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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überlegt hier noch jemand, aufgrund der aktuellen Situation zu kündigen?



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Cadherine
16.11.2021, 21:13
Ich kann hier vielen Vorrednern nur zustimmen . Man wird in einer Tour verarscht und ausgenutzt .
Strukturierte Weiterbildung gibt es nicht, denn das ist ja in der DRG nicht abgebildet .

Ich habe ganz 2020 auf der Covid-Normalstation gearbeitet und bin jetzt seit 6Monaten auf der ITS. Bin dort ganz gut rein gekommen trotz fehlender Vorkenntnisse in Echo und weiteren Funktionssachen .
Die Arbeitsbelastung dort ist extrem man kriegt immer noch mehr reingedrückt und keine Unterstützung. Obwohl wir voll belegt sind, kann dann plötzlich doch jemand verlegt und jemand neues aufgenommen werden, auch wenn man die Aufnahme davor noch nicht mal fertig gemacht hat.

Die Routinearbeit ist praktisch nur zu schaffen, wenn absolut nichts dazu kommt wie z.B. Plastikwechsel, CT- Fahrt , Neuaufnahme, Verlegung, wobei diese Sachen eigentlich auch zur Routine gehören.

Covid ist bei uns komplett das Problem der Inneren Medizin, niemand anderes behandelt Covid -Patienten und wir bekommen auch sonst keine Unterstützung anderer Fachrichtungen (oder mehr eigenes Personal), was ich mir zu Beginn der Pandemie noch anderes erhofft hatte.

Oberärtzlicherseits gibt es so Sprüche wie "Früher ging man nicht nach 24-h nach Hause sondern erst wenn die Arbeit getan war" .
Die Dienstbelastung ist bei uns sehr hoch, sowohl die Anzahl der Dienste als auch die Belastung in den Diensten. Wenn ich durcharbeite oder max 1-2 Stunden Ruhe habe in 24h ist das kein Bereitsschaftsdienst sondern Vollarbeitszeit.

Dazu kommt noch Unverständnis seitens der Angehörigen, dass man nicht 24/7 mit ihnen telefonieren kann , teilweise Beleidigungen und Drohungen und Leugnungen das es Corona überhaupt gibt .Wehe die Beschweren sich beim Beschwerdemanagement dann darf man sich noch rechtfertigen und Entschuldigungsschreiben aufsetzen.

Druck von der Pflege wenn man Angehörigengespräche ablehnt/verschiebt ,obwohl sie selber Gespräche ablehnen weil sie angeblich keine Informationen rausgeben dürfen .

Ich kann nicht mehr ,aber es interessiert keinen das hab ich meinem Chef letztens ins Gesicht gesagt und es war ihm egal hauptsache jemand übernimmt spontan den 24 h Dienst ohne Gegenleistung und obwohl es der 3. in 6 Tagen ist.

Ich möchte auch kündigen, werde privat auch dazu ermutigt bis gedrängt . Habe Angst vom Regen in die Traufe zu kommen
Ich bin gerne Ärztin aber diese Arbeit macht mich kaputt.

][truba][
16.11.2021, 22:03
Kündige.
Glaub mir, am Anfang fällt es zB noch schwer fordernde Angehörige oder Patienten oder sowas abzuwimmeln/in die Schranken zu weißen. Nach 5 Jahren regt sich da bei mir innerlich gar nix mehr.
Beschwerde ? Immer gern. Mir egal. Entscheidungsschreiben? Kann die Sekretärin schreiben wenn sie eins wollen. Eins habe ich unterschrieben weil ich eventuell etwas unzuvorkommend gewesen bin. Mehr hatte ich nicht.

Du findest eine andere Stelle. Lass dich nicht verarschen. Wichtig: vergiss nicht zu dokumentieren. Gut und direkt.

