Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umgang mit den Schwestern - das heikle Thema
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Absolute Arrhythmie
06.09.2015, 14:31
Ich finde es extrem unschön, wie das Thema hier in generalisiertes Pflege-Bashing auszusetzen scheint. Ich arbeite jetzt seit neun Jahren in der Pflege, habe die unterschiedlichsten Bereiche kennen gelernt (Intensivstation, Psychiatrie, periphere somatische Normalstationen aller Fachrichtungen!) und habe es bisher nicht erlebt, dass ausnahmslos alle auf einer Station arbeitenden Pflegekräfte faule und hirnamputierte Dummbatzen waren, so wie es hier leider in so manchem Posting anklingt.
Es gibt sicherlich viele Pflegende, mit denen der Umgang schwierig ist. Es ist auch eine Tatsache, dass man in der Pflege Ausbildung deutlich weniger umfassendes medizinisches Wissen erlangt. Trotzdem kenne ich mehr Kollegen, die durchaus von ihrem Fachbereich "Ahnung" haben und fehlendes Fachwissen auch durch Praxiserfahrung ("Bauchgefühl") wett machen. Und gerade auf ITS habe ich zum Großteil sehr kompetenten, fachweitergebildetes Pflegepersonal kennen gelernt.
Dass ich hier jetzt so eine Abwertende Grundhaltung heraus lesen muss, stimmt mich als examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und aktuell Medizinstudentin extrem traurig und es verdirbt mit die Lust auf die zukünftige Zusammenarbeit mit ärztlicgen Kollegen, wenn so über meinen Berufsstand und somit auch über mich persönlich gedacht wird. Das ist beleidigend und stellt diejenigen, die alle über einen Kamm scheren auch nicht unbedingt im besten Licht dar.
Kommunikation soll oft helfen. Wenn man sich wünscht, dass die Pflege bei Visite mit geht, dann kann man das zB mit der Stationsleitung kommunizieren und evaluieren, was die Pflegekräfte daran hindert.
Die Pflege kann auch nichts dafür, dass es kaum Hilfspersonal gibt. Wenn ich zu zweit auf einer Isolierstation mit zehn zum Teil tracheotomierten A3 und nochmal zehn A1/2 Patienten bin, dann kann ich im Früh Dienst nicht mit zur Visite gehen. Punkt.
Zu dem Zeitpunkt liegen noch drei Patienten in ihren Exkrementen, zwei müssen abgesaugt werden und vier oder fünf sind noch zu waschen. Da muss man Prioritäten setzen, und das ist bei vielen Pflegenden die Grundversorgung der Patienten.
Wünschenswert wäre es wenn es anders wäre, das ist aber nicht die Realität in vielen deutschen Krankenhäusern. Also schaut doch bitte mal über den Tellerrand und zeigt ein kleines bisschen Respekt vor den Menschen, mit denen ihr zusammen arbeitet.
WackenDoc
06.09.2015, 14:37
Den Respekt erwarte ich aber auch als Arzt von der Pflege.
Übrigens noch ein Beispiel zum Thema Visite von meiner glorreichen Aufnahmestation. Von der Pflege ist natürlich keiner mit zur Visite gekommen- die war entweder bei der x. Raucherpause oder am Kaffeetrinknen. Also nach der Visite kurz für alle angesagt, was mit welchem Patienten passieren soll. Zuhören muss man als Pflege da natürlich nicht und auch nicht die Kollegen, die dann gerade nicht da waren auch nicht informieren (war unmöglich die komplette Pflege dazu zu bekommen)
Also hab ich mich nach der offiziellen Übergabe an die Verlegungs- und Entlassungsbriefe gemacht- da ging es von der Pflege los- Wo soll Herr Meier hin, Was ist mit Frau Müller, wie lange braucht der Brief für Schmitt noch, Warum soll Schulze auf Station x und nicht auf y.
Danke, ich möchte nach einer Schicht ohne Pause auch irgendwann nach Hause.
