Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umgang mit den Schwestern - das heikle Thema
Seiten :
1
2
3
4
5
6
7
[
8]
9
10
11
12
13
Und zum Thema Medikamente i.v. - habt ihr euch schon mal überlegt, dass eine Pflegekraft nicht einfach irgendwas i.v. verabreichen will, wovon sie nicht weiß, wie es wirkt, welche Nebenwirkungen auftreten können, etc? Oder dass sie es weiss und es genau aus diesem Grund nicht gibt (beispiel atemdepression bei morphin)?
Ich hab jetzt ne dreijährige Ausbildung hinter mir - der Pharmaunterricht betrug 8 Stunden.
Und was ist der Unterschied zwischen i.v. und p.o. Gabe? i.v. schlägt schneller an, okay. Aber entweder kennst du Wirkung und Nebenwirkungen eines Medikaments oder du kennst sie nicht. Dass du es p.o. gibst wird ja wohl nicht zur Diskussion stehen, oder? Und wenn du dich beim Ausrechnen der Digitoxin-Dosierung für p.o. vertust (bezogen auf Pädiatrie - wir ordnen grundsätzlich mg-Dosierungen an, es ist Aufgabe der Pflege sich die ml-Zahl zu errechnen, ggf. in Rücksprache mit uns) haben wir auch ein ordentliches Problem.
Erdbeermond
19.02.2013, 21:18
P.o. steht nicht zur Diskussion, ist logisch - aber bei uns haben die Patienten eigentlich immer ihre Medikation, die sie von zu Hause mitbringen. Es gibt dann höchstens mal Schmerzmittel oral dazu. Ausnahmen ausgenommen.
I.v. ist das für mich aber irgendwie ein anderes Kaliber. Selbst auf intensiv müssen wir eine Prüfung machen, bei der wir die Medikamente und ihre Nebenwirkungen kennen müssen. Und selbst dann darfst du nur eine beschränkte Auswahl geben (dipi, zofran, midazolam, etc). Auf intensiv hast du aber auch zu 90% nen arzt in rufweite, der auch kommt, wenn was ist. Auf normalstation hab ich ab fünf einen dienstarzt, der für zwei Stationen(80pat.)und die notaufnahme zuständig ist und einfach nicht kommt, wenn der pat. Nicht gerade stirbt, weil er soviel zu tun Hat.
Der Unterschied von ITS und Normalstation ist klar.
Aber ich weiß immer noch nicht wieso "p.o. keine Diskussion", aber "i.v. ein anderes Kaliber" ist :-nix
Ich glaube, es ist immer sinnvoll zu verstehen wieso ein Medikament gegeben wird, was es grob macht und was es für Nebenwirkungen haben kann (nebenbei nur umsetzbar wenn genügend Medizin in der Pflege-Ausbildung gelehrt wird). Das gilt aber für jede Medikamentengabe! Und es wird niemand von dir verlangen auf peripherer Station was zu spritzen das ganz direkt Nebenwirkungen haben kann (Zofran, Predni, Fenistil, Lasix oder ein entsprechend dosierter M-Bolus sind da eben harmlos). Wie gesagt - ich sehe da keinen Unterschied zwischen iv und po Gabe.
PsychoFan
19.02.2013, 21:53
Auch ich sehe es ähnlich, wie alex1.
Die Pflege hat sich in Deutschland zu Zimmermädchen degradiert und beklagt sich noch, dass sie nicht ernstgenommen wird. Am Anfang war es für mich als Ausländer wirklich schwierig zu verstehen, dass man hierzulande von vielen Pflegekräften nicht allzu viel Kompetenz erwarten kann. Ich habe anfangs immer versucht, die Pflege in diagnostische und therapeutische Entscheidungen hineinzubeziehen. So wie ich es gelernt habe. Hat ziemlich lange gedauert, bis ich kappiert habe, dass das Gegenüber mich deshalb mit großen Augen anschaut, was es nichts versteht und nicht deshalb, weil ich Quatsch erzähle.
Dann bin ich zu einer Patientin gerufen worden: "Frau X hat Magenschmerzen". Wo tut es weh? Diese zeigt auf den Unterbauch. Naiv, wie ich war, habe ich der Pflegekraft einen Anschiss verpasst, dass sie mich verarscht. Effekt: Pflegekraft beleidigt, beschwert sich bei Stationsschwester, diese beschwert sich beim Oberarzt. Im gemeinsammen Gespräch habe ich dann verstanden, dass ich von einer Pflegekraft nicht erwarten kann zu wissen, wo der menschliche Magen lokalisiert ist.