Matzexc1
17.11.2021, 08:17
@Cadherine
Kann ich mich nur anschließen, etwas besseres als das findest du überall, die Sprüche seitens deiner OÄ habe ich auch zu hören gekriegt. Dienste die man adhoc übernehmen musste, 24h durcharbeiten, sich von der OA Riege anzuhören wie schlecht man sei (die lagen aber fast alle um Punkt 11 im Bett, was manchmal ein Segen war).

Such dir ein anderes Haus, ich kann nur sagen, dass es mir sehr viel gebracht hat.

Endoplasmatisches Reticulum
17.11.2021, 09:16
Da ich neu in der Abteilung bin, werde ich ein Teufel tun, eine Überlastungsanzeige zu schreiben.
Das ist eben kompliziert. In der Pflege wird Überlastung meist externalisiert auf das System, bei uns Ärzten individualisiert zur Unzulänglichkeit der eigenen Person und Arbeitsleistung. Das sieht man ja auch hier im Forum. So sicher wie Godwin's law in anderen akademischen Disziplinen ist, kann man in Medizinerdiskssionen die Uhr danach stellen, wann die "Hört auf zu jammern"-Keule fällt. Mich wundert ehrlich gesagt, dass das hier noch nicht in der sonst üblichen Form passiert ist.

Ich verstehe absolut, warum Ärzte sich nicht wehren. Vier mal im Jahr von Weglaufstelle zu Weglaufstelle rennen kann man einfach schlecht, gerade wenn man regional gebunden ist. Das beste Ausloten bei Hospitation und Bewerbungsgespräch schützt nur begrenzt davor, bei einer neuen Stelle auf die Schnauze zu fallen. Und je nach Fach und Region kann man tatsächlich schnell für ein ganzes Fach verheizt sein. Dann bleibt nur Verlagerung des Wohnsitzes und Lebensmittelpunktes oder erzwungener Fachwechsel. Die Ärztewelt ist stellentechnisch nicht immer so tolerant und flexibel, wie das etwa ein 25jähriger Single-Internist mit #travellife in der Insta-Bio empfinden mag.

Zweifellos richtig ist aber auch, dass man manche Grenzüberschreitungen auf keinen Fall tolerieren darf und insbesondere der Ruin der eigenen Gesundheit durch nichts aufgewogen werden kann.

Mr. Pink online
17.11.2021, 09:43
24h Bereitschaftsdienste wären für mich zum Beispiel schon ein Grund eine Stelle nicht anzunehmen. jeder weiß,wie sowas endet

Endoplasmatisches Reticulum
17.11.2021, 09:52
24h Bereitschaftsdienste wären für mich zum Beispiel schon ein Grund eine Stelle nicht anzunehmen. jeder weiß,wie sowas endet
Finde ich auch ganz furchtbar. Je nach Fach und Region kann das als hartes Kriterium aber bereits ausreichen, nahezu jedes Krankenhaus im Umkreis dreistelliger Kilometer zu disqualifizieren.

Feuerblick
17.11.2021, 09:57
Je nach Fach und Region können 24-Stunden-Dienste aber sinnvoll und viel erträglicher sein, als irgendwelche Schichtdienste! Pauschalisieren kann man das nicht.

Ansonsten frage ich mich, warum man das alles mit sich machen lässt, statt sich zu wehren? Dieses „dann finde ich doch niiieee wieder nen Job“ ist doch totaler Käse und meines Erachtens eine reine Ausrede, weil die meisten die Konfrontation fürchten.

Endoplasmatisches Reticulum
17.11.2021, 10:53
Je nach Fach und Region können 24-Stunden-Dienste aber sinnvoll und viel erträglicher sein, als irgendwelche Schichtdienste! Pauschalisieren kann man das nicht.
Jedem das Seine, aber das empfinde ich überhaupt nicht so. Ich würde niemals ein 24-Stunden-Modell einem Modell von z.B. 15 bis 8 Uhr vorziehen.

Sonst zu wenig im OP? → Organisationsproblem, kein Dienstmodellproblem.
Sonst zu viele Dienste? → Insuffizienter Personalschlüssel, kein Dienstmodellproblem.

