Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überlegt hier noch jemand, aufgrund der aktuellen Situation zu kündigen?
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Feuerblick
17.11.2021, 14:36
@E.R.: Ob du es glaubst oder nicht, aber Schamanen haben nachts sehr häufig eher ruhige Dienste. Da kommt selten was nach Mitternacht und schon gar nicht in jedem Dienst. Es wäre komplett vertane Zeit, eine Nachtschicht zu installieren, die nichts zu tun hat, aber nicht schlafen kann, weil es einfach zu unruhig ist in so einer Klinik. Morgens bist du dann gerädert, aber mangels Auslastung fürs Schlafen nicht müde genug. Auch mit Zwischenschichten, langen Tagdiensten etc. ist der Nervfaktor höher als der Benefit. Muriel hat es schön beschrieben.
Stattdessen macht man 24-Stunden-Dienste, hat nachts meistens Ruhe, muss tagsüber damit nicht zwingend schlafen (man hat ja 24 Stunden frei) und geht am Folgetag normal in den Tagdienst.
Ich war in zwei großen Augenkliniken, habe in einer davon auf Wunsch der Oberen an Schichtmodellen rumtüfteln müssen und es war mit ein Grund, warum ich gegangen bin. Ich habe es gehasst. Dabei mussten wir nur einmal pro Quartal so eine ätzende Schichtwoche machen. In der zweiten Klinik dann 24-Stunden-Dienste und alles tatsächlich viel erträglicher. Ich habe in beiden Kliniken keinen einzigen Kollegen getroffen, der gerne Schichtdienste haben wollte. Alle hätten sich immer für 24 Stunden entschieden.
Kurz: Es gibt einfach Fächer, da sind 24 Stunden sehr viel angenehmer und verträglicher mit dem Privatleben als irgendwelche Schichtdienste - und seien sie noch so selten.
Und glaub mir eins: Weder in Klinik 1 noch in Klinik 2 waren Duckmäuser unterwegs. Das Schichtmodell in Klinik 1 war damals noch in der Erprobungsphase. Kann gut sein, dass man dagegen angegangen ist, weil es komplett bescheuert war. In Klinik 2 hätten wir uns gegen ein Schichtmodell klar gewehrt. Haben wir unseren Chefs auch immer wieder erklärt, wenn die Idee mal wieder aufkam.
Endoplasmatisches Reticulum
17.11.2021, 14:43
Verstehe. Klar glaube ich dir das! Und freut mich sehr, dass das für euch so gut funktioniert. In dem Fall würde ich vermutlich ähnlich denken. Das ist aber schlicht nicht die Richtung, aus der in einem Thema argumentiert wird, in dem es um Ausbeute, unzumutbare Arbeitsbedingungen etc. geht. Aber ja, mein Fehler. An Abteilungen, wo man sich im Dienst zu Tode langweilt, habe ich tatsächlich nicht gedacht. ;)
Mometasonfuroat
17.11.2021, 14:59
Cool, dachte ich bin der einzige Assistenzarzt gewesen der nebenbei eine GmbH gegründet hat. ALLE Ärzte die ich kennengelernt haben, konnten über die katastrophalen Arbeitsbedingungen als arzt meckern aber sich nicht von diesem Beruf verabschieden und max. eine Praxisgründung als das non-plus-ultra vorstellen. Wäre froh, wenn noch mehr ärztliche Kollegen sich unternehmerisch betätigen würden. Gibt kein Vehikel, dass langfristig mehr Freiheit (sowohl finanziell als auch privat) bietet, als ein eigener gut geführter Betrieb.
Finde ich super, ich lerne mittlerweile immer mehr Ärzte kennen, die auch hier den Schritt in die GmbH wagen oder zumindest eine Stiftung/Verein gründen. Es geht ja auch um Steuergestaltung ;)
Es erweitert zudem den Blick ungemein und erkennt Schwachstellen wo man vorher gut ausgebeutet worden ist oder was zumindest schief läuft bei AG.
Womit hast du dich selbstständig gemacht, wenn ich fragen darf.
Ich bin nach und nach in den Immobiliensektor eingestiegen.
