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][truba][
27.08.2022, 15:48
Ich werde auch einen Brief schreiben und es an die genannte Adresse senden. Lächerlich.

Salatsultan
27.08.2022, 15:59
Man kann eigentlich nur noch dafür Werbung machen, den Verein zu verlassen und ihm damit mittelfristig die Existenzgrundlage zu entziehen. Als Arbeitnehmervertretung kann man den MB vergessen und hoffen, dass er irgendwann nicht mehr mit dem Vertretungsanspruch mangels Mitgliedern verhandeln kann. Hoffnung auf Besserung sehe ich nicht.

Allgemeines Problem dürfte leider zudem auch die Streikbereitschaft der Ärzte sein...

Genau das ist das Problem. Wenn man in einer Verhandlung keine hohe Mobilisierung und Aktivität der ÄrztInnen in den Kliniken hinter sich hat, womit will man dann argumentieren?
Zudem ist die TdL durch Streikmaßnahmeb erst dann zu erreichen wenn öffentliche Stimmung und Druck über die Politik zu einem veränderten Handlungsspielraum der TdL führen. Da sitzen Finanzbeamte - denen sind Kliniken und Ärzte erstmal egal.

Wenn wir einen Weg finden die KollegInnen in den Kliniken besser zu aktivieren, soziale Medien zu nutzen usw. hat man in einer Verhandlung eine stärkere Position. Aktuell kann man davon kaum reden, viele hängen eher an ihren Karrierechancen als am Kampf für bessere Bedingungen.

Schokoflocke
27.08.2022, 16:08
Das ist falsch und wurde hier auf den letzten Seiten mehrfach erklärt.

Nein, ist es nicht. In der Rechnung auf den Seiten vorher wurde das ganze mit den geforderten 8,9% ab sofort verglichen - natürlich sind wir dann jetzt deutlich schlechter. Dass diese Forderung aber niemals erfüllt werden wird, war wohl jedem klar. Oder hat jemals eine Gewerkschaft die geforderte Erhöhung 1:1 bekommen? Das kann man nicht als Referenz nehmen. Wichtig ist (wie von mir geschrieben) dass am 1.10.23 direkt wieder erhöht wird, damit die Lohnsteigerung linear bleibt, dann ist es egal ob man die 4500€ oder die 3.35% früher bekommen hat (außer vielleicht bei sehr hohem Gehältern). Die 4500€ sind für die Arbeitgeber steuerlich deutlich günstiger als die 3.35% - daher man hat man sich wahrscheinlich darauf als Kompromiss geeinigt. Die realistische Alternative wären eben NICHT die 8,9% gewesen sondern nur die 3,35% ab sofort und dafür kein Bonus.
Dass man in einer Hochinflationszeit einen Reallohnverlust hat ist klar und gewünscht, sonst treibt man die Inflation noch mehr an. Und dieses Argument wird sehr wohl nicht nur bei Ärzten angeführt, sondern bei allen Berufsgruppen.

][truba][
27.08.2022, 16:18
Wenn wir einen Weg finden die KollegInnen in den Kliniken besser zu aktivieren, soziale Medien zu nutzen usw. hat man in einer Verhandlung eine stärkere Position. Aktuell kann man davon kaum reden, viele hängen eher an ihren Karrierechancen als am Kampf für bessere Bedingungen.

Absolut richtig. Es muss nur organisiert werden. Am ehesten hat meiner Meinung nach der MB die Strukturen dafür. Aber ein Streik für die Ärzte von Unikliniken wurde nicht organisiert/angeboten. Es wurde in der ersten Runde dieser "Abschluss" verhandelt. So hatten die Kollegen an den Unis ja gar keine Chance zu entscheiden ob sie lieber an der Karriere als an besseren Bedingungen interessiert sind. Jetzt kriegen sie ungefragt "Karriere" mit 10% weniger Gehalt.

WiWi18
27.08.2022, 16:32
Dass man in einer Hochinflationszeit einen Reallohnverlust hat ist klar und gewünscht, sonst treibt man die Inflation noch mehr an. Und dieses Argument wird sehr wohl nicht nur bei Ärzten angeführt, sondern bei allen Berufsgruppen.

Es stimmt halt so pauschal einfach nicht, egal, wie oft du das behauptest. In einer stark exportorientierten Wirtschaft, wo die Inflation vor allem importiert ist, betrifft eine mögliche Lohn-Preis-Spirale lediglich die Dienstleistungsbranche.