Ganz zu schweigen von der ganz allgemein höheren Flexibilität, wenn man vor Diensten den Vormittag frei hat. Arzttermine, Behördentermine, Einkaufen, Fitness-Studio. Alles überhaupt kein Problem. Kann man bei 24h-Modellen in die Tonne treten, oder man schleppt sich als Zombi am Folgetag hin, anstatt zu schlafen. Ich habe in beiden Modellen gearbeitet und die allgemeine Lebensqualität beim Nicht-24-Stunden-Modell war gefühlt doppelt so hoch.

Ich finde auch, es ist eine andere psychische Belastung, um 9 Uhr im Krankenhaus zu sitzen, die Patienten in der Notaufnahme stapeln sich, das Telefon klingelt im minutentakt ... und man weiß: Jetzt in 20 Stunden bin ich immer noch hier und habe vermutlich keine Minute geschlafen. Wenn ich Mittags komme, bis Mitternacht das größte Chaos sortiert habe und dann nur noch die Nacht durchstehen muss bis die Ablöse kommt, ist das "gefühlt" ein ganz anderes Szenario.

Muriel
17.11.2021, 11:03
In Fächern wie Innere, UCH etc ist das sicherlich oft so. In meinem Fach hätte ich jederzeit 24h vorgezogen. Sieben Nachtdienste am Stück ohne Kompensation mit direkt anschließender Spätdienstwoche waren nichts für mich. Ich konnte nie auch nur eine Minute im KH schlafen trotz ruhiger Dienste. Tagsüber auch maximal zwei Stunden. Das macht fertig. Nach Mitternacht kamen wirklich wenige Patienten. Rein vom sinnhaften Gedanken, wie ein 24h-Bereitschaftsdienst definiert und rechtens ist, hätten wir als einzige Fachabteilung des Hauses wohl wirklich solche leisten dürfen. In der Realität waren wir die einzige, die ein Schichtdienstmodell hatte.

Endoplasmatisches Reticulum
17.11.2021, 11:39
"Keine 24-Stunden-Dienste" bedingt aber nicht das Worst-Case-Szenario "Wechselschichtdienst und 7 Nachtdienste am Stück"! Wie gesagt, ich persönlich ziehe so 16-17-Stunden-Dienste vor. Man geht nicht ins Minus, hat den Folgetag frei ohne komplett im Eimer zu sein und kann den Vormittag nutzen. Klar, das Nettogehalt verdoppelt man mit so einem Modell nicht. Das ist mir persönlich aber eher egal.

Feuerblick
17.11.2021, 11:46
Solche Dienstmodelle sind aber nicht in allen Fachdisziplinen machbar.
Volle Zustimmung @Muriel. Been there… und so.

Mometasonfuroat
17.11.2021, 11:47
Je nach Fach und Region können 24-Stunden-Dienste aber sinnvoll und viel erträglicher sein, als irgendwelche Schichtdienste! Pauschalisieren kann man das nicht.

Ansonsten frage ich mich, warum man das alles mit sich machen lässt, statt sich zu wehren? Dieses „dann finde ich doch niiieee wieder nen Job“ ist doch totaler Käse und meines Erachtens eine reine Ausrede, weil die meisten die Konfrontation fürchten.

Da stimme ich dir vollends zu und hast es auf den Punkt gebracht, viele fürchten die Konfrontation und möchte vielen schon ein „Everybody’s Darling Syndrom“ unterstellen. Hauptsache iwer anderes muckt auf, der Zorn sollte niemals gegen mich gehen.
Und als ob man ewig in der Klinik bleiben würde. Es gibt so viele Alternativen!

Mr. Pink online
17.11.2021, 12:06
24h Modelle sind in ausgewählten Fachbereichen mit absehbar wenig Arbeitsbelastung, v. a. nach dem Regelbetrieb 16h00 eventuell vereinbar. In welchem Krankenhaus soll das bitte auf eine Innere oder eine Chirurgie bspw. zutreffen? Außer im Reha-Betrieb kann ich mir das nicht vorstellen. 24h heißt selbst in der höchsten Bereitschaftsstufe max. 49% effektive Arbeitszeit. Nur so btw...

