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FPVDoc
30.08.2022, 19:11
Ich hab jetzt einfach mal eine Petition erstellt, wir können ja mal schauen was sich tut und was wir mit dem Ergebnis machen. Die Petition sollte meiner Meinung nach aber nicht den Charakter einer öffentlichen Diffamierung des Marburger Bundes bekommen
https://www.ipetitions.com/petition/tarifabschluss-tdl-2022-marburger-bund

Passwort: MB2022

Tartaros
30.08.2022, 20:03
Passwort: MB2022

Kannst du bitte noch eine ausführlichere Problemschilderung hinzufügen

1) Geringer Abschluss -> Reallohnverlust verdeutlichen
2) Wirksam erst nächstes Jahr
3) Geringe Aussichten nächstes Jahr überhaupt adäquat verhandeln zu können, da dann erst kürzlich die Erhöhung stattgefunden hat. Vor allem, weil diesmal der Fokus auf dem „finanziellen“ gelegen habe
4) Die Rechnung, die zeigt, warum Einmalzahlungen schlecht sind. Wurde vor einigen Seiten geposted
5) Ein Verweis auf diesen Thread hier ab ca. Seite 40

Für den Otto-Normal Arzt ist es sonst nicht ganz ersichtlich, was das Problem ist und was er da unterschreibt.

Salatsultan
30.08.2022, 20:17
Ich hab seit Sonntag nicht mehr her reingeschaut, aber nachgearbeitet. Ich hatte bis Sonntag eure Kommentare aus diesem Thread und einige von Twitter (leider viel zu ruhig dort) zusammengefasst und verschiedenen Mitgliedern von Tarifgremien und auch Landesverbandsvorsitzenden zur Verfügung gestellt und vorgestellt. Diese Message ist angekommen und deckt sich mit den mündlichen Berichten aus den Kliniken die wir zumindest auf Landesebene vorgetragen haben. Trotzdem bitte ich euch - schreibt eurem Landesverband, per Mail und animiert vor allem KollegInnen dies auch zu tun, bietet bei Bedarf doch einen entsprechend formulierten Text, nutzt eure Mailverteiler u.ä. Danke.

Verbesserung von Arbeitsbedingungen brauch Engagement. Ich hab im Rahmen der Verhandlungen die Zeit für einen Austausch mit einem Kollegen aus Berlin genutzt. Die Charite hat den Vorteil mit der Geschäftsführung zu verhandeln - und anscheinend klappt in der Klinik die Mobilisierung wesentlich besser. Wenn sich viele KollegInnen und Kollegen zu Wort melden, in der Klinik für Aufmerksamkeit sorgen, hilft dies bei den Verhandlungen. Nachher zu schreien ist verständlich aber leider zu spät. Das müssen wir (und auch der MB) in Zukunft besser machen.



Salatsultan meinte ja, insbesondere auch auf Grund des Pflegestreiks sei die Streikbereitschaft bei den Ärzten in NRW fraglich. Ich wäre da aber eher bei dir, dass das ein absolutes Argument pro Streik ist, nicht dagegen. Ein besseres Druckmittel als ohnehin schon angeschlagene Arbeitsgeber kann es doch gar nicht geben? Hmm ...

Die andere Seite der Medaille, es hat 13 Wochen Pflegestreik gedauert um einen Tarifvertrag Entlastung durchzusetzen. In Berlin hat das - in direkter Verhandlung mit der Geschäftsführung - wesentlich kürzer gedauert. Die TdL zeigt sich primär unbeeindruckt von Arbeitskampfmaßnahmen - der Pflegestreik hat nur geringen öffentlichen Druck ausgeübt und lange kaum Bewegung ausgeübt. Was soll da ein Warnstreik von einem Tag mit ein paar hundert bis tausend Leuten an einem Ort bitte ausrichten? Versteh mich nicht falsch, ich hätte es gerne probiert aber meinst du von einem Streiktag wären jetzt signifikant mehr rausgesprungen?
Brutus hat es bereits ausgeführt, die Bereitschaft der Ärzte in der Breite, in einen Erzwingungstreik zu gehen ist fraglich - es war auch 2006 so, dass die chirurgischen KollegInnen nur mäßig motiviert zum Arbeitskampf gesehen haben - und da ging es um wesentlich mehr. Also folgt immer eine Einschätzung - wie hoch ist realistisch die Bereitschaft viele Leute längerfristig auf die Straße zu gehen und die Mehrheit hat hier in den Verhandlungen Zweifel gehabt. Kann ich nachvollziehen, wenn die Aktivität die hier entsteht proaktiv in den Kliniken und sozialen Medien vor und bei den Verhandlungen passiert, macht dies schon einen ganz anderen Eindruck.



