer als Fraktur. ;-) Ich hab gerade mal nach „Abrissfraktur“ gegooglet: http://de.wikipedia.org/wiki/Abrissfraktur

Was dort über die Schmerzen steht, passt zu meinen Beobachtungen:

Diese knöchernen Sehnenausrisse haben die Eigenart, nur wenig zu schmerzen. Durch den Zug der Sehne stehen die Bruchstücke auf Abstand, reiben also auch bei Belastung des Gelenkes nicht aufeinander. Es ist möglich, auf einer Abrissfraktur am Außenknöchel noch weit zu laufen oder das aktuelle Fußballspiel zu beenden. Der Schmerz, den eine Verletzung verursacht, ist kein sicheres Zeichen dafür, wie schwer diese Verletzung ist.[1] (http://de.wikipedia.org/wiki/Abrissfraktur#cite_note-0)

1 Zum Problem der Diagnose und der möglichen sportlich bedingten Abrissfrakturen: Jürgen Freyschmidt: Skeletterkrankungen: Klinisch-radiologische Diagnose und Differentialdiagnose. Springer 2007, S. 79ff. ISBN 978-3540455295 (http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783540455295)



Dass der Abstand zwischen dem Fragment und der Fibula ein Scheuern zwischen den Bruchenden verhindert - zumindest solang das Fragment nicht disloziert ist - ist logisch. Was mich aber wundert: Weshalb ist der Spalt nur so klein (1 mm)? Warum zieht die Sehne das Fragment nicht weiter nach
unten? Ich hatte bei jedem Schritt Angst, der Spalt könnte größer werden. Hoffentlich ist das Stück inzwischen einigermaßen festgewachsen. Der UCh macht gerade Urlaub. Danach soll ich zur nächsten Kontrolle kommen. Das wäre dann vier Wochen nach dem Unfall. Da sollte man doch in einem Röntgenbild sehen können, ob der Spalt noch da ist. Oder lieber länger warten? :-nix

Rico
27.02.2012, 20:26
Das wäre dann vier Wochen nach dem Unfall. Da sollte man doch in einem Röntgenbild sehen können, ob der Spalt noch da ist. Oder lieber länger warten? Was für eine Konsequenz hat denn das (dann wohl dritte!) Röntgenbild überhaupt?
Präzise Dokumentation des natürlichen Heilungsverlaufs? :-nix

MissGarfield83
27.02.2012, 20:42
Warum zieht die Sehne das Fragment nicht weiter nach unten?

Also nur mal so zur Anatomie - an dem Knochenfragment hängt wohl erstmal primär keine Sehne ( der M. fibularis brevis setzt höher als die Syndesmose an der Fibula an ) sondern ein Aussenband. Dementsprechend kann die Fraktur nur bei massiven Supinationsbewegungen weiter dislozieren - d.h. du müssetest den Fuß wieder massiv umknicken, damit das Fragment weiter disloziert. Von daher genügt Ruhigstellen in einer Gipsschiene für bis zu 6 Wochen und danach die Versorgung mit einer Orthese ( Aircast Schiene ) um genügen Stabilität zu gewährleisten damit der Knochen wieder anwächst bzw. die Sehne neu inseriert.

PS : Unnötige Strahlendosen durch zu viele Röntgenbilder sind nicht unbedingt förderlich für deine Gesundheit ...