Mit der Zeit habe ich dann immer mehr verstanden. Dass man von einer Schwester nicht erwarten kann, dass sie Dyspnoe erkennt wenn der Patient blau anläuft, aber spontan keine Beschwerden angibt. Dass sie versteht, dass Herr X nicht deshalb bei Intimpflege schreit und herumschlägt, weil er böse sei, sondern deshalb dass aufgrund der am Vortag anscheinend nicht zurückgeführter Vorhaut sich bereis eine Paraphimose gebildet hat. Dass der demente und bettlägerische Herr X, der angibt keine Probleme mit dem Wasserlassen zu haben, obwohl die Windeln seit zwei Tagen trocken sind, vielleicht doch nicht urinieren kann. Dass man doch bitte einen Arzt konsultieren sollte, bevor man einen Patienten mit Puls von 42/min in ein Einzelzimmer im 2. OG legt und ihm mitteilt, dass der Arzt ihn nach der Visite in drei Stunden aufnehmen wird. Zusammengefasst: Eins sollte man von der Pflege nicht erwarten: Denken.
Zusammengefasst: Eins sollte man von der Pflege nicht erwarten: Denken.
Hier muss ich aber dann doch widersprechen. Das mag vielleicht dein Eindruck aus deiner Abteilung sein. Solche Beispiele habe ich bei mir auf den Stationen nicht erlebt und ich kann mich (mit ganz wenigen Ausnahmen) auf die Einschätzung meiner Pflegekräfte verlassen. Die denken auch mit. Weniger kompetent sind sie leider bei uns in der Aufnahme (Schwester sitzt seelenruhig neben einem von ihr gemachten Astrup mit pCO2 von 17 kPa und pH von 7,22).
Das Argument "der Patient könnte auf die i.v. Medikamentengabe reagieren", ist ein Scheinargument. Der Patient könnte gleich reagieren, er könnte aber auch nach 15 min reagieren. Und selbst wenn er reagieren würde, läuft keiner von uns Ärzten mit dem Ambubeutel oder der Prednisolon-Ampulle in der Kitteltasche auf Station rum.
Und warum denken Einige, dass Patienten eher aufs "Spritzen" als auf Kurzinfusionen reagieren. Das Medikament ist ja dasselbe, allergisch reagiert man sowieso, wenn man reagieren soll.
Und wenn tatsächlich ein Patient eine Atemdepression machen soll, kann ich wohl erwarten, dass die Pflege genauso gut in Notfallsituationen, wie ein Arzt reagieren kann (Alarm schlagen). Oder?
Es ist für mich faktisch eine psychologische Sache. Spritzen ist aktiver, als anhängen.
Wie viele Ärzte/Ärztinnen/PJer haben hier Schwestern erlebt, die i.v. Boli-Gaben abgelehnt haben?
Kackbratze
19.02.2013, 22:41
*handzeichengeb*
Habe mir nun den letzten Monat KPP auf der Intensiv organisiert, um mir ein besseres Bild machen zu können u.a. in Hinblick auf Dienst nach Vorschrift, Teamarbeit/Kompetenzteilung und Assistenz.
In meiner Welt fahre ich meistens drei Säle parallel. Das bedeutet, dass die unmittelbare Verantwortung beim Pflegepersonal liegt.
Wie gut, dass es in Deutschland anders aussieht.
Exakt wo siehst Du den grossen Vorteil des deutschen Systems verglichen mit dem schwedischen?
Es werden einfach mehr Ärzte (Anästhesisten) gebraucht. Für den Berufsstand ist es so denke ich besser. Außerdem wird am Ende sicher immer der Arzt zur Verantwortung gezogen und ich halte nicht meinen Kopf und/oder die Approbation für die Fehler einer anderen Person hin.
Labormedizin
Bingo! Steht ganz weit oben auf meiner Liste, da am besten kompatibel hierzu:
Und ich habe Chemie noch im Abi gehabt und wollte mal Chemie studieren.
mejakru30
20.02.2013, 06:14
Ah, ich verstehe: Die "medizinischen" Aufgaben die ruhig von der Pflege gemacht werden können sind komischerweise die, die als lästig empfunden werden. Aber natürlich geht es darum der Pflege zu zeigen dass sie so richtig was draufhat und nicht selber den Arbeitsberg kleiner zu machen, welch lächerliche Annahme!
