Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wegen welcher Beschwerden kommen Eure Patienten nachts in die Notfallambulanz?
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Ehemaliger User 20130505
25.12.2007, 22:50
Komme jetzt grad leider nicht an die entsprechenden Folien ran, auf denen das stand.
Dennoch kosten die mehr, wenn auch nicht das Zehnfache. Vielleicht verwechselst Du die Prozentsätze mit den Milliarden?
Du sprichst von 3 % für Fahrtkosten, aber es sind nur 2 %. Diese 2 % machen aber ca. 3 Milliarden Euro aus. .
Die Arzneimittel machen ca. 24 Milliarden Euro aus; das sind ca. 17 %.
Vielleicht waren auf der Folie, an die Du Dich erinnerst, nicht Prozentsätze, sondern Milliarden Euro angegeben?
Und deinen Link konnte ich leider nicht öffnen.Dann versuchs mal mit diesem Link:
http://www.kbv.de/publikationen/125.html
Geh dort in der mittleren Spalte unter Dokumente zum Download auf
"V Gesetzliche Krankenversicherung, Stand: 31.12.2006, aktualisiert"
Auf der Seite 2 ist ein Tortendiagramm zur Aufteilung der gesamten GKV-Ausgaben auf die einzelnen Bereiche dargestellt. Vielleicht hast Du eine Folie mit diesem Diagramm in Erinnerung.
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Edit.
@tonexxx:
Die 24 Mrd. Euro der GKV sind ja bei weitem nicht alles, was in Deutschland für Medikamente ausgegeben wird.
Da kommen noch die Ausgaben der PKV etc. dazu und das, was die Patienten bei den verordneten Medikamenten zuzahlen.
Außerdem werden noch einige Mrd. für Medikamente ausgegeben, die sich die Patienten selbst "verordnen" oder von der Werbung andrehen lassen.
Die Summe all dieser Ausgaben könnte schon bei 30 Milliarden Euro liegen.
Vielen Dank für die genauen Zahlen. Halte deine Theorie, woher meine Zahlendreher kommen, für recht wahrscheinlich, kann sie aber derzeit leider nicht überprüfen. Auch ein Blick in die KBV-Statistiken von 2005 hat das Rätsel nicht lösen können.
Halten wir fest, dass 3 Mrd. Euro für Transporte echt viel Geld sind, 30 Mrd. für Medikamente aber das Zehnfache, von denen das Solidarsystem jedoch nur 80% trägt (hey, cool, Vilfredo Pareto hat mal wieder Recht *g*).
Es gibt also eine Menge Schrauben fernab von Arztgehältern, an denen man zwecks Einsparung drehen könnte...
Kackbratze
26.12.2007, 20:39
Ja, aber das drehen an solchen schrauben ist dem normalen Verbraucher nicht so gut zu verkaufen wie "die Ärzte verdienen zu viel und bescheixxen das System".
Dann mach halt ein "die Pharmakonzerne verdienen zu viel und beschei$$en uns alle" draus. ;-)
Leider hast du aber Recht...
KingLoui
27.12.2007, 02:50
Mich würde mal interessieren, was passiert wenn man sich mit einem "Pillepallepatienten" anlegt und dieser sich dann irgendwie bei der Klinikleitung oder beim Chefarzt beschwert. Also ich könnte mir schon gut bei mir vorstellen, dass ich jemandem mal meine Meinung sagen würde, wenn er wegen Juckreiz im Analbereich in die Nachtambulanz kommt.
Kackbratze
27.12.2007, 08:33
Kommt auf den OA an. Mein leitender OA hat sich, nachdem sich eine Patientin über den Arzt beschwert hat im Zimmer mit der Patientin angelegt und sogar gesagt "das ist mein Name, hier steht er auf dem Namensschild, lesen sie sich das bitte durch, damit sie das auch richtig auf dem Beschwerdebrief schreiben".
Wenn es sein muss, stehen ein paar OAs vor den Assistenten, wenn sich z.B. ein homo privatus simplex über "schlechte Verbandwechsel" beschwert.
