Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Flüchtlinge in Deutschland (+Europa)
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hoppel228
10.12.2015, 18:49
Von deinen Beschreibungen kommt der Job negativ rüber. Daher die Frage.
ehem-user-11022019-1151
10.12.2015, 20:06
Es ist nur ein Job.
Halt mit Flüchtlingen.
Im AA Forum hatte jemand geschrieben, dass er/sie von bestimmten Tätigkeiten, etc frustriert ist. Das gehört meiner Meinung nach dazu.
Nur weil ich mich beschwere, dass ich den fünften Einsatz innerhalb weniger Stunden habe, heißt es nicht, dass ich meinen Job nicht mehr gerne mache.
Zudem finde ich dir von WackenDoc geschilderte Geschichte ein starkes Stück und kann ihre Aufregung nachvollziehen.
Christoph_A
11.12.2015, 06:52
Wacken hat doch vollkommen Recht, sehen das hier auch jeden Tag. Wir fahren mittlerweile eine 0 tolerance Strategie. Wer uns nicht die Hand geben will, raus. Wer meint, man muß rummotzen und sich danebenbenhmen, raus. Wer seine Grossippe gleich mituntersuchen lassen will, raus.
Klappt gut und man muß auch sagen, daß 95% der Asylbewerber absolut friedlich sind.
wischmopp
11.12.2015, 07:44
Da Wacken das wohl bei Deutschen genauso daneben gefunden hätte, hat das doch überhaupt nichts mit diesem speziellen Job zu tun. Jeder Job bzw. bestimmte Situationen dort nerven manchmal und das kann man dann doch auch so formulieren ohne dass gleich der Job selbst in Frage gestellt wird...
WhiteMountains
11.12.2015, 08:02
Auf 95% käme man bei wackens Schilderungen eher nicht, jedenfalls kommt bei mir so an. Daher die Frage, warum sie sich das denn dann antut.
In "unserem" Zeltlager ist die Lage genau so durchwachsen wie in jeder Bevölkerung inklusive der deutschen...
Ein paar deppen, ein paar proleten, ein paar kleinkriminelle, ein paar Teenager mit mehr kraft als verstand und überwiegend ganz normale Menschen und Familien, sympathische und unsympathische.
Über zogen Erwartungshaltungen nordetr man halt ein und gut. Ab und an brauchts auch die Polizei
Fûr den stress unter dem die Leute zum teil stehen, finde ich die Anfälle von lagerkoller zahlenmäßig im erwarteten Rahmen.
Jule-Aline
11.12.2015, 08:07
Es gibt Länder ,da gibt gar nicht den Status des Geduldeten. Und Länder wie die Niederlande /Dänemark geben nach Ablehnung des Asylantrages keine Leistungen mehr aus. Klagen gegen die Ablehnungen werden dort schnell abgeschmettert In Dtl war es oder ist es so,dass Abgelenhnte trotzdem weiter die volle Leistung beziehen .Und das frustriert natürlich andere Deutsche. Außerdem wollen sich viele Länder nicht auf den Anspruch Dtl begeben ,die individuelle Prüfung eines Einzelnes bezügl Asyls durchzuführen.
Und man schaue nach Frankreich, in die Banlieus. Habe selber in Paris,Lyon(dort ging es noch) und Marseille welche gesehen.
Da sieht man die richtigen Probleme fehlender Intergration,Extremismus,Perspektivlosigkeit etc.
Ich habe bisher nur nette Flüchtlingsfamilien erlebt. Gerade in der Ambulanz. Warum ich trotzdem, wenn es voll war, häufig nicht so ganz begeistert bin, ist die Sache mit der Sprache. Abends kommt nämlich quasi nie jemand mit, der übersetzen kann und dann muss man per Telefon mit jemandem Anamnese machen und Empfehlungen aussprechen, Medikamenteneinnahme besprechen etc. Das macht dann nicht so viel Spaß und gibt mir regelmäßig ein ungutes Gefühl, weil ich ja nie weiß, was genau übersetzt wurde und ob die Familie es wirklich verstanden hat.