Wer 24h BD in einer Inneren macht, lässt sich einfach nur komplett verarschen und so blöd bin ich zum Glück nicht mehr..

Feuerblick
17.11.2021, 12:24
Hat ja auch keiner behauptet, dass es auf Innere, Neuro, Chirurgie zutreffen würde. Nochmal: Man kann das halt nicht für alle Häuser und Fachrichtungen pauschal sagen.

Jukka666
17.11.2021, 12:53
Da stimme ich dir vollends zu und hast es auf den Punkt gebracht, viele fürchten die Konfrontation und möchte vielen schon ein „Everybody’s Darling Syndrom“ unterstellen. Hauptsache iwer anderes muckt auf, der Zorn sollte niemals gegen mich gehen.
Und als ob man ewig in der Klinik bleiben würde. Es gibt so viele Alternativen!

Du hast teilweise m.E. recht.

Mir persönlich geht es NULL darum, der Liebling der anderen sein zu wollen.

Ich finde es halt absolut schwierig, Dinge, Aufgaben oder "ungeliebtes" sein zu lassen - selbst wenn absolut gerechtfertigt - WEIL ES HALT DANN DEIN KOLLEGE MACHT! :-)

Praktisches Beispiel: wie oft muss man absolut idiotisches und bürokratisches ausfüllen/erledigen/wegbringen als Arzt, obwohl es eigentlich nicht in den Zeitrahmen passt oder bis vor kurzem der Stationsdienst/Trapo gemacht hat. Der wurde eingespart, zack, machen es die Assistenzärzte.

Jetzt kann man derjenige sein, der sagt, "mach ich nicht/sehe ich nicht ein". Reaktion: "komm gib her, ich brings weg" von deiner Kollegin.

Das macht mir schon schlechtes Gewissen. Selbst wenn der/die das genauso sieht.
Ich möchte nun mal nicht, dass Arbeit für die nachfolgende Schicht liegen bleibt.

Mach ich den Dienst am WE nicht, macht ihn ein anderer - der hat auch keinen Bock oder Kinder usw.
Kollektivabsprachen sind ein Ding der Unmöglichkeit. Schade!

Ich für mich hab zumindest jetzt folgendes beschlossen:

ich schlaf nicht mehr im "Knast"! Ich werde mir ein Patientenzimmer einfordern, falls das nochmal angeboten wird. ;-)
Und die Kündigung ANfang Dezember dem Chef hinknallen. Und genau diese Gründe mitunter auch anführen.

Angst vor Arbeitslosigkeit hatte ich nie, es geht mir eher um so nervige Dinge wie die KRankenversicherung (bin aktuell privat und wollte nächstes Jahr eigentlich in die GKV), oder Rentenversicherungen. Allein der Papierkram, wenn man mal ein paar MOnate ohne "richtigen" Job in D sein will...du meine Güte...

][truba][
17.11.2021, 13:26
Ich finde es halt absolut schwierig, Dinge, Aufgaben oder "ungeliebtes" sein zu lassen - selbst wenn absolut gerechtfertigt - WEIL ES HALT DANN DEIN KOLLEGE MACHT! :-)

Praktisches Beispiel: wie oft muss man absolut idiotisches und bürokratisches ausfüllen/erledigen/wegbringen als Arzt, obwohl es eigentlich nicht in den Zeitrahmen passt oder bis vor kurzem der Stationsdienst/Trapo gemacht hat. Der wurde eingespart, zack, machen es die Assistenzärzte.

