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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überlegt hier noch jemand, aufgrund der aktuellen Situation zu kündigen?



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pashtunwali
16.11.2021, 10:36
habe mir alles durchgelesen und es ist einfach nur so traurig, dass es so vielen gleich schlecht geht!
man wird einfach nur sowas von schlecht behandelt - keiner bekommt was mit, weil alle denken ärzte wären super reich, fahren porsche und spielen am nachmittag golf.
ich wünschte die gesellschaft und politik würde sich hier mal die beiträge durchlesen!

Tukan
16.11.2021, 10:53
Seid ihr schon mal in ein Verwaltungsgebäude gelaufen und habt die Bürostühle dort gesehen? Oder die Computer? Von den übrigen Inneneinrichtungsgegenständen mal abgesehen? Und dann geh mal in das Standard-Arztzimmer... Willkommen in der Wirklichkeit

Denke ich mir jeden Tag wenn ich in das ITS-Büro gehe. Leider gibt es dann in einem äußerst defizitären Haus andere Probleme und man wird mit solchen Wünschen als AA mit anderthalb Jahren Erfahrung nicht ernst genommen.

Jukka666
16.11.2021, 11:27
Man mag mir jetzt "Verbitterung" unterstellen, aber ich garantiere euch das ist es nicht. Ich habe genug Zeit gehabt mich damit auseinanderzusetzen. Ich habe eine Situation erreicht, in der ich mich mit den Umständen abfinden und sogar phasenweise Spaß am Beruf abgewinnen kann. Das hindert mich nicht daran die Dinge so zu sehen wie sie sind.

Dito.

Mometasonfuroat
16.11.2021, 11:29
habe mir alles durchgelesen und es ist einfach nur so traurig, dass es so vielen gleich schlecht geht!
man wird einfach nur sowas von schlecht behandelt - keiner bekommt was mit, weil alle denken ärzte wären super reich, fahren porsche und spielen am nachmittag golf.
ich wünschte die gesellschaft und politik würde sich hier mal die beiträge durchlesen!

Liebe Kollegen sorry aber selber Schuld, wer nicht den Mund aufmacht-am besten geschlossen im Team- der hat den Schuss nicht gehört, wer sowas mitmacht und so mit sich umgehen lässt (Selbstrespekt?).
Ich hätte bei der Präsentation so eines "Arztzimmers" wenn man es denn überhaupt so bezeichnen kann, umgehend kehrt gemacht und ein normales Bett eingefordert. Notfalls hätte ich mir ein Patientenbett genommen, wenn die Verwaltung meint so mit mir umgehen zu können oder hätte meine Kündigung präsentiert.
Manche scheinen tatsächlich auf Selbstquälerei zu stehen. Wir haben zum Glück unser Arztzimmer in einem kleinen Nebenhaus auf dem Gelände, wo man auch tatsächlich schlafen und zur Ruhe kommen kann.

Und mal etwas zu den Gehältern; meint ihr tatsächlich 5000 netto bei einer derartigen Höchstbelastung (kenne kaum eine Berufsgruppe die mehr arbeitet) sei die Spitze des Verdienstes?
Ich habe mehrere Gewerbeimmobilien und Wohnhäuser und nun so viele Mieterselbstauskünfte und Einkommensbescheide gesehen dass es mich nicht mehr juckt, dass teils jüngere Menschen mit weit weniger Ausbildung und Wissensbildung mehr verdienen als wir Ärzte, die mehrere Jahrzehnte in ihre Ausbildung stecken mussten.
Aber anfangs hat es mich schon deprimiert zu sehen, dass selbstständige Fusspfleger mehr netto verdienen als ich in der Mitte meiner Assi-Ausbildung oder selbstständige Handwerker, die ihr eigenes Handwerksunternehmen gegründet haben, 5 Jahre jünger sind und mit knapp 7000 netto nach Hause gehen.
Mein letzter Bewerber für eine 2-Zi-Wohnung ist gerade mal 21 Jahre jung und hat sich mit dem Vertrieb von Fitnessgeräten selbstständig gemacht. Er verdient 3800 netto, das mal am Rande. Von solch einem Gehalt als Medizinstudent hätte ich geträumt.
Darüber hinaus kann man in der Selbstständigkeit weit mehr von seinem Leben absetzen (Firmenwagen, Arbeitszimmer, Fahrtkosten, Verpflegungsaufwand, Inventar) als im Angestelltenverhältnis.