Und da die Gehälter von Arbeitnehmern im Gesundheitsangebot keinen Einfluss auf irgendeine Preisbildung haben, heizt deren Erhöhung die Inflation auch exakt 0 an.

Und es wird auch bei anderen Berufsgruppen angeführt. Bei uns ist es aber ein "Argument" für eine Nullrunde. An die nächste Erhöhung ab dem 1.10.2023 glaubst du doch selbst nicht.

SineNomine
27.08.2022, 16:34
Ich frage nochmal ganz bewusst: wer könnte die Aufgabe denn übernehmen? VERDI? Das hatten wir doch schon mal. Kleines Rechenexempel: Uniklinik in Westdeutschland: 1000 Ärzte, 2600 Pflege, 2600 alles andere. Nimm nur Ärzte und Pflege. Kleines Ratespiel: für wen setzt sich die Gewerkschaft, die ja jetzt für ALLE verhandelt wohl ein? Für das eine Drittel, dass eh schon zuviel verdient, und zu viele Vergünstigungen hat? Oder für das Gros, das ja viel zu wenig verdient, nicht respektiert wird... und wenn Du dann noch die 2600 anderen mit dabei nimmst, dann interessiert der "Arzt" überhaupt nicht mehr.

Hatten wir schon und es hatte seine Berechtigung, dass der MB übernommen hat. Bei der Ausverhandlung von Nullrunden, während jede andere Gewerkschaft linear >5% erzielt im Angesicht von 10% Inflation ist man wahrscheinlich aber sogar als Stiefkind bei Ver.di noch besser dran als als Frontunner beim MB. Zeiten ändern sich. Wir sind ja auch nicht alle gegenüber Frankreich misstrauisch, weils in 200 Jahren 3 Kriege gab. Man muss die Situation einfach auf dem "Ist"-Zeitpunkt betrachten und da ist der MB scheinbar mehr den Konzerninteressen als den Arbeitnehmern verpflichtet.

Lokführer haben im übrigen auch zwei Gewerkschaften ... warum hat der MB, gleich was er tut (man hat sich den Sommer über ja nur um strengere Corona-Maßnahmen gekümmert...) ein automatisches Alleinvertretungsrecht?


So ist es. Die ist nämlich leider nicht vorhanden. Und wer hätte denn von den hier Anwesenden mehr als 10 Wochen gestreikt, ohne Gehalt, ohne Streikkasse? Lässt sich im Forum immer leicht fordern.
Und wenn Du kein echtes Druckmittel hast, dann ist es in den Verhandlungen halt auch schwierig, seine Forderungen effektiv einzufordern.

Die wenigsten. Was auch an den vielen befristeten Verträgen und den ausländischen Ärzten liegt. Der MB setzt sich aber für eine einfachere Anerkennung der Abschlüsse ein - das Resultat wird sein: warum sollen wir denn Arbeitsbedingungen verbessern, wenn ihr nicht wollt, geht eben, ich seh mich in Algerien / Venezuela / Laos (jetzt mal random) nach Ersatz um. Zumal diese Ärzte unter dem Damoklesschwert der Anerkennung sowie der Zeitverträge nochmals deutlich weniger streikbereit sind.

Das ist einfach eine Reihe von Knieschüssen, die für die Zukunft nichts gutes verheißt.

Endoplasmatisches Reticulum
27.08.2022, 16:36
Wenn man in einer Verhandlung keine hohe Mobilisierung und Aktivität der ÄrztInnen in den Kliniken hinter sich hat, womit will man dann argumentieren? Zudem ist die TdL durch Streikmaßnahmeb erst dann zu erreichen wenn öffentliche Stimmung und Druck über die Politik zu einem veränderten Handlungsspielraum der TdL führen. Da sitzen Finanzbeamte - denen sind Kliniken und Ärzte erstmal egal.
Nicht einmal zu kämpfen versuchen, weil man meint dass die Gegenseite schon nicht nachgeben wird, ist aber irgendwo auch ein originelles Verständnis vom Sinn und Zweck einer Gewerkschaft. Fordert man Verbesserungen, oder kratzt man wie eine hungrige Katze ein paar Mal bettelnd an der Tür und schlendert dann säufzend davon, wenn die sich nicht öffnet?