Da ist nur die Frage, wer ist daran Schuld, dass die Kollegin es macht?
Ein Beispiel aus meiner aktuellen Klinik. Es war (ist) eine kleine Abteilung die bisher ihre Patiententermine für stationäre Aufnahmen etc. alles selbst gemacht hat (die ärztlichen Kollegen). Letztes Jahr als ich dort anfing, fand ich es schon nervig aber es hat "gepasst".
Seit Januar haben wir einen neuen Chef. Ehemals lt. OA einer Uniklinik. Bringt viele Einweiser mit, viel mehr Patienten und durch Corona hatten wir auch eine lange Warteliste. Jeder alte und nun auch neue Einweise gibt diese Nummer (= die Nummer in unserem Arztzimmer und zum Teil sogar unser Handy das wir tagsüber tragen) an seine Patienten raus. Das Ergebnis = dieses Telefon klingelt permanent. Du schreibst einen Brief und 3 x klingelt das Telefon und jemand will einen Termin.

Ich habe zu meinen Kollegen gesagt "Nein, ich gehe nicht mehr an dieses Telefon. Ich bin kein Sekretär". Den jungen Kollegen "verbiete" ich, an dieses Telefon zu gehen wenn sie Briefe schreiben, denn "Auch du bist keine Sekretärin/kein Sekretär" und man merkt innerlich, wie es ihnen widerstrebt (siehe dein Beispiel). Die älteren gehen trotzdem dran mit einem Blick Ala "Wie kannst du nur? Es sind doch unsere Patienten" (Anm. der Redaktion: Die Wartezeit beträgt fast 10-12 Wochen - haben also keinen Mangel). Ich sage zum Chef "Ich gehe nicht mehr an dieses Telefon. Ich bin kein Sekretär. Wir brauchen einen Case Manager". Er sieht es auch ein und vielleicht kommt Bewegung in die Sache aber ich weiß, wenn ich raus bin aus dem Arztzimmer geht jeder an dieses Telefon. Würden wir ALLE nicht an das Telefon gehen, würde die Sache schneller gehen. Nun ist die Frage, warum gehen all meine Kollegen ran wenn ich nicht da bin ? Liegt es an mir? An ihnen ? Am Chef ?
Solidarität unter Kollegen geht eben nur soweit, wie man selbst nichtl "der Arsch" sein will.

Endoplasmatisches Reticulum
17.11.2021, 13:38
Solche Dienstmodelle sind aber nicht in allen Fachdisziplinen machbar.
Warum nicht? Zu wenig Personal? Das ist dann keine Schwäche des Dienstmodells. Rechtliche Vorgaben (Dauerpräsenz auf ITS)? Da gibt es Hybrid-Modelle, die kein Wechselschichtbetrieb sind, aber trotzdem keine 24-Stunden brauchen. Klar, im Zweifel muss dann der Arbeitgeber mehr Schotter auf den Tisch legen.

Wenn 24-Stunden-Modelle so viel besser sind als Schichtmodelle, warum hat im ganzen Land noch kein einziges Team der maximal gebeutelten Krankenpflege jemals gefordert, auf so ein Modell umzustellen?


Praktisches Beispiel: wie oft muss man absolut idiotisches und bürokratisches ausfüllen/erledigen/wegbringen als Arzt, obwohl es eigentlich nicht in den Zeitrahmen passt oder bis vor kurzem der Stationsdienst/Trapo gemacht hat. Der wurde eingespart, zack, machen es die Assistenzärzte.
Das irritiert mich auch seit Jahr und Tag. In anderen Branchen wird horizontal delegiert. Weiß Gott warum Ärzte für jede andere Berufsgruppe im Krankenhaus - sei es MFA, Pflege, Transportdienst - einspringen muss, wenn die aus welchen Gründen auch immer ihre Aufgaben nicht erledigen können oder wollen.