Jukka666
16.11.2021, 11:30
habe mir alles durchgelesen und es ist einfach nur so traurig, dass es so vielen gleich schlecht geht!
man wird einfach nur sowas von schlecht behandelt - keiner bekommt was mit, weil alle denken ärzte wären super reich, fahren porsche und spielen am nachmittag golf.
ich wünschte die gesellschaft und politik würde sich hier mal die beiträge durchlesen!

Dann wiederum gibt es Ärzte wie der Chef meiner Frau, der aus seiner (sicherlich auch phasenweise anstrengenden Tätigkeit heraus - aber keine Corona-Patienten) immer wieder auf Klagen seiner Mitarbeiter polternd reagiert "Ach, was stellt ihr euch so an? Ohne Arbeit würdet ihr nur faul rumsitzen, ihr tuts doch eh nix den ganzen Tag." FRÜHER! JA, FRÜHER, DAAA haben wir noch richtig gearbeitet..."

Würg.
Und der ist nichtmal "alt" (Anfang 50).

Man muss ehrlich sein: die Verwaltung nutzt schamlos aus, dass wir Ärzte nie solidarisch sind. Dass ältere OÄ sich nicht eingestehen wollen, dass "besser" arbeiten nicht automatisch heisst "mehr" zu arbeiten. Und dass sie eigentlich die sind/waren, die den Karren im Dreck immer weiter am Laufen halten, aber unser aller Grab tiefer schaufeln...
schlechte Metaphern vielleicht, aber wir bekriegen uns doch alle gegenseitig...

Jukka666
16.11.2021, 11:36
Liebe Kollegen sorry aber selber Schuld, wer nicht den Mund aufmacht-am besten geschlossen im Team- der hat den Schuss nicht gehört, wer sowas mitmacht und so mit sich umgehen lässt (Selbstrespekt?).
Ich hätte bei der Präsentation so eines "Arztzimmers" wenn man es denn überhaupt so bezeichnen kann, umgehend kehrt gemacht und ein normales Bett eingefordert. Notfalls hätte ich mir ein Patientenbett genommen, wenn die Verwaltung meint so mit mir umgehen zu können oder hätte meine Kündigung präsentiert.
Manche scheinen tatsächlich auf Selbstquälerei zu stehen. Wir haben zum Glück unser Arztzimmer in einem kleinen Nebenhaus auf dem Gelände, wo man auch tatsächlich schlafen und zur Ruhe kommen kann.


Das ist immer leicht gesagt, im Kern hast du recht.

Nimm mein Beispiel: es ist 03:00 früh, man zeigt mir das Schlafzimmer, ich bin entsetzt..."es gibt kein anderes". Neue Stelle bzw. neue Rotation, alle eh am Anschlag. Zwergenaufstand?
Ich persönlich hab durchaus Angst vor verbrannter Erde, Rufmord und Steine in den Weg...auf dem Land wird geredet und getratscht. Macht man Anzeigen/Aufstände/Grabenkämpfe, dann fällt man negativ auf.
Alle sind sich einig, dass es unzumutbar ist, es wird am nächsten Tag aufgegriffen, eine Alternative gefunden (nur wenig besser).

In meinem alten Haus wollten wir im (STILLGELEGTEN!) Privatbereich der Patienten unser Dienstzimmer (1. Klasse, mit Klo, Bergblick, holzvertäfelt) schlafen. Nochmal zum Verständnis: STILLGELEGT, da ist nachts NIEMAND.
Antwort: "geht nicht. Haftungsrechtlich...könnte ja jeder kommen". etc. Ist auch noch schlüsseltechnisch so, dass ich in die Zimmer ohne die Haustechnik nicht reinkomme.
So. Jetzt kündige ich deshalb? Dann brauch ich in keinem Krankenhaus mehr anfangen (nirgendwo gibts bessere Arztzimmer/Dienstzimmer). Der Zug ist abgefahren, das haben wir verpasst!
Die Anzahl der Kliniken im Umkreis ist begrenzt. Und wie gesagt: es wird getratscht, dadurch wird man erpressbar.