@Salatsultan:
Du bezeichnest dich als überrascht von der Reaktion auf diesen Verrat an der Ärzteschaft. Seid ihr Menschen beim Marbuger Bund ignorant und überlest das Stimmungsbild der deutschen Ärzteschaft auf Twitter, coliquio, medi-learn etc. oder blendet ihr es einfach wissentlich aus da ihr die Abhängigkeitsverhältnisse von Ärzten in Weiterbildung kennt? Du nennst selbst das Problem des geringen Verhandlungshebels aufgrund kaum vorhandener Streikbereitschaft. Wie wär es wenn der Marburger Bund an diesem systemischen Mangel des maximalen Ausgeliefertseins der Ärzt:innen in Weiterbildung arbeitet? Ihr habt auf so vielen Ebenen versagt und ich wünsche euch dass eure Mitgliederzahlen massiv leiden. Nochmal zusammengefasst:
- die Leistungsträger der Pandemie, maximal öffentlichkeitswirksam in sämtlichen Medien dargestellt (Ärztebelastung in Praxen und Kliniken waren monatlich Themen)
- zunehmende Personalflucht im deutschen Gesundheitssystem, katalysiert durch die Arbeitsverdichtung
- psychische Belastung durch die Pandemie-Übersterblichkeit in den überlasteten Kliniken (ich habe von meiner Covid-IMC an "guten Tagen" 2-3 Patienten verkabelt und auf Intensivstation geschoben, dabei unter persönlicher Schutzausrüstung geschwitzt und mir Ausschlag geholt - es war körperlich und psychisch kein normales Arbeiten mehr)
- Rekordinflation in einer deglobalisierenden Welt mit Rohstoffmangel
- zahlreiche deutsche Gewerkschaften die es besser vorgemacht haben und bessere Tarifabschlüsse erwirkt haben (meiner Meinung nach ist das deutsche Gewerkschaftssystem ein immerhin geringer Ausgleich zur höchsten Steuerbelastung weltweit)
-......

Ihr habt auf so vielen Ebenen versagt und euch überflüssig gemacht, shame on you. Bei 42 vertraglichen Wochenarbeitsstunden und nun 10 % Reallohnverlust pro Jahr kann ich nur sagen: Hört auf uns unsere Lebenszeit zu stehlen und ein "Fickt euch!" das von Herzen kommt.


Auch wenn deine Beleidigung von Herzen kommt. Ich ignorier sie einfach. Neben der Ärztekammer, wo ich versuche die Interesse meiner Generation zu vertreten (Sorry ich bin zwar bald 40 aber auch erst seit 2,5 Jahren Facharzt). Bei den letzten Verhandlungen hab ich den Warnstreik an unserer Klinik organisiert und bei diesen Verhandlungen die Möglichkeit ergriffen mich ehrenamtlich (!) in der Tarifpolitik als Teil der Verhandlungskommission zu engagieren. Ich will es besser machen, ich übernehme auch Verantwortung für mein Verhalten und die Konsequenzen, und glaube Kommunikation und Mobilisation müssen moderner werden. Verantwortungen sind kein Wunschkonzert wo man hingeht und der TdL mal den Laden abreisst. Vor allem aber ich hab wenig Interesse mir in einem Forum irgendwelche ad hominem Vorwürfe machen zu lassen. Ich muss mich hier nicht exponieren, ich mach das freiwillig.

Ich glaube nach 20 Jahren im Gesundheitssystem weiß ich sehr gut was in den Kliniken läuft und bin als Assistenten- und mittlerweile Facharztsprecher in dauerndem Austausch mit den KollegenInnen. Ich mach den Scheiß neben meiner Arbeit, weil mir pöbeln im Internet irgendwann zu dumm wurde . Ich kann auch meine Covidgeschichten erzählen, oder wie viele ARDS-Patienten ich mit aus irgendeiner Klinik abgeholt hab, und wie Schlimm alles war oder ist - aber das müssen wir uns doch nicht gegenseitig vorkauen.
Es gibt viele gute Gründe warum Ärzte in Kliniken mehr Geld und/oder bessere Arbeitsbedingungen bekommen sollten, allein die TdL interessiert das nicht. Wenn die Politik meint die gut verdienenden sollen sich mal in Tarifverhandlungen gemäßigt halten (Scholz) oder Einmalprämien akzeptieren, dann hat die TdL auch keinen Verhandlungsspielraum wo man mit einem Warnstreik noch weltbewegendes rausholt.

Es wird redundant aber ich bin mit dem Abschluss nicht zufrieden, ich trage ihn nicht mit und verstecke mich auch nicht.



Danke für deine Antwort. Ich kann sie jedoch leider nicht ganz nachvollziehen, da mir anscheinend Hintergrundwissen fehlt.

Warum ist der Abschluss mit Verdi 11/2021 als Maßstab zu nehmen? Warum kann man sich nicht in die Verhandlung begeben und dass gleiche Einstiegsgehalt wie ein angestellter Lehrer fordern? Wie gesagt Lehrer sind absolut ihr Geld wert, darum geht es mir nicht. Das kannst du auch in jeder Talkshow dem Publikum erklären, dass Lehrer und Ärzte das gleiche Gehalt verdienen sollen.

Die TdL hat ein Gesamtgefüge, die Ärzte sind nur ein geringer Teil der Beschäftigten. Die haben einen einzigen Verhandlungsauftrag, und der lautet einen Abschluss Analog zu den ihrer anderen Beschäftigten zu holen. Mehr Interesse haben die nicht, die TdL interessiert nicht was mit den Unikliniken passiert, was mit den Ärzten ist, wer dann die Klinik verlässt, wer auswandert oder bei PWC anfängt. Entsprechend interessiert die auch nicht ob du ein Gehalt wie ein Lehrer oder sonst irgendwer haben möchtest.


Leider hat der Marburger Bund bis heute nicht kommuniziert, wer wie abgestimmt hat. Man muss hierbei wissen, dass es eine kleine und eine große Tarifkommission gibt. Die Mitglieder lassen sich googlen. Eine Erklärung für die schlechten Verhandlungen wäre es, dass dort eine viel Zahl an Juristen und kaum Weiterbildungsassistenten sitzen. Somit würde die zahlenden Mitgliedern durch die eigene Tarifkommision nicht richtig repräsentiert werden, da ihre Interessenvertreter in diesen Gremien überhaubt nicht sitzen.

[...]