Stationär kommt es vor, dass wir gebeten werden, etwas zu schreiben, damit die Familie nicht abgeschoben wird (habe ich bisher auch immer nur als höfliche Bitte erlebt). Bei den chronisch kranken Kindern schreiben wir dann auch, was das Kind an Medikamenten, Ärzten, regelmäßigen Kontrollen (labor, EEG, MRT etc.) braucht, aber nicht, dass es dafür in Deutschland bleiben muss. Wir wissen ja einfach nicht, wie die Lage in den entsprechenden Ländern aussieht.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich es da in der Pädiatrie gut habe und es in anderen Disziplinen vom Umgang her anders aussieht.
LG
Ally
Jule-Aline
11.12.2015, 12:06
Naja, in der UCH hast du halt viel mit den Prügeleien der rivalisierenden Mentalitäten zu tun.Selbst in einem 30 km entfernten Städtcehn gibt es 150 Flüchtlinge,dazu noch einzelne Gruppen in den Dörfern.Da ich arabischsprechende Kollegen hatte, haben die immer tagsüber gedolmetscht.Und im Dienst zeigen dir die Leute wo es wehtut,eine Schnittwunde oder etc ist.Da reicht das Rö-Bild oder die Wundversorgung aus.Internisten oder Pädiater oder sprechende Fächer haben es schwerer. Manchmal hatte ich Glück und es war eine Person zum Übersetzen dabei.
WackenDoc
11.12.2015, 18:59
Wir können z.B. oft keinen Sprachmittler mitschicken, weil wir schlichtweg nicht genug haben. Schicke ich meine Kollegin mit einem Patienten mit, habe ich im SanZentrum keine mehr.
Die Hälfte der Sprechstunde mach ich meist ohne. Bei größeren Problemen muss ggf. einer angefordert werden. Da ist wieder das Problem, dass Patienten nicht verstehen, dass sie warten müssen, bis ein Sprachmittler kommt.
Zur Zeit schaffen wir die Patientenmengen einfach nicht mehr und die ständigen Diskussionen und Probleme mit dem Einhalten von einfachsten Regeln verschärft das Problem- das kostet nämlich Zeit, Kraft und ManPower.
WackenDoc
15.12.2015, 21:29
Hat jemand von euch einen Trick, wie man Flüchtlinge und Warteschlangen unter einen Hut bekommt und vor allem diese ständigen völlig sinnfreien Diskussionen in den Griff bekommt? Oder einfach Flüchtlinge von der Notwendigkeit von strukturierten Abläufen überzeugt bekommt?
Leider nicht. Prinzipiell denke ich, dass das Kernproblem das ist, dass diese Menschen in den letzten Monaten nicht gerade die Erfahrung gemacht haben, dass Warten sinnvoll ist und jeder dran kommt, sondern, dass die Ressourcen knapp ist und es sich lohnt und eventuell sogar lebenswichtig ist, sich vorzudrängeln. Wie man da aber ansetzen kann, außer ihnen immer wieder zu sagen, dass jeder dran kommt und wenn nicht heute, dann ganz bestimmt morgen - keine Ahnung. Ist ja bei viel Andrang z.B. in der Notfallambulanz auch mit "Nicht-Flüchtlingen" schwierig. Dass es strukturiert ablaufen muss - keine Frage. Ich kenne die Erzählungen von dem Pädiater, der hier (fast) täglich die ankommenden Kinder untersucht etc.
LG
Ally
WackenDoc
16.12.2015, 18:53
Wir haben jetzt folgendes eingeführt:
Morgens mache ich eine Triage: Kranke Kinder, kranke Erwachsene, dann Impfungen/Erstuntersuchungen. An Röntgentagen gehen die Röntgenmenschen extra. Jeder bekommt einen Zettel mit einer fortlaufenden Nummer. Zuerst kommen die ersten 5 oder so rein und dann der Rest nach und nach. Wer weiter hinten steht und nicht warten möchte, kann gehen. Wenn er wieder kommt, wird geschaut wo seine Nummer in die Reihe passt. Das müssen wir noch etwas perfektionieren- die kennen so eine System nicht und die Security muss sich auch erst dran gewöhnen.