Und genau deshalb kündige ich ja jetzt... ;-)

Mometasonfuroat
16.11.2021, 12:15
Das ist immer leicht gesagt, im Kern hast du recht.

Nimm mein Beispiel: es ist 03:00 früh, man zeigt mir das Schlafzimmer, ich bin entsetzt..."es gibt kein anderes". Neue Stelle bzw. neue Rotation, alle eh am Anschlag. Zwergenaufstand?
Ich persönlich hab durchaus Angst vor verbrannter Erde, Rufmord und Steine in den Weg...auf dem Land wird geredet und getratscht. Macht man Anzeigen/Aufstände/Grabenkämpfe, dann fällt man negativ auf.
Alle sind sich einig, dass es unzumutbar ist, es wird am nächsten Tag aufgegriffen, eine Alternative gefunden (nur wenig besser).

In meinem alten Haus wollten wir im (STILLGELEGTEN!) Privatbereich der Patienten unser Dienstzimmer (1. Klasse, mit Klo, Bergblick, holzvertäfelt) schlafen. Nochmal zum Verständnis: STILLGELEGT, da ist nachts NIEMAND.
Antwort: "geht nicht. Haftungsrechtlich...könnte ja jeder kommen". etc. Ist auch noch schlüsseltechnisch so, dass ich in die Zimmer ohne die Haustechnik nicht reinkomme.
So. Jetzt kündige ich deshalb? Dann brauch ich in keinem Krankenhaus mehr anfangen (nirgendwo gibts bessere Arztzimmer/Dienstzimmer). Der Zug ist abgefahren, das haben wir verpasst!
Die Anzahl der Kliniken im Umkreis ist begrenzt. Und wie gesagt: es wird getratscht, dadurch wird man erpressbar.

Und genau deshalb kündige ich ja jetzt... ;-)

Und mit der Kündigung liegst du goldrichtig! Meinen Glückwunsch hierzu noch nachträglich und das ist ernst gemeint!
Ich weiß ich bin da sehr direkt und konsequent aber meine Kündigung hätte ich in dem Augenblick ausgesprochen während mir das "Schlafzimmer" gezeigt worden wäre, glaube es wäre sogar ne fristlose drin gewesen aufgrund Vertragsbruch und Verletzung der Fürsorgepflicht seitens des AGs.

Die Angst des Rufmordes in der Klinik oder uns Ärzten hatte ich schon im Studium selbst bemerkt und hat sich wenig geändert. Ich kann mir nur nicht erklären wo es bei gefühlt 90% der Kollegen herkommt. Es wird daher auch der Grund sein warum sich nichts ändert.
Ich kann nur den Rat geben:
Macht euch davon frei!!! Ihr könnt niemals in so vielen Kliniken und Praxen arbeiten in eurer Karriere wie es in Deutschland gibt und jede Klinik freut sich über ausgebildete Ärzte aus Deutschland. Ich wohne aktuell auch auf dem Land und kenne das Getratsche aber glaube mir man vernetzt sich teils noch besser wenn man seinen Mund aufmacht und sich zusammenschließt anstatt ständig die Klappe zu halten und klein beizugeben. Man kann sich mit der Spezifikation auf eine Nische einen großen Namen machen und sorry wie viele CAs sind sch**** und trotzdem nagt keiner von denen am Hungertuch oder wurde durch Getratsche aus dem Beruf gedrängt. Wer selbst in der Leitung ist und für seine Mitarbeiter einsteht und kämpft, spricht sich ebenfalls herum und diese Abteilungen sind dann unter den Bewerbern auch die heißbegehrten, denn die Menschlichkeit darf nie vergessen werden.