Damit sind jedoch ganz klar die Weiterbildungsassistenten nicht genug vertreten in der kleinen Tarifkommision. Das ist eine weitere Erklärung für das Verhandlungsergebniss und warum ein angestellter Lehrer zum Einstieg in Berlin mehr verdient als eine Arzt zum Einstieg. Diese Realität betrifft die Tarifkommision überhaupt nicht.


Diese Woche wird die Tarifkommission sich mit dem Angebot der TdL beschäftigen und abstimmen. Die Verhandlungskommission gibt eine Empfehlung ab - nach einer internen Abstimmung. Ich war bzw. bin Teil der Verhandlungskomission.



Am schlimmsten sind jedoch die, die in derselben Position sind oder waren, aber die großen MB und TdL Versteher geben.
Ich bin mir sicher, dass für sie ein persönlicher Vorteil durch den Einsatz in diesen so-called-Gremien entsteht. Sonst würden User wie salatsultan oder Anne1970 nicht immer versuchen, diese absolut inakzeptable Situation schönzureden:

- "Signifikante Änderungen und Anpassungen der Entgelttabelle waren nicht erzielbar. Ein weiteres Verzögern/Verhandeln hätte die Einmalzahlung kassiert..." really?

Demnächst werden "signifikante Änderungen" im Befinden der Patienten nicht mehr erzielbar sein, wenn man auf die Leistungserbringer verzichten muss.

Da du vermutlich explizit mich ansprichst: Ich versuche hier Einblick in meine Sichtweise auf die Verhandlungen zu geben, zu erläutern was entscheidende Faktoren waren. Ich versuche bei aller Enttäuschung und Frust differenziert zu bleiben - Emotionen bringen uns auch nicht weiter. Es ist zumindest theoretisch denkbar, das in den Verhandlungen mehr nicht ging. Es war ja auch nicht Runde 1 wie bereits mehrfach (durch andere) behauptet sondern Runde 3. Die Einmalprämie (die für 1.WBJ) immerhin eine Bonuszahlung von über 6,5% des Grundgehaltes bedeutet (für OÄ immer noch über 3,5%) und für viele viele Menschen in diesem Lande eine extrem hohe Summe, wäre bei einer Verzögerung der Verhandlungen wohl wieder aus dem Angebot gestrichen worden. Medial ist die Ablehnung einer so hohen Geldsumme schwierig zu erklären - auch wenn man viele Argumente auf seiner Seite hat - aufpassen, die Solidarität mit dem Gesundheitssystem galt nicht explizit oder primär den Ärzten. Wie bereits oben erläutert. Die TdL hat keinen Auftrag die Personalausstattung in den Kliniken zu verbessern oder für irgendwelche strukturellen Verbesserungen einzutreten.

Was glaubst du welchen Vorteil ich aus meinem Engagement habe? Möchtest du deine unspezifisch in den Raum gestellte Behauptung konkretisieren oder mich in irgendein Licht rücken?


Jeder von uns sollte sofort austreten. Falls das genug tun, entzieht man dem MB die Grundlage (das Recht auf Vertretung der Mitglieder in den Verhandlungen) und dann wird dort schon gut Panik aufkommen.

Gute Idee, aber was ist dann der nächste Schritt in deinem Plan? Der MB wird nervös weil die Mitglieder weglaufen aber hat auch keine Mitglieder mehr hinter sich? Ich bin mir sicher die Verhandlungen werden noch beschissener.



Auch die Argumentation vom MB ist einfach nur frech. "Ja, wir haben uns nicht um ein besseres Ergebnis bemüht, weil die Auseinandersetzung zu hart geworden wäre" - bitte was? Das klingt einfach nach "Wir hatten keine Lust, unseren Job zu machen und hart zu verhandeln". Was ist das denn für eine Mentalität?
Für die, die aus der Klinik rauswollen: Ich habe die Befürchtung, dass die schwere Wirtschaftskrise, die kaum zu vermeiden sein dürfte, es eher schwerer machen wird, Jobs "in der Wirtschaft" zu finden.

Eine Verhandlung ist eine Abwägung von Risiko. Nehm ich irgendwann ein Angebot nicht an, gibt es keine Einigung. Dann muss ich eskalieren. Es kann aber auch sein, dass in der Folge das Angebot schlechter wird. Dieses Risiko muss man abwiegen. Denk ich über Risiko anders? Ja. Andere aber auch. Brauch es vielleicht mehr junge engagierte? Definitiv.

Deine Verhandlungsposition wird schlechter wenn es schwieriger wird "in der Wirtschaft" jobs zu finden.



Fakt ist: Die Weiterbildungsassistenten sind in den entscheiden Gremien des Marburger Bundes nicht oder viel zu gering vertreten. Auch an ihrem Anteil an der Ärzteschaft im Krankenhaus und der Mitgliederzahl im Marburger Bund gemessen. Mitgliedsbeiträge dürfen sie zahlen, sie selber werden aber nicht ausreichend von ihresgleichen in den Gremien vertreten. Ein System, dass sich heute keine Interessenvertretung mehr leisten darf.

Aus diesem Grund wird es auch weiterhin zu diesen schlechten Abschlüsen kommen, zumindest aus Sicht der Weiterbildungsassistenten. Ihre Arbeitsrealität kommt in den entscheidenden Kommission des Marburger Bundes absichtlich nicht vor.

Welche Berufsgruppe kommt in den Gremien deiner Meinung nach vor?
Ich glaube a) Oberärzte kommen schlechter bei diesem Abschluss weg als WBA Die Einmalzahlung fällt anteilig geringer ins Gewicht, die zusätzliche Oberarztstufe wurde wieder einmal ausgeschlossen da der "Preis" zu hoch schien b) Es gibt junge Kollegen in der Tarifkomission, aber wie so oft im Ehrenamt, motivierterte junge KollegInnen findet man nicht, keiner will es machen und dann wird Vorsatz unterstellt.