Ich habe im übrigen in meiner Ausbildung nicht gelernt Blut abzunehmen (ja, ich bin gelernte KS), aber ich finde es total selbstlos dass Ärzte NATÜRLICH den Schreibkram auf sich nehmen würden um das der Pflege zu ermöglichen. Aber, hmm, ich hätte es nicht gemacht denn: komischerweise sieht kaum eine KS es als Ehre an wenn sie auch noch zu allem anderen ärztliche Aufgaben zugeturft bekommt, tstststs, dabei sollten die Waschfrauen und -männer sich doch freuen wenn sie mal so richtig arbeiten!
Ach ja- und auch das Schüsselschieben kann anspruchsvoller sein als man denkt- man bedenke WS- oder Hüft- OP´s.
:-meinung
WackenDoc
20.02.2013, 06:58
Ich werde im Leben nicht verstehen,warum die s.c.-Gabe von Insulin ungefährlicher sein soll als die i.v.-Gabe eines angeordneten Heparinbolus.
][truba][
20.02.2013, 06:58
Sorry, da platzt mir aber doch fast die Hutschnur wenn ich so einen Schwachsinn wie von PsychoFan lesen muss.
Natürlich kann man "auch" von Pflegenden erwarten zu denken und, es wird dich überraschen, der Großteil tut dies sogar. Zum Glück gibt es aber keine Ärzte die Sachen wie Delix 47,5 ansetzen, nur weil sie es von der letzten Kurve abschreiben ohne darüber nachzudenken und ähnliche Sachen. Und, kann er deshalb nicht denken? Ich glaube doch. Deshalb würde ich nie so einen Schwachsinn schreiben. Ausfälle gibt es in jeder Berufsgruppe. Das sie prozentualer bei den Ärzten geringer ist (sein könnte), möchte ich in Anbetracht des Hochschulstudiums erwarten.
So, um mal auf den Rest zurückzukommen finde ich, das manche die Sache irgendwie vermischen. Wer sagt das eine Spezialisierung der Pflege damit einhergehen muss, solche Aufgaben übernehmen zu müssen?
Ich habe den Eindruck, dass sich die Pflege professionalisieren möchte (Studium etc.), sich dabei aber von der Medizin immer weiter entfernt. Pflegediagnosen, Pflegeanamnese, ATLs im Computer dokumentieren etc. Ich weiß nicht wann das angefangen hat.
Das klingt fast so, als findest du die von dir aufgeführten Punkte sinnlos. Aber warum geht für dich eine Professionalisierung der Pflege damit einher das man "dichter" an die Medizin heran muss? Neue Erkenntnisse kann man nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Pflege sammeln. Vielleicht sind diese nicht so "weltbewegend" wie die medizinischen, aber auch diese fließen in die Ausbildungen ein. Ich denke, dass auch die oben genannten Punkte dazu beitragen die Patienten entsprechend besser zu versorgen, als es früher der Fall war. Nur weil ein Arzt diese Punkte vielleicht nicht nachvollziehen kann oder "dumm" findet, heißt das nicht das sie es auch sind. Ich sage ja auch, das die Pflege sich organisieren muss, um ihre Bedürfnisse zu vertreten und besser aufgestellt zu sein. Aber warum sollte man dann als erstes anstreben solche i.v. Boli oder ähnliches zu übernehmen. Ich kenne das als ITS Pfleger zwar gar nicht anders und sehe auch den direkten Nutzen für meinen Patienten, wenn ich ihm direkt Ondansetron o.ä. gebe, aber ich habe auch nur 2 Patienten und nicht 12 oder 16 oder wieviel man auf einer normalen Station versorgen muss.
Diese Idee mit den Assistenten ist nicht neu und gibt es teilweise auch schon. Aber ganz ehrlich. Ich hab den Pflegeberuf gewählt um meinen Patienten ganzheitlich zu versorgen. Ich habe auf meiner Station (ITS) die Möglichkeit dazu meinen Patienten vom Aufwachen am Morgen, über die Übernahme oder noch besser die Hilfestellung bei der Körperpflege, der Durchführung von Prophylaxen, dem Helfen bei der Nahrungsaufnahme usw. usf. zu unterstützen.
Auf der peripheren Station hab ich diese Möglichkeit schon nicht mehr und das finde ich ziemlich traurig. Mir werden schon, und das wird in Zukunft zunehmen, einige dieser Aufgaben (Waschen, Lagern, Essen reichen) abgenommen so das mir irgendwann nix mehr bleibt als was? Medikamente stellen, Visiten ausarbeiten und was sonst noch? Für mich hätte das nix mehr mit Pflege zu tun und genau dahin sollte sich Pflege für mich nicht entwickeln.