EKGs, deren Aufzeichnungsqualität zu schlecht war, wurden nicht direkt neu geschrieben, sondern mussten schriftlich! über das System neu angefordert werden. Macht ja nichts, wenn man nen Infarktausschluss machen will und noch x andere Aufgaben warten.
Absolute Arrhythmie
06.09.2015, 14:39
Den Respekt erwarte ich aber auch als Arzt von der Pflege.
Und weil du ein paar dumme Hühner kennen gelernt hast, steht es dir zu einen ganzen Berufsstand (rund eine Millionen Menschen in Deutschland) abzuurteilen?
Ich kenne auch einige (!) echt bescheuerten Ärzte, und nun?
Sebastian1
06.09.2015, 14:49
AA, ich glaube, du hast mich grundlegend missverstanden. Zum einen habe ich denselben Weg wie du beschritten und bin selbst Krankenpfleger. Es geht hier nicht um fehlenden Respekt. Aber um beim Beispiel von heute zu bleiben: Wenn Zeit ist, eine rauchen zu gehen und mit Hinz und Kunz zu quatschen und das über mehrere Tage hinweg, aber gleichzeitig nicht klar ist, dass der Patient, den man grade betreut, deswegen immer wieder dekompensiert, weil er eine hochgradige Aortenstenose hat und es deswegen NICHT optimal ist, wenn man ihn mit 90er Frequenz und 130er Druck fährt, obwohl das immer wieder Thema war, dann stimmt was nicht. Nutzt nix, wenn der Patient super gewaschen und gelagert, aber leider tot ist.
Ich verweise mal hierauf: http://www.divi.de/qualitaetssicherung/peer-review/qualit%C3%A4tsindikatoren/157-hauptindikatoren-1-10.html
Als ERSTER Punkt der HAUPTindikatoren der Qualität der Intensivmedizin und -pflege wird eine "Tägliche multiprofesionelle, klinische Visite mit Dokumentation von Tageszielen" gefordert. Und das völlig zu Recht. Zitat aus der Begründung: "
Die multiprofessionelle (mindestens bestehend aus ärztlichen und pflegerischen Teammitgliedern), tägliche Visite mit schriftlicher Festlegung der täglichen Ziele/des täglichen Ziels für jeden Patient auf der Intensivstation verbessert die Kommunikation der an der Behandlung beteiligten Professionen auf einer Intensivstation.
Die Festlegung von täglichen (kurzfristigen) Zielen neben langfristigen Zielen, verbessert die Behandlungsqualität durch Vermeidung von Komplikation und führt zur effektiveren Umsetzung von geplanten Maßnahmen auf einer Intensivstation (Verweildauer, Krankenhaussterblichkeit)". Daran kommt man nicht vorbei, absolut und gar nicht. Dahinter haben andere Dinge anzustehen.
Natürlich kann Pfleger x und Schwester y nix dafür, wenn die Personalbemessung knapp ist, insbesondere auf peripheren Stationen. Ich sage ja auch, dass man keine gelernten Kräfte braucht, um Essen auszuteilen, abzufragen, Schränke aufzufüllen etc. Das sind natürlich Strukturen, deren Schaffung der Krankenhausorganisation obliegt.
Aber hör doch bitte auf, Begründungen dafür zu suchen, warum das nicht geht - in Lösungen denken ist gefragt, also ein: Wie kommen wir dahin, DASS wir das realisieren können. Und im Übrigen ist gerade der interdisziplinäre Ansatz sehr hilfreich, wenn es um den gegenseitigen Respekt vor der Arbeit und den Austausch geht.
