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dissection
23.11.2021, 16:05
https://oeffentlicher-dienst-news.de/corona-bonus-1500-euro-sonderpraemie-fuer-beschaeftigte-in-der-stationaeren-langzeitpflege-und-der-ambulanten-pflege/

Ich hoffe ihr wisst was ihr vom deutschen Staat nicht bekommt oder? Ärzte sind eh schon überbezahlte Parasiten!

cartablanca
23.11.2021, 17:38
https://oeffentlicher-dienst-news.de/corona-bonus-1500-euro-sonderpraemie-fuer-beschaeftigte-in-der-stationaeren-langzeitpflege-und-der-ambulanten-pflege/

Ich hoffe ihr wisst was ihr vom deutschen Staat nicht bekommt oder? Ärzte sind eh schon überbezahlte Parasiten!

Man sollte kein Geld dafür verlangen. Man wird Arzt, um Menschen zu helfen. Das ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Die eigentliche Problemlösung für die Kranken liefern eh Verwaltung und Pflege.

Matzexc1
23.11.2021, 19:32
Man sollte kein Geld dafür verlangen. Man wird Arzt, um Menschen zu helfen. Das ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Die eigentliche Problemlösung für die Kranken liefern eh Verwaltung und Pflege.

Die Pflege bitte durch Gesundheitspolitiker ersetzen, den Rest von deinem Beitrag hören sich Pflegekräfte, genau wie wir, alltäglich an.

Das hier die Ärzteschaft wieder ausgeklammert wird und am Ende jeder Homeoffice-trottel auch was kriegen wird(und jeder Politiker natürlich auch, ist ja bloss Steuergeld) stört mich auch gewaltig.

LasseReinböng
24.11.2021, 19:07
Einmalige Bonuszahlungen sind monetär gesehen ja prinzipiell egal weil letztlich nicht relevant..aber die Einstellung die dahinter steht ist natürlich zum Kotzen wenn scheinbar jeder Bürostuhl-Larry seinen Bonus abgreift, nur nicht diejenigen die selber direkt von der Covid-Situation betroffen sind...

Heute erzählte mir ein Freund daß bei ihm im Institut ( Geographie) Booster-Impfungen für das Personal stattfinden... wohlgemerkt Geographie!! Seine Home-Office Quote liegt bei ca. 75%.... in meinem Haus sind ab Dezember sage und schreibe 3 Tage für Impfungen für das Personal vorgesehen, natürlich nur in der regulären Dienstzeit... was soll man dazu noch sagen...

CrashStudios
25.11.2021, 16:10
...deshalb Augen auf bei der Berufswahl. Die momentane Covid-Situation bestätigt nur, dass man einem Abiturienten das Medizinstudium nicht mehr mit gutem Gewissen empfehlen kann.

Leucovorin
25.11.2021, 19:49
...deshalb Augen auf bei der Berufswahl. Die momentane Covid-Situation bestätigt nur, dass man einem Abiturienten das Medizinstudium nicht mehr mit gutem Gewissen empfehlen kann.

Ich stimme dir grundsätzlich zu, dass Arbeit im Krankenhaus, egal ob Pflege oder Arzt attraktiver sein müsste in den Punkten Gehalt, Arbeitszeit, respektvoller Umgang miteinander.

Medizin und auch Zahnmedizin würde ich als Studium empfehlen, wenn Interesse am Fach besteht. Ein gutes Gehalt kriegt man in vielen Branchen, ich kann mich als Angestellter Facharzt ehrlich gesagt nicht beklagen.

Alex874
26.11.2021, 20:19
Im Gegenteil würde jeder empfehlen, in diese instabile Situation abzuwarten. Aber jeder muss das für sich selbst entscheiden.

Leucovorin
26.11.2021, 22:41
Im Gegenteil würde jeder empfehlen, in diese instabile Situation abzuwarten. Aber jeder muss das für sich selbst entscheiden.