Unfassbar, dass der Marburger Bund auch noch selbst zugibt, nie einen Streik als Option gesehen zu haben, da es "nur" um Gehälter geht. Bei dieser Einstellung ist es kein Wunder, dass dieser Mist bei rumgekommen ist... die TdL lacht sich doch kaputt über uns.

Wenn es um Tarifsicherungen geht, um Begrenzung von Diensten, Dienstplanbarkeit und Zusatzurlaub plus Geld, dann lassen sich mehr Leute mobilisieren als wenn es um reine Finanzen geht. Was anderes konnte wegen der Kündbarkeit nicht verhandelt werden und darauf zielt die Aussage ab. Ergänzend zu anderen Antworten - ich glaube man würde immer einen achtsamen Warnstreik auf die Beine stellen, aber nach 13 Wochen Pflegestreik sind die Überstundenkonten leer - keine gute Basis für einen unbefristeten Erzwingungsstreik.


Auf den Kommentar hab ich ja gewartet. Nicht wenn man sich rückwärts bewegt! Den Schuh “bitte mehr Eigenverantwortlichkeit und sich in Funktionsebenen wählen lassen”, zieh ich mir nicht an. Ich bin Arbeitnehmer in einer Klinik und mach meinen Job. Macht ihr euren.

Mein Job ist Anästhesist in einer Uniklinik. Große Teile der Tarif- und Verhandlungskommission sind Ehrenamtlich tätig, ich hab in diese Verhandlungen vor allem viel Lebenszeit gesteckt - ich bekomme meine Reisekosten bezahlt und mein Chef stellt mich zum Glück frei (Danke!).





Es wurde hier bereits von einem Mitglied der Tarifkommision kommuniziert. Begründung war, dass man sich am Tarifvertrag von verdi orientieren musste. Deswegen sei nicht mehr drin gewesen

Dies ist natürlich eine falsche Aussage. Der Marburger Bund ist nicht an Tarifabschlüsse von Verdi gebunden. Was damit eher gemeint war ist , dass man sowieso weder streiken noch hart kämpfen wollte, hat es den Arbeitgebern ausgereicht auf den Abschluss mit verdi zu verweisen um der Tarifkommision das Wind aus den Segeln zu nehmen.


Mitglied der Verhandlungskommission. Natürlich ist der MB an nichts gebunden und verhandelt für sich selbst, habe ich auch nie anders behauptet. Aber die TdL stellt relativ schnell ihren Rahmen auf, und der ist begrenzt durch den Abschluss mit Verdi. Mehr geben die Finanzminister nicht mit auf die Reise - vielen Dank.


MB ist für mich ein hoffnungsloser Fall, ähnlich wie manche Altparteien oder religiöse Einrichtungen, die ich aus demselben Grund nicht mehr unterstütze. Jegliche Investition persönlicher Ressourcen in den MB erachte ich als verschwendet. Ich bin aus Überzeugung dieses Jahr eingetreten und genauso überzeugt ausgetreten.

Das Problem, welche alternativ Struktur lässt sich entwickeln, um die Interessen von Ärztinnen und Ärzten zu vertreten und durch zu setzen. Wo ist neben Austritten und Empörung im Forum das Engagement die eigene Situation zu verbessern und hier Entwicklungsarbeit zu leisten?
Böse gesagt, klassischer Dienstleistungsgedanke - bin nicht zufrieden, weg mit euch. Wo alternative? Kann ich verstehen, bringt uns aber nicht weiter.

Salatsultan
30.08.2022, 20:21
Mitteilung der 1. Vorsitzenden Dr. Susanne Johna an die Mitglieder (https://www.marburger-bund.de/bundesverband/meldungen/tarifabschluss-mit-der-tdl-und-ausblick-auf-die-naechste-tarifrunde):



Wird der MB überhaupt rechtlich eine weitere Lohnerhöhung fordern können? Sie beharren in ihren Textbausteinen ja darauf, dass sie nun für Oktober 2023 eine Sonderkündigungsmöglichkeit bezüglich der Schichten errungen haben.

Ja, die Lohntabelle ist entsprechend kündbar.

FPVDoc
30.08.2022, 20:42
Kannst du bitte noch eine ausführlichere Problemschilderung hinzufügen

1) Geringer Abschluss -> Reallohnverlust verdeutlichen
2) Wirksam erst nächstes Jahr
3) Geringe Aussichten nächstes Jahr überhaupt adäquat verhandeln zu können, da dann erst kürzlich die Erhöhung stattgefunden hat. Vor allem, weil diesmal der Fokus auf dem „finanziellen“ gelegen habe
4) Die Rechnung, die zeigt, warum Einmalzahlungen schlecht sind. Wurde vor einigen Seiten geposted
5) Ein Verweis auf diesen Thread hier ab ca. Seite 40

Für den Otto-Normal Arzt ist es sonst nicht ganz ersichtlich, was das Problem ist und was er da unterschreibt.

Kann ich gerne machen, schaffe das aber heute nicht mehr. Falls hier jemand Muße hat was aufzusetzen übernehme ich das auch gerne.