Nefazodon
17.11.2021, 15:22
Ich kann nicht mehr ,aber es interessiert keinen das hab ich meinem Chef letztens ins Gesicht gesagt und es war ihm egal hauptsache jemand übernimmt spontan den 24 h Dienst ohne Gegenleistung und obwohl es der 3. in 6 Tagen ist.
@Cadherine: und hast Du den Dienst dann noch gemacht?
Ich finde, dein privates Umfeld hat Recht. Was Du beschreibst hört sich nicht gut an. Kündige. Ich bin mir sicher, Du findest was besseres als das.
Feuerblick
17.11.2021, 16:15
Verstehe. Klar glaube ich dir das! Und freut mich sehr, dass das für euch so gut funktioniert. In dem Fall würde ich vermutlich ähnlich denken. Das ist aber schlicht nicht die Richtung, aus der in einem Thema argumentiert wird, in dem es um Ausbeute, unzumutbare Arbeitsbedingungen etc. geht. Aber ja, mein Fehler. An Abteilungen, wo man sich im Dienst zu Tode langweilt, habe ich tatsächlich nicht gedacht. ;)
Naja, zu Tode gelangweilt hat man sich dann nun auch nicht :-))
Ich wollte nur das alles ein wenig relativieren, dass nicht immer Schichtmodelle das Allheilmittel sind. Und sie sind ja auch nicht das Hauptproblem sondern eher das, was tagtäglich abgeht.
EDIT: Ich finde übrigens, Truba (?) hat etwas sehr Wichtiges erwähnt: Es kommt immer darauf an, wie man als junger Assistenzarzt sozialisiert wurde. Deswegen sollte jeder Altassistent seinen unerfahrenen Kollegen beibringen, dass sie nicht als Stationssekretär*in eingestellt wurden und dass alle (!) Überstunden vom ersten Tag an dokumentiert gehören. Dass man Briefe, die man im normalen Tagesgeschäft nicht schafft, nicht unbezahlt am Wochenende in der Freizeit oder im Dienst schreibt. Und so vieles mehr. Ich hatte das große Glück, vom ersten Tag an Altassistenten zu haben, die mich (selbst in der Chirurgie) dementsprechend gebrieft haben. Einer ist mir sogar in den ersten Wochen mit dem Überstundenzettel hinterhergelaufen und hat mich aufgefordert, den nun auszufüllen. So wichtig! Bringt euren jungen Kollegen bei, dass die Sklaverei abgeschafft wurde und Arbeit bezahlt werden muss… oder sie findet nicht statt. Wer das vom ersten Tag an lernt, lässt sich vielleicht auch weniger gefallen.
Thomas24
17.11.2021, 17:15
EDIT: Ich finde übrigens, Truba (?) hat etwas sehr Wichtiges erwähnt: Es kommt immer darauf an, wie man als junger Assistenzarzt sozialisiert wurde. Deswegen sollte jeder Altassistent seinen unerfahrenen Kollegen beibringen, dass sie nicht als Stationssekretär*in eingestellt wurden und dass alle (!) Überstunden vom ersten Tag an dokumentiert gehören. Dass man Briefe, die man im normalen Tagesgeschäft nicht schafft, nicht unbezahlt am Wochenende in der Freizeit oder im Dienst schreibt. Und so vieles mehr. Ich hatte das große Glück, vom ersten Tag an Altassistenten zu haben, die mich (selbst in der Chirurgie) dementsprechend gebrieft haben. Einer ist mir sogar in den ersten Wochen mit dem Überstundenzettel hinterhergelaufen und hat mich aufgefordert, den nun auszufüllen. So wichtig! Bringt euren jungen Kollegen bei, dass die Sklaverei abgeschafft wurde und Arbeit bezahlt werden muss… oder sie findet nicht statt. Wer das vom ersten Tag an lernt, lässt sich vielleicht auch weniger gefallen.
Ich denke, bis das in allen Köpfen (inkl. Verwaltungen) mal ankommt, wird noch viel Wasser den Rhein runterfliessen...
Meines Erachtens nach ist das auch ein Mentalitätsproblem. Die Medizinerschaft rekrutiert sich in der Summe ja doch eher aus den besseren Abiturienten, die ihrerseits wiederum in ihrer Jugend und Schullaufbahn eher die schulisch angepassten, tendenziell folgsameren, empathischen, konfliktscheueren Schüler/ Studenten gewesen sind. Und gerade in Deutschland hat das "innerlich Meckern, aber dann doch nichts unternehmen", ja eine besondere Tradition.