MissGarfield83
06.09.2015, 14:56
@AA : Ich muss die Erfahrung leider auch oft machen - das ist kein Pflegebashing, weil ich weiss wieviel zu tun ist - aber letztlich fallen diejenigen die eine Nullbock Einstellung an den Tag legen durchaus öfters auf. Ich werde wirklich fuchsig wenn Anästhesieanordnungen die ich auch nochmal der zuständigen Schwester so kommuniziert habe nicht umgesetzt werden. Und wenn man dann nachfragt, bekommt man ein "Ups hab ich vergessen" in einer Häufigkeit zu hören, die eher Absicht als Vergesslichkeit unterstellen lässt. Wenn man dann mal höflich fragt warum Bögen nicht mit Patientenaufklebern beklebt sind oder warum der Patient den Anamnesebogen noch nicht hat und man ein "ich hab gleich Feierabend" zu hören bekommt wird man durchaus stinkig. Wenn ich böse wäre könnte ich sagen, "wenn dies und das nicht erledigt ist seh ich mir den Patienten gar nicht an und wenn der morgen nicht drankommt ist das ihre Schuld" ... aber l.etztlich mag man es sich auch nicht mit der Pflege ganz verderben. Nur ich hab weissgott zuviele Patienten in der Prämed zu sehen um sonem Mist hinterherlaufen zu müssen.
Oder es werden bei Patienten einfach die PCA's abgesetzt weil die Viggo nichtmehr läuft und man kommt am nächsten Morgen zum Patienten der sich vor Schmerzen im Bett krümmt. Wenn man dann fragt warum der keine PCA mehr hat - kriegt man zu hören " Ja die Viggo is para". Auf die Idee mal den Stationsarzt oder einen von uns zu bitten ne neue zu legen kommt man da nicht ... und das von examinierten GuKP.
Ich hab das Gefühl dass diese geistigen Tiefflieger immer mehr werden, weil die motivierte Pflege irgendwann aufgibt und den Job wechselt.
][truba][
06.09.2015, 15:01
Alles richtig. Aber in diesem Thread steht ausschließlich "Die Pflegenden...".
Hier spricht niemand von Ärzten, die um 12 Uhr die Tageskurve schreiben und Blutentnahmen für den gleichen Tag für um 10 Uhr ankreuzen/aufschreiben, von Ärzten die nur die Kurven von Gestern abschreiben und dabei teilweise Medikamentennamen oder Dosierungen, die sie selbst vom Vorgänger nicht lesen können, falsch verordenen/unter/überdosieren und dir die Kurve einfach wieder hinlegen ohne auch nur irgend etwas abzusprechen. Die einfach nicht kommen, wenn man sie Nachts anruft und sagt, der Patient hat nur noch XX pco2 und er lässt sich nicht mehr beatmen o.ä.
Hier wird das Pflegepersonal einfach mal generell denunziert.
P.S: Damit meine ich nur, faule gibt es in jeder Berufsgruppe und natürlich arbeiten immer die anderen weniger als man selbst.
Absolute Arrhythmie
06.09.2015, 15:03
Dich meinte ich gar nicht Sebastian, und ich Stimme dir zu, dass zum einen die Lage auf ITS eine andere ist und das es natürlich sehr zu wünschen ist (für beide Seiten) dass die Pflege an der Visite teilnimmt.
Auf Intensiv sollte ich als Pfleger die ganze Zeit bei meinen Patienten sein. Wer da Infos nicht mitbekommen haben will oder eine Visite verpasst, der hat so richtig was falsch gemacht. Aber das sollte ja nicht die Mehrheit der Pflegekräfte sein, oder?
Auf Normalstationen ist die Situation aber schon eine andere. Auch da sollte die Pflege an Visiten teilnehmen und meiner Erfahrung nach findet das normalerweise selbst im Größten Chaos statt.
Von daher kann ich mir nur schlecht vorstellen, dass das so selten sein soll, und dann vor allem am angeblichen Unwillen der Pflege scheitert.
Ich versuche auch nicht zu rechtfertigen, warum manche Leute dieses oder jenes nicht machen, aber vielleicht wäre es mal hilfreich für manche hier sich in die berufliche Situation der anderen Seite hinein zu versetzen.
Denn ich sehr es zB auch nicht als meine originäre oder gar als eine erstrebenswerte Aufgabe an Blut anzunehmen. Warum sollte ich das wollen? Ich habe genug damit zu tun alle Patienten angemessen grundpflegerisch zu versorgen,zu mobilisieren, Prophylaxe durchzuführen, Anordnungen umzusetzen, die Station zu organisieren, Patienten für OPs oder Untersuchungen vorzubereiten, die ganze Arbeit zu dokumentieren, dann muss ich noch mit Patienten und Angehörigen kommunizieren, Bedarfsartikel für die Station bestellen, Patienten entlassen oder aufnehmen, Auszubildende anleiten, usw usf.
