Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TdL Tarifverhandlungen 2022
Heerestorte
29.09.2022, 19:34
Klar, wie sonst kontrollierst du bitte die ganzen Kinder mit Hirntumoren? Musst danach halt röntgen, ob das Ventil noch richtig steht.
Ventrikelweite kannst du selbst bei unruhigen Kindern mit einer Sequenz beurteilen (FLAIR-BLADE, alternativ T2-BLADE).
Ja, stimmt. Ergibt Sinn :-))
Ich hatte vor zwei Monaten das gepostet:
In dem Zusammenhang hab ich gestern ein Interview vom BDI und dem MB gelesen zum Thema Entlastung für ärztliches Personal. https://www.bdi.de/themen-und-politik/nachrichten/meldung/uniklinika-wollen-selbst-mit-verdi-verhandeln/
Anscheinend wurde das bereits im Mai auf dem Deutschen Ärztetag diskutiert und ist bereits seit vielen Jahren in der Mache. Wenn ich das richtig verstehe, geht es letztendlich darum, dass eine Rechenformel für einen ärztlichen Personalschlüssel entwickelt werden soll.
Zu dem Thema gibt es am 26.10. eine Online Veranstaltung, bei der das Tool vorgestellt werden soll.
https://www.bdi.de/veranstaltungen/veranstaltung/mit-eigenen-daten-ueberzeugen-ein-aerztliches-tool-zur-personalplanung-im-krankenhaus/
Anne1970
01.10.2022, 12:17
Danke für die Verlinkung.
Die Tarifrunde weckt insgesamt wenig Interesse in der Gesundheitsbubble oder in der Allgemeinbevölkerung. Nun hat aber ein Pflegeinfluencer, der berufspolitisch und gewerkschaftlich engagiert ist und in der Nrw-Krankenhausbewegung medial sehr präsent war, die TdL Runde thematisiert. Auf den ersten Blick dachte ich, dass er den Begriff „Highlight“ ironisch verwendet. Es ist ein interessanter Einblick in die Sichtweise von Laien auf den MB bzw. den Tarifabschluss. Hab exemplarisch mal ein paar Kommentare angehängt, zu Themen, die hier schon diskutiert wurden.
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Deswegen schreibe ich da auf Twitter nichts mehr dazu. Denn immer, wenn man es wagt anzumerken, dass auf ärztlicher Seite einiges im Argen liegen, kommt garantiert jemand vorbei und schreit "Aber die Pflege...!". Und wenn man darauf dann antwortet, ist man die egoistische Ärztin, die eh schon genug verdient und total unkollegial gegenüber den Pflegefachkräften ist.
Ich finds krass, wie Influencing funktioniert. In den Kommentaren wird sich zum größten Teil auf die 4500 € „Corona-Bonus“ fixiert und dann mit dem eigenen Bonus verglichen. Dass das kein Corona-Bonus ist, spielt genauso wenig eine Rolle wie die katastrophalen Aussagen rund um die Tarifrunde und der Gewerkschaft. Es geht scheinbar darum, den Tarifabschluss zu diskutieren, aber niemand hat sich über die Tarifrunde informiert. Selbst mit der Auszahlung der 4500 € scheint sich niemand beschäftigt zu haben. Und niemand von denen hat ja ne schlechte Absicht (denk ich mal).
P. S.: Da schreibt jetzt sogar jemand, dass diese „Gehaltserhöhung“ „ein Schlag ins Gesicht für die Pflege“ sei. -_-
Bei Ärztemangel wird schnell reagiert. TOPKEK, ich habe NOCH NIE ein gesperrtes Bett in unserer Uni gesehen, weil es zu wenig Ärzte gab. Die gab es ausschließlich weil die Pflege zu wenig war...
Endoplasmatisches Reticulum
02.10.2022, 20:29
Ich habe noch nie jemals ein gesperrtes Bett wegen Ärztemangel gesehen - egal ob Uniklinik, Kreisklitsche oder whatever.
In einer früheren Abteilung wurde mir vor Vertragsunterschrift versichert, es wären so 4-6 Dienste im Monat je nach Urlaubssituation. Tatsächlich lief die Abteilung seit über einem Jahr mit 9-11 24-Stunden-Diensten pro Kopf, durchschnittlicher geplanter Workload im Dienstprogramm knapp 62 Stunden. Erst als ich daraufhin kurzfristig wieder gekündigt habe und die verbliebenen