Es hilft aber alles nichts. Wer nicht lernt, Konflikte auszutragen und für seine eigenen Interessen einzutreten, der wird gnadenlos in diesem System (innerhalb und außerhalb des Berufes) ausgebeutet und zerschlissen werden. Das "später wird es sicher besser" wird sich nicht bewahrheiten. Es ist besser, diese Lektion früh in seiner Laufbahn zu lernen, wie unangenehm das einem persönlich auch vorkommen mag. Just my 2 cents.
Moorhühnchen
17.11.2021, 17:27
Wenn ich Mittags komme, bis Mitternacht das größte Chaos sortiert habe und dann nur noch die Nacht durchstehen muss bis die Ablöse kommt, ist das "gefühlt" ein ganz anderes Szenario.Könnte mir vorstellen, dass hier ein Verständnisproblem vorliegt, wenn Du schreibst, dass ein 24h-Modell für Dich keine Option wäre. Vermutlich schlussfolgern die meisten daraus, dass Du ein Schichtmodell vorziehen würdest. Deinem Post entnehme ich aber, dass es Dir eher um ein BD-Modell mit weniger als 24 Stunden geht - eher 16 Stunden.
Sehe ich das richtig?
Denn dann würde ich auch sagen, ich will niemals mehr in einem 24h-Modell arbeiten. Meine 20-Stunden-Bereitschaftsdienste finde ich aktuell aber sehr angenehm, auch wenn ich lieber gerne nur 18 Stunden hätte - das hieße um 12 Uhr erscheinen. :-)
EDIT: Ah, okay. Hat sich erledigt. Weiterlesen hilft! :-))
EDIT 2: ich finde, der Thread driftet schon wieder etwas zu sehr in die Alltagsprobleme ab. Ich habe die Coronazeit auch als extreme Belastung wahrgenommen, die nicht mit den vorangegangenen 10 Jahren vergleichbar war. Vielleicht sollten wir unser Hautaugenmerk wieder etwas mehr darauf lenken! Welche Lösungsansätze kann man hierfür finden - außer kollektiv zu kündigen?
Spoiler: ich habe keine andere Lösung... :-)) ;-)
Cadherine
17.11.2021, 19:31
@Nefazodon natürlich habe ich den Dienst zähneknirschend gemacht, er ging dann 26-h, weil ich war ja schon vor Dienstbeginn im KH, da ungeplant und ich habeDienst dann auch noch komplett durchgearbeitet.
Ich frage mich immer warum ich sowas mache .
Wir hatten schon mehrfach Beschwerden bei der Verwaltung eingereicht, da gab es dann immer keine Lösungsmöglichkeit, außer ner "Prämie "die zum Lachen war, ab dem 5. Dienst und klammheimlich nach 2 Monaten oder so wieder abgeschafft wurde.
Ich habe so viele Überstunden, dass ich keine Dienste mehr machen dürfte , das Zeiterfassungprogramm gibt dann wohl eine Fehlermeldung raus, die von den Zuständigen dort manuell gelöscht wird.
Mein Chef kommt uns halt immer mit er kann den Dienst auch anordnen und uns zwingen . Letztens ist mir der Kragen geplatzt und ich habe gesagt ich kann auch zum Gericht gehen und ne Verfügung erwirken.
Mich regt am meisten auf ,dass mein Chef immer uns zwingt ne Lösung zu finden, der versucht nicht mal Honorarkräfte zu finden oder mit der Verwaltung zu sprechen auch wenn schon Wochen vorher Dienstplan Probleme klar sind . Es wird auf uns massiv Druck ausgeübt wir werden gegeneinander ausgespielt und alles ist scheiss egal hauptsache jemand steht auf den Dienstplan egal ob der dienstfähig, der deutschen Sprache mächtig, oder sonst was ist.
Die Coronapandemie hat meine Situation noch verschlechtert , als das ich derjeninge mit am Abstand meisten Coronakontakt war und im letzten Jahr die Covid-Normalstation geschmissen habe Dort gabe es aber Erfolgerlebnisse , Leute wurden wieder gesund und die Stimmung war ganz gut bei uns (vom Massensterben im Dezember 2020 wollen wir jetzt mal nicht reden).
