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][truba][
28.08.2022, 17:49
Da kannst du nur noch mit dem Kopf schütteln muss man sagen. Ich selbst arbeite ja in einem Haus, dass dieses Jahr um 4% erhöht hat, Anfang des nächsten Jahres nochmal um 1,5% und Ende nächsten Jahres nochmal um 2,5% (dafür in 2024 Erhöhung ausgeschlossen). Ich stehe im Vergleich gut da aber dieser Abschluss für all meine Kollegen an den Unis, der einen Verrat an unserer gesamten Berufsgruppe darstellt, hat mich gestern das ERSTE MAL seit sehr langer Zeit wirklich überzeugend überlegen lassen, in die Schweiz zu gehen. Ich mag mein Haus, mein Team, ich mag mein Fach und ich liebe das endoskopische operieren. Noch dazu komme ich aus der Region aber die Entwicklung hier ist einfach unerträglich.

charlottesandoval
28.08.2022, 20:02
so Leute, jetzt mal eine super verrückte Idee: Unterschriften sammeln und dem MaBu vorlegen, dass wir mit dem Ergebnis der Tarifverhandlungen nicht einverstanden sind. Streiken können wir im übrigen auch ohne Gewerkschaft.

][truba][
28.08.2022, 20:58
Sollen wir, wenn vielleicht auch nur symbolisch, https://www.change.org/ bemühen um eine Petition zu starten? Wenn wir das alle dann noch unter Kollegen und Social Media teilen, sollte dass doch zumindest zeigen, wie unzufrieden man zum großen Teil ist.

Bonnerin
28.08.2022, 21:25
Ich wäre dabei. Ist vermutlich eine unbegründete Hoffnung, so viel Widerstand sichtbar zu machen, dass die Tarifkommission ablehnt, aber einen Versuch ist es sicher wert.

DrArzt
28.08.2022, 22:05
Petition ist natürlich eine gute Idee, auch wenn man sich bei so viel Ignoranz schwer vorstellen kann, dass diese Beachtung findet.

Ansonsten Pro-Tipp: Einmalzahlung mitnehmen und den mäßig geliebten Arbeitgeber zum Jahresende wechseln. BG-Klinik ich komme. Zumindest für mein Fachgebiet gilt hier nämlich kleineres Spektrum, weniger Arbeit, mehr Geld.

Denn, wenn man die Unimedizin als elitär betrachtet (https://www.uniklinika.de/gesundheitspolitischethemen/spitzenversorgung-fuer-alle/), Stichwort "Supramaximalversorger", dann aber nicht bereit ist, diese entsprechend zu finanzieren, mitsamt dem Personal, welches nunmal ein breiteres Anwendungswissen für die High-End-Medizin braucht (z.B. ECMO die letzten 3 Jahre), dann lohnt sich der ganze Aufwand nicht. Kann ja dann die positive Seite der Bilanz der Ärzte-Migrationsstatistik übernehmen...

Arrhythmie
28.08.2022, 22:07
Ist "2023" echt kein Druckfehler? Mein Mann meinte gestern "ist sicher ein Druckfehler".... :-((

detysnow
28.08.2022, 22:12
[truba][;2241339']Sollen wir, wenn vielleicht auch nur symbolisch, https://www.change.org/ bemühen um eine Petition zu starten? Wenn wir das alle dann noch unter Kollegen und Social Media teilen, sollte dass doch zumindest zeigen, wie unzufrieden man zum großen Teil ist.

Absolut dafür! Zumal da vermutlich deutlich schneller Unterschriften zusammen kommen als analog und viel Zeit ist ja nicht! Allerdings sollte man irgendwie versuchen, dass sich nur Uni Ärzte eintragen. Vielleicht indem man auch seine Uniklinik eintragen muss? Dann wäre es per Stichprobe für den MB zumindest nachvollziehbar? Weiß nur leider nicht, in wie weit man solche Petitionen anpassen kann..

Relaxometrie
28.08.2022, 22:16
Ist "2023" echt kein Druckfehler?
Leider ist es kein Druckfehler. (https://www.marburger-bund.de/bundesverband/meldungen/tarifergebnis-erzielt)
Man glaubt es wirklich kaum und ich dachte auch, es sei ein Druckfehler.
Aber der Satz "allerdings hat diese lineare Erhöhung lediglich eine Laufzeit von einem Kalendermonat" beweist, dass es bittere Realität ist :-kotz:-((:-kotz

Arrhythmie
28.08.2022, 22:17
:-kotz

Relaxometrie
28.08.2022, 22:20
[truba][;2241339']Sollen wir, wenn vielleicht auch nur symbolisch, https://www.change.org/ bemühen um eine Petition zu starten?
Sofern auch nicht-Uniklinik-Ärzte erwünscht sind, würde ich unterschreiben.
Bei den change.org-Unterschriften, um die ich bisher gebeten worden bin, hatte ich zwar immer das Gefühl, dass die Petition ins Leere läuft; aber schlimmer, als dass es nichts bringt, kann es ja nicht werden.

