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Famulatur in Australien

So weit weg und doch wie zu Hause gefühlt

Susanne Meister

Tagesablauf

Im ersten Monat habe ich in der Notaufnahme famuliert. Der Tag begann zwischen 8.30 und 9 Uhr. In der Notaufnahme habe ich selbständig Patienten untersucht und danach dem Senior House Officer (SHO) oder einem Resident (entspricht etwa dem AiP) vorgestellt und mit ihm die weitere Therapie besprochen. Dadurch habe ich neben theoretischem Wissen auch viele praktische Dinge gelernt: Gips anlegen, leichtere Schnittwunden nähen, Flexülen legen, Impfen etc. Mir wurden dabei die einzelnen Arbeitsschritte genau erklärt und meine Fragen bereitwillig beantwortet. Wenn es interessante Fälle gab, wurde ich dazu geholt und nach meiner Meinung gefragt. Als Student ist man immer gern gesehen und jeder ist bemüht, einem etwas beizubringen. Wenn es in der Notaufnahme nichts zu tun gab, war es kein Problem sich woanders umzuschauen. Egal ob Radiologie oder OP, wir waren immer gern gesehen und durften z.B. bei kleineren Eingriffen in der Tageschirurgie auch schon mal selbst Hand anlegen: Vasektomien unter Anleitung durchführen, Hautwunden nähen, Zehennagel entfernen etc.
Der Tag endete meistens gegen 17 Uhr, im OP wurde es dagegen manchmal etwas später. Es war aber auch kein Problem, eher Feierabend zu machen, wenn man etwas vorhatte.

Für den zweiten Teil meiner 8 - wöchigen Famulatur habe ich mir die Gynäkologie und Geburtshilfe ausgesucht. Einmal pro Woche begleitete ich eine Allgemeinärztin mit geburtshilflicher Ausbildung in die Antenatal Clinic, wo ich viele Schwangere untersuchen konnte. Messung von Fundusstand sowie Überprüfung der Kindslage und der kindlichen Herztöne gehörten zu meinen Hauptaufgaben. Neben der Schwangerenvor- und nachsorge wurden auch allgemeine gynäkologische „Probleme“ behandelt (z.B. Abstriche, Kontrazeption etc.). An den anderen Tagen war ich entweder im OP oder auf der geburtshilflichen Station („labour ward“). Auf der Labour Ward wurde ich jeweils einer Hebamme zugeteilt, die ich bei ihrer Arbeit begleiten durfte. Die Hebammen führen die Geburten weitestgehend selbständig durch, nur bei Problemen bzw. zur Durchführung der Episiotomie und dem anschließenden Nähen ist ein Arzt anwesend. Gleich am ersten Tag auf Station sah ich meine erste Geburt, die mir als beeindruckendes Ereignis in Erinnerung bleiben wird. Die Hebammen waren sehr nett zu mir und haben mir vieles erklärt.
An den OP-Tagen durfte ich oft der sehr netten Stationsärztin (registrar) assistieren ( gynäkologisch untersuchen, Hysteroskopien oder Kürettagen unter Anleitung durchführen etc.), die die meisten Operationen unter den Augen des Consultants durchführte. Im OP waren alle – Schwestern, Anästhesisten sowie Operateure - ein Team, sodass immer eine angenehme Atmosphäre herrschte. Wenn ich mal nicht assistieren konnte, habe ich den Anästhesisten über die Schulter geschaut und auf diese Weise die Maskenbeatmung oder das Einlegen einer Larynxmaske erlernt.

Gelauscht (Foren)

Ausland

Freizeit

An den Wochenenden haben wir viel mit Ärzten aus dem Krankenhaus unternommen. Sie haben uns mit zum Skifahren genommen, die Umgebung gezeigt, Freunden und Familie vorgestellt, zum Dinner eingeladen oder wir sind alle zusammen ins Kino gegangen.
Die Gastfreundschaft war überwältigend. Damit wir uns in dem weitläufigen Wodonga und seiner Nachbarstadt Albury fortbewegen konnten, hat uns eine Ärztin zwei Mountainbikes geliehen, ohne die wir aufgrund der Tatsache, dass im „country“ die Busse nicht so häufig fahren und die Entfernungen innerhalb einer Kleinstadt relativ gross sind, ganz schön aufgeschmissen gewesen wären. Wodonga liegt jeweils 350 Kilometer von Melbourne und Canberra entfernt, sodass man sich entweder ein Auto mieten ( ca. 50-70 AUD/Tag) oder mit dem Zug fahren muss (ca. 44 AUD pro Strecke), um dorthin zu gelangen. In der Umgebung von Albury/ Wodonga gibt es viele alte Goldgräberstädte, Weingüter und eine wunderschöne Natur zu sehen, die wir ohne unsere netten Freunde (und deren Autos) wohl nicht so oft zu Gesicht bekommen hätten.
Im Anschluss an unsere Famulatur sind wir noch zwei Wochen entlang der traumhaften Ostküste Australiens gereist. Tropische Regenwälder, schnorcheln am Great Barrier Reef, segeln an den Whitsunday Islands waren nur einige Höhepunkte unserer Reise. Man sollte auf jeden Fall zwei oder mehr Wochen einplanen, um einen Teil der atemberaubenden Naturschönheiten Australiens zu entdecken.
Wir hatten unser Auto bei einem deutschen Reiseveranstalter, den Rest (Appartments / Hostels sowie Inlandsflüge)direkt übers Internet gebucht.

Fazit

Es war eine wundervolle Zeit in Wodonga, die ich nie vergessen werde. Besonders die australische Gastfreundschaft und das positive Arbeitsklima waren sehr beeindruckend.
Ich kann Australien sowohl für eine Famulatur, als auch für eine („mehrere“ wäre korrekter für dieses riesige Land) Reise nur empfehlen!

Krankenhausadresse:

  • Wodonga Hospital
  • Vermont Street
  • PO Box 156
  • Wodonga, VIC
  • 3689
  • Australia
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