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Heerestorte
23.09.2022, 06:55
Auch der Rettungsdienst in Bayern war erfolgreicher als wir:

https://oeffentlicher-dienst-news.de/tarifvertrag-rotes-kreuz-bayern/

Endoplasmatisches Reticulum
23.09.2022, 09:56
300 € einmalig + 6% mehr Lohn + 5% mehr Nachtdienstzuschlag sind jetzt aber auch kein wirkliches "der historisch hohen Inflation entschlossen entgegen [treten]" und m.E. auch kein "kräftiges Plus in schwierigen Zeiten“. Umso trauriger, wie kümmerlich unser Tarifabschluss im Vergleich trotzdem noch wirkt.

(Hätte sich das Rote Kreuz mal mit der TdL kurzgeschlossen. Dann hätten sie gewusst, dass Erhöhungen bei Zuschlägen grundsätzlich nicht gerechtfertigt sind in Berufen, bei denen man vorher weiß, dass man zu Unzeiten arbeiten muss.)

Meine Austrittserklärung ist inzwischen auch unterwegs.

Dooly
23.09.2022, 21:55
Ich bin heute auf Werbung von Verdi wg einer anstehenden Tarifrunde Anfang 23 für den ÖD Bund gestoßen. Weil mir das nichts gesagt hat, hab ich dann mal schnell gegoogelt und bin überrascht: Die verhandeln für über 2 M Beschäftigte aus heterogenen Branchen und Berufen. Wie soll das gehen? Bisher laufen/liefen Beschäftigtenbefragungen und Branchenkonferenzen. Am 11.10. soll dann über die Forderungen entschieden werden. Wenn man einmal anfängt solche Tarifrunden zu verfolgen merkt man erst, dass ständig irgendwer irgendwas verhandelt. https://zusammen-geht-mehr.verdi.de/

Mal abwarten, was der MB macht. Der sollte ja mit derselben Frist um das Gehalt die VKA Kolleg*innen verhandeln. Näheres weiß man dazu noch nicht.

Kolleg*innen der Charite werden vielleicht streiken: https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlins-uni-mediziner-wollen-arbeit-niederlegen-der-charite-droht-im-oktober-ein-arztestreik-8677465.html

Salatsultan
24.09.2022, 20:17
Charité gab es 1,9% im ersten und 1,6% im zweiten Jahr als Angebot. Dazu einige marginale „Verbesserungen“.

Das sind die aussichtsreichen Angebote die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland von den Arbeitgebern zu erwarten haben. Ich hatte mich zuletzt mit den Kolleginnen aus Berlin ausgetauscht, sie haben sich selber in den letzten Wochen organisiert und mobilisiert - ich hoffe sie werden erfolgreich(er).

freak1
24.09.2022, 22:15
Ich glaube, man muss die Herrschaften in der Schnittchen Etage einmal sehr deutlich daran erinnern, dass die „Wertschöpfung“ im Krankenhaus nahezu ausschließlich auf ärztlicher Seite erfolgt.

Nefazodon
24.09.2022, 23:00
Es war ja jetzt die Vollversammlung des Marburger Bund NRW.....hat jemand was davon gehört? Haben sie dort etwas zu den Tarifabschlüssen gesagt?

Evidence based
25.09.2022, 22:25
Aktuell laufen ja auch die MD Tarifverhandlungen. Gefordert wurden u.a. 7,9 % mit sozialer Komponente. Geboten wurden nach der 1. Runde 3 % ohne Rückwirkung des seit Juni ausgelaufenen Tarifvertrags. Das wurde selbstverständlich abgelehnt.

Ich bin gespannt, wo man nachher rauskommt - ich schätze zwischen 4,5 und 5,5 % rückwirkend plus Einmalzahlung. Aber wer weiß...

Dooly
26.09.2022, 20:35
MB hat zum Warnstreik an der Charité vor dem Bettenhochhaus am 5.10. um 9:30 Uhr aufgerufen.