Arrhythmie
28.08.2022, 22:22
Schockierend. Aber bestärkt mich darin, nach dem Facharzt wieder zu den Wurzeln zurück zu kehren. Bin ich ja fast froh drum, dass Medizin mein Zweitstudium war...

Relaxometrie
28.08.2022, 22:24
Die medizinische Infrastuktur ist, oder wird, genauso marode, wie die Bahngleise, die Straßen und die Brücken in Deutschland.

Arrhythmie
28.08.2022, 22:29
Tja. Damals... lol... erschien mir Medizin noch als das Goldene Ticket, Interesse und Lust mich da reinzuhängen. Bis zum PJ hatte ich immer Bock, einfach immer.... Hab in Regelstudienzeit alles fertig gemacht, "nebenher" ein Kind bekommen und promoviert mit einer klinisch-experimentellen Dr. Arbeit und mir den Arsch aufgerissen.
Jo, das war mal.
Jetzt arbeite ich so vor mich hin und wenn dann sowas als Sahnehäubchen kommt, will ich nur noch kotzen und rechne schon die Zeit auf wann ich mich endlich aus dem klinischen Treiben bzw. aus dem Arztberuf generell verpissen kann.

Relaxometrie
28.08.2022, 22:33
Aber bestärkt mich darin, nach dem Facharzt wieder zu den Wurzeln zurück zu kehren.
Warum erst nach dem Facharzt? Wenn Du Möglichkeiten in einem anderen Berufsfeld hast, geh' doch jetzt.

WiWi18
28.08.2022, 23:52
Die medizinische Infrastuktur ist, oder wird, genauso marode, wie die Bahngleise, die Straßen und die Brücken in Deutschland.

Oder die Energieversorgung. Oder die digitale Infrastruktur. Oder der Flugverkehr.

Aber alles gut, solange man der deutschen Mittelschicht weiter eine Abgabenlast von weit über 60% (unter Berücksichtigung von Mehrwertsteuern sowie weiterer Zusatzabgaben, etwa der Extra-Steuern auf Energieträger oder dem Rundfunkbeitrag) zumuten kann, wird niemand seine Politik ändern.

Leider wirklich traurig zu sehen, wie sich die Abwärtstendenz dieses Landes mittlerweile so beschleunigt, dass man die Wohlstandsverluste der Mittelschicht wie im Zeitraffer beobachten kann. Und es gibt leider wenige Berufsgruppen, die stärker von diesen Wohlstandsverlusten betroffen sind als wir. Hierzu ein interessanter Artikel von 2010:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/studie-realloehne-sind-seit-1990-um-bis-zu-50-prozent-gesunken-a-670474.html

Der Realohnverlust der deutschen Ärzte betrug 1990-2010 bereits 50% (!). Wenn man nun bedenkt, dass bei uns seitdem auch eher unterdurchschnittliche Abschlüsse die Regel waren, und nun mal fette 8-10% Reallohnverlust oben draufkommen (bei den Niedergelassenen noch mehr, weil 10% höhere Kosten ja weitaus mehr als 10% Gewinnverlust bedeuten), sind unsere Reallöhne seit 1990 um 2/3 eingebrochen.

Auch die Argumentation vom MB ist einfach nur frech. "Ja, wir haben uns nicht um ein besseres Ergebnis bemüht, weil die Auseinandersetzung zu hart geworden wäre" - bitte was? Das klingt einfach nach "Wir hatten keine Lust, unseren Job zu machen und hart zu verhandeln". Was ist das denn für eine Mentalität? "Ja, der Patient hat einen STEMI, und bei Alter und Vorerkrankungen packt er es doch eh nicht, also fahren wir doch einfach Tempo 50 und ohne Martinshorn und machen auf dem Weg zur Klinik noch einen Zwischenstop beim Bäcker."

Für die, die aus der Klinik rauswollen: Ich habe die Befürchtung, dass die schwere Wirtschaftskrise, die kaum zu vermeiden sein dürfte, es eher schwerer machen wird, Jobs "in der Wirtschaft" zu finden.

Thomas24
29.08.2022, 00:23
Oder die Energieversorgung. Oder die digitale Infrastruktur. Oder der Flugverkehr.