Das mit dem Privatzimmer ist heftig, zeigt aber wo man bei Schätzung des Personals steht und ne billigere Ausrede ging nicht XD
Auch muss es ja kein Luxuszimmer sein. So wie ich dich verstanden habe, hatte es sich einfach durch die Umstände die Gelegenheit ergeben, aber ich möchte dass wenn ich meine Dienste schon anbiete und nicht für mich als Selbstständige arbeite, dass dann auch zumindest Wertschätzung meiner Person entgegengebracht wird. Das beginnt bei mir bereits bei einem normalen Schlafplatz und nicht einen Standard unter Gefängnisniveau (denn auch dort gibt es in Dt. zumindest keine Pritschen).

Passiert dies nicht gehe ich und wenn ich notfalls im Amt sitzen muss und da meine Brötchen verdienen gehe aber es gibt bei mir ganz klare Grenzen. Bei meinen engsten Freunden ebenso und es liegt an jedem selbst wo er mit seinen eigenen Selbstwertgefühl steht. Daher noch einmal Glückwunsch zur Kündigung!

][truba][
16.11.2021, 14:00
Man mag mir jetzt "Verbitterung" unterstellen, aber ich garantiere euch das ist es nicht.

Ich wollte dir nichts unterstellen. Es klingt eben nur verbittert, wenn man es so liest und ich kann es total nachvollziehen weil alle angesprochenen Punkte zutreffen. Mir selbst geht es mit allen Punkten ebenso. Mit zunehmender Erfahrung hat man "gelernt" sich zu arrangieren und kann versuchen bei den jungen Kollegen besser auszubilden, zuzuhören etc.

Aber die wirklich strukturellen Probleme kann man nur lösen, wenn wir alle mal einfach eine Woche nicht zur Arbeit gehen würden (bis auf die Notfallbesetzung versteht sich) und der ganzen Gesellschaft mal den symbolischen Finger zeigen.

Auf Grund meiner eigenen Erfahrungen mit der Organisation allein einer innerklinischen Verbesserung wird das aber wohl nur ein Traum bleiben.

Jukka666
16.11.2021, 15:50
@mometasonfuroat:

Danke.

Magst du vielleicht (gerne auch per PN) sagen, was in der Industrie bei dir so schlimm war? :-)
Danke dir

dissection
16.11.2021, 17:35
@mometasonfuroat:

Danke.

Magst du vielleicht (gerne auch per PN) sagen, was in der Industrie bei dir so schlimm war? :-)
Danke dir

Würde mich auch interessieren.


At topic:
Jap, ich habe mich geistig auch von einer Klinik-Karriere verabschiedet, Covid war hier nur einer diverser Katalysatoren. Hoher Erwartungs- und Leistungsdruck durch verschiedene Gruppen (Patiente, Angehörige, Oberärzte, Kollegen), unterirdische Dienstbezahlung bei krankmachender Schichtarbeit, zunehmende Kämpfe um Ressourcenverteilung mit zunehmender Klagefreudigkeit in Deutschland, im Rahmen von Corona nicht zu lösende Interessenskonflikte, Mangelverwaltung und fehlende Versorgungsmöglichkeit für non-Covid-Patienten (mindestens ein Drittel deiner Betten gesperrt für Covid-Patienten, dementsprechend Ablehnung der Übernahme von jungen Patienten die universitäre internistische Betreuung benötigen), desolate Arbeitsbedingungen und Arbeitsatmosphäre, mittelmäßige Bezahlung angesichts der erbrachten Leistung und Belastung bei fehlender finanzieller Wertschätzung, unattraktive Forschungsbedingungen, fehlende Competitiveness deutscher Biotechnologie.

Deutschlands beste Abiturienten werden verheizt. Es bleibt einem nur das coping über Selbstständigkeit (mit anderen steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten als im Lohnsklavenverhältnis). Man muss kreativ werden in diesem Beruf, sonst endet man wie die ganzen vorzeitg ergrauten Oberärzte in ihren frühren Vierzigern.

Ich kann es nicht erwarten, dass der Karren in Deutschland vor die Wand gefahren wird und die Bevölkerung die Konsequenzen in Form von schlechter Behandlung spürt. Zuviele Mitarbeiter im Gesundheitswesen sehe ich vorgealtert und ausgebrannt für eine unmenschliche Medizin. Als Dank für 60 h Wochen unter miserablen Bedingungen (schwitzend arbeitend in Vollisolation, hinter FFP2-Masken, beschlagenden Visieren) wird uns durch korrupte Politik, Möchtegernfreigeister in Form von Querdenkern und deutscher Neidkultur ins Gesicht gespuckt.