Ich Sitze nicht oft in meinem Schwestern Zimmer und trinke gelangweilt Kaffee. Meistens tun mir nach der Arbeit Füße und Rücken weh. Nach Nachtdiensten kann ich tagelang nicht vernünftig schlafen.
Das ist ein echt zT beschissen harter Job, ich mach es trotzdem gerne, aber ich erwarte von allen Kollegen zumindest den Respekt, das man mich nicht von vorne herein für dumm und inkompetent hält, nur weil es ein paar Prozent Schwester Rabiatas gibt.
MissGarfield83
06.09.2015, 15:09
@AA : Ich habe selbst in der Pflege gelernt und kenne beide Seiten - muss dabei sagen dass ich auf unsere Anästhesiepflegenden und auf die meisten auf ITS nix kommen lasse - denn die empfinde ich durchaus als sehr kompetent. Was mir missfällt ist diese Nullbockeinstellung die mir öfters auf peripheren Stationen entgegenschlägt. Es git dort durchaus kompentente Pflegende und auch Stationen die auf Zack sind und wo ich weiss dass ich mir keine großen Gedanken machen muss - aber bei anderen Stationen herrscht das Bild was Wacken beschreibt vor. Das kann doch einfach nicht angehen dass sich auf manchen Stationen so eine Kultur zu Lasten der Patienten etabliert ...
Absolute Arrhythmie
06.09.2015, 15:11
Jeder kann gerne einzelne Pflegekräfte inkompetent oder unsympathisch oder faul oder sonstwas finden. Ich möchte nur sehr darum bitten weniger auf die gesamte Berufsgruppe zu generalisieren, dadurch fühle ich mich dann doch dezent persönlich beleidigt.
Stephan0815
06.09.2015, 15:18
Kommunikation soll oft helfen. Wenn man sich wünscht, dass die Pflege bei Visite mit geht, dann kann man das zB mit der Stationsleitung kommunizieren und evaluieren, was die Pflegekräfte daran hindert.
Also wenn die Pflege nicht mit zur Visite kann, wobei man das morgens mit dem stärksten Personalbestand im Schichtsystem eigentlich organisiert bekommen müsste, dann wäre zumindest eine kurze Kurvenvisite eine Alternative.
Die Pflege kann auch nichts dafür, dass es kaum Hilfspersonal gibt. Wenn ich zu zweit auf einer Isolierstation mit zehn zum Teil tracheotomierten A3 und nochmal zehn A1/2 Patienten bin, dann kann ich im Früh Dienst nicht mit zur Visite gehen. Punkt.
Zu dem Zeitpunkt liegen noch drei Patienten in ihren Exkrementen, zwei müssen abgesaugt werden und vier oder fünf sind noch zu waschen. Da muss man Prioritäten setzen, und das ist bei vielen Pflegenden die Grundversorgung der Patienten.
Irgendwie liegt hier ein Missverhältnis vor zwischen den Prioritäten. Wenn auf der einen Seite das Überleben des Patienten durch ärztliche Maßnahmen zugunsten der Grundversorgung des Patienten aufgewogen wird und viele Pflegende meinen, dass zuerst der Patient gewaschen werden müsste, also die weniger dringliche Maßnahme Priorität erlangt; dann ist das wohl eine Fehlabwägung dieser examinierten Pflegekraft. Und wenn das viele so sehen, dann liegt der Fehler wohl schon in der Ausbildung.
Eine objektive Sichtweise wäre: Überleben vs Wohlbefinden -> Priorität Überleben!
Wünschenswert wäre es wenn es anders wäre, das ist aber nicht die Realität in vielen deutschen Krankenhäusern. Also schaut doch bitte mal über den Tellerrand und zeigt ein kleines bisschen Respekt vor den Menschen, mit denen ihr zusammen arbeitet.