Aber alles gut, solange man der deutschen Mittelschicht weiter eine Abgabenlast von weit über 60% (unter Berücksichtigung von Mehrwertsteuern sowie weiterer Zusatzabgaben, etwa der Extra-Steuern auf Energieträger oder der GEZ) zumuten kann, wird niemand seine Politik ändern.


Tja, geliefert wie gewählt. Da nehmen sich die verschiedenen Farbrichtungen nichts- dem Bürger wird von jeglicher Farbkombination fleißig in die Tasche gegriffen, weil Papa Staat es ja immer besser weiß, als der Bürger, der das Geld erwirtschaftet hat. Massiv abkassieren, von links nach rechts verteilen, und nach bürokratischen Reibungsverlusten erheblich weniger wieder an die Bevölkerung zurückgeben. Der Deal ist für Familien aufgrund der familienpolitischen Leistungen gerade mal solala ok, aber ein Hochlohnbezieher in Steuerklasse I ist echt nicht zu beneiden. Und kurz vor der Wahl gibt´s ein paar Geschenke (die der Wähler auch selbst finanziert hat). Gibt genügend Stimmen, die es auch ganz ok finden, dass die obere Mittelschicht nicht entlastet werden soll, weil Sie "es sich einfach leisten kann". Wer ist mit der "oberen Mittelschicht" gemeint? Ja natürlich, auch die gesamte Ärzteschaft bis zum kleinen Klinik- WBA, der nach Tariflohn herumkrebst :-keks. Neid ist einfach endemisch hierzulande.


Leider wirklich traurig zu sehen, wie sich die Abwärtstendenz dieses Landes mittlerweile so beschleunigt, dass man die Wohlstandsverluste der Mittelschicht mittlerweile wie im Zeitraffer beobachten kann. Und es gibt leider wenige Berufsgruppen, die stärker von diesen Wohlstandsverlusten betroffen sind als wir. Hierzu ein interessanter Artikel von 2010:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/studie-realloehne-sind-seit-1990-um-bis-zu-50-prozent-gesunken-a-670474.html

Der Realohnverlust der deutschen Ärzte betrug 1990-2010 bereits 50% (!). Wenn man nun bedenkt, dass bei uns seitdem auch eher unterdurchschnittliche Abschlüsse die Regel waren, und nun mal fette 8-10% Reallohnverlust oben draufkommen (bei den Niedergelassenen noch mehr, weil 10% höhere Kosten ja weitaus mehr als 10% Gewinnverlust bedeuten), sind unsere Reallöhne seit 1990 um 2/3 eingebrochen.

Keiner politischen Richtung liegt das wirtschaftliche Wohl der bereits als privilegiert empfundenen Mediziner am Herzen. Gewöhnt euch dran. Ich hab schon im Studium mit der Politik abgeschlossen, als der damalige Kanzler sinngemäß sagte, solange Apotheker und Ärzte keine Sozialhilfe beziehen müssten, interessiere ihn ihre wirtschaftliche Situation nicht :-nix


Ich denke nicht mehr, dass ich im deutschen Gesundheitssystem eine Zukunft habe. Werde in den kommenden Tagen und Wochen in aller Ruhe die Optionen sondieren. Ich habe allerdings die Befürchtung, dass die schwere Wirtschaftskrise, die kaum zu vermeiden sein dürfte, es eher schwerer machen wird, Jobs "in der Wirtschaft" zu finden.

Ich empfinde den erreichten Abschluss als blanken Hohn gegenüber den berechtigen Interessen der jungen Kollegen- es wird schwierig werden, die "Medizinerlaufbahn in Deutschland" für kommende Generationen hinreichend attraktiv zu erhalten, wenn junge talentierte Menschen heutzutage so viel Auswahl haben und geographisch mobil sind. Wer jung, ehrgeizig und mobil ist- wieso sollte ein junger Mensch sich eine Laufbahn als Mediziner -und das ausgerechnet in Deutschland- antun?

WiWi18
29.08.2022, 00:38
Tja, geliefert wie gewählt.

Dss gilt auch dann, wenn Ronny Meier, 60, KfZ-Schlosser mit latentem Alkoholproblem, sich wegen entgleistem Diabetes in die Klinik begibt und dann leider feststellen muss, dass auf Station leider kein Arzt mehr fließend Deutsch spricht.

Ist nicht mehr nur ein Problem der kleinen Häuser, haben auch wir schon, an einer "renommierten" Uniklinik in den unbeliebten Fächern.