Doktor_No
27.12.2007, 16:09
mein chef ist da auch sehr entspannt! und mein LOA hat mal eine patientin, mit der ich 2 stunden frustran diskutiert hatte (allerdings tagsüber) mit den worten "das gespräch ist beendet, sie verlassen die klinik!" abgecancelt. die hat dann einen 10-seiten-beschwerdebrief geschrieben, total durch die alte, was haben wir gelacht!!!
alley_cat75
27.12.2007, 17:23
Zwar habe ich jetzt gerade mal ein Jahr Berufserfahrung, aber ich hatte in der Nacht zwischen 1 - 6 Uhr noch nie einen echten internistischen Notfall in der Rettungsstelle. :-??? Das reichte bisher von Hysterie nach Insektenstich über Halsschmerzen seit 2 Stunden bis 8 Bier und mit der S-Bahn drei Stationen zu weit gefahren. Von mir aus könnte der Chef die RST nachts dicht machen. :-dafür
Ehemaliger User 20130505
08.04.2010, 12:35
Berichtet doch mal, wegen welcher Beschwerden Patienten nachts oder auch am Wochenende zu Euch in die Notfallambulanz gekommen sind und sagt dazu, ob Ihr das für gerechtfertigt haltet. Schreibt bitte auch dazu, ob Ihr in dieser Nacht Bereitschaftsdienst oder Nachtschicht hattet.
Es geht mir vor allem um "Leiden", mit denen man Eurer Meinung nach nicht in die nächtliche Notfallambulanz gehört, wie z. B. Brennen beim Wasserlassen oder Todessicca:
Die Idee, hier mal eine solche Sammlung anzulegen, ist mir beim Lesen dieser beiden Beiträge gekommen:
[....]Der Typ kommt zum wiederholten Mal nachts um halb 4 wegen analem Juckreiz in die Ambulanz und wird dann noch pampig [....] http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=582184&postcount=1025
Ja, z.B. 2.30h nachts ne junge Frau (um die 30), hatte ein wenig Brennen beim Wasserlassen bemerkt und wollte damit nicht bis zum nächsten Morgen warten.... noch Fragen?!?!? http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=604488&postcount=25
p. s.: Sagt doch auch noch, ob die Patienten, die nachts wegen eingewachsener Zehennägel etc. in die Ambulanz kommen, eher in der GKV oder eher in einer PKV sind.
*hochschieb* :-)
Kackbratze
08.04.2010, 16:04
Klassiker gerade wieder im Nachtdienst gehabt:
Junger Mann, Anfang 30.
Druckst rum mit Überweisung vom HA "allgemeine Untersuchung", kommt im Dienst (18:30)
Am Empfang: "Jucken, Brennen, Blutungen am Anus nach Stuhlgang, ganz schlimm".
Kurzanamnese:
Beschwerden seit 4 Monaten, im Verlauf gleichgeblieben, seit letzter Woche Hämorrhoidensalbe aus Apotheke, seitdem deutlich besser, aber jetzt sollte doch mal ein Arzt drauf schauen, weil das ja operiert werden muss.
Ich hab ihn aus der Notaufnahme rausgeschmissen, da ein Dünndarmischämie bei Mesentericainfarkt irgendwie vorgeht und ihm gesagt, er soll sich einen Termin in der Proktosprechstunde suchen.
Mich würde mal interessieren, was passiert wenn man sich mit einem "Pillepallepatienten" anlegt und dieser sich dann irgendwie bei der Klinikleitung oder beim Chefarzt beschwert. Also ich könnte mir schon gut bei mir vorstellen, dass ich jemandem mal meine Meinung sagen würde, wenn er wegen Juckreiz im Analbereich in die Nachtambulanz kommt.
Ich ermutige die Patienten immer dazu sich zu beschweren, in meinen alten RD Zeiten sind die Leute gern mal pampig geworden, hab dann immer angeboten meinen Namen und den Namen meines Vorgesetzten samt Adresse aufzuschreiben, angenommen hat das Angebot komischerweise nie einer. Beonders gut find ich die Sprüche à la "ich kenn den Bürgermeister, der wird dafür sorgen, daß sie Ihren Job verlieren..."
Ganz toll neulich: junge Frau kommt gegen 23Uhr in die Ambulanz. Ihr sei so schlecht, sie wäre schon beim ärztlichen Notdienst gewesen, der meinte, sie könne schwanger sein. Jetzt wollte sie dringend einen Gynäkologen sprechen. Der kam dann auch, sie war nicht schwanger und ging wieder nachhause. So kann man sich auch das Geld für einen Schwangerschaftstest sparen... :-wand
Ehemaliger User 05022011
09.04.2010, 20:30
was ich wirklich nicht verstehe ist, warum in einem solchen Fall z.B. niemand sagt "Ja die Möglichkeit besteht, aber nicht, dies hier testen zu lassen":-nix
Muss den alles wirklich gemacht werden, was die Leute sich so vorstellen ?
Die Schwester hat versucht ihr zu erklären, dass der Ausschluss einer Schwangerschaft kein Notfall ist. Aber wenn der Patient sagt "Bauchschmerzen" und auf eine Behandlung besteht, darfst du ihn nicht wegschicken.
Espressa
09.04.2010, 20:47
Ich halte mich da an zwei Regeln.