Ob das nun ein Arzt versteht, kann ich nicht beurteilen. Wenn ich hier im Studium mal die höre, die die Ausbildung gemacht haben und dann meinten "Oh gott, wie konntest du nur 2 Jahre in dem Beruf arbeiten." frage ich mich warum man GuK wird, wenn man es so schlimm findet und damit jemand anderem den Ausbildungsplatz nimmt. Dann sollte man doch lieber etwas anderes machen.
Für mich bleibt nur, das sich die GuK´s organisiert und dann mal Richtlinien bespricht wohin sich die Pflege in D entwickeln will. Ich hätte theoretisch nichts dagegen, das auch auf peripheren Stationen bestimmte Medikamente gegeben werden, um den Patienten direkt zu helfen (Übelkeit, Schmerzen, etc.) aber eben nur aus dem Grund heraus und nicht weil ein Arzt meint "stell dich mal nicht so an, ist ja nix dabei". Eine Professionalisierung bedeutet nicht die ungeliebten Aufgaben einer anderen Berufsgruppe zu übernehmen.
MfG Thomas
Absolute Arrhythmie
20.02.2013, 07:57
ich denke man muss da etwas mehr zwischen Aufgaben differenzieren, als das hier bislang getan wird.
Also, ich hätte kein Problem damit qualifizierte Aufgaben zu übernehmen, wie es zB Schwestern in der Schweiz oder in Skandinavien tun. Also zB kleine diagnostische Untersuchungen durchführen, eigenverantwortlich über bestimmte Medikamente entscheiden, oder oder oder.
Ich seh allerdings die reine Handlung der Blutentnahme oder der i.v.-Injektion nicht als qualifizierte Arbeit an! Lassen Ärzte das nicht gerne Famulanten und sogar KPPler machen, weil es so einfach ist Blut abzunehmen? Ich habe beides schon das ein oder andere Mal gemacht, und halte beide Tätigkeiten für reines Handwerk. Und sorry, handwerkliche Tätigkeiten habe ich in der somatischen Pflege schon bis zum gehtnichtmehr.
Mittlerweile arbeite ich in der psychiatrischen Pflege, und hier haben wir auch immer wieder die selbe Diskussion. Bezugpflege, Pflegerische Gruppen usw usf werden als nicht so wichtig erachtet. In meinem Haus sogar als so unwichtig, dass wir im Gegensatz zu allen anderen Berufsgruppen (Ergotherapie, Sozialarbeiter, Sekretärinnnen, Physios) nicht mal auf der Internetseite der Klinik erwähnt werden.
Ich hab da ansonsten nichts mehr hinzuzufügen, truba und Denüse haben hier eigentlich schon alles gesagt. Und gegen Mauern anrennen mag ich auch nicht.
Aber mal im Ernst, wer mit solchen Einstellungen, wie sie manche hier vertreten, auf Pflegepersonal zugeht, der muss sich nicht wundern, wenn nachts um drei der Pipser wegen ner Schmerztablette geht! Das ist nämlich auch ne verbreitete Methode, um nervigen Ärzten auch mal auf die Kette zu gehen, und hat häufig wenig mit Unsicherheit der Pflegeperson zu tun.
Desiderius
20.02.2013, 08:10
Aber mal im Ernst, wer mit solchen Einstellungen, wie sie manche hier vertreten, auf Pflegepersonal zugeht, der muss sich nicht wundern, wenn nachts um drei der Pipser wegen ner Schmerztablette geht! Das ist nämlich auch ne verbreitete Methode, um nervigen Ärzten auch mal auf die Kette zu gehen, und hat häufig wenig mit Unsicherheit der Pflegeperson zu tun.
Und So wird das primitive Hierarchie denken und handeln von beiden Seiten aufrecht erhalten...:-keule
Also, ich hätte kein Problem damit qualifizierte Aufgaben zu übernehmen, wie es zB Schwestern in der Schweiz oder in Skandinavien tun. Also zB kleine diagnostische Untersuchungen durchführen, eigenverantwortlich über bestimmte Medikamente entscheiden, oder oder oder.
Ich seh allerdings die reine Handlung der Blutentnahme oder der i.v.-Injektion nicht als qualifizierte Arbeit an! Lassen Ärzte das nicht gerne Famulanten und sogar KPPler machen, weil es so einfach ist Blut abzunehmen? Ich habe beides schon das ein oder andere Mal gemacht, und halte beide Tätigkeiten für reines Handwerk. Und sorry, handwerkliche Tätigkeiten habe ich in der somatischen Pflege schon bis zum gehtnichtmehr.