Colourful
16.11.2021, 17:54
Ich bin so bei euch, aber so viele Ärzt*innen nehmen diese Zustände einfach als gegeben hin und wenn man sich immer weiter in seiner Blase bewegt, dann fällt es eben auch nicht auf, wie schlecht die Arbeitsbedingungen so sind, weil es bei den anderen nur minimal besser oder eben nur schlechter ist.
Und ich habe 6,5 Jahre studiert, 6 Jahre Berufserfahrung, Facharztreife noch ohne Facharzt (dauert nicht mehr lange), arbeite im Schnitt 36h (habe eine Muttiteilzeitstelle, für viele andere Berufsgruppen sind meine Stundenzahl und vor allem mein Einsatz auch einfach Vollzeit), werde noch deutlich unter Tarif bezahlt und na ja... Könnte ewig fortfahren. Ich mag so auch nicht mehr, war gestern schon kurz davor mal herumzutelefonieren, wie ich denn schnellstens Lehrerin werde. Da hätte ich wahrscheinlich mehr Geld und alle Ferien frei. (Und könnte Vollzeit arbeiten.)
Na ja.

Mometasonfuroat
16.11.2021, 18:08
Würde mich auch interessieren.


At topic:
Jap, ich habe mich geistig auch von einer Klinik-Karriere verabschiedet, Covid war hier nur einer diverser Katalysatoren. Hoher Erwartungs- und Leistungsdruck durch verschiedene Gruppen (Patiente, Angehörige, Oberärzte, Kollegen), unterirdische Dienstbezahlung bei krankmachender Schichtarbeit, zunehmende Kämpfe um Ressourcenverteilung mit zunehmender Klagefreudigkeit in Deutschland, im Rahmen von Corona nicht zu lösende Interessenskonflikte, Mangelverwaltung und fehlende Versorgungsmöglichkeit für non-Covid-Patienten (mindestens ein Drittel deiner Betten gesperrt für Covid-Patienten, dementsprechend Ablehnung der Übernahme von jungen Patienten die universitäre internistische Betreuung benötigen), desolate Arbeitsbedingungen und Arbeitsatmosphäre, mittelmäßige Bezahlung angesichts der erbrachten Leistung und Belastung bei fehlender finanzieller Wertschätzung, unattraktive Forschungsbedingungen, fehlende Competitiveness deutscher Biotechnologie.

Deutschlands beste Abiturienten werden verheizt. Es bleibt einem nur das coping über Selbstständigkeit (mit anderen steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten als im Lohnsklavenverhältnis). Man muss kreativ werden in diesem Beruf, sonst endet man wie die ganzen vorzeitg ergrauten Oberärzte in ihren frühren Vierzigern.

Ich kann es nicht erwarten, dass der Karren in Deutschland vor die Wand gefahren wird und die Bevölkerung die Konsequenzen in Form von schlechter Behandlung spürt. Zuviele Mitarbeiter im Gesundheitswesen sehe ich vorgealtert und ausgebrannt für eine unmenschliche Medizin. Als Dank für 60 h Wochen unter miserablen Bedingungen (schwitzend arbeitend in Vollisolation, hinter FFP2-Masken, beschlagenden Visieren) wird uns durch korrupte Politik, Möchtegernfreigeister in Form von Querdenkern und deutscher Neidkultur ins Gesicht gespuckt.

Ich kann dir leider keine Nachricht senden, in deinem Profil gibt es dafür nicht den Button.
Wo ich dir aber absolut Recht geben kann ist über Selbstständigkeit sich eigens etwas aufzubauen anstatt der Angestellten-Sklave zu bleiben. Ich denke wir haben alle genug Grips zu verstehen, dass in dem Großteil der Kliniken Ausbeutung auf hohem Niveau passiert mit zunehmender Verschlechterung.