Ich glaube, dass der Respekt voreinander schon vorhanden ist und dass hauptsächlich Kommunikationsprobleme zu den angemahnten Schwierigkeiten geführt haben. Auch der Ton untereinander spielt nunmal die Musik. Allerdings wurden hier auch krasse Einzelfälle geschildert und gerade nicht allgemein die Pflege für unfähig erklärt, wie du es jetzt interpretiert hast.
Absolute Arrhythmie
06.09.2015, 15:23
Ich hab das nicht als einzige so interpretiert, siehe Postings von Milka und Truba.
*edit: außerdem ist es etwas übertrieben zu behaupten in der ärztlichen Visite ginge es immer ums Überlebenden und bei der Grundpflege nur ums Wohlbefinden. Das ist auch schlicht und ergreifend nicht wahr. Zur Grundpflege gehört Dekubitus-, Pneumonie-, Kontraktur- und Thromboseprophylaxe. Wenn die Omma nach der Hüft-TEP nicht aus dem Bett kommt isse auch schnell tot, um das mal salopp zu formulieren.
Stephan0815
06.09.2015, 15:35
Zugegeben es wäre richtiger zu schreiben, diese und diese examinierte Pflegekraft hat sich so und so verhalten. Vielleicht sollte man grundsätzlich vermeiden, stets nur von "der Pflege" zu sprechen.
Ich glaube allerdings nicht, dass diejenigen hier eine ganze Berufsgruppe diskriminieren wollten (ich zumindest wollte das sicher nicht) und hier nur, wie schon erwähnt, krasse Einzelfälle geschildert wurden. Habe selbst viel mehr positive Erfahrungen mit verschiedenen Pflegekräften gemacht, als bisher negative erlebt.
[...]außerdem ist es etwas übertrieben zu behaupten in der ärztlichen Visite ginge es immer ums Überlebenden und bei der Grundpflege nur ums Wohlbefinden. Das ist auch schlicht und ergreifend nicht wahr. Zur Grundpflege gehört Dekubitus-, Pneumonie-, Kontraktur- und Thromboseprophylaxe. Wenn die Omma nach der Hüft-TEP nicht aus dem Bett kommt isse auch schnell tot, um das mal salopp zu formulieren.
Das ist mir bewusst und sicherlich allen anderen auch. Deshalb hab ich explizit das Waschen in den von dir aufgeführten Grundpflegearten genannt. Man sollte halt auch als Pflegekraft mitbekommen, wie es um den Patienten gerade wirklich gestellt ist und dementsprechend die Prioritäten richtig setzen. Und oft ist es schlichtweg ein Kommunikationsproblem zwischen den Disziplinen und/oder (was hier zuvor kritisiert wurde) fehlendes Interesse einer Seite mal über den Tellerrand zu kucken.
Ich sehe kein generelles Pflegebashing. Um es zu spezifizieren was ich oben sagte, sowohl während in meiner AA-Zeit in Deutschland als auch hier in Kanada ist die Pflege grundsätzlich dabei. Aber ich kann es eben nicht nachvollziehen wenn es (grundsätzlich) nicht gehen soll - Ausnahmen können immer vorkommen.
AA, du sprichst vom mangelnden Personal und das kann ich gut nachvollziehen. Doch was ist denn die Konsequenz? Man findet sich damit ab, dass es keine multidisziplinäre Visite gibt? Kann doch nicht sein. Die Pflege versteht sich (zurecht!) als eigenständige Berufsgruppe im Krankenhaus, es gibt eine zunehmende Anzahl an Führungskräften im Pflegebereich. Die ärztliche Leitung ist organisatorisch nicht weisungsbefugt. Dann müssen die aber auch zusehen, dass sie eine entsprechende Besetzung verhandeln und man anerkannte Standards, wie die von Sebastian zitierte Empfehlung ja klar zeigt, umsetzt. Dass auch das interdisziplinär besser geht (mit Ärzten und Pflege) sollte klar sein.