Reisender
26.09.2022, 21:27
Es wird spannend. TdL-Einigung hat ein negatives Beispiel geschaffen. Ob nun der Streik trotzdem Erfolg bringen kann, werden wir sehen. Einen Versuch ist es allemal wert.

dissection
27.09.2022, 16:51
Die Corona-Einmalzahlungen haben ja fast alle schon durch, wir schaffen das dann hoffentlich bis Dezember mal. Next up: Inflations-Einmalzahlungen, bis zu 3000 € sind hier durch die Arbeitgeber steuer- sowie sozialabgabenfrei laut Olaf möglich. Das wär doch mal was!

Bislang beschlossen:
Sixt: 1700 €
EBM Papst: 500 €
Rossmann: mind. 500 €
Aldi Süd: 50 €/Monat Einkaufsgutschein seit Juni
Capgemini: 40 €/Monat Einkaufsgutschein seit September

RWE, Vonovia, Bertelsmann diskutieren derzeit noch die Höhe (https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/inflationspraemie-bis-zu-3000-euro-diese-unternehmen-zahlen-ihren-mitarbeitern-wegen-der-inflation-einen-zuschuss/28707696.html)

Well, die deutsche Ärzteschaft lässt sich eben gerne fi**en. Was passiert nun mit ihr? Sie kriegt was sie verdient, andere Arbeitnehmer interessiert eben berechtigterweise die lOhN-pReIs-sPiRaLe nicht. Man kann als Arzt im 5. oder 6. WBJ im Schichtdienstmodell echt nicht mehr auf Familienfeiern gehen, da fällt man vom Glauben ab wo man mittlerweile finanziell steht.

Bonnerin
27.09.2022, 16:55
Bei uns gabs mehrfach Corona-Sonderzahlungen (ich hab allerdings nur 2 mitbekommen, da ich vorher woanders war). Steuerfreie Gutscheine gibts ebenfalls (wie bei Aldi Süd) und Inflationsumlage ist zumindest im Gespräch.

Aber eben nicht Klinik. Dem MB ist das ja alles völlig egal.

Heerestorte
27.09.2022, 17:02
Bei uns hat das gesamte Krankenhaus (inklusive Verwaltung und was sonst alles dazu gehört, einen Corona Bonus bekommen... Nur wir nicht. Es stand wörtlich drin:"... ausgenommen approbiertes Personal und Personal, welches zu dem Zeitpunkt in Elternzeit etc war."

Kannst dir nicht ausdenken sowas....

winton90
27.09.2022, 17:48
Ärzte gehören mittlerweile zur "mittleren" Mittelschicht, wenn man ohne Dienste rechnet. Sie gehören nicht mal zur "höheren" Mittelschicht (wovon man ab netto 3.040€) sprechen würde.
Ich hab vorher ne Ausbildung gemacht und würde mittlerweile mit einer 10-jährigen Berufserfahrung so viel verdienen wie ein Assistenz im 1. Jahr und hätte 6,5 Jahre zusätzlich Geld verdient, welches in Rente/Altersvorsorge geflossen wäre. Das 13. und 14. zusätzliche Weihnachts- und Urlaubsgeld nicht mal miteinberechnet.
Ich habe dort keine Dienste, eine starke Gewerkschaft, eine elektronische Zeiterfassung und sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten welche zur Gänze vom Arbeitgeber getragen werden (Meisterausbildung).

Mir gefällt der Arztberuf sehr und daran wird sich so schnell auch nichts ändern, ich würde die Entscheidung immer wieder so treffen. Ich stehe kurz vorm M3 und kriege das kalte Kotzen wenn ich KommilitonInnen frage was sie von den Tarifabschlüssen halten und antworten "ach mir ist das egal - als Arzt verdient man sowie gut".
Ich stehe noch weit vom Facharzt aber ich weiß jetzt schon, dass mir gedanklich eine Umorientierung raus aus der Krankenhauslandschaft nicht weit entfernt liegt. So sehr mir die Arbeit im Krankenhaus mit all seinen "negativen" Punkten wie fehlender Zeiterfassung, schlechter Dienstorganisation und DOkumentationsaufwand neben der Aufgabe eigentlich Arzt zu sein missfällt, würde ich die Arbeit am Patienten dennoch vermissen. Wie gesagt, das ist mein jetziger Standpunkt zum Ende des PJs.
Mit einer Niederlassung oder anderen Optionen von denen ich noch nicht weiß kann das alles ganz anders aussehen, darum soll es jetzt aber weniger gehen. Ich bin einfach nur endlos frustriert.