Mometasonfuroat
16.11.2021, 18:10
Ich bin so bei euch, aber so viele Ärzt*innen nehmen diese Zustände einfach als gegeben hin und wenn man sich immer weiter in seiner Blase bewegt, dann fällt es eben auch nicht auf, wie schlecht die Arbeitsbedingungen so sind, weil es bei den anderen nur minimal besser oder eben nur schlechter ist.
Und ich habe 6,5 Jahre studiert, 6 Jahre Berufserfahrung, Facharztreife noch ohne Facharzt (dauert nicht mehr lange), arbeite im Schnitt 36h (habe eine Muttiteilzeitstelle, für viele andere Berufsgruppen sind meine Stundenzahl und vor allem mein Einsatz auch einfach Vollzeit), werde noch deutlich unter Tarif bezahlt und na ja... Könnte ewig fortfahren. Ich mag so auch nicht mehr, war gestern schon kurz davor mal herumzutelefonieren, wie ich denn schnellstens Lehrerin werde. Da hätte ich wahrscheinlich mehr Geld und alle Ferien frei. (Und könnte Vollzeit arbeiten.)
Na ja.

Gebe ich dir Recht, viele Kollegen haben eine sehr sehr hohe Schmerzgrenze und leben in ihrer "Komfortzone" bzw in ihrer Blase.
Mir hat dieser Beitrag damals Hoffnung gegeben:
https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/aerzte-und-pfleger-kuendigen-bei-vivantes-li.76312?pid=true

dissection
16.11.2021, 18:12
Ich habe die PNs nun aktiviert, Mometasonfuroat. Vielen Dank dir!

Um noch was konstruktives anzumerken: In der Soziologie ist untersucht worden welche Eigenschaften Gruppen haben müssen um organisationspolitisch eine durchschlagende Kraft zu werden wie es die IGM z.B. ist. Sie hierzu Olson, Mancur 1968: Die Logik des kollektiven Handelns.

Ich kann nur an meine geschätzten engagierten Kollegen appellieren den Verwaltern dieses Landes den Mittelfinger zu zeigen und aufhören "Menschenfreunde" zu sein. Wir sind eine Gruppe mit klar definierten gemeinsamen Interessen, im Streikfall besitzen wir einen Hebel.


Entwickelt Solidarität mit euren Mitstreitern die meist mit ganz vernünftigen Intentionen in das Gesundheitswesen eingetreten sind. Schreibt an eure Abgeordneten auf Bundes- und Landesebene. Pisst eurer Gewerkschaft, den bürgerlichen Parteien mit ihren Kaviarfressern und saturierten Würdeträgern ans Bein - diesen seid ihr nämlich scheissegal. Tretet in harte Streiks ein.

sparta144
16.11.2021, 18:28
Vielen Dank für die interessanten Beiträge! :-angel

Ich möchte auch meine Erfahrungen schildern.
Auch ich habe in der 2. Welle 2020 in der Inneren beim Schwerpunktversorger angefangen, aufgrund der dünnen Personaldecke schlechte Einarbeitung, nach 3 Wochen auf einer Station mit 15 Patienten alleine, dazu leider einen OA erwischt, der sich kaum um die Pat. gekümmert hat. Hat dazu geführt, dass ich tgl 12-14 Std. gearbeitet habe, um "möglichst gute" Medizin zu machen. 6 Monate später dann die schnelle Rotation in die Notaufnahme, habe jetzt 1 Jahr hinter mir, gerade die 2-3 Welle war der blanke Horror. 50-60 Std mit hoher Arbeitsbelastung. Eine richtige Einarbeitung, wie z. B. Sono/Echo- Fehlanzeige, einfach abarbeiten. Als Anfänger gerade im Spätdienst/Nachtdienst auf sich alleine gestellt zu sein und eine gute medizinsiche Versorgung zu gewährleisten- kaum machbar. Durch Eigenmotivation mit etlichen Youtube-Videos habe ich versucht die sonographischen Kenntnisse beizubringen. Häufiger habe ich eine innere Leere verspürt und ständig das Gefühl den eigenen Anforderungen nicht gerecht zu werden. Trotzdem ein RTW nach dem Anderen, dann noch die Info, dass der Coronoabonus uns nicht zusteht, aber die Personalabteilung kriegt natürlich sein Bonus- Ok Fuck it. Was mich am Meisten stört ist einfach dass ein strukturelles Einarbeitskonzept/Weiterbildung einfach nicht existiert (und mein KH gehört sicherlich zu den Besseren gehört).