Aktuell kann man davon kaum reden, viele hängen eher an ihren Karrierechancen als am Kampf für bessere Bedingungen.
Resignation kann von außen wie Desinteresse wirken und wird durch ein Gebaren wie vom MB maximal geschürt. Ich will nicht in Abrede stellen, dass die Streitlust in solchen Belangen unter Ärzten verkümmert ist, aber so ist das dennoch eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. Ich bin jedenfalls nicht Mitglied im Marburger Bund geworden, damit die sagen: Hey, wir haben nett gefragt, die Arbeitgeber sagen nein, kann man nichts machen, sorry.



Wichtig ist (wie von mir geschrieben) dass am 1.10.23 direkt wieder erhöht wird, damit die Lohnsteigerung linear bleibt, dann ist es egal ob man die 4500€ oder die 3.35% früher bekommen hat (außer vielleicht bei sehr hohem Gehältern).
Bis auf (1) die katastrophale Außenwirkung, (2) die Schaffung einer miserablen Präzedenz, (3) den Ausschluss aller im nächsten Jahr neu oder wieder in den Beruf einsteigenden Ärzte von der Einmalzahlung, und (4) den Umstand, dass deine Erwartung einer nachziehenden, kompensatorisch großen und dann sofort (nicht wieder "in einem Jahr") geltenden Entgeltsteigerung spekulativ ist. Das ist gesamtsituativ von "fast idem", wie du es nennst, sehr weit entfernt. Was du hast, nimmt dir keiner mehr weg. Alles darüber hinaus ist Kaffeesatzleserei.



Dass man in einer Hochinflationszeit einen Reallohnverlust hat ist klar und gewünscht, sonst treibt man die Inflation noch mehr an. Und dieses Argument wird sehr wohl nicht nur bei Ärzten angeführt, sondern bei allen Berufsgruppen.
Das Argument wird von denjenigen vorgebracht, für die es bequem ist. Daraus leitet sich noch kein Wahrheitsgehalt ab. Zur angeblichen Lohn-Preis-Spirale verweise ich auf meinen Post #220 (https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?107443-TdL-Tarifverhandlungen-2022&p=2241114&viewfull=1#post2241114). WiWi18 hat das in #244 auch nochmal sehr schön aufgegriffen (https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?107443-TdL-Tarifverhandlungen-2022&p=2241170&viewfull=1#post2241170).

SineNomine
27.08.2022, 16:44
Fragt man sich das auch bei den Gehaltserhöhungen für alle anderen Berufsgruppen im Gesundheitssystem?

Ist eh ein Unsinnsargument. Die Fallpauschalen orientieren sich an Durchschnittskosten. Wenn die durch Gehälter im breiten Schnitt steigen, müssen die Fallpauschalen steigen (unter der Annahme des Gleichbleibens anderer Faktoren). Mit dem Argument könnte und dürfte es in 2 Jahrhunderten sonst keine Gehaltserhöhung geben...

rnn77
27.08.2022, 16:49
Das Einstiegsgehalt eines angestellten Lehrers in Berlin beträgt 5701,88 Euro. Hier handelt es sich ausschließlich um angestellte lehrer und nicht um verbeamtete Lehrer.

Einstiegsgehalt Arzt Uniklinik 4938, 79 Euro

Quelle: https://www.bz-berlin.de/ratgeber/beamter-oder-angestellter-welcher-lehrertyp-verdient-mehr

Die Lehrer haben ihr Gehalt verdient. Warum es der Ärztegewerkschaft nicht möglich ist das gleiche Einstiegsgehalt zu erreichen, ist mir nicht zu erklären.

@ Salatsultan Kannst du es mir erklären?

Gruß

Holthusen
27.08.2022, 20:36
Das Einstiegsgehalt eines angestellten Lehrers in Berlin beträgt 5701,88 Euro.

Berlin verbeamtet jetzt wieder nachdem niemand mehr kam.
4418.05 € A13 Berlin...als Einstieg
Die Assis besseren in der Regel ihr Gehalt um 30% nochmals mit Diensten auf. Als Lehrer macht man das in der Regel nicht. Dafür Klassenfahrten und Klausuren nachschauen (das ist schon im Preis mit drin, theoretisch ein 24h Job z.b. bei einer Fahrt).