Ein Beispiel wie es laufen kann ist die neue GBA Richtlinie in der Neonatologie, die mit großem Einsatz von Pflege und Ärzten gegenüber dem Gesetzgeber geschafft hat, eine 1:1, bzw. 1:2 Betreuung für intensivtherapiepflichtige, bzw. intensivüberwachungspflichtige Frühgeborene festzulegen.
Am Ende werden die Patienten nur gesund, wenn beide Berufsgruppen gute Arbeit leisten - aber nicht nebeneinander, sondern miteinander.
edit: weil oben mal die Frage zum nordamerikanischen System kam. Es gibt hier nurse practicioners und registered nurses, wobei ich den Unterschied noch nicht kapiert habe. Insgesamt ist hier die Besetzung pro Frühchen ungefähr wie eben zum GBA beschrieben, die Schwestern haben damit hier mehr Zeit als in Deutschland derzeit. Medikamente verordnen nur die Ärzte. Alle NPs und RNs nehmen Blut ab und legen periphere Zugänge. Es gibt dann weitergebildete Nurses, die zentrale Katheter legen, die können auch das Röntgenbild selber einschätzen, am Ende wird es dann trotzdem dem Arzt vorgelegt. Von allen NPs und RNs erhält man einen kompletten körperlichen Status des Kindes inkl. Auskultation etc. Daneben gibt es respiratory technicians, die nach 3-jährigem Studium nur für Beatmung und Atemwegsmanagement zuständig sind. Die haben gewisse Protokolle und Leitlinien, denen sie folgen müssen, außergewöhnliche Sachen muss der Arzt anordnen was teilweise zu leidigen Diskussionen führt...
ehem-user-19-08-2021-1408
06.09.2015, 16:24
Das mit den Raucherpausen kenne ich auch gut.
Auch so ein deutsches Phänomen, dass gefühlt 50% der Leute in der medizinischen Branche rauchen.
In meinem Innere-Tertial auf der Toxikologie war der Aufenthaltsraum(Küche) eigentlich ein Raucherraum. Leider waren die Ärzte auch Raucher und so fand der Studentenunterricht immer dort statt *hust*
Raucherpausen waren auch das zentrale Nr1 Thema bei den dortigen Mitarbeitern.... wer wann gehen darf und so...
Der Patientenkontakt hielt sich dort eher in Grenzen
Beschämend
Sebastian1
06.09.2015, 17:01
Die ärztliche Leitung ist organisatorisch nicht weisungsbefugt.Bei uns schon. Die Anästhesie-, Intensiv- und OP-Pflege untersteht dem Anästhesiechef. Es gibt zwar auch eine PDL für die Intensiv, die autark Entscheidungen treffen kann, aber letztlich hat EIN Chef den Hut auf. Und das ist bei größeren Projekten und Grundsätzlichkeiten schon mehrfach gut gewesen.
Ich arbeite meist ganz gut und gerne mit engagierten Pflegekräften. Das macht mich froh 😃
Eine Sache irritiert mich nur gelegentlich: Wenn etwas schief läuft, oder auch allgemein - bei einigen unserer Pflegekräfte fällt es schwer Verantwortung zu übernehmen. Da wird ständig rückgefragt oder "Anordnungen seien nicht eindeutig". Bspw. Steuerung von paralleler G10 und VEL Infusion plus Insulin Perfusor bei Ketoazidose. Da gibt es kein Kochrezept das ich anordnen kann. Da muss man mit "Gas und Bremse" spielen und mich nicht 5x nachts anrufen damit ich dann die nächste Einstellung tippe.
Anderes Beispiel: SmofKabiven peripher angeordnet über PVK, Beutel im Lager ausgegangen, kommentarlos wird Kabiven zentral infundiert. Das ist ärgerlich. Begründung war nicht: Lager leer (erst durch Recherche) sondern der Kurvenübertrag sei unvollständig gewesen. Beides doof. Hier muss man Verantwortung übernehmen und nachlesen ob das geht oder fragen.
Drittes Beispiel: Pat. mit OAK (Pradaxa). Tabletten sind nicht da, wird ein Wochenende lange mit Bleistift "bestellt" in die Kurve geschrieben. Damit hat man das für sich erledigt.
