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ehem-user-02-08-2021-1033
14.04.2011, 16:37
Tatsache ist, das ich als RA eben auch ein hohes Maß an Verantwortung trage, u.a. eben auch für das was der Notarzt mit meinem Pat. anstellt.



Der Notarzt hat den Behandlungsvertrag mit dem Patienten.
Hieraus leiten sich dann auch ggf. zivilrechtliche Ansprüche (=Schadensersatz) ab.


Die etwaige strafrechtliche Wertung ist insgesamt komplizierter.
Es gibt z.B. die Publikation über einen tödlichen Zwischenfall bei einer Koronarangiographie (Luftembolie)
Quelle: Rechtsmedizin, Volume 17, Number 4, 215-217
http://www.springerlink.com/content/85016v0846320731/
Der Arzt wurde zu 120 Tagessätze, die Katheterschwester zu 90 Tagessätze verurteilt...
Hier war es so, dass das System nicht richtig entlüftet war. Fraglich war in wessen Verantwortungsbereich das Entlüften fällt, welches oft auch vom Assistenzpersonal durchgeführt wird.
Letztendlich wurde die Schuld des Arztes aber höher bewertet (120 vs. 90 Tagessätze)

Es gibt aber auch die strafbare Unterlassung (vgl. § 13 StGB) So gesehen gibt es durchaus das Konstrukt, dass man sich durch Unterlassung mit strafbar macht.
Das kann nun aber in 2 Richtungen gehen:
Nr.1 man reicht Dr. Frankenstein gerade die Ampulle Lysthenon an, die er gegen die Muskelverspannungen spritzen möchte... (Da könnte es für den RA eng werden...)
Nr.2 der RA lässt den Hausarzt nicht in den RTW, weil der Hausarzt ja eh nix kann, und der Patient freut sich über seinen Asthma Anfall der schön in den Status übergeht...(Da könnte es für den RA auch eng werden...)


Aber um es zusammenfassend "gemein" zu schreiben:
Der Rettungsassistent ist ein medizinischer Assistenzberuf.

Das sieht auch jeder deutsche Richter so, dank des Rettungsassistentengesetzes

§ 3
Die Ausbildung soll entsprechend der Aufgabenstellung des Berufs als Helfer des
Arztes insbesondere dazu befähigen, am Notfallort bis zur Übernahme der Behandlung
durch den Arzt lebensrettende Maßnahmen bei Notfallpatienten durchzuführen, die
Transportfähigkeit solcher Patienten herzustellen, die lebenswichtigen Körperfunktionen
während des Transports zum Krankenhaus zu beobachten und aufrechtzuerhalten sowie
kranke, verletzte und sonstige hilfsbedürftige Personen, auch soweit sie nicht
Notfallpatienten sind, unter sachgerechter Betreuung zu befördern (Ausbildungsziel).

Wenn du dich selbst auch so verstehst, ersparst du dir auch rechtlich Ärger.
(Insbesondere bei meinem Beispiel Nr.2...)
So gesehen hast du sicherlich Verantwortung,
aber immer die Verantwortung als Helfer des Arztes. (Wenn ein Arzt anwesend ist...)

Saviel85
14.04.2011, 17:38
Also ich denke auch das man sich als RA ganz einfach durch Nachfragen absichern kann z.B. Sind Sie sicher das Medikament(Behandlung) XY in dieser Situation das Richtige ist?

Kein Gericht der Welt wird dich Verurteilen mit dem Argument "Sie hätten es als RA besser wissen müssen" weil es eben nicht der Fall ist.

Wenn man es clever anstellt, kann man es auch als Neugier verkaufen und nicht als Zweifel. "Ist ja interessant, warum bevorzugen Sie jetzt Medikament
(Behandlung) XY anstatt YZ"

Das sind eigentlich Standart "communication skills", wenn beide Seiten darin mehr Übung hätten würde es solche Threads garnicht geben. Weil wer die Leittragenden von Zickerein sind dürfte wohl allen klar sein und im Erstfall bringt dann ein Gerichtverfahren im Anschluss diesen Person nichts mehr.

ehemalige Userin 24092013
16.04.2011, 08:10
Also ich denke auch das man sich als RA ganz einfach durch Nachfragen absichern kann z.B. Sind Sie sicher das Medikament(Behandlung) XY in dieser Situation das Richtige ist?


Grad gestern auf der ITS erlebt:
Notintubation eines Pat. mit Muskeldystrophie Duchenne, ich am Kopf für den Schnorchel, meine OA am Delegieren der Intubationsmedis:
OA: "Ich hätte dann gern Lysthenon....usw."
Ich: "Ähm, ist Lysthenon nicht kontraindiziert?"
OA: "Wir machen hier eine RSI, das geht nur mit Lysthenon."
Ich: "Dann haben wir bei dem Duchenne nach der Lysthenon-RSI aber unter Umständen keinen lebendigen Patienten mehr..."
OA: " Ahh jajaja, du hast Recht - danke, wir nehmen Esmeron."