Dooly
30.08.2022, 20:56
Das Problem, welche alternativ Struktur lässt sich entwickeln, um die Interessen von Ärztinnen und Ärzten zu vertreten und durch zu setzen. Wo ist neben Austritten und Empörung im Forum das Engagement die eigene Situation zu verbessern und hier Entwicklungsarbeit zu leisten?
Böse gesagt, klassischer Dienstleistungsgedanke - bin nicht zufrieden, weg mit euch. Wo alternative? Kann ich verstehen, bringt uns aber nicht weiter.Ist ja auch so, dass ich mich nicht aktiv gewerkschaftlich oder berufspolitisch engagieren will, sonst hätte ich das getan. Im konkreten Fall will nicht mal mehr Mitglied sein, daher bin ich ausgetreten.

Endoplasmatisches Reticulum
30.08.2022, 21:37
die Bereitschaft der Ärzte in der Breite, in einen Erzwingungstreik zu gehen ist fraglich - es war auch 2006 so, dass die chirurgischen KollegInnen nur mäßig motiviert zum Arbeitskampf gesehen haben - und da ging es um wesentlich mehr. (...) Wenn es um Tarifsicherungen geht, um Begrenzung von Diensten, Dienstplanbarkeit und Zusatzurlaub plus Geld, dann lassen sich mehr Leute mobilisieren als wenn es um reine Finanzen geht.
Ich halte die Vorstellung weiterhin für viel zu sehr vereinfacht, es ginge hier "nur" um schnöde Gehälter. Gestritten wurde um das Verhindern einer zur Lebenszeit der meisten Assistenzärzte nie dagewesen Entwertung der ärztlichen Arbeit in zweistelligem Prozentsatz nach drei Höchleistungspandemiejahren ohne jede Gratifikation. Wir wurden für selbstverständlich genommen, egal wie düster es wurde. Auf unserem Rücken wurden alle anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen entlastet. Wir wurden systematisch wie Dreck behandelt. Und jetzt sendet unsere eigene Gewerkschaft das Signal: Ist schon okay, wir machen's ja nicht fürs Geld ...

Das ist doch eine völlig andere Situation, als außerhalb des aktuellen ökonomischen Kontextes z.B. bei einer Inflationsrate von 0.5 % eine Entgeltaufstockung um 2 % zu fordern und dafür einen Streik zu erwägen. Da müsste man eine Eskalation natürlich in Frage stellen. Aber hier? Ich glaube, der Marburger Bund unterschätzt sowohl die angestaute Wut in der niederen Ärzteschaft als auch den Kollateralschaden, den so ein Vertragsabschluss anrichtet.



Medial ist die Ablehnung einer so hohen Geldsumme schwierig zu erklären - auch wenn man viele Argumente auf seiner Seite hat - aufpassen, die Solidarität mit dem Gesundheitssystem galt nicht explizit oder primär den Ärzten.
Sollen die Leute unken. Immer noch besser, als wenn sie 5 Minuten für imaginäre Heldenfiguren klatschen und dann wieder zum Trash TV wechseln. Der Durchschnittsbürger denkt doch sowieso schon, wir fahren alle Tesla und kaufen uns von etwaigen Zulagen neue Golfschläger. Wenn der Marburger Bund eine so neurotische Angst vor negativer Außenwirkung hat, ist es taktisch zudem sehr geschickt, schlechte Verhandlungsergebnisse auch noch beschönigend darzustellen: Einmalzahlung entspricht Lohnerhöhung > 7.5 %; 3.35 % mehr Gehalt kommen noch oben drauf, oft ohne Erwähnung des verzögerten Inkrafttretens erst in einem Jahr; keine negativen Bewertungen, die sinngemäß über "nicht ideal", "Luft nach oben" und "Licht und Schatten" hinaus gehen. Das zirkuliert dann durch die Medien und bleibt in den Köpfen der Menschen hängen, von denen man in einem Jahr Verständnis für die "dann aber richtigen" Forderungen erhofft - denen man aber nie kommuniziert hat, warum die jetzigen miserabel waren. Hmm.



Eine Verhandlung ist eine Abwägung von Risiko. Nehm ich irgendwann ein Angebot nicht an, gibt es keine Einigung. Dann muss ich eskalieren. Es kann aber auch sein, dass in der Folge das Angebot schlechter wird.
Und dazu gibt es relevante Präzedenzfälle?

Relaxometrie
30.08.2022, 21:46
@Salatsultan: Vielen Dank für Dein ausführliches Posting und die vielen Erklärungen.
Wenn ich den Wasserkopf der MB-Bürokratie und die pure Anzahl der Mitarbeiter, die vermutlich Vollzeit beim MB arbeiten und ein Gehalt dafür bekommen (selbstverständlich, wenn sie dort Vollzeit arbeiten), sehe, finde ich es absurd, dass Ihr von der Tarifkommission ehrenamtlich arbeitet.