Also ich meine die Dienste sind das Problem und hier wurde wenig bis gar nix verbessert. Wenigstens könnte man diese Arbeit in offzeiten gut vergüten.
Es wird nicht Mal adäquat überprüft welche Dienstform genommen werden muss. Das ist allerdings nicht Aufgabe des Marburger Bundes , sondern der Kliniken und Aufsichtsbehörden. Eine Schande.

Verdi kann man vergessen. Da hat man ja eine Nullrunde, eher Minusrunde und Dienste umsonst...ist ja quasi Freizeit.

Endoplasmatisches Reticulum
27.08.2022, 20:58
Die Assis besseren in der Regel ihr Gehalt um 30% nochmals mit Diensten auf. Als Lehrer macht man das in der Regel nicht. Dafür Klassenfahrten und Klausuren nachschauen (das ist schon im Preis mit drin, theoretisch ein 24h Job z.b. bei einer Fahrt).
Präziser: Die Ärzte bessern ihr Gehalt durch zusätzliche Arbeit zur vertraglichen Vollarbeitszeit von knapp 40 Wochenstunden und Arbeiten zu Unzeiten auf. Von daher ist das soweit eine Nullaussage. Zur Kompensation für Klassenfahrten und Klausurkorrekturen haben Lehrer auch nur etwa 25 - 28 Wochenstunden zu unterrichten.


Es wird nicht Mal adäquat überprüft welche Dienstform genommen werden muss. Das ist allerdings nicht Aufgabe des Marburger Bundes , sondern der Kliniken und Aufsichtsbehörden. Eine Schande.
Die eigentliche Schande ist, dass das System derart perfide angelegt ist, dass viele Ärzte selbst das nicht wollen, weil sie unter der Alternative "Schichtdienst" noch mehr ausbluten würden. Habe ich hier zur Genüge diskutiert im Forum, der Terror vor 7 Nächten am Stück + 5 Tagdienste im Wechsel mit 4 halb als Zombie zugebrachten Ausgleichstagen liegt schwerer in den Knochen, als mit 8 - 10 Diensten im Monat regelmäßig 60-Stunden-Wochen zu schieben. Und ich kann das nachvollziehen.

Holthusen
27.08.2022, 23:37
Präziser: Die Ärzte bessern ihr Gehalt durch zusätzliche Arbeit zur vertraglichen Vollarbeitszeit von knapp 40 Wochenstunden und Arbeiten zu Unzeiten auf. Von daher ist das soweit eine Nullaussage. Zur Kompensation für Klassenfahrten und Klausurkorrekturen haben Lehrer auch nur etwa 25 - 28 Wochenstunden zu unterrichten.


Korrekt. Zusätzlich in einer anderen Schule arbeiten oder 2. Job als Lehrer stelle ich mir schwierig vor.
Wie gesagt: Die Dienste scheinen auf den ersten Blick attraktiv. Nach ein paar Jahren findet das in der Regel niemand mehr.



Die eigentliche Schande ist, dass das System derart perfide angelegt ist, dass viele Ärzte selbst das nicht wollen, weil sie unter der Alternative "Schichtdienst" noch mehr ausbluten würden. Habe ich hier zur Genüge diskutiert im Forum, der Terror vor 7 Nächten am Stück + 5 Tagdienste im Wechsel mit 4 halb als Zombie zugebrachten Ausgleichstagen liegt schwerer in den Knochen, als mit 8 - 10 Diensten im Monat regelmäßig 60-Stunden-Wochen zu schieben. Und ich kann das nachvollziehen.

Diese Diskussion will ich auch nicht mehr führen, das muss individuell je nach Arbeitsbelastung und Abteilung festgelegt werden. Wenn man 100% Arbeit durchgängig hat, ist es schwierig von einer "Bereitschaft" zu sprechen. Kommt eben ganz auf die Abteilung und das anfallende Arbeitsaufkommen an.
Schlecht bezahlt ist es für diese Offzeit immer. Wie gesagt: Sehr schade, dass es hier keine Bereitschaft gibt eine adäquate Wertschätzung einzuführen. Das Geld wird woanders rausgeballert...