Geht also gut so. Wobei ich net sicher bin, ob ich mich net dazwischen geworfen hätte, wenn sie ums Verrecken Lysthenon genommen hätte - auch wenn sie die OA ist.

Antagon
17.04.2011, 19:47
Grad gestern auf der ITS erlebt:
Notintubation eines Pat. mit Muskeldystrophie Duchenne, ich am Kopf für den Schnorchel, meine OA am Delegieren der Intubationsmedis:
OA: "Ich hätte dann gern Lysthenon....usw."
Ich: "Ähm, ist Lysthenon nicht kontraindiziert?"
OA: "Wir machen hier eine RSI, das geht nur mit Lysthenon."
Ich: "Dann haben wir bei dem Duchenne nach der Lysthenon-RSI aber unter Umständen keinen lebendigen Patienten mehr..."
OA: " Ahh jajaja, du hast Recht - danke, wir nehmen Esmeron."

Geht also gut so. Wobei ich net sicher bin, ob ich mich net dazwischen geworfen hätte, wenn sie ums Verrecken Lysthenon genommen hätte - auch wenn sie die OA ist.


Gerade gelesen und immer noch entsetzt. Zuerst dachte ich mir; War das jetzt nur ein schlechter Test Deiner OÄ oder meinte die das tatsächlich Ernst?!
:-wand

Alzheimer
17.04.2011, 20:54
@ Antagon, meinst du nicht, dass du dich etwas weit aus dem Fenster lehnst. Auch dem besten Arzt kann ein Fehler passieren und er kann mal auf dem Schlauch stehen. Wahrscheinlich ist dem betreffenden Arzt schon klar das Lysthenon bei Muskeldystrophie kontraindiziert ist. Für den OA spricht, dass er die Anmerkung aufgenommen hat und seinen Fehler rechtzeitig erkannt hat.
Dafür arbeitet man im Team.

Die Niere
17.04.2011, 21:08
Gerade gelesen und immer noch entsetzt. Zuerst dachte ich mir; War das jetzt nur ein schlechter Test Deiner OÄ oder meinte die das tatsächlich Ernst?!
:-wandVielleicht meinte der Threadersteller mit seiner Überschrift genau solche Kommentare.

gruesse, die niere

KoelnerMedizin
17.04.2011, 22:03
Vielleicht meinte der Threadersteller mit seiner Überschrift genau solche Kommentare.

:-meinung

Antagon
18.04.2011, 10:09
@ Antagon, meinst du nicht, dass du dich etwas weit aus dem Fenster lehnst. Auch dem besten Arzt kann ein Fehler passieren und er kann mal auf dem Schlauch stehen. Wahrscheinlich ist dem betreffenden Arzt schon klar das Lysthenon bei Muskeldystrophie kontraindiziert ist. Für den OA spricht, dass er die Anmerkung aufgenommen hat und seinen Fehler rechtzeitig erkannt hat.
Dafür arbeitet man im Team.

Ja klar - wir sind alle nur Menschen und deswegen passieren auch Fehler.
Sorry wenn mein Comment überheblich und arrogant rüber kam. Aber ich dachte mir einfach nur - wenn das jetzt keinem aufgefallen wäre ...

So blöd es klingt, aber in unserem Job dürfen Fehler einfach nicht passieren! Auch wenn das nicht möglich ist.

Aber wie Du schon sagtest, dafür arbeitet man im Team!

LG

Die Niere
18.04.2011, 10:48
So blöd es klingt, aber in unserem Job dürfen Fehler einfach nicht passieren! Auch wenn das nicht möglich ist.Ich nehme mal an, dass du noch studierst oder zumindest am Anfang deiner Karriere stehst. Fehler sollten nicht passieren, sind aber leider unvermeidbar und kein "alter" Hase wird von sich behaupten können, noch keinen eines solchen begangen zu haben.

gruesse, die niere

Rico
18.04.2011, 12:46
Vor allem ist von der Einstellung, dass Fehler nicht passieren dürfen nicht mehr weit zur Vertuschung eines Fehlers wenn er denn dann doch mal passieren wird.
Zu einer Kultur in der man aus Fehlern lernt kann es kaum kommen, wenn es Fehler gar nicht geben darf, weil sie dann keiner eingesteht.

Shizr
18.04.2011, 15:40
So blöd es klingt, aber in unserem Job dürfen Fehler einfach nicht passieren! Auch wenn das nicht möglich ist.
Fehler passieren aber. So einfach ist das.

In der Medizin arbeiten Menschen. Und Menschen machen Fehler, das liegt in der Natur der Sache und lässt sich nicht vermeiden.


Es geht darum, aus Fehlern zu lernen und sie in Zukunft zu vermeiden.