Dazu würde ich auch raten. Covid ist doch nur die eine Sache. Covidwellen kommen und gehen. Es muss das Gesamtpaket bei der Arbeit (halbwegs) stimmen. Möglicherweise ist Covid der Tropfen bei manchen hier, der das Fass zum Überlaufen bringt.

mbs
26.11.2021, 23:55
Man kann Intensivbettenmangel auch künstlich schaffen. Indem man alles auflegt was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Neunzigjähriger mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom? Natürlich gibt es keine andere Möglichkeit als die Entfernung von Pankreas, Duodenum, Teilen der Pfortader mit venöser Rekonstruktion, Milz, Magen,Niere, eventuell auch Colon, und falls man gar nichts anderes finden kann auch Teilen des arteriellen Systems, und notfalls auch Teilen des Peritoneums. Peritonealkarzinose? Kein Problem? Gefäßinfiltration? Kein Problem? Quietschgelb? Müssen wir sofort machen. Vorher Stent und Rekompensation ist natürlich keine Option. Dann überlegt es sich der Patient vielleicht nochmal. Zwischenzeitlich entlassen geht aus demselben Grund natürlich auch nicht. Am Ende kommt er noch zu dem Schluss dass er sich lieber woanders oder gar nicht operieren lassen will. Ist sowas gute Medizin? Jetzt mal ganz unabhängig davon ob es in Pandemiezeiten für solche Aktionen ausreichend Intensivbetten gibt?

Leucovorin
27.11.2021, 00:34
@mbs: Irgendwie muss man ja auch was abrechnen können, nix neues.

Colourful
27.11.2021, 07:26
@mbs
Das ist doch echt unethisch.

Leucovorin
27.11.2021, 13:33
Ethil und Abrechnung sind zwei paar Schuhe. So lange es noch in gewissem Rahmen läuft und keiner klagt.

Evidence based
27.11.2021, 18:13
@mbs
Das ist doch echt unethisch.

Und (wenn auch stark überspitzt) die Realität.

Pflaume
27.11.2021, 19:02
Ich finde das auch unethisch, vor allem in bezug auf Resourcen. Die könnte man anderweitig, wo Mangel herrscht und mehr zu bewirken wäre, sinnvoller einsetzen. Gegenüber dem einzelnen behandelten Patienten und seinen Angehörigen finde ich es weniger unethisch. Ich finde es falsch, aber fast alle wollen genau das.

Man erlebt ja regelmäßig, wie aufwändig (und immer wieder frustrierend) es ist, mit Leuten darüber zu sprechen, dass man Therapiebegrenzung als eine sinnvolle Option ansehen würde. Die Leute wollen, dass der oben geschilderte Patient postoperativ auf der Intensiv liegt und sie sich mit dem behandelnden Arzt über Pneumonie unterhalten können und darüber, dass die Nieren nicht mehr richtig funktionieren, und nicht darüber, dass er den Krebs auch durch Intensivtherapie nicht los wird und zeitnah sterben wird.

Auch im Freundeskreis habe ich schon empörte Reaktionen mitbekommen, wenn ein Arzt versucht hat, Patienten oder deren Angehörigen beizubringen, dass es gut möglich ist, dass hier jetzt eine Endstation ist, ganz besonders dann, wenn der Patient dann doch noch länger durchhält als gedacht und insinuiert wird, die Ärzte hätten ihn zu früh "aufgegeben". Es gibt schon sehr viele Leute, die am liebsten auf der Intensivstation sterben möchten.

milz
27.11.2021, 19:32
Und das geht so durch die Tumorkonferenz?

][truba][
27.11.2021, 19:35
Nach ein paar Jahren in der Chirurgie und nun Urologie kann ich zumindest sagen, dass ich das Gefühl hab, die Therapieoption der Palliation existiert nicht in der chirurgischen Welt. Bzw. nur bei einzelnen Kollegen. Letztlich kann man fast alles bei fast jedem operieren. Mit den Patienten und den Angehörigen zu sprechen, dass zwar heutzutage alles möglich ist aber es vielleicht auch einfach eine Option ist "nach Hause zu gehen" und dort mit Hilfe von SAPV etc. pp. zu sterben ist vielleicht ein unangenehmes aber manchmal auch erfüllendes Gespräch. Vor allem wenn man es schafft dem Patienten diese Angst zu nehmen und den Angehörigen zu vermitteln, dass diese Option nicht bedeutet den Angehörigen "sterben zu lassen" (auch wenn es faktisch natürlich genau das bedeutet)

Festzustellen ist allerdings das, was auch Pflaume sagt. Die "Ansprüche" sind hoch und mit dem Sterben wird sich heute nicht mehr befasst. Alles soll gemacht werden, bis zum Ende. Oftmals unverständlich in meinen Augen. Vielleicht aber auch nur weil ich mich eine ganze Weile mit Palliativmedizin beschäftigt habe.