Die erste besagt, meinen Ärger nie am Patienten auszulassen (selbst wenn es einige verdienen würden...!), sondern später über eben diese bei Kollegen abzulästern. Damit vermeidet man Konflikte und die eigene Psychohygiene kommt auch nicht zu kurz.
Die zweite Regel betrifft den Bereitschaftsdienst: alles was bis ca. 22:00 Uhr anruft, soll sofort losfahren und kommen. Ansonsten riskiert man, dass ein juckendes Auge um 19:00 Uhr noch erträglich war, aber dann doch um 1:00 in der Nacht vorbeikommen will.
Ansonsten versuche ich am Telefon schon zu erfragen, ob eine unmittelbare Behandlung wirklich notwendig ist, oder ob es noch warten kann. Und auch da sind manche etwas dreist: "Ach jetzt kann mich aber mein Mann noch fahren, und morgen weiß ich nicht wie ich hinkommen soll".
Einen vermeintlichen "Notfall" lehnen wir ja auch untertags nicht ab, wenn jemand findet plötzlich schlechter zu sehen oder "starke Schmerzen" hat, muss man ja draufschaun. Aber auch da lasse ich mich nicht verarschen, der Wunsch nach "einem kompletten Check" wird dann auch nicht erfüllt und der Patient angehalten, dafür einen Termin zu vereinbaren.
Ich sehe es nicht ein, Patienten mit Termin warten zu lassen, nur weil sich jemand durch dreistes Aggravieren vordrängt.
Ehemaliger User 05022011
09.04.2010, 21:04
Ich sehe es nicht ein, Patienten mit Termin warten zu lassen, nur weil sich jemand durch dreistes Aggravieren vordrängt.
seh ich auch so, aber mir heute genau anders herum passiert - hatte ein entzündetes Auge und war deswegen schnell vormittags noch beim Arzt, um mir ein paar Tropfen aufschreiben zu lassen - dann wurde aber das volle Programm gemacht (Augendruck, Sehprüfung), ich mutmaße, weil ich privat versichert bin ?
dreamchaser
09.04.2010, 21:14
Was mit am Freitag abend um 23:30 Uhr mal passiert ist: Pat. ruft an, er wolle morgen mal vorbeikommen um seinen INR bestimmen zu lassen, weil er in Urlaub fahren würde. Auf meine Frage hin, seit wann er denn Marcumar nehmen würde und ob er bei uns neu eingestellt wurde kommt dann ein nein, er nehme Marcumar schon seit Jahren. Der Urlaub war natürlich auch schon länger geplant - aber er hatte keine Zeit zum Hausarzt zu gehen. Natürlich habe ich ihn nicht zu uns bestellt, sondern darauf hingewiesen so etwas doch zu planen und er müsse dann eben am Urlaubsland zum Arzt gehen.
Espressa
09.04.2010, 21:59
seh ich auch so, aber mir heute genau anders herum passiert - hatte ein entzündetes Auge und war deswegen schnell vormittags noch beim Arzt, um mir ein paar Tropfen aufschreiben zu lassen - dann wurde aber das volle Programm gemacht (Augendruck, Sehprüfung), ich mutmaße, weil ich privat versichert bin ?
Gut möglich. Wobei der Augendruck bei jungen Leuten wirklich nicht sein muss und Visus eigentlich schon immer dazugehört.
Wenn ich der Meinung bin, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, dann mach ich die natürlich auch, oder wenn gerade zufällig Zeit ist.
Aber manche wollen dann auch noch neue Kontaktlinsen oder eine neue Prismenbrille oder vielleicht die Fundusuntersuchung bei Diabetes "wo ich doch schon mal da bin" oder solche Scherze. Und die müssen schon nochmal kommen.
Wie siehts mit "warten lassen Taktik" aus? Ist das machbar?
Also bspw. den Patienten der um 23:00h mit Juckreiz sonstwo oder irgendeinem Pillepalle Mist (wo sich sicher kein Infarkt oder Hirnödem hinter verbirgt) einfach bis morgens um 7:00 vor der Ambulanz hocken lassen bis man wenigstens ein paar Stunden pennen konnte?
Espressa
10.04.2010, 07:06
Wie siehts mit "warten lassen Taktik" aus? Ist das machbar?
Also bspw. den Patienten der um 23:00h mit Juckreiz sonstwo oder irgendeinem Pillepalle Mist (wo sich sicher kein Infarkt oder Hirnödem hinter verbirgt) einfach bis morgens um 7:00 vor der Ambulanz hocken lassen bis man wenigstens ein paar Stunden pennen konnte?
Das ist ja das Problem, wie sicher kann man sich denn sein, dass etwas "wirklich nichts" ist?
Jeder kennt auch diese zweifelhaften Helden die ihre Beschwerden sehr runterspielen, und dann ist es doch was dramatischeres...
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