Jetzt bin ich auf der Intensiv und fühle bin da besonders bei gewissen Tätigkeiten (Intubation, Tracheotomie) besonders exponiert. Bin 2x geimpft ohne Vorerkankungen und unter 30 und nächste Woche gibts Booster, bin extrem vorsichtig mit der Schutzkleidung, aber habe trotzdem ne gewisse Angst mich anzustecken oder das zu meinen Angehörigen weiter zutragen.
Der Arbeitsaufwand bei den Covid Patienten besonders auf der Intensiv ist größer, ich habe das Gefühl mich nicht richtig um die anderen Patienten kümmern zu können , in dem Maße wie ich es gerne würde, weil die Covids sehr instabil und kritisch sind oder verlegt werden müssen , dialysepflichtig werden, in Bauchlage gebracht werden, zum CT müssen etc. pp das kostet viel Zeit. Dann noch teilweise deren Angehörige die selber Impfgegener oder Covidleugner sind .
Zu allem Überfluss kämpft man auch noch gegen Windmühlen ,nach wochenlanger Beatmung und allen intensivmedizinischen Registern sterben doch die meisten von denen und die ganze Anstrengung war für die Katz.
Die jüngeren Fittern verlegen wir an die ECMO, die anderen sterben langsam über Wochen vor sich hin, es gibt fast keine Erfolgserlebnisse, das frustiert zu allem Überfluss auch noch.
Auch die Arbeit unter der Schutzkleidung ist körperlich sehr anstregend, das betrifft die Pflege noch viel mehr als mich.
Bin einfach mit meinen Kräften ziemlich am Ende .
Colourful
17.11.2021, 20:40
@Feuerblick
Das ist echt so wahr, dass man das den "jungen Leuten" auch wirklich beibringen muss. Ich schicke quasi regelmäßig Leute nach Hause, wenn die nach dem Dienst noch "schnell drei Briefe" oder so schreiben wollen. Oder halt sich Nächte um die Ohren schlagen, um zu diktieren. Geht gar nicht.
Ich bleibe nur im "Notfall" länger, ich habe genug anderes zu tun.
@Feuerblick
Das ist echt so wahr, dass man das den "jungen Leuten" auch wirklich beibringen muss. Ich schicke quasi regelmäßig Leute nach Hause, wenn die nach dem Dienst noch "schnell drei Briefe" oder so schreiben wollen. Oder halt sich Nächte um die Ohren schlagen, um zu diktieren. Geht gar nicht.
Was bin ich froh, an meiner ersten Stelle in D eine solche Kollegin gehabt zu haben. Ich habe schnell gelernt und stelle mir jetzt kurz vor Feierabend immer eine Frage „stirbt jetzt jemand, weil du gehst und die Briefe nicht fertig machst? - Nein? - Ab nach Hause“
Staune immer wieder, dass viele meiner gerade jüngeren Kollegen meinem Beispiel nicht folgen und zum Briefeschreiben bleiben.
Mr. Pink online
17.11.2021, 23:03
Meinen bisherigen Erfahrungen nach sind Bestrebungen der Assistenten wirklich nachhaltig etwas an Dienstmodellen oder Arbeitsbedingungen allgemein zu ändern nicht an der Verwaltung, sondern explizit an Chefs, bzw. OÄ gescheitert. Ich weiß natürlich nicht in wie weit die die Personalprobleme an die Verwaltungsebene weiter kommuniziert haben und ob denen nicht auch die Hände gebunden sind. Transparenz geht jedenfalls anders. Und AA wurden dann häufig einfach von oben herab in ihre doch bekannten Schranken verwiesen. Einige Anekdoten hier aus dem Channel lassen vermuten, dass ich mit meiner Erfahrung nicht der Einzige bin. Aber diese Probleme bestehen schon länger als Corona. Wer explizit Probleme mit der Arbeit unter Corona hat sollte vielleicht tatsächlich eine patientenfernere Tätigkeit, zumindest für die heiße Phase suchen. Wer sich nach Corona aber bessere Arbeitsbedingungen erhofft, wird wohl kaum sein Glück finden.