Wie hoch wir nummerieren, müssen wir mal schauen- ich denke bis ca. 50 und dann nur noch Akutkranke.
Fürs Röntgen in Kombination mit der Erstuntersuchung/Impfung haben wir ein spezielles System.
Aber alleine- erst in die Anmeldung, Anliegen schildern, im Wartezimmer Platz nehmen und parallel geht die Akte zum Doc, der sie die der Reihenfolge nach abarbeitet ist echt mühselig.
Was echt schlimm ist- ein Sachverhalt ist geklärt, teils mit Sprachmittler. Dann kommt der nächste vorbei und wird wegen dem gleichen Sachverhalt angequatscht, bis man dann rausfindet, dass der Sachverhalt schon geklärt ist.
Ein Problem ist meine Sprachmittlerin, die sich von Patienten anquatschen lässt und sie dann an der Anmeldung vorbei dran nimmt. Sie versteht auch nicht, dass es Patienten gibt, die einen Wiederbestelltermin haben um z.B. Überweisungen abzuholen oder einfach zum Facharzttermin (diese Patienten kommen zuerst zu uns, bekommen ihre Papiere und das Taxi gerufen)- weil die gehen einen ganz anderen Weg bei uns. Die bekommen auch einen Zettel für die Security und gehen dann zu unserer Facharztflüsterin in der Anmeldung. Da hilfts aber nicht, wenn sie zu mir kommt "Du Wacki, die Frau ist schwanger und hat Unterleibschmerzen" wenn ich 10min brauche um heraus zu finden, dass sie genau deswegen am gleichen Tag einen Frauenarzttermin hat, die Überweisung der Taxischein schon geschrieben sind und die Anmeldung nur noch auf die Patientin wartet.
Espressa
17.12.2015, 09:55
Jetzt wieder eine blöde Frage einer ahnungslosen, aber was müssen die denn alle überhaupt so dringend zum Arzt? Also so ne Eingangsunterduchung, ok, aber das hat ja theoretisch viel Zeit. Das klingt bei dir so nach Bude einrennen, haben die denn auch tatsächlich was oder ist es eher der Run auf eine Leistung die eben verfügbar ist?
ehem-user-11022019-1151
17.12.2015, 10:35
Ich möchte wacken nicht die Antwort wegnehmen sondern nur kurz beschreiben, was bei uns das Problem ist.
Hier gibt es keinen Arzt, der für die Flüchtlinge da ist. Das läuft darauf hinaus, dass wegen jedem ziepen der Rettungsdienst gerufen wird, weil das natürlich viel einfacher ist, als sich selbst um einen Termin zu bemühen.
Zudem kommt es sehr oft, dass wenn diese Leute auf engem Raum zusammen leben, alle nach und nach die Krankheit durchmachen (z.B. Durchfall).
Ist das an einem Ende angekommen, sind die ersten schon wieder bei einer anderen Krankheit.
So sieht es jedenfalls bei uns sehr oft aus.
Dann kommen noch übliche Probleme, Vorerkrankungen und so weiter dazu.
Bei dieser Menge von Menschen, die in manchen Heimen oder Unterkünften wohnen, ist das nicht verwunderlich, dass so viele Patienten zu versorgen sind.
WackenDoc
17.12.2015, 21:15
Wir haben jeden Tag ca. 40-60 Patienten. Davon sehen fast alle einen Arzt.
Neben Kranken (und für ca. 1400 Bewohner aktuell geht das sogar noch), haben wir Erstuntersuchungen und Impfungen.
Dazu kommt die Notfallversorgung incl. Hausbesuchen im Camp und RTW/NAW-Einsätzen, sowie Triage bei Neuankömmlingen- letztere kommen bei uns busseweise.