Jetzt werde ich auf der ITS gebraucht, eine Rotation in die Funktionen vorher ist daher leider nicht möglich. Auf mich wartetet wieder Schichtdienst auf der Covid-ITS, nach dem 1 Jahr in der Notaufnahme bin ich platt, möchte eigentlich eine Pause (kein Schichtdienst, WE-Dienst etc) und habe Schiss wieder von vorne anzufangen und eine große Unsicherheit zu spüren.

Was ich nach 1,5 Jahren Berufserfahrung nehme ich viele wichtige Kenntnisse mit, fühlt sich leicht wie "Ausbeutung an", trotz guter Stimmung zwischen den OAs/AAs. Habe gelernt auf mich selbt mehr zu achten, sein Grenzen festlegen sprich: auch mal nicht einspringen, denn keiner dankt es dir langfristig, Überstunden aufzuschreiben, und nach dem Facharzt werde ich obwohl ich die Akutmedizin im KH mag den Rücken kehren. Aufgrund der geschildeten Situation, überlege ich dem Chef mitzuteilen die ITS-Rotation abzulehnen. Feuern wird er mich nicht- da dünnen Personaldecke- selbst wenn werde ich nicht arbeitlos bleiben :), was meint ihr?

Mukopolysaccharid
16.11.2021, 18:28
Das Studium ist doch so aufgebaut
Erstmal drei Monate kostenlos Krankenpflege machen
Dann diverse unbezahlte Praktika in den Ferien, Pj umsonst und nicht mal ne Corona Impfung hat man gekriegt. Aufs Staatsexamen zweimal lernen weil ja Pandemie ist.

][truba][
16.11.2021, 18:52
Sparta, ich finde es gut, wenn du es ablehnen möchtest weil du dich nicht vorbereitet fühlst. Feuern wird er dich wie gesagt schon nicht und selbst wenn, klingt es nicht so als wäre es ein Verlust diese Arbeitsstelle zu verlieren.
Alles andere (Kein Einarbeitungskonzept, keine gute Betreuung, Überstunden etc.) war auch vor Corona schon so, wird auch so bleiben wenn wir selbst es nicht später anders machen.

Mometasonfuroat
16.11.2021, 19:38
Das Studium ist doch so aufgebaut
Erstmal drei Monate kostenlos Krankenpflege machen
Dann diverse unbezahlte Praktika in den Ferien, Pj umsonst und nicht mal ne Corona Impfung hat man gekriegt. Aufs Staatsexamen zweimal lernen weil ja Pandemie ist.

Eben, was uns lieben Medizinern dann anstelle von Arbeitsleistung als Lehre verkauft wird.
Ich frage mich wann das AiP eigentlich wieder eingeführt wird oder besser noch, warum nicht die volle Studienzeit in den freien Minuten im Krankenhaus aushelfen.

freak1
16.11.2021, 20:27
nicht mal ne Corona Impfung hat man gekriegt.

Also da muss ich sagen, bei uns wurden alle PJler und studentischen Hilfskräfte durch die Klinik geimpft.

Matzexc1
16.11.2021, 21:12
Eben, was uns lieben Medizinern dann anstelle von Arbeitsleistung als Lehre verkauft wird.
Ich frage mich wann das AiP eigentlich wieder eingeführt wird oder besser noch, warum nicht die volle Studienzeit in den freien Minuten im Krankenhaus aushelfen.

Das kommt demnächst, ist nämlich auch nicht neu.
https://www.mdr.de/geschichte/eiserne-lunge-beatmungsgeraete-100.html

Es gibt auch Abteilungen die setzen eine tolle Lehre als Lockmittel ein und das PJ ist dann eigentlich die "Einarbeitung" der neuen Mitarbeiter. Hauptsache die Führungsetage kann der Klinikleitung gegenüber von ihren heroischen Anstrengungen berichten.