EDIT 2: ich finde, der Thread driftet schon wieder etwas zu sehr in die Alltagsprobleme ab. Ich habe die Coronazeit auch als extreme Belastung wahrgenommen, die nicht mit den vorangegangenen 10 Jahren vergleichbar war. Vielleicht sollten wir unser Hautaugenmerk wieder etwas mehr darauf lenken! Welche Lösungsansätze kann man hierfür finden - außer kollektiv zu kündigen?
Für mich ist Corona einfach ein Katalysator. Wo es vorher schon gut funktioniert hat lässt es sich weiterhin aushalten. Wo es vorher eigentlich schon grenzwertig war, ist es nun eine Katastrophe geworden.
Wenn Internisten mit einer Arbeitserfahrung von <3 Jahren schreiben dass ihre Arbeitsbedingungen eine komplette Katastrophe sind unter Corona... Stimmt sicherlich. Keine Weiterbildung, hohes Patientenaufkommen, Dienste, körperliche Belastung usw. usw...
Die Chirurgen und Anästhesisten ko.... aus anderen Gründen.
Für mich hat das aber nicht so viel zu tun mit der Arbeit in den Krankenhäusern vor der Corona-Zeit. Auch vorher gab es Probleme, es gab Kliniken in denen es eher gut läuft und andere in denen es eher schlecht läuft. So weit so einfach. Corona hat vor allem in den Hot-Spot-Regionen dazu geführt dass es halt überall schlecht läuft. Wenn ich mir meine Gegend so anschau, Ober- und Niederbayern, dann glaub ich einfach nicht dass es im Umkreis auch von gut 100km grad auch nur ein Haus gibt in dem das Arbeiten unter Entspannung läuft. Da sind alle komplett auf Anschlag.
Und wenn man sich dann den Eingangspost anschaut: arbeitet seit 1 Jahr, Kreiskrankenhaus = wenig Personal damit wenig Kompensationsmöglichkeiten, Internist... kennt nix außer Corona, Arbeitsbedingungen sind besch..., Kündigungswunsch groß. Hab ich viel Verständnis. Da hat man neben den aktuellen Bedingungen auch noch drei Probleme: man hat das Abgrenzen noch nicht richtig gelernt, ist unerfahren was die Arbeit per se anstrengend macht und hat auch nicht die Zuversicht dass es mal wieder besser wird weil man es nicht anders kennt. Was soll man dazu schreiben außer: deine Situation ist komplett beschi..., ich versteh das, meiner Erfahrung nach sind die Arbeitsbedingungen außerhalb von Corona besser, wenn du durchhalten kannst dann versuch es es besteht Hoffnung. Bei uns in der Klinik wird zum Beispiel psychologische Betreuung angeboten wo man auch versuchen kann sich beraten zu lassen bzgl. Abgrenzung. Denn eines muss ich schon sagen: Abgrenzung ist meiner Meinung nach vor allem ein Problem der unerfahrenen Kollegen. Ich kenn das von mir selbst, dieses "ich will es möglichst gut machen hab aber noch keine Ahnung" und dann denkt man ständig über alles nach usw. Mit der Zeit lernt man schon was man zu tun hat und nimmt nicht mehr 100% der Patienten geistig mit nach Hause sondern nur noch die tatsächlich schwierigen Fälle. Und Priorisierung ist das nächste Problem. Wenn man jung ist prasselt alles auf einen ein und man weiß gar nicht was man zu erst machen soll. Auch sehr belastend. Aber auch das wird besser mit der Erfahrung.
Daher nochmal, vor allem für die jüngeren Kollegen: keiner bestreitet dass die Arbeitsbedingungen grad eine Katastrophe sind und dass im Angesicht der Pandemie die Belastung des Einzelnen hoch ist. Aber es gibt auch eine Zeit außerhalb der Pandemie und die Arbeitsbedingungen dann in den Kliniken sind sehr gemischt und können auch, wenn man sich die entsprechende Klinik sucht, wirklich sehr gut sein. Sowohl bei Internisten, Anästhesisten als auch bei den Chirurgen. Ich will niemanden dazu überreden sich selbst in den Burn-Out zu schießen, die eigene Gesundheit geht vor, aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Und wenn die Bedingungen nach Corona immer noch nicht gut sind dann geht schnell wo anders hin.