Behandlungen dauern länger als in einer normalen Praxis- alleine weil mir das Assistenzpersonal fehlt und die Übersetzung mittels App und Dolmetscher Zeit kostet. Impfungen mach ich zu 80% komplett alleine.
Über uns laufen auch alle Facharzttermine incl. Transportorganisation und Anforderung von Dolmetschern.
Nebenher haben wir regelmäßig mit Infektionsschutzmaßnahmen zu tun.
Draußen in der Kälte in der Schlange stehen ist zwar doof, aber das versuchen wir in den Griff zu bekommen. Drinnen warten ist zwar auch doof, aber es ist warm und es gibt Stühle.
Bisher haben wir halt nur einen Arzt und wenn der mit irgendwas gebunden ist, dann steht halt die Sprechstunde.
Das mit den nummerierten Zetteln scheint sich zu bewähren und die Flüchtlinge verstehen das System langsam und sie akzeptieren es auch.
Die Triage ist transparent- kranke Kinder- kranke Erwachsene- Impfungen/Erstuntersuchungen. Bisher geben wir Nummern bis 50 aus und streben für die eine Behandlungsgarantie für den gleichen Tag an. Wer danach kommt und nicht gerade akut krank ist, kann sein Glück versuchen.
WackenDoc
23.12.2015, 19:42
Erkenntnis des Tages:
Eine schneidende Bewegung mit der Hand über den Unterarm hat nichts mit Verletzungen zu tun, sondern bedeutet "Papier" oder "Papiere" auch im Sinne von Befund.
Und ein klickendes Geräusch in Verbindung mit Kopfschütteln "ja" (glaube ich)
Kackbratze
23.12.2015, 23:17
Erschreckend/krass finde ich, dass die Hilfsbedürftigen schneller an einen Impfpass als an "echte" Hilfe fürs Leben gelangen.
Ich weiss nicht wo man den Finger in die Wunde legen muss, es ist scheinbar so, dass die medizinische Versorgung schneller geht als die blosse bürokratische Grunderfassung. Das finde ich erschreckend (Quelle spon.de, ich weiss, es ist spon, aber es deckt sich mit den Gesprächen mit den Kollegen, die die Aufnahmestellen bei uns betreuen).
WackenDoc
24.12.2015, 09:49
Ich würde das gar nicht mal gegeneinander stellen.
Medizinische Hilfe ist halt wichtig, wobei es in den Erstaufnahmeeinrichtungen nur eine Grundversorgung gibt.
Und selbst bei uns als Notunterkunft (letzter Schritt vor der Wohnung in der Kommune) geht vieles nicht.
Impfpass lässt sich leicht bewerkstelligen und ein entsprechender Impfstatus liegt in unserem Interesse.
Es sind im Moment einfach zu viele und Fachpersonal ist schwer zu bekommen.
WackenDoc
09.01.2016, 09:17
Unsere niedergelassenen Kollegen sind inzwischen ziemlich sauer, weil unsere Bewohner ihre Termine nicht einhalten.
Bei TBC-Verdacht ist es noch relativ einfach, weil wir dann die Polizei einschalten können, wenn der Patient noch im Camp ist, sonst kümmert sich das Gesundheitsamt drum.
Pünktlichkeit ist eh ein Problem, aber das haben wir im Griff weil die Patienten vor ihrem Termin bei uns vorbei kommen müssen, um ihre Papiere abzuholen, da sind Verspätungen schon eingerechnet.
Insgesamt wird das aber langsam zum Problem, weil wir jetzt schwerer Termine bekommen.
*milkakuh*
09.01.2016, 09:35
Auf Station24.de gibt es eine kleine arabische Übersetzunghilfe: https://www.station24.de/documents/10138/129771/QuickInfoArabisch_151119.jpg/ce0c33ed-2123-4d92-b664-95beba5f8a8d Vielleicht kann das noch jemand von euch gebrauchen?
Ohje Wacken, das klingt ja gar nicht gut! Könnt ihr ihnen nicht erzählen, dass sie nicht mehr dran kommen, wenn sie nicht pünktlich dort sind?
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