Ich hoffe (da ich primär Goodwill unterstelle) und fürchte die Kollegen der Pflege haben den Kopf nicht mehr frei für multiprofessionelle Therapie/Patientenführung, Verantwortung für das gemeinsame Tagwerk/Ziel...
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Was ich nicht verstehe, ist der Nebensatz in einem vorherigen Post bzgl. Späterer Anordnungen nach 12h.
Ich visitiere zum Teil 2x am Tag oder nachmittags oder während dem Echo/Sono in der Funktion. Wenn ich was anordne ist das medizinisch begründet und abzuarbeiten.
Oder habe ich das Posting falsch verstanden?
Moorhühnchen
06.09.2015, 18:30
Drittes Beispiel: Pat. mit OAK (Pradaxa). Tabletten sind nicht da, wird ein Wochenende lange mit Bleistift "bestellt" in die Kurve geschrieben. Damit hat man das für sich erledigt.Oje, das hab ich in meiner ersten Famulatur mal mit Ergenyl so gesehen. Endete in einem generalisierten Kramfanfall.
In meinen Neurofamulaturen war ich immer total begeistert von den Visiten. Es gab damals feste Zeiten und die Schwestern waren eigentlich immer dabei und es fand auch ein reger Dialog statt, der dem Patienten in vollem Umfang zugute kam. Vor allem, da nicht nur über ihn, sondern in erster Linie mit ihm geredet wurde - was ich bei Visiten einen extrem wichtigen Aspekt finde! Oft war auch der Physiotherapeut oder gar die Logopädin noch mit dabei. Das war irgendwann zwischen 2005 und 2007...
Als ich dann selbst 2009 auf eben dieser Station als Assistentin anfing, gab es das alles nicht mehr.
Jetzt auf unserer kleinen Intensiv ist die Pflege größtenteils ziemlich auf Zack. Die haben mich neulich am Wochenende solange getriezt, weil der Husten einer Patientin "schlimmer" wurde - was mir nicht aufgefallen wäre, da ich sie ja nicht regelmäßig sehe (wir betreuen die Patienten nur abends ab 18 Uhr im Bereitschaftdienst bis zum nächsten Morgen, von da bis 18 Uhr sind die Chirurgen zuständig). Wenn die Schwestern da nicht so penetrant gewesen wären, wäre mir der Pleuraerguß vielleicht noch etwas länger entgangen, zumal die Patientin noch relativ jung und weiter volumenbedürftig war.... so konnte ich rechtzeitig gegensteuern. Das habe ich auch offen so gesagt und mich für den Hinweis bedankt und ich glaube, das wurde auch so aufgenommen, wie es von mir gemeint war! :-)
Aktuell stehe ich etwas ratlos da, wie ich mit einer unserer Anästhesie/ITS-Schwestern umgehen soll. Sie ist so dermaßen schnell gereizt und reagiert wirklich auf Telefonklingeln schon mit Haßtiraden ("Was will denn der jetzt schon wieder?"). Anfangs dachte ich, das sei eine akute Überlastung (Vollzeit in der Pflege tätig, nebenher noch ein Zahnmedizinstudium, Wohnungssuche, gesundheitliche Probleme), aber in letzter Zeit fällt es allen immer mehr auf, daß sie bei einigen Patienten extrem reagiert, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll.
Als Beispiel: Patientin post-op noch voll im Narkoserausch winkelt auf der Schleuse die Beine an, sie sagt zweimal "Bitte Beine gerade machen" - die Patientin versteht das in ihrem Zustand natürlich nicht und kann es nicht umsetzen und dann kommt schon ein "Himmel, ich hab's jetzt 2x gesagt, daß Sie die Beine ausstrecken sollen, was ist denn daran so schwierig?"..... und wehe, in diesem Moment klingelt dann noch das Telefon!!