Mometasonfuroat
17.11.2021, 13:41
[truba][;2217109']Da ist nur die Frage, wer ist daran Schuld, dass die Kollegin es macht?
Ein Beispiel aus meiner aktuellen Klinik. Es war (ist) eine kleine Abteilung die bisher ihre Patiententermine für stationäre Aufnahmen etc. alles selbst gemacht hat (die ärztlichen Kollegen). Letztes Jahr als ich dort anfing, fand ich es schon nervig aber es hat "gepasst".
Seit Januar haben wir einen neuen Chef. Ehemals lt. OA einer Uniklinik. Bringt viele Einweiser mit, viel mehr Patienten und durch Corona hatten wir auch eine lange Warteliste. Jeder alte und nun auch neue Einweise gibt diese Nummer (= die Nummer in unserem Arztzimmer und zum Teil sogar unser Handy das wir tagsüber tragen) an seine Patienten raus. Das Ergebnis = dieses Telefon klingelt permanent. Du schreibst einen Brief und 3 x klingelt das Telefon und jemand will einen Termin.

Ich habe zu meinen Kollegen gesagt "Nein, ich gehe nicht mehr an dieses Telefon. Ich bin kein Sekretär". Den jungen Kollegen "verbiete" ich, an dieses Telefon zu gehen wenn sie Briefe schreiben, denn "Auch du bist keine Sekretärin/kein Sekretär" und man merkt innerlich, wie es ihnen widerstrebt (siehe dein Beispiel). Die älteren gehen trotzdem dran mit einem Blick Ala "Wie kannst du nur? Es sind doch unsere Patienten" (Anm. der Redaktion: Die Wartezeit beträgt fast 10-12 Wochen - haben also keinen Mangel). Ich sage zum Chef "Ich gehe nicht mehr an dieses Telefon. Ich bin kein Sekretär. Wir brauchen einen Case Manager". Er sieht es auch ein und vielleicht kommt Bewegung in die Sache aber ich weiß, wenn ich raus bin aus dem Arztzimmer geht jeder an dieses Telefon. Würden wir ALLE nicht an das Telefon gehen, würde die Sache schneller gehen. Nun ist die Frage, warum gehen all meine Kollegen ran wenn ich nicht da bin ? Liegt es an mir? An ihnen ? Am Chef ?
Solidarität unter Kollegen geht eben nur soweit, wie man selbst nichtl "der Arsch" sein will.

Das Beispiel ist sehr gut truba und beschreibt warum die Missstände doch so sind wie sie sind. Ein Großteil der ärztlichen Kollegen machen es dann einfach halt und wundern sich wenn dann aber die "Bürokratie" nicht weniger wird.
Ich selbst habe eine Firma nebenher gegründet und wenn ich solche Angestellten hätte, würde ich mir die Finger nach denen lecken, denn sie fangen eigentlich alles das ab wofür ich eigentlich Case Manager, Assistenten, Accountants ggf. sogar gern Werkstudenten benötigen würde und der Großteil der Überstunden müsste ich vermutlich auch nicht ausgleichen. So habe ich einen Vollzeit-Sklaven an der Hand- für mich gut-für die Person nicht gut- aber wenn die Person nicht mehr kann (gesundheitlich) hole ich mir halt die nächste (jüngere) Person mit der gleichen Einstellung.
Man kann der Situation nur Herr werden, wenn man kategorisch solche to-do's ablehnt. Das beste Argument sollte hierfür sein "dafür habe ich keine Zeit, ich muss mich um meine Patienten kümmern" oder anders man geht geschlossen am besten inkl. Chef zur Verwaltung und sagt "wir brauchen einen Assistenten/Werkstudenten/stud. Hilfskraft" etc.

Mometasonfuroat
17.11.2021, 13:55
Du hast teilweise m.E. recht.

Mir persönlich geht es NULL darum, der Liebling der anderen sein zu wollen.

Ich finde es halt absolut schwierig, Dinge, Aufgaben oder "ungeliebtes" sein zu lassen - selbst wenn absolut gerechtfertigt - WEIL ES HALT DANN DEIN KOLLEGE MACHT! :-)

Praktisches Beispiel: wie oft muss man absolut idiotisches und bürokratisches ausfüllen/erledigen/wegbringen als Arzt, obwohl es eigentlich nicht in den Zeitrahmen passt oder bis vor kurzem der Stationsdienst/Trapo gemacht hat. Der wurde eingespart, zack, machen es die Assistenzärzte.