Aber für mich ist der Zug, im Krankenhaus zu arbeiten, abgefahren und deswegen habe ich die Mitgliedschaft im MB beendet (meine Kündigung vor ca. 10 Tagen hatte nichts mit dem aktuellen Unikliniktarifdesaster zu tun; ich fand den MB unabhängig davon schon zu schlecht). Ich habe mich erstmal für die Niederlassung entschieden, weil ich keine Lust mehr darauf habe, eine Beruhigungspille nach der anderen zu schlucken, was z.B. die Verbesserungen der Dienstbelastung/ halbwegs planbare Freizeit (man muss zu oft kurzfristig für Dienste einspringen)/ die miserable Ausbildung ("organisieren Sie sich besser, dann können Sie gerne Sonographie (oder whatever) lernen"), die desolaten Arztzimmer u.v.a.m. angeht.
Ich habe oft versucht, kleine Dinge zu verbessern, die fast nichts gekostet hätten, aber es ist mir so gut wie nie gelungen. Ein Oberarzt bei meiner letzten Stelle sagte mal (ist nicht politisch korrekt; aber die Idee dahinter ist absolut richtig): "Sie haben viele gute Ideen und versuchen, sie umzusetzen. Aber solange fast 80% Ihrer Assistentenkollegen aus Ländern kommen, in denen noch durch den Balken geschi$$en wird, werden sie nichts erreichen, da die Kollegen Sie nicht unterstützen." Und genau so war es. Ich habe mir den Mund fusselig geredet, dass sie z.B. einen Überstundennachweis führen sollen, für den es sogar ein Formular im PC gab. Ich habe denen erklärt, wie sie ihn ausfüllen, habe Hilfe angeboten: nichts. Es war nicht möglich, sie dazu zu animieren, diesen Zettel auszufüllen.
Andere Klinik: ich neu, komme auf eine große internistische Station: vier Assistentenkollegen, keiner davon Muttersprachler, teils desolateste Deutschkenntnisse. Der Oberarzt hat aber kaum Zeit gehabt, meine fachlichen Fragen zu beantworten, weil er stundenlang damit beschäftigt war, den Kollegen Deutsch beizubringen und hat ewig mit ihnen zusammen über deren Arztbriefen gehangen. Ich war eine gute Woche dort, dann kam der nächste neue Kollege. Syrer. Wenig Deutschkenntnisse, aber im Ansatz gut und es schien ausbaufähig zu sein. Der blieb anscheinend immer die halbe Nacht im Arztzimmer und brütete über Arztbriefen und allem möglichen. Morgens fast immer Pizzagestank, leere Colaflaschen, leere Pizzakartons. Ich habe ihn mal gefragt, ob er nicht mal halbwegs pünktlich gehen wolle. Letztlich kam der entscheidende Satz, der bei mir wirklich etwas ausgelöst hat: "Alles ist besser als Krieg. Da arbeite ich lieber die ganze Nacht durch.".
Inzwischen bin ich von den Krankenhausverwaltungen derart desillusioniert, dass ich wirklich denke, dass Kämpfe für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen kaum etwas bringen. Das Gesundheitssystem ist noch nicht kaputt genug, als dass sich halbwegs schnell etwas tut, um es für die Mitarbeitenden attraktiver zu gestalten.
Und eine Gewerkschaft, die nicht wenigstens ein bißchen auf Krawall gebürstet ist, aber ihren Wasserkopf pflegt, wird auch nicht viel erreichen, um die Arbeit im Krankenhaus zeitnah akzeptabel zu gestalten.

Salatsultan
31.08.2022, 04:50
Ich halte die Vorstellung weiterhin für viel zu sehr vereinfacht, es ginge hier "nur" um schnöde Gehälter. Gestritten wurde um das Verhindern einer zur Lebenszeit der meisten Assistenzärzte nie dagewesen Entwertung der ärztlichen Arbeit in zweistelligem Prozentsatz nach drei Höchleistungspandemiejahren ohne jede Gratifikation. Wir wurden für selbstverständlich genommen, egal wie düster es wurde. Auf unserem Rücken wurden alle anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen entlastet. Wir wurden systematisch wie Dreck behandelt. Und jetzt sendet unsere eigene Gewerkschaft das Signal: Ist schon okay, wir machen's ja nicht fürs Geld ...

Und dazu gibt es relevante Präzedenzfälle?

Du und ich sind beide Lohnbeschäftigt, wie tauschen Lebenszeit gegen Geld. Es geht bei uns primär immer um zwei Stellschrauben Zeit und Geld. Und egal wie emotional du es drehst - es ging um Geld. Auch wenn ich mich wiederhole, die TdL interessiert sich nicht für deine empfundene Kränkung aus den Pandemiejahren, da sitzt niemand dessen Aufgabe ist für zufriedene Ärzte in Kliniken zu sorgen.
Wut allein bringt es ebenfalls nicht, sondern nur die Bereitschaft längerfristig auf Einkommen zu verzichten um Streiken zu gehen.

Die magst du anders einschätzen, ich mag sie anders einschätzen, jemand drittes noch anders und am Ende muss man dies ausdiskutieren. Viele werden falsch liegen, manche richtig. Ich hätte gerne den Kolleginnen und Kollegen die Chance gegeben, ins Risiko zu gehen - mit der Hypothek das die 4500€ Einmalzahlung vom Tisch gewesen wäre. Und ja, es gab in der Vergangenheit relevante Fälle von Verschlechterungen von Angeboten und abgezockten Tricks wo man versucht hat den MB verhungern zu lassen.
Ich bin da kein Experte aber die Beispiele wurden wiederholt genannt.

Salatsultan
31.08.2022, 04:52
Das Gesundheitssystem ist noch nicht kaputt genug, als dass sich halbwegs schnell etwas tut, um es für die Mitarbeitenden attraktiver zu gestalten.
Und eine Gewerkschaft, die nicht wenigstens ein bißchen auf Krawall gebürstet ist, aber ihren Wasserkopf pflegt, wird auch nicht viel erreichen, um die Arbeit im Krankenhaus zeitnah akzeptabel zu gestalten.

Dies ist doch der Punkt. Vielleicht brennt es nicht genug um entsprechende Änderungen zu erreichen.

SineNomine
31.08.2022, 05:56
Dies ist doch der Punkt. Vielleicht brennt es nicht genug um entsprechende Änderungen zu erreichen.

Dann sollte sich der MB aber auch nicht für die erleichterte Anerkennung ausländischer Abschlüsse einsetzen, denn wozu die letztlich genutzt werden ist offensichtlich. Nimmt den Druck von den Arbeitgebern, Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Markian
31.08.2022, 06:22
Also bei uns arbeiten nur Deutsche. Kein einziger Ausländer ist in dieser Abteilung. Trotzdem gibt es genug dieser Kollegen, die alles mit sich machen lassen und Lehre findet nicht statt. Also lasst uns jetzt nicht auf Stammtischniveau verfallen.

