PJ in Neuseeland
Kiwis, Silberfarn und Meer
Karsten Thiemann
Eigentlich hatte ich ja vor, eine Famulatur in Neuseeland durchzuführen. Leider war dies angeblich nicht möglich und man schickte mir Bewerbungsunterlagen für das praktische Jahr. Ein paar Monate später kam doch tatsächlich ein Brief aus Auckland in meinen Briefkasten. Ein Tertial Anästhesie (11. Semester) am A+ Hospital der University of Auckland. Erschreckend war für mich, dass unter dem Strich ein kleines Sümmchen an
Gebühren und Flugkosten zusammenkam. Glücklicherweise gab es da ja noch den dfa, der einen Zuschuss bewilligte.
Der Flug
In Hamburg Fuhlsbüttel die erste Pleite. Auf der Anzeigentafel des Flughafens gab es keinen Hinweis auf meinen Flug nach Frankfurt. Am Infoschalter sagte man mir, der würde am Lufthansaschalter abgefertigt. Naja, noch mal gutgegangen. Denkste! Beim Einchecken erklärte man mir nach dem 11. September habe man die Verbindung Sonntags eingestellt und nach Frankfurt gebe es nur Flüge, bei denen ich meinen Anschluß nicht mehr erreiche. Die Information sei aber schon vor Monaten an Thai Airways gegangen. Man wolle sich aber um eine Alternative nach München bemühen. Nach ca. einer Stunde kam die nette Dame entnervt zurück. Thai, bei der ich gebucht hatte, war nicht sehr kooperativ gegenüber der Lufthansa, die für sie den Check in üblicherweise übernahm. Man sagte mir, dass ich jetzt einen Flug über Kopenhagen auf Lufthansakontingent bekomme und es ihnen sehr leid tue, mir nicht besser helfen zu können. Da zeigte sich für mich, es gibt doch Oasen in der Servicewüste Deutschland. In Kopenhagen selbst Stau im Luftraum. Der 45 minütige Zeitkorridor zum Anschluß nach Asien verkürzte sich auf ein Fenster von 15 Minuten. Mein erster Gedanke, nachdem die Stewardess zurückkam und mir sagte, sie konnte nichts erreichen, war, jetzt übernachte ich hier. SAS stellte aber einen PKW, der mich direkt zur Thai Maschine fuhr. Gestresst, aber trotzdem noch rechtzeitig erreichte ich dann meinen Flieger nach Auckland über Bangkok und Sydney. Nach drei Tagen Odyssee freute ich mich über eine warme Dusche und ein Bett. So schnell nicht wieder, schwor ich mir. Mittlerweile kommt aber schon wieder Sehnsucht oder Fernweh. Der Rückflug verlief reibungslos. Doch dann 1 km hinter dem Hamburger Hauptbahnhof in Richtung Heimat eine Durchsage, der Triebwagen sei kaputt und es gehe alles retour. Noch den Service und die Freundlichkeit von der Hintour im Kopf, hoffte ich auf Hilfe und Kulanz von der Deutschen Bahn. Laut Aussagen der Konzernzentrale sollte ja alles besser und freundlicher bei solchen Zwischenfällen für den Kunden gelöst werden.Fehlanzeige. Alles noch wie früher, Entgegenkommen mussten sich die Fahrgäste erst „erkämpfen“.
Die Uni
Im Vorfeld hörte ich, die Dame, die die Bewerbung bearbeitet hatte, sei sehr hartnäckig und unfreundlich. Ein Freund gab mir den Tipp, gleich einen Strauß Blumen zur Vorstellung mitzunehmen. Ich entschied mich zwar für Mon Cherie, aber die Wirkung war die Gleiche. Sie war sofort sehr aufgeschlossen und sagte mir, wie viel Streß sie durch die Studenten habe. 1500 bis 2000 Bewerbungen gingen über ihren Schreibtisch und sie müsse sich um alles kümmern. Letztenendes hatte ich aber keine Probleme und sie wusste auch schon, welche Scheine eine Deutscher alle benötigt.
Da es für PJler eine Pflicht ist, seine Tertiale zu absolvieren, wurden die Gebühren in der Zeit meines Aufenthaltes auf ca. 250 € erhöht. Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Die eigenen Trainee Interns erhalten ein steuerfreies Gehalt von 5000 € pro Jahr, wenn man alle Forderungen / Studiengebühren abzieht.
Das geforderte Work Visa hat im Übrigen auch keiner sehen wollen. Es war einfach zu bekommen, auch wenn man sich das Geld dafür sparen kann.Auckland
Mit seinen 1,3 Mio. Einwohnern ist Auckland die größte Stadt Neuseelands. Sie liegt auf der Nordinsel und ist etwa drei Stunden Flugzeit von Sydney entfernt. Ein Nachtleben gibt es so gut wie nur auf der Hauptverkehrsstraße, Queens Street. Da fand ich, ist selbst mehr in meiner Unistadt Rostock los. Allerdings sind die Leute ähnlich wie in Amerika offener und freundlicher, als man es von Deutschland kennt.
Die Klinik
In dem Hostel wo ich wohnte, gab es noch andere internationale Electives and Docs. Sie sagten mir, bei ihnen sind die Chefs locker und forderten sie auf, dass sie sich schon mal zwei bis drei Wochen für den Urlaub aussuchen sollten. Eine Engländerin, die auf der Pädiatrie weilte, ging von ihren 6 Wochen nur 1,5 arbeiten und das bei 2 Stunden pro Tag. In der Orthopädie (anerkennbar als Traumatologie / Chirurgie) sagten mir die anderen, sie seien zwar „busy“, aber Urlaub wird als Arbeitszeit aufgeschrieben. Was für ein „Studentenparadies“, dachte ich.
Mein erster Tag in der Anästhesie und der Leiter begrüßte mich mit den Worten „in ihren zwei Monaten hier werden Sie viel lernen!“. Dies bestätigte mir auch eine andere PJlerin aus München. Den Gedanken an Urlaub kannst Du getrost vergessen. Hier wird jeder Fehltag mitgezählt wenn Du beim Chef eingeteilt bist. Auch ohne Fehltage war es mir möglich die Dienste so zu legen, das ich noch ein paar Ecken der Nordinsel erkundete.