Das Problem ist allerdings, dass viele deiner Kolleginnen und Kollegen der Pflege Blutentnahmen und i.v.-Injektionen nicht aufgrund der mangelnden Kapazität ablehnen, sondern weil diese Massnahmen risikoreich seien und deswegen vom Arzt durchgeführt werden sollten. Nirgendwo wird gesagt, dass die Pflege keine Zeit dafür hat, man stellt lieber in den Vordergrund, dass Blutentnahmen & i.v. Injektionen zu Verletzungen bzw. Medikamentenreaktionen führen könnten. Und deswegen sollte der Arzt diese machen.
Insofern habe ich Mühe mit deinem Argument, dass die Pflege bereit wäre selbst Medikamente zu verordnen, wenn sie sich nicht mal im Stande sieht ein vom Arzt angeordnetes Medikament i.v. zu verabreichen, weil dies "zu risikoreich" sei.
Ich sage es mal ganz krass, damit du den Sinn der Diskussion verstehst:
Wenn du (und damit ist die Pflege gemeint) Blut abnimmst ist es kosteneffizienter (billiger), als wenn es ein Assistenzarzt macht. Darum geht es. Du kannst es genauso gut wie er (und wenn du es lange genug machst, wirst du es sogar eines Tages besser als er könnten), deine Arbeitszeit kostet allerdings weniger als seine.
Daher solltest du das auch machen.
Das nicht-delegieren sogenannter "ärztlicher Aufgaben" (was in Wahrheit keine ärztliche Aufgaben sind) ans Pflegepersonal ist kostenineffizient und schlecht für den Betrieb. Diese fehlende Kosteneffizienz führt letztendlich auch zu Stellenkärzungen im Gesundheitssystem.
Übrigens wäre es schön, wenn du mal auch mal auf die Fragen direkt antworten würdest, die hier gestellt werden.
Absolute Arrhythmie
20.02.2013, 08:16
Und So wird das primitive Hierarchie denken und handeln von beiden Seiten aufrecht erhalten...:-keule
Ich hab nicht gesagt dass ich sowas tun würde oder gutheißen! Aber es ist Realität, dass sowas passiert, genau wie das sogenannten "an die Wand fahren lassen" von arroganten Jungärzten, die man absichtlich (?) so richtig in eine Sackgasse rennen lässt.
Ich find sowas asozial und unangebracht, denn vor allem der Patient leidet darunter. Ganz zu schweigen davon, dass es sich nicht gehört so mit seinen Mitmenschen umzugehen.
AAAAAABER, manchmal verhalten sich auch Ärzte wie die Axt im Walde. Und wenn manche hier im Thread formulierten Sachen mir auf Station von nem Arzt so gesagt werden würden, dann hätte ich auch wenig Lust weiter mit der Person zu arbeiten.
Erdbeermond
20.02.2013, 08:27
Alex, du scheinst nicht zu verstehen, dass die Arbeitskraft der Pflege vielleicht billiger sein mag - aber es ist dafür keine Zeit! Wenn ich jetzt anfange, zusätzlich zu meinen normalen Aufgaben, bei denen der Patient schon zu kurz kommt, auch noch bei 40 Patienten Blut abnehme und venöse Zugänge lege, dann kann ich meine pflegerischen Aufgaben nicht mehr erledigen. Dann rutschen wir in die Systematik rein, dass FSJler Essen eingeben müssen weil die examinierte Pflegekraft Blut abnimmt. Und dass kann es einfach nicht sein. Denn Essen eingeben ist eine defintiv pflegerische Aufgabe, die z.b. beim Patienten mit Dysphagie nicht von ungelernten ausgeführt werden sollte. Blut abnehmen hingegen weniger.
Genau aus diesem Grund gibt es auf meiner Station eine Arzthelferin, die jeden Morgen die Blutabnahmen macht und die ist damit über ne Stunde beschäftigt - und stell dir vor: die Pflegekräfte sitzen trotzdem nicht im stationszimmer und Trinken Kaffee. Weisst du was die tun? Richtig, die versorgen ihre Patienten.
Auf ITS nehmen wir auch Blut ab. Da hab ich aber auch die Zeit dafür, denn da hab ich die Verantwortung für zwei Patienten und nicht für zwanzig. Kleiner Unterschied.