xyl15
27.11.2021, 19:48
Mein Eindruck ist auch, dass ein ziemlicher Mangel an sinnvollen palliativen Angeboten besteht, seien es Stationen, Hospize, ambulante Dienste. So dass vielen halt nur die Option Pflegeheim oder Pflege zu Hause mit unzureichender palliativmedizinischer Qualifikation und Ausstattung bleibt. Oder auch im Bewusstsein der Patienten und ANgehörigen die Möglichkeiten zu wenig bekannt.
So zumindest der Eindruck meiner Mutter, die in einem Hospiz arbeitet

Colourful
27.11.2021, 19:55
@Pflaume
Ja, ich weiß das, finde das aber auch sehr traurig. Es ist aber ein Problem, dass das erstens so gut vergütet wird und es zweitens wenig Menschen gibt, die sich wirklich damit auseinandersetzen, dass das Leben irgendwann mal vorbei ist und dass es vielleicht nicht "der schönste Tod" ist auf der Intensivstation zu sterben.
Und ja, die meisten Leute wollen eine Maximaltherapie, habe das gerade erst wieder im erweiterten Familienkreis so erlebt, dass da unbedingt alles gemacht werden musste, aufwendige Tumoroperation bei einem hochbetagten Patienten, der dann letztlich noch Komplikationen hatte und trotzdem zwei Wochen nach der OP verstorben ist. Ich finde das Unsinn und bei palliativer Situation auch einfach Menschenquälerei, ich würde das meinen Angehörigen nicht antun wollen. Zum Glück kann ich das mit meinen Eltern gut besprechen.

Ich finde ja sowieso, dass oft ein generelles Bewusstsein dafür fehlt, dass alles, was möglich ist, nicht unbedingt sinnvoll ist und dass der Tod zum Leben dazu gehört. Damit meine ich jetzt nicht junge Patienten, sondern einfach die beschriebenen 90jährigen, für die dann noch wirklich ALLES gemacht werden muss und wo die Angehörigen dann erwarten, dass die nach einem malignen Mediainfarkt mit Hemiplegie und Aphasie wieder komplett fit und selbstständig werden.
Aber so ist das. Wir haben in der Reha aber auch viele erfreuliche Verläufe, dass sind aber dann meistens in der Tat die Patienten, die von Beginn an nicht wahnsinnig schwer betroffen waren.

Colourful
27.11.2021, 19:56
Mein Eindruck ist auch, dass ein ziemlicher Mangel an sinnvollen palliativen Angeboten besteht, seien es Stationen, Hospize, ambulante Dienste. So dass vielen halt nur die Option Pflegeheim oder Pflege zu Hause mit unzureichender palliativmedizinischer Qualifikation und Ausstattung bleibt. Oder auch im Bewusstsein der Patienten und ANgehörigen die Möglichkeiten zu wenig bekannt.
So zumindest der Eindruck meiner Mutter, die in einem Hospiz arbeitet

Ich glaube, dass das beides ist. Das gibt es nicht allzu viel und dann muss man es noch wissen und sich darum kümmern, dass ist für viele Angehörige wirklich nicht so einfach.

nie
27.11.2021, 20:02
Hier sind es eher die Onkologen/Strahlentherapeuten, für die das Konzept „Palliative Therapie“ nicht existiert. Das ist alles immer „potentiell kurativ“. Dementsprechend unwissend und immer noch mit vollständiger Heilung rechnend, landen dann komplett durchmetastasierte Patienten oder welche mit 3 verschiedenen Tumorerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium auf unserer ITS weil sie nach der x-ten Chemo/RTx doch irgendwann alle eine Pneumonie/Sepsis oder GI-Blutung bekommen. Unsere Chirurgen wiederum sind sehr schnell mit „da gehen wir nicht mehr ran“.

Unabhängig davon war das, was Pflaume beschreibt, eine der frustrierendsten Erkenntnisse meiner ITS Zeit. Die Leute wollen auf der ITS sterben und sie wollen auch ihren Angehörigen wochenlang beim dahinsiechen zuschauen. Und wenn sie dann doch irgendwann mal sterben weil jedes Lebens nunmal endlich ist und selbst wochenlange Intensivtherapie nicht alles heilen kann, flattern Klagen ins Haus…