Bei Jukka666 liegt ja zusätzlich zu Corona ein strukturelles Problem vor. Da macht ja eine Kündigung auch unabhängig von Corona Sinn...
Colourful
18.11.2021, 08:47
@Anignu Da gebe ich dir Recht, gerade als "junger Kollege" ist das schwierig, sich da, aus den von dir genannten Gründen, abzugrenzen.Ich finde es aber auch wichtig, dass man irgendwann wirklich begreift, dass dieses Berufsleben ein Marathon ist und kein Sprint und dass es viel eher darum geht, sich da selbst auch Bedingungen zu suchen und zu gestalten, mit denen man längerfristig gut leben kann. Und man gestaltet die auch teilweise mit; ich vermittle mit meiner Haltung auch, wie man mit mir umgeht. Ich mache zum Beispiel keine Überstunden, wenn es nicht absolut notwendig ist, ich mache auch nicht mehr Dienste, wie ich leisten kann (wenn ich fit bin, es meiner Familie auch gut geht, dann springe ich auch gerne ein, oder tausche klug, kein Ding, aber ich mache mich dafür nicht kaputt). Und ich hoffe, dass die Arbeitgeber auch irgendwann öfter mal kapieren, dass zufriedene Mitarbeiter auch gute und motivierte Mitarbeiter sind, die wenig krank sind und sich, jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten, auch gut einbringen. Aber darüber könnte ich jetzt auch einen Roman schreiben, weil ich es einfach so wichtig finde.
Nicht umsonst habe ich nach der Elternzeit damals in die Praxis gewechselt und wir reden hier ja nicht von den absoluten Verheizer-Fächern. Aber das ständige Chaos, die Malorganisation, gezwungenes länger Bleiben, weil die OA-Visite erst nach Feierabend kam, völlige Fremdarbeitüberlastung (ich sage nur Akten suchen im Archiv) haben mir gereicht. Ich war sehr sehr gerne grundsätzlich in dieser Klinik, das Team war bis auf zwei Ausnahmen top, ich wurde geschätzt und hatte auch irgendwann das Standing, meine gute Organisation anderen, auch OÄ, aufzudrücken und so einiges abzupuffern. Aber es war immer ein Kampf. Mit Mitte zwanzig ohne Stress zu Hause alles eine Zeit lang völlig ok, auch 60h/Wochen. Aber absolut nichts, was ich dauerhaft hätte haben wollen. Elfeinhalb Jahre Praxis jetzt und ich bin immer noch an der richtigen Stelle.
Mukopolysaccharid
18.11.2021, 17:34
Bonus für Pflegekräfte beschlossen
Ich fühle mich diskriminiert
Keine Sorge. Wenn die Belastung für die Pflegekräfte zu groß wird, müssen die Ärzte die Arbeit eben auch noch mitmachen. ;-)
Bonus für Pflegekräfte beschlossen
Ich fühle mich diskriminiert
Damit hab ich kein Problem. Deren Arbeit ist so besch... und für so wenig Geld, das gönn ich denen wirklich.
Mukopolysaccharid
18.11.2021, 17:59
Das eine schließt das andere nicht aus. Natürlich bin ich da auch dafür.
Damit hab ich kein Problem. Deren Arbeit ist so besch... und für so wenig Geld, das gönn ich denen wirklich.
Habe ich ja hier schon mal geschrieben: Wenn nur die Pflege Boni kriegen würde, geschenkt. Was mich ankotzt: Jeder Verwaltungsangestellte, jeder Beamte (nicht nur im KH) bekommt einen Corona-Bonus, aber Ärzte nicht. DAS kotzt mich maximal an.
Rhiannon
18.11.2021, 20:23
Habe ich ja hier schon mal geschrieben: Wenn nur die Pflege Boni kriegen würde, geschenkt. Was mich ankotzt: Jeder Verwaltungsangestellte, jeder Beamte (nicht nur im KH) bekommt einen Corona-Bonus, aber Ärzte nicht. DAS kotzt mich maximal an.
Ich hab ehrlicherweise laut gelacht (Galgenhumor vermutlich), als mein Mann (Bundesbeamter, IT‘ler) für die „Härten im HomeOffice“ einen Bonus bekommen hat. Da in seinem Bereich da gar nicht so arg viel von zuhause machbar war, war’s maximal hart so viel Freizeit zu haben.
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