Alex, du scheinst nicht zu verstehen, dass die Arbeitskraft der Pflege vielleicht billiger sein mag - aber es ist dafür keine Zeit! Wenn ich jetzt anfange, zusätzlich zu meinen normalen Aufgaben, bei denen der Patient schon zu kurz kommt, auch noch bei 40 Patienten Blut abnehme und venöse Zugänge lege, dann kann ich meine pflegerischen Aufgaben nicht mehr erledigen.
Ich habe auch bereits in einem früheren Beitrag hier geschrieben, dass man gerne auf einen Assistenzarzt auf einer grossen Station verzichten könnte, wenn die Pflege solche Aufgaben erledigen würde und stattdessen 2 Pfleger/-innen fürs gleiche Geld einstellen könnte.
Aber ihr scheint einfach alle nicht zu lesen, was ich schreibe...
Das Problem ist aber, dass die meisten deiner Kolleginnen im Arbeitsalltag nicht sagen, dass sie keine Zeit fürs Blutabnehmen oder i.v. spritzen haben. Stattdessen sagen sie, dass seien ärztliche Tätigkeiten, die sie aus Haftungsgründen nicht übernehmen wollen.
Das haben zahlreiche User hier reingeschrieben, die immer wieder erleben, wie die Pflege sich von Aufgaben drückt, die durchaus zu ihrem Bereich passen.
Ich sage es auch mal ganz einfach praktisch:
Was dauert länger?
10 mg Paspertin direkt i.v. in einen liegenden PVK zu spritzen oder 10 mg Paspertin in eine Kurzinfusionsflasche reinzuspritzen, das Infusionsbesteck zu befüllen, die Kurzinfusion anzuhängen und wieder abzubauen?
Ich nehme mal an, dass du für Variante B etwa 3 mal so lang brauchst an effektive Zeit.
Und wo ist der Unterschied?
Daumen vs. Schwerkraft.
Die Materialkosten möchte ich gar nicht ansprechen...
Dann rutschen wir in die Systematik rein, dass FSJler Essen eingeben müssen weil die examinierte Pflegekraft Blut abnimmt.
Und dass kann es einfach nicht sein. Denn Essen eingeben ist eine defintiv pflegerische Aufgabe, die z.b. beim Patienten mit Dysphagie nicht von ungelernten ausgeführt werden sollte. Blut abnehmen hingegen weniger.
Da stimme ich dir zu.
Allerdings ist mein Problem eher, dass vielleicht du und sicherlich viele deiner Kolleginnen, die examinierte Pflegefachkräfte sind, einen guten Teil ihrer Arbeitszeit damit verbringen Tabletts hinzustellen & abzuräumen, den Esstisch im Patientenzimmer vorzubereiten, Essensbestellung aufzunehmen und wegzuschicken. Und dafür seid ihr überqualifiziert.
Erdbeermond
20.02.2013, 09:03
In vielen kh bestimmt - wir haben für sowas Leute, die Essensbestellungen aufnehmen (nennt sich bei uns Verpflegungsassistentin), betten schieben und Essen austeilen (serviceassistentin) und den papierkram bei Entlassungen erledigen und untersuchungen anmelden, BE vorbereiten (arzthelferin).
Trotzdem muss eine Pflegekraft zwanzig Patienten versorgen. Davon der grossteil schwer pflegebedürftig.
Trotzdem muss eine Pflegekraft zwanzig Patienten versorgen. Davon der grossteil schwer pflegebedürftig.
Ich weiss nicht, ob ich schon zu lange aus Deutschland weg bin.
Allerdings hört sich 1 Pflegekraft für 20 Patienten schon extrem an.
Der Schnitt, den ich im Kopf habe von damals ist 1 Pflegekraft für 7-8 Patienten (im Frühdienst).
Erdbeermond
20.02.2013, 11:20
Es ist ja auch extrem. Und hier absolut Standard. Morgens eine schichtleitung, zwei bis drei Schwestern, zwei bis drei Schüler, vielleicht eine Schwester im zwischendienst zu Aufnahme der neuen Patienten.
Nachmittags zwei bis drei Schwestern, ein bis drei Schüler.
Nachts ein bis zwei Schwestern (aber eher zwei)
Von acht bis vier eine stationsassistentin.
Das ist die Besetzung auf meiner Station und wir haben momentan 10A3, 9A2 und 14A1 Patienten. Ca. 10 OP am Tag und noch 7 freie betten wo jederzeit ein Zugang kommen kann.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.