FirebirdUSA
31.08.2022, 07:52
Durch die Einmalzahlung entsteht halt langfristig ein Minus und neu eingestellte Kollegen gehen gleich mit 0 raus, außerdem ist es für den AG vermutlich billiger als eine Lohnerhöhung wegen den Sozialabgaben, insofern war hier leichter die Zustimmung der TDL zu erhalten.
Mir wäre eine sofortige Erhöhung um 3,x% und in einem Jahr nochmal um 3,x% sicher lieber gewesen und sehe auch das Problem, dass in einem Jahr die TDL sicher mit dem Argument kommt die Tarife wurden doch gerade erst erhöht, da ist kein Spielraum mehr.

Alle Unikliniken sind im Moment extrem klamm was die finanziellen Mittel angeht und die Länder haben aktuell aus bekannten Gründen auch nicht besonders viel freies Geld. Insofern glaube ich dem MB schon, dass die Verhandlungen schwierig waren und man von wenig Spielraum ausgehen muss bzw. nur sehr lange und harte Streikmaßnahmen das geändert hätten. Ich teile auch die Ansicht, dass die meisten Ärzte dies nicht lange mit gemacht hätten (die Streikbereitschaft ist glaube ich geringe als viele hier meinen - dann würde man ja keinen Lohn bekommen). Ich hätte aber in so einem Fall erwartet/gehofft, dass der MB den Ball zurück spielt und z.B. eine Urabstimmung macht unter den Betroffenen.

Zu dem aus meiner Sicht völlig unpassenden Vergleich mit den Lehrern in Berlin: Angestellte Lehrer in Berlin wurden zumindest in den letzten Jahren meist über die Sommerferien entlassen, d.h. du musst für einen realistischen Vergleich noch 1.5 Monate im Jahr ohne Gehalt abziehen... insofern hat Brutus schon Recht: Äpfel bitte nicht mit Birnen vergleichen, mal von der möglichen Lohnsteigerung völlig abgesehen die auch deutlich unterschiedlich ist.

Endoplasmatisches Reticulum
31.08.2022, 10:17
Du und ich sind beide Lohnbeschäftigt, wie tauschen Lebenszeit gegen Geld. Es geht bei uns primär immer um zwei Stellschrauben Zeit und Geld.
Du argumentierst rein inhaltlich und vernachlässigst die strukturellen Aspekte: den sozioökonomischen Kontext der Verhandlung und die Signalwirkung. Dass die sehr wichtig sind, sieht auch der Marburger Bund, sonst würde er nicht ständig auf vagen Bedenken an der Außenwirkung und Mediendarstellung seiner Forderungen herumreiten.

Tarifverhandlungen schaffen Grundlagen und Präzedenzen für nachfolgende Verhandlungen - sowohl mit der TdL als auch mit den anderen Arbeitgebervereinigungen. Dahingehend wird dieser Tarifabschluss zweifellos einen Kollateralschaden mit sich bringen, denn der Marburger Bund hat nun lang und breit und öffentlichkeitswirksam erklärt, warum Ärztestreiks auf Grund der Mentalität der Ärzte selbst in seinen Augen nicht realistisch sind. Und auch wenn du das als individuelle Emotionalität oder Kränkung abtust - die Corona-Pandemie kontextualisiert den angeblich fehlenden Drive der Ärzte, was hier vom Marburger Bund wie das Batman-Zeichen für alle sichtbar in den Himmel projiziert wurde. Wenn die Gewerkschaft der Meinung ist, nicht einmal die unter Corona maximal eskalierten und beständig vom Marburger Bund selbst angemahnten Missstände und Schikanen in den Kliniken hätten etwas an der Streikbereitschaft der Ärzte gerüttelt, dann ist das eine standespolitische Aussage mit Wirkung; und geht weit über "mehr Lohn war halt nicht drin" hinaus.

Zurück zur konkreten Verhandlungsrunde: Also vertritt der MB den Standpunkt, auf die TdL kann kein Druck aufgebaut werden, die TdL ist mit Streiks nicht kleinzukriegen, Ärzte streiken sowieso nicht, und der TdL sind die Ärzte sowieso egal. Ähm ... wo genau sieht der MB dann überhaupt eine Grundlage, um mit 9 % Gehaltsforderung und großen Tönen in die Verhandlung einzusteigen, nur um sich nach kürzester Zeit um 180° umzudrehen und jetzt uns dozieren zu wollen, warum das Ergebnis trotzdem gut ist und dass man ja realistisch sein muss? War das nichts als ein epochal gescheiterter Bluff? Ansonsten wirkt das Gebaren des Marburger Bundes wie ein trotziger Junge, der von Vaddern TdL fürs Aufmucken diszipliniert wurde und jetzt mit gesenktem Haupt und leiser Stimme Vadders Ductus nachplappert, um nicht noch mehr Spanks zu kassieren. Sowas kommt als Interessensvertretung nicht gut an. Nicht bei uns, darüber hinaus aber sicherlich auch nicht bei den übrigen Arbeitgebern, die mit Argusaugen beobachten.