Dooly
28.08.2022, 00:01
33342Nice, Partner der TdL. XD


Hab es ja gestern Abend schon mal geschrieben, aber so lange es noch bis zum 19.09. die prinzipielle Chance gibt, dass das Tarifgremium des MB das ganze ablehnt (https://www.marburger-bund.de/bundesverband/pressemitteilung/marburger-bund-und-laender-einigen-sich-auf-tarifkompromiss), dann sollte man doch Einfluss nehmen?Als ob der MB ein echter Mensch wäre, dem eine fatale dumme Fehleinschätzung unterlaufen ist. Praktisch gehe ich davon aus, dass es keine Einflussmöglichkeit gibt, da dieser Tarifabschluss so gewollt ist. Ich hatte dich und hebdo gestern gelesen und gedacht, dass ich gar keinen Bock hab auch nur ein einziges grünes Kügelchen (persönliche Ressource) zu investieren. Wenn jemand in Erfahrung bringen kann, ob es noch Hebel gibt, wäre ich heute aber doch interessiert. Ich hab allerdings zum Ende des Jahres gekündigt und werde es auch dabei belassen.

Wir werden sehen, ob ein Weg gefunden wird, Kolleg:innen in den Kliniken zu aktivieren. In 10 Jahren, nehm ich mal an, wenn’s endogen aus der Base passiert.

Klein bisschen Realsatire zum Abend aus der MB Zeitung von heute:
https://i.ibb.co/wY2Zv6m/FBF2-BBB0-3461-4717-B83-E-37-A32-D47508-A.jpg (https://ibb.co/DLjPqK2)
Kann auch keine verkleinerten Bilder mehr hochladen. Hab es daher extern hochgeladen.

Salatsultan
28.08.2022, 05:27
@Salatsultan Kannst du es mir erklären?

Gruß

Der Maßstab für die Verhandlungen ist der Abschluss aus 11/2021 mit Verdi - und der ist eine schwere Hypothek. Signifikante Änderungen und Anpassungen der Entgelttabelle waren nicht erzielbar. Ein weiteres Verzögern/Verhandeln hätte die Einmalzahlung kassiert ("Ärzte kriegen den Hals nicht voll, 4500€ steuerfreie Coronaprämie sind ihnen nicht genug"). Wieviel Arbeitskampf wäre realistisch gewesen? Spekulation. Was hätte das erreicht? Spekulation. Das ist kein Schönreden, keine Rechtfertigung. So sind keine signifikanten Änderungen an der Tabelle möglich. Die Einmalzahlung entspricht beim Ä1/A1 ca. 6,5% des Jahresgehalt - die Gruppe (ja es gibt bei einem Stichtag immer benachteiligte) kommt noch am besten weg.


Nicht einmal zu kämpfen versuchen, weil man meint dass die Gegenseite schon nicht nachgeben wird, ist aber irgendwo auch ein originelles Verständnis vom Sinn und Zweck einer Gewerkschaft. Fordert man Verbesserungen, oder kratzt man wie eine hungrige Katze ein paar Mal bettelnd an der Tür und schlendert dann säufzend davon, wenn die sich nicht öffnet?

Resignation kann von außen wie Desinteresse wirken und wird durch ein Gebaren wie vom MB maximal geschürt. Ich will nicht in Abrede stellen, dass die Streitlust in solchen Belangen unter Ärzten verkümmert ist, aber so ist das dennoch eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. Ich bin jedenfalls nicht Mitglied im Marburger Bund geworden, damit die sagen: Hey, wir haben nett gefragt, die Arbeitgeber sagen nein, kann man nichts machen, sorry.

Bis auf (1) die katastrophale Außenwirkung, (2) die Schaffung einer miserablen Präzedenz, (3) den Ausschluss aller im nächsten Jahr neu oder wieder in den Beruf einsteigenden Ärzte von der Einmalzahlung, und (4) den Umstand, dass deine Erwartung einer nachziehenden, kompensatorisch großen und dann sofort (nicht wieder "in einem Jahr") geltenden Entgeltsteigerung spekulativ ist. Das ist gesamtsituativ von "fast idem", wie du es nennst, sehr weit entfernt. Was du hast, nimmt dir keiner mehr weg. Alles darüber hinaus ist Kaffeesatzleserei.

Ich glaube es sollte klar sein wie ich auch gegenüber unseren Kolleginnen und Kollegen in der Verhandlung argumentiert habe. Ohne Attacke kann ich nicht gewinnen, aber natürlich auch verlieren. Mit der Position war ich in der Minderheit und in einer Mehrheitsentscheidung gibt es dann das bekannte Ergebnis.

Salatsultan
28.08.2022, 05:29
Präziser: Die Ärzte bessern ihr Gehalt durch zusätzliche Arbeit zur vertraglichen Vollarbeitszeit von knapp 40 Wochenstunden und Arbeiten zu Unzeiten auf. Von daher ist das soweit eine Nullaussage. Zur Kompensation für Klassenfahrten und Klausurkorrekturen haben Lehrer auch nur etwa 25 - 28 Wochenstunden zu unterrichten.


Es gibt solche & solche. In NRW gab es mehrfach aufwendige Arbeitszeiterfassungsstudien bei Lehrern - die Ergebnisse sind nie veröffentlicht worden. Neben Korrekturen (insb. in Sekundarstufe II aufwendig) gibt es Unterrichtsvorbereitung, Elterngespräche usw.
Lasst uns nicht auf andere Berufsgruppen hauen.

Tartaros
28.08.2022, 08:59
In wenigen Wochen sollte ich meine erste Stelle in einer kompetitiven Uni in einem kompetitiven Fach antreten. Ich hatte mir schon die Rahmenbedingungen zurechtgelegt, um 100%ige Leistung inklusiver hoher Forschungsbereitschaft erbringen zu können. Während des gesamten Studiums hatte ich sehr hart gearbeitet, zig Erstautorenschaften gesammelt und mehrere Auslandsaufenthalte an Ivy-League Universitäten gehabt. Die Meldung hat aber am Freitag etwas in mir ausgelöst. "Wofür?", dachte ich mir. Wofür mache ich das? Mir wurde jeglicher Leistungsgedanke in Deutschland geraubt. Warum sollte ich mich derart aufopfern, wenn es nicht einmal annähernd finanziell honoriert wird? Für die Hoffnung, dass ich es vielleicht eines Tages besser haben könnte, wenn ich in der Niederlassung bin oder Chef werde? Nach mindestens 15 Jahren harter Arbeit? Mit der Unsicherheit, dass der niedergelassenen Bereich noch stärker in die Mangel genommen wird und die Vergütung der Chefärzte bis dahin auf die Hälfte gesunken sein könnte? Ehrlich gesagt ist es schmerzhaft zu sehen, dass mein gesamter sozialer Kreis, inklusive derer, die mit Ach und Krach ihr BWL-Bachelor geschafft haben, mindestens genau so viel verdienen werden. Im HomeOffice. Bei realen Arbeitszeiten von unter 6 Stunden pro Tag. Die meisten verdienen mehr. Ich habe heute den Entschluss gefasst, die Stelle nicht anzutreten und dem Chef auch meine Begründung zu schreiben. Ich werde mir ein kleines Fach suchen und möglichst schnell den Absprung in die Schweiz versuchen.

Man müsse sich nur vorstellen, was eigentlich die hohe Inflation für den Reallohn bedeutet. Bereits 2021 haben die höheren Inflationsraten begonnen, 2022 haben werden wir nur eine Rate von mind 7-8% haben. Bis 2023 September können wir nur kräftig hoffen, dass die Inflation sich beruhigt hat. Ansonsten wurde am Freitag ein Reallohnverlust von 10-15% beschlossen. Lustigerweise wird dieser Trend dann nächstes Jahr fortgeführt, weil man im Oktober 2023 argumentieren wird, dass man doch erst kürzlich im September 2023 eine Lohnerhöhung erhalten habe. Was wolle man mehr? Dieser Trend macht mir Angst. Lustigerweise hat ein Großteil der gut ausgebildeten, akademischen Ärzte die Tarifverhandlungen nicht einmal auf dem Schirm. Fragt mal am Montag eure Kollegen danach. Die aller meisten werden kurz mit der Schulter zucken, weil sie die Tragweite nicht einmal verstehen. Bezeichnend ist hierfür auch, die Streitereien hier zwischen den einzelnen Kollegen in den unterschiedlichen Bereichen und Hierarchiestufen vor einigen Seiten. Die Tarifentwicklungen treffen nicht nur uns ÄiW, sondern auch alle Fachärzte, Oberärzte und Außertariflichen. Die Entwicklungen treffen auch alle Angestellten im ambulanten Sektor, denn woran wird die Vergütung dort immer angelehnt? Genau. Historisch wird man wahrscheinlich in den nächsten Jahren selten wieder so eine gute Gelegenheit und Berechtigung haben, um Lohnerhöhungen zu fordern wie dieses Jahr mit dreijähriger Corona Bereitschaft und historisch hoher Inflation. Wenn es dieses Jahr nicht funktioniert hat, wann dann? Kommt mir bitte nicht mit der "Lohn-Preis-Spirale". Das ist ein BuzzWord aus den 80ern nach der Ölkrise und ein fehlerhaftes theoretisches Konzept.

Um das Ganze aber in ein produktives Licht zu bringen: Ich denke nicht, dass Massen an Briefen eine Wirkung erzielen werden. Die werden einfach nur geschreddert. Wie kann man wirklich Einfluss ausüben? Hierfür drei Fragen:
1) Wie kann man das Bewusstsein hierfür unter allen Ärzten schaffen? Eine social media Kampagne aufziehen? In die ganzen WhatsApp und Facebook Gruppen der ehemaligen Jahrgänge schreiben mit der Bitte das weiterzuleiten?
2) Gibt es die Möglichkeit von der Basis einen Widerspruch gegen den Vertragsabschluss einzulegen? Wie mit Petition o.Ä.?
3) Wie realistisch ist es, eine neue Gewerkschaft aufzuziehen?

Bonnerin
28.08.2022, 09:37
Da viele Ärzt:innen einfach wenig bis null Verständnis von mathematischen Grundlagen haben (was man z.B. im Physikpraktikum in der Vorklinik oder im Statistik-Kurs in der Klinik wunderbar sehen konnte) sind sie natürlich leichtgläubige Opfer für die Milchmädchenrechnungen von MB und den Gesprächspartner in den Tarifverhandlungen.

Die "Kolleg:innen", die da am Tisch sitzen, sind offensichtlich so weit der Arbeits- und Lebensrealität entrückt, dass dabei so etwas herauskommt.

Man hätte den Narrativ ja nutzen können - zuerst wollten die Länder keine vernünftigen Rahmenbedingungen für die Pflegenden, und genau in dem Stil machen sie mit den Ärzt:innen weiter. Die Einmalzahlung? Lächerlich, anscheinend "gepokert", damit man das jetzt in der Hinterhand hatte - wenn man wirklich einmal hätte das Engagement belohnen wollen, hätte man mal in den letzten 2 Jahren gezahlt. Man könnte ja sogar (auch, wenns auf dem Papier immer noch nicht gut ausgesehen hätte) eine Einigung erzielen können a la "Ja, 4.500€ Einmalzahlung, Erhöhung September 2023, aber ab sofort eine Verringerung der Wochenarbeitszeit auf 40h von den 4,5h bislang. Die "Wirtschaftsgurus" in den Medien predigen ja immer, dass 38h nicht reichen - soll der MB mal klarstellen, dass längst regelhaft mindestens 40h/Woche in der Medizin gearbeitet werden. AZG? Zählt für die Arbeitgeber nur, wenn es ihre Verwaltungsmitarbeitenden im Homeoffice betrifft, die letztlich einen finanziellen Mehrwert von Null generieren - die Kliniken verdienen das Geld durch Patient:innen-Versorgung.

Der MB macht Mitgliedsbefragungen, berichtet entsetzt, dass die Kliniksärzt:innen zum Großteil den Job hinwerfen wollen und verhandelt dann sowas aus. Spoiler: Es werden also noch mehr Leute gehen. Kliniksversorgung wird noch schlechter. MB so - surprised Pikachu-Meme. Oder es ist langfristig das, was sie gesundheitspolitisch sogar wollen - Klinikschließungen und Zentralisierung. Aber auch das wird nicht aufgehen, denn spätestens wenn außer 1-2 OÄ niemand im Ärzteteam mehr Deutsch oder Englisch sprechen kann werden halt auch die Patient:innen diese Klinik nicht mehr aufsuchen.

Der Exodus in den ambulanten Sektor ist hausgemacht. Und wenn es da auch mit den Gehältern schlechter wird, dann ist es nicht mehr nur so, dass die Leute nach Mindestklinikzeit in die Praxis abhauen, sondern nach dem FA auch komplett aus der Medizin verschwinden. Abgesehen von kompletten Nischenfächern und/oder Personen, die gerne mitten im Nirgendwo arbeiten wirds schlecht ausschauen. Dann halt eher schnell den FA durchballern und anschließend Quereinstieg in anderen Bereichen. Spätestens seit Covid ist man wirklich dumm, wenn man jetzt noch ein Medizinstudium aufnimmt.

Endoplasmatisches Reticulum
28.08.2022, 09:41
Nice, Partner der TdL. XD.
Als eigentlicher Gag war aber der am Asklepiosstab aufgespieste Schlangenkopf gedacht. :P

DrArzt
28.08.2022, 09:50
Der MB hat ganz offensichtlich ein weiteres Mal die Ärzteschaft verraten und von hinten erdolcht. Brutus? Judas? MB?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich anfangen soll, so fassungslos macht dieser Abschluss.
Neben den Punkten zum Entgelt sind auch sonst in keinster Weise irgendwelche Forderungen durchgekommen.

Johna, die inkompetente und mediengeile Vorsitzende, ist doch sonst immer so schnell im Kommentieren und Interviews geben, die letzten Jahre habe ich zu jedem Mist eine Aussage von ihr gehört, aber wenn es um die Kernaufgabe der Gewerkschaft geht, verstecken und kuschen? Zurücktreten müsste sie und der gesamte Vorstand. Twaddy wird zur Witzfigur, wenn er versucht, einen solchen Abschluss als Erfolg zu verkaufen. Was glaubt ihr mit welchen Menschen ihr es zu tun habt?

Leider haben wie bereits einige genannt haben, die meisten Ärzte nicht einmal von den Verhandlungen mitbekommen, was die Position derer, die sich für einen harten Arbeitskampf einsetzen wollen würden, unnormal schwächt. Zudem haben v.a. die ausländischen Ärzte keinen Schimmer von solchen Möglichkeiten und Entwicklungen und gar kein Interesse daran, irgendwie negativ aufzufallen. Da ihre Zahl kontinuierlich steigt und weiter steigen wird, wird es auch in Zukunft in Deutschland kaum mehr möglich sein, in irgendeiner Weise "substantiell" die Position als Arzt aufzubessern, dazu trägt auch der politisch gewollte Zuzug ausländischer Ärzte bei.
Pfleger werden unbefristet eingestellt ab Examen, Ärzte dürfen von Jahr zu Jahr hoffen. Pfleger dürfen sich alles erlauben, wenn ich den Patienten etwas fester fassen muss, muss ich befürchten, abgemahnt zu werden..

Am schlimmsten sind jedoch die, die in derselben Position sind oder waren, aber die großen MB und TdL Versteher geben.
Ich bin mir sicher, dass für sie ein persönlicher Vorteil durch den Einsatz in diesen so-called-Gremien entsteht. Sonst würden User wie salatsultan oder Anne1970 nicht immer versuchen, diese absolut inakzeptable Situation schönzureden:

- "Signifikante Änderungen und Anpassungen der Entgelttabelle waren nicht erzielbar. Ein weiteres Verzögern/Verhandeln hätte die Einmalzahlung kassiert..." really?

Demnächst werden "signifikante Änderungen" im Befinden der Patienten nicht mehr erzielbar sein, wenn man auf die Leistungserbringer verzichten muss.

freak1
28.08.2022, 09:58
"Signifikante Änderungen und Anpassungen der Entgelttabelle waren nicht erzielbar. Ein weiteres Verzögern/Verhandeln hätte die Einmalzahlung kassiert..." really?

Das habe ich auch in keiner Weise nachvollziehen können! Ohne Ärzte läuft im Krankenhaus gar nichts, egal wie viele tolle Verwaltungsangestellte und Pflegefachpersonen man hat. Es läuft einfach GAR NICHTS. Man hat alle Argumente in der Hand, zusätzlich sind die Unikliniken (zumindest in NRW) durch einen 11-wöchigen Streik von Verdi massiv angeschlagen und fürchten einen Ärztestreik mehr als der Teufel das Weihwasser. Für Verdi ist man sogar direkt aus der TdL ausgetreten um einen extra Entlastungvertrag mit Verdi verhandeln zu können.

Und was macht der MB? Nach harten Verhandlungen ohne auch nur einen Tag Warnstreik verzichtet man auf ALLE Forderungen, die man zu Anfang großkotzig angekündigt hat und akzeptiert eine Nullrunde.

Dann wäre die Einmalzahlung halt weg gewesen. So what? Eine Nullrunde und sonst nichts hätte nicht mal der TdL den Bürgern verkaufen können. Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte, ob dieses Abschlusses.

Lel, get rekt ihr noobs.