Ich habe in diesem Moment nichts gesagt, weil die Patientin den Ausraster nicht wirklich mitbekommen haben kann, bzw. sofort wieder die Augen geschlossen hat. Aber gerade der Umgang nachts mit Patienten auf der Intensiv, vor allem Ältere, nicht voll orientierte und ganz besonders psychisch kranke Patienten - was ich da schon so gehört habe - das geht gar nicht!! :-(
Dementsprechend reagieren die Patienten auch teilweise auf sie, ich habe schon mitbekommen, daß sich eine Patientin so von ihr bevormundet gefühlt hat (sie hatte ihren Becher umgeworfen und als Reaktion kam: "Ich hab's Ihnen doch gesagt, jetzt bleiben Sie mal schön im nassen Bett sitzen!"), daß sie letztlich nach der Schwester schlug. Die Situation schaukelt sich so natürlich immer weiter hoch.
Gerade letzte Woche habe ich wieder so ein paar Szenen erlebt und mußte unweigerlich mal bei den Kollegen aus der Pflege fragen, wie diese die Situation sehen, aber auch da kommt die Rückmeldung "geht gar nicht, dieses Verhalten". Inwiefern das schon bei der Pflegeleitung angekommen ist, weiß ich leider nicht. Aber gerade die Dinge von letzter Woche wären es wert, angesprochen zu werden! Beim Versuch es direkt mit der Schwester anzusprechen, wird die "Schuld" auf die "nervigen und unkooperativen Patienten" abgewälzt.... Wie würdet ihr vorgehen?
Sebastian1
06.09.2015, 18:44
Achja, umgekehrt geht das übrigens auch: Auf einer anderen Intensiv ist mit den Jahren eine extrem gute Ärztetruppe, die sehr gut mit fachfremden Kollegen und der Pflege klar kam, wegdiffundiert (Rotation, Hauswechsel, OA-Stellen...). Die nachrückenden (durchaus Fachärzte) haben es irgendwie geschafft, in sehr kurzer Zeit alle gegen sich aufzubringen durch Untätigkeit, Unfähigkeit und von-oben-herab (maximales Selbstbewusstsein bei...usw..)
][truba][
06.09.2015, 18:50
Was ich nicht verstehe, ist der Nebensatz in einem vorherigen Post bzgl. Späterer Anordnungen nach 12h.
Ja. Ich meinte, dass es bei mir ärztliche Kollegen gibt, die um 12 Uhr Mittags die Visite schreiben (nicht schlimm) und dann eine Blutentnahme für den gleichen Tag um 10 Uhr (also 2h bevor die Kurve geschrieben wird) ansetzen. Dann auch nicht bescheid geben, dass da eine angesetzt ist (was ja noch gehen würde) und sie dann natürlich nicht abgenommen wird.
Ist aber eine Ausnahme. Gibt es aber auch. Wenn es angeordnet wird, arbeite ich es natürlich immer gern ab. Nur ist es bei unseren (ITS)Kurven schwer zu sehen wenn etwas in der "Vergangenheit" angekreuzt wird!
][truba][
06.09.2015, 18:54
Gerade letzte Woche habe ich wieder so ein paar Szenen erlebt und mußte unweigerlich mal bei den Kollegen aus der Pflege fragen, wie diese die Situation sehen, aber auch da kommt die Rückmeldung "geht gar nicht, dieses Verhalten". Inwiefern das schon bei der Pflegeleitung angekommen ist, weiß ich leider nicht. Aber gerade die Dinge von letzter Woche wären es wert, angesprochen zu werden! Beim Versuch es direkt mit der Schwester anzusprechen, wird die "Schuld" auf die "nervigen und unkooperativen Patienten" abgewälzt.... Wie würdet ihr vorgehen?
So etwas kenne ich auch von der Arbeit bei uns auf der Intensiv. Entweder es ist wirklich die Überlastung, was aber bei einer selbstreflektierten Kraft dann nicht auf die Patientin abgewälzt werden würde oder aber, es ist wirklich jemand, der nicht mit deliranten Patienten etc. umgehen kann. Wenn du schon mit ihr gesprochen hast und sie uneinsichtig ist, würde ich noch mal mit den pflegerischen Kollegen sprechen, die du schon gefragt hast, ob das mal mit der Leitung thematisiert wurde und/oder sie das mal machen/melden wollen.
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