Loreleye
27.09.2022, 20:56
Das ist sehr traurig, dass so viele engagierte junge Menschen schon so schnell nach dem Berufsstart aus dem Arztberuf vergrault werden. Was denken denn eigentlich unsere Politiker? Denken Sie, dass sie und ihre Familien nie im Krankenhaus landen werden? Mit welcher Qualität will man denn selber behandelt werden?

freak1
27.09.2022, 21:04
Die Klasse von Politikern hat keinerlei Bezug zur Realität. Und selbst wenn das gesamte Gesundheitssystem komplett kollabiert, die haben genug Geld um ins Ausland zu gehen, wenn sie was haben. Oder ins Militärkrankenhaus.

Thomas24
27.09.2022, 21:21
Bei uns gabs mehrfach Corona-Sonderzahlungen (ich hab allerdings nur 2 mitbekommen, da ich vorher woanders war). Steuerfreie Gutscheine gibts ebenfalls (wie bei Aldi Süd) und Inflationsumlage ist zumindest im Gespräch.

Aber eben nicht Klinik. Dem MB ist das ja alles völlig egal.

Was ist denn bei euch mit Inflationsumlage genau gemeint?

Dooly
27.09.2022, 23:04
Politiker-Familie im Krankenhaus: https://mobile.twitter.com/orkanoezdemir/status/1574493197119631360
Orkan Özdemir, MdA (SPD) war mit seinem Kind in der Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses.

DerPhysicus
28.09.2022, 02:36
Habe soeben aufgrund der m.E. katastrophalen Tarifverhandlungen und der Berichte hier meine Kündigung beim MB per email eingereicht - ich bin gespannt ob es klappt!
Wenn es die (ex-)Gewerkschaft nicht schafft, dann muss man halt selber ran: Inflationsausgleich durch Ausgabenreduzierung. Nächster Vertrag wird dann entweder außertariflich selbst verhandelt oder der Mittelfinger gezeigt und tschüss Gesundheitswesen :)

Fand vor allem die Kommunikation suboptimal....ist vllt etwas zu vereinfacht gedacht, aber man hätte ja die Basis fragen können ob ok oder nicht. Kritik gab es ja anscheinend genug, wenn der MB dagegen schon öffentlich Stellung nimmt.

DrSkywalker
28.09.2022, 05:29
Politiker-Familie im Krankenhaus: https://mobile.twitter.com/orkanoezdemir/status/1574493197119631360
Orkan Özdemir, MdA (SPD) war mit seinem Kind in der Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses.

Was für ein Trottel. Er hat keine Ahnung, will völlig überarbeiteteres klinikpersonal verklagen weil es diesesmal ihn getroffen hat und ist abgeordneter in der Regierungspartei. Setzt sich seinen Angaben nach für Flucht und Integration ein. Die medizinische Versorgung von geflüchteten war ihm scheinbar als Herausforderung nicht bekannt.

Chriman
28.09.2022, 06:25
Politiker-Familie im Krankenhaus: https://mobile.twitter.com/orkanoezdemir/status/1574493197119631360
Orkan Özdemir, MdA (SPD) war mit seinem Kind in der Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses.

Danke fürs teilen, habe herzhaft gelacht. Da wurde Taifun wohl zum ersten mal von der Realität geküsst und war ganz entsetzt dass ihm sowas passiert und tobt sich ne Runde bei Twitter aus...Lappen