Jetzt kann man derjenige sein, der sagt, "mach ich nicht/sehe ich nicht ein". Reaktion: "komm gib her, ich brings weg" von deiner Kollegin.

Das macht mir schon schlechtes Gewissen. Selbst wenn der/die das genauso sieht.
Ich möchte nun mal nicht, dass Arbeit für die nachfolgende Schicht liegen bleibt.

Mach ich den Dienst am WE nicht, macht ihn ein anderer - der hat auch keinen Bock oder Kinder usw.
Kollektivabsprachen sind ein Ding der Unmöglichkeit. Schade!

Ich für mich hab zumindest jetzt folgendes beschlossen:

ich schlaf nicht mehr im "Knast"! Ich werde mir ein Patientenzimmer einfordern, falls das nochmal angeboten wird. ;-)
Und die Kündigung ANfang Dezember dem Chef hinknallen. Und genau diese Gründe mitunter auch anführen.

Angst vor Arbeitslosigkeit hatte ich nie, es geht mir eher um so nervige Dinge wie die KRankenversicherung (bin aktuell privat und wollte nächstes Jahr eigentlich in die GKV), oder Rentenversicherungen. Allein der Papierkram, wenn man mal ein paar MOnate ohne "richtigen" Job in D sein will...du meine Güte...

Und auch du Jukka666 hast es auf den Punkt gebracht. Wir müssen bürokratisches erledigen, weils die Klinik sich die Assistenten einspart. Wir Ärzte machen es ja und die Verwaltung sieht "joa läuft doch auch ohne, beschwert sich ja niemand".
Am besten finde ich auch die Sprüche aus der Verwaltung "ist ja überall so" und "am Gesundheitssystem wird überall gespart, dafür ist kein Geld da".

Wie das manchmal ausgehen kann, zeigt gerade der Fall aus einem Potsdamer Pflegeheim, die Quelle ist nicht die Beste, kommt mir vom System aber an mancher Stelle bekannt vor: https://www.bz-berlin.de/tatort/menschen-vor-gericht/nach-mord-in-potsdamer-pflegeheim-wer-den-mund-aufmachte-wurde-versetzt

Gleichzeitig möchte ich nochmal erwähnen, dass es das Beste ist was du machen konntest.
Wenn ich unzufrieden bin mit einer Situation bringst es meist wenig sich darüber zu beschweren, denn der, der es ändern kann ist man immer nur selbst.

CrashStudios
17.11.2021, 14:20
Ich selbst habe eine Firma nebenher gegründet und wenn ich solche Angestellten hätte, würde ich mir die Finger nach denen lecken, denn sie fangen eigentlich alles das ab wofür ich eigentlich Case Manager, Assistenten, Accountants ggf. sogar gern Werkstudenten benötigen würde und der Großteil der Überstunden müsste ich vermutlich auch nicht ausgleichen. So habe ich einen Vollzeit-Sklaven an der Hand- für mich gut-für die Person nicht gut- aber wenn die Person nicht mehr kann (gesundheitlich) hole ich mir halt die nächste (jüngere) Person mit der gleichen Einstellung.


Cool, dachte ich bin der einzige Assistenzarzt gewesen der nebenbei eine GmbH gegründet hat. ALLE Ärzte die ich kennengelernt haben, konnten über die katastrophalen Arbeitsbedingungen als arzt meckern aber sich nicht von diesem Beruf verabschieden und max. eine Praxisgründung als das non-plus-ultra vorstellen. Wäre froh, wenn noch mehr ärztliche Kollegen sich unternehmerisch betätigen würden. Gibt kein Vehikel, dass langfristig mehr Freiheit (sowohl finanziell als auch privat) bietet, als ein eigener gut geführter Betrieb.