Aber gerade in Deutschland (und auch in den USA, dem Mutterland der Kunstfehlerklage) wird "Fehler" mit "schuldhafter Fehler" gleichgesetzt. Wer Fehler macht, wird möglichst öffentlichkeitswirksam gehängt.

Und das ist ganz großer Käse.

Antagon
19.04.2011, 21:25
Ja --- wie ich oben schon sagte; Fehler dürfen eigentlich nicht passieren in unserem Job, aber es ist nunmal nicht möglich keine zu machen wir sind Menschen und keine Maschienen!

Shizr
21.04.2011, 14:24
wie ich oben schon sagte; Fehler dürfen eigentlich nicht passieren in unserem Job, aber es ist nunmal nicht möglich keine zu machen wir sind Menschen und keine Maschienen!
"Fehler dürfen nicht passieren" ist zwar in der Theorie sehr lobenswert, aber letztlich dann doch nur realitätsverleugnend und extrem kontraproduktiv.


Fakt ist: Es passieren in unserem Job Fehler. Manche sind relativ unproblematisch, andere lebensgefährlich. Und einige sind auch tödlich.

Das Prinzip "Es dürfen keine Fehler passieren" führt dann - getreu dem Motto "Es kann nicht sein, was nicht sein darf" - zu Vertuschung und Totschweigen.
Und aus totgeschwiegenen Fehlern kann niemand was lernen.


Da können wir Mediziner uns einiges von der Luftfahrtbranche abgucken.
Denn als Mediziner sich noch per Approbation für unfehlbar hielten (oder wenigstens bemüht waren, den Eindruck zu erwecken), hat die Luftfahrt schon mit CIRS gearbeitet, weil sie eines wussten:
Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Und wo Fehler lebensgefährliche Konsequenzen haben können, muss man offen und konsequent damit umgehen, wenn Fehler passieren.

Davon sind wir - leider - noch weit entfernt.

Kackbratze
21.04.2011, 14:29
So weit auchnicht mehr, aber solange es weiter die Leute gibt die in das "es darf keine Fehler geben"-Horn tröten, auch wenn sie es selber besser wissen, wird das Umdenken eben länger dauern.

Die Niere
21.04.2011, 14:34
Wenn es jetzt nur um CIRS geht, muss man sagen, dass die meisten Kliniken so ein System haben. Jedoch wird es anders genutzt als in der Luftbranche.

emergency doc
23.04.2011, 22:24
Wenn es jetzt nur um CIRS geht, muss man sagen, dass die meisten Kliniken so ein System haben. Jedoch wird es anders genutzt als in der Luftbranche.

Vielleicht ist ja genau DAS das Problem. Wir haben in den meisten Kliniken einen sehr streng hierarchisch funktionierenden Ärzteapparat, bei dem viele Chefärzte per se unfehlbar sind und die Oberärzte die Mittler und Malocher zwischen dem Chef und dem Assistenzarzt-Fußvolk darstellen.
Nur mal ein Beispiel, daß ich aber so bisher an allen 5 Kliniken, an denen ich war, erlebt habe:
Es existiert eine jährliche verpflichtende Reanimationsfortbildung für alle Mitarbeiter - alle mit Ausnahme des ärztlichen Personals. Dabei würde so mancher Dermatologe oder Handchirurg sicher davon profitieren, vermutlich besonders in den oberen Hierarchiestufen.
Offensichtlicher Grund hierfür ist praktisch immer die (im Prinzip ja völlig unnötige und unsinnige) Angst sich ausserhalb des eigenen Fachgebietes zu blamieren bzw. schlecht da zu stehen.
Eine ähnliche Geschichte ist in der Luftfart undenkbar, und das ist IMHO auch gut so.

Kackbratze
24.04.2011, 01:07
Wenn man überhaupt für solche Übungen freigestellt wird. Selbst als Assistent muss man für eine solche Teilnahme teilweise kämpfen.

emergency doc
25.04.2011, 21:01
Tja, eine Teilnahme nach Feierabend ab 17:00 oder 18:00 ist ja auch möglich. Ich habe an meinem alten Haus lange die Notarztfortbildungen mit Reanimationstraining für die am Haus angesteltlen Ärzte mitorganisiert. Die Assistenten kamen immer freiwillig und gerne.
Komisch nur, daß es bei sowas von den oberen immer hiess "Dafür haben wir keine Zeit", aber die gesamte Mannschaft geschlossen 10 Mittwochnachmittage zur DRG-Fortbildung zu jagen, das geht immer...:-(

GOMER
26.04.2011, 00:21
Mit ner Rea machste ja auch kein Geld, mit geschickter Codierung schon.

emergency doc
26.04.2011, 21:58
Naja, aber eine Rea ist Ärzteaufgabe, die geschickte Codierung eher Verwaltungsaufgabe. Mich hat damals immer angenervt, daß die Verwaltung MICH anruft, um zu fragen, wie man was am besten abrechnet.
:-peng