Endoplasmatisches Reticulum
31.08.2022, 10:31
Ich teile auch die Ansicht, dass die meisten Ärzte dies nicht lange mit gemacht hätten (die Streikbereitschaft ist glaube ich geringe als viele hier meinen - dann würde man ja keinen Lohn bekommen).
Das ist halt Spieltheorie und läuft taktisch zunächst vor allem im Kopf ab. Man geht ja nicht von einem lange andauernden Streik aus und macht eine Risikoanalyse, die berücksichtigt, was die Arbeitgeber wohl von uns erwarten und wie deren Risikoanalyse wohl ausfallen wird, unter Erwartung unserer Erwartung. Bloß wenn wir Ärzte von vornherein öffentlich postulieren, dass echte Streiks nicht passieren werden, dann beschneiden wir uns selbst unserer mächtigsten Waffe - auch wenn die vielleicht nur im Kopf und in Verbindung mit der Erwartung der Gegenseite existiert hätte. So haben wir jetzt als Berufsstand vor allen Arbeitgebervereinigungen die Hose runter gelassen. Das ist taktisch sehr unklug, auch wenn die zu Grunde liegende Überlegung eventuell richtig ist.

FirebirdUSA
31.08.2022, 11:02
Das ist halt Spieltheorie und läuft taktisch zunächst vor allem im Kopf ab. Man geht ja nicht von einem lange andauernden Streik aus und macht eine Risikoanalyse, die berücksichtigt, was die Arbeitgeber wohl von uns erwarten und wie deren Risikoanalyse wohl ausfallen wird, unter Erwartung unserer Erwartung. Bloß wenn wir Ärzte von vornherein öffentlich postulieren, dass echte Streiks nicht passieren werden, dann beschneiden wir uns selbst unserer mächtigsten Waffe - auch wenn die vielleicht nur im Kopf und in Verbindung mit der Erwartung der Gegenseite existiert hätte. So haben wir jetzt als Berufsstand vor allen Arbeitgebervereinigungen die Hose runter gelassen. Das ist taktisch sehr unklug, auch wenn die zu Grunde liegende Überlegung eventuell richtig ist.
Deswegen fände ich die Variante einer Urabstimmung nicht schlecht - seit ihr damit zu frieden oder wollt ihr für mehr streiken. Die aktuelle Kommunikation war extrem unklug seh ich genauso.

ehem-user-02-09-2022-0919
31.08.2022, 14:21
MB ist für mich ein hoffnungsloser Fall, ähnlich wie manche Altparteien oder religiöse Einrichtungen, die ich aus demselben Grund nicht mehr unterstütze. Jegliche Investition persönlicher Ressourcen in den MB erachte ich als verschwendet. Ich bin aus Überzeugung dieses Jahr eingetreten und genauso überzeugt ausgetreten.



Ist ja auch so, dass ich mich nicht aktiv gewerkschaftlich oder berufspolitisch engagieren will, sonst hätte ich das getan. Im konkreten Fall will nicht mal mehr Mitglied sein, daher bin ich ausgetreten.

Was wäre denn besser? Gar keine Gewerkschaft statt diese? Manche vergessen, dass die Ärzteschaft so schlecht dastünde wie die Pflege oder die Ärzte in anderen europäischen Ländern, wenn es den MB nicht geben würde.
Zur Wahrheit gehört eben auch: wenn Du gehört werden willst, dann musst Du sprechen.

P.S. den Begriff "Altpartei" hat die sog. Afd erfunden, um die demokratischen Parteien zu diskreditieren.

Bonnerin
31.08.2022, 15:04
Dann soll der MB halt auch 1% vom Bruttolohn verlangen wie andere Gewerkschaften - wenn das Problem ist, dass keine Streikkasse existiert und man darum gar nicht streiken will, muss man das ändern. Ich wäre gerne bereit mehr zu zahlen, wenn das Geld dann auch für solche Situationen verwendet wird und nicht genutzt wird um dem Vorstand den nächsten Bonus zu bezahlen.

So wie jetzt ist der MB nichts als eine zahnlose Lachnummer, die sich in der Öffentlichkeit blamiert hat. Ist auch fraglich, ob der Imageschaden je wiedergutzumachen ist.
Was tatsächlich schade ist, denn bei den Verhandlungen mit den BG-Kliniken haben sie ja sogar erfolgreich Kante gezeigt und adäquat verhandelt.

ehem-user-02-09-2022-0919
31.08.2022, 15:14
Die Gemengelage mit der Energiekrise und dem Ukrainekrieg ist doch eine sehr besondere. Damit werden (reine Spekulation) die Finanzminister die Verhandlungen erstickt haben. Nächstes Jahr kann das ganz anders aussehen.

Das ML-Forum ist (zum Glück) nicht repräsentativ für die ganze Gesellschaft.

Bonnerin
31.08.2022, 16:36
Die Gemengelage mit der Energiekrise und dem Ukrainekrieg ist doch eine sehr besondere. Damit werden (reine Spekulation) die Finanzminister die Verhandlungen erstickt haben. Nächstes Jahr kann das ganz anders aussehen.

Das ML-Forum ist (zum Glück) nicht repräsentativ für die ganze Gesellschaft.

Du willst es auch nicht verstehen, oder? Die "Lücke" in der linearen Tabelle, die durch die Einmalzahlung entsteht wird nie wieder weggehen. Das wird nächstes Jahr nicht anders aussehen, dafür hat der MB schon jetzt mit den Äußerungen ("diesmal Gehalt" -wtf) gesorgt. Und eben auch der Zeitpunkt der Erhöhung im September 2023 sofort vor den Verhandlungen ist denkbar schlecht gewählt.

Und sollte der MB tatsächlich kuschen während Cockpit, Verdi, BCE und IGMetall tatsächlich halbwegs sinnvolle Tarifpolitik für ihre Mitgliedschaft machen wirds nur noch schlimmer.