Gibt genügend Stimmen, die es auch ganz ok finden, dass die obere Mittelschicht nicht entlastet werden soll, weil Sie "es sich einfach leisten kann". Wer ist mit der "oberen Mittelschicht" gemeint? Ja natürlich, auch die gesamte Ärzteschaft bis zum kleinen Klinik- WBA, der nach Tariflohn herumkrebst :-keks. Neid ist einfach endemisch hierzulande.

Auf der Linie ist sogar die Springerpresse. 60.000€ Haushaltseinkommen (!) gelten mittlerweile als "zu reich", um von den "Entlastungen profitieren" zu dürfen.



Keiner politischen Richtung liegt das wirtschaftliche Wohl der bereits als privilegiert empfundenen Mediziner am Herzen. Gewöhnt euch dran. Ich hab schon im Studium mit der Politik abgeschlossen, als der damalige Kanzler sinngemäß sagte, solange Apotheker und Ärzte keine Sozialhilfe beziehen müssten, interessiere ihn ihre wirtschaftliche Situation nicht :-nix

Keiner politischen Richtung liegt das Wohl der arbeitenden Bevölkerung am Herzen. Und klar, das der Ärzte schon dreimal nicht.



Ich empfinde den erreichten Abschluss als blanken Hohn gegenüber den berechtigen Interessen der jungen Kollegen- es wird schwierig werden, die "Medizinerlaufbahn in Deutschland" für kommende Generationen hinreichend attraktiv zu erhalten, wenn junge talentierte Menschen heutzutage so viel Auswahl haben und geographisch mobil sind. Wer jung, ehrgeizig und mobil ist- wieso sollte ein junger Mensch sich eine Laufbahn als Mediziner -und das ausgerechnet in Deutschland- antun?

Ich kann mir ehrlich gesagt vorstellen, dass es zumindest etwas besser wird, wenn nicht mehr vornehmlich junge Karrieristen an die Kliniken strömen - unsere Pflege ist z.B. wesentlich resoluter, wenn man denen sagen würde, dass sie sich keine Überstunden aufschreiben dürfen, machen die der Person einen Vogel. Das ist eben auch Charaktersache.

An den strukturellen Problemen ändert das natürlich nichts.

rnn77
29.08.2022, 00:38
Entscheidend bei diesen Verhandlungen sind die Tarifkommisionen des Marburger Bundes. Dort wird die Vorarbeit und die wichtigen Entscheidungen getroffen. Dort sitzen die Verantwortlichen für diesen Abschluss. Es gibt eine große und eine kleine Tarifkommision.

Zu den verschiedenen Kommissionen und deren Verantwortung siehe auch
https://www.marburger-bund.de/sites/default/files/files/2018-07/mb-infobroschuere.pdf



Hier die Mitglieder der kleinen Tarifkommision.

https://www.marburger-bund.de/bundesverband/der-marburger-bund/der-verband/tarifgremien/kleine-tarifkommission

Von diesen 18 Mitgliedern, sind 5 Juristen und 13 Ärzte. Unter den 13 Ärzten sind 10 Fach/Oberärzte. Bei den restlichen 3 Ärzten war es mir nicht ersichtlich ob es noch Ärzte in Weiterbildung sind oder schon Fachärzte.

Fakt ist:

Die Weiterbildungsassistenten sind in den entscheiden Gremien des Marburger Bundes nicht oder viel zu gering vertreten. Auch an ihrem Anteil an der Ärzteschaft im Krankenhaus und der Mitgliederzahl im Marburger Bund gemessen. Mitgliedsbeiträge dürfen sie zahlen, sie selber werden aber nicht ausreichend von ihresgleichen in den Gremien vertreten. Ein System, dass sich heute keine Interessenvertretung mehr leisten darf.

Aus diesem Grund wird es auch weiterhin zu diesen schlechten Abschlüsen kommen, zumindest aus Sicht der Weiterbildungsassistenten. Ihre Arbeitsrealität kommt in den entscheidenden Kommission des Marburger Bundes absichtlich nicht vor.

][truba][
29.08.2022, 04:44
Absolut dafür! Zumal da vermutlich deutlich schneller Unterschriften zusammen kommen als analog und viel Zeit ist ja nicht! Allerdings sollte man irgendwie versuchen, dass sich nur Uni Ärzte eintragen. Vielleicht indem man auch seine Uniklinik eintragen muss? Dann wäre es per Stichprobe für den MB zumindest nachvollziehbar? Weiß nur leider nicht, in wie weit man solche Petitionen anpassen kann..

Warum nur UNi Ärzte? Dann wäre ich raus. Jeder von MB vertretene Arzt wurde ja quasi stellvertretend verarscht.

ayamo
29.08.2022, 04:48
MB, setzen, 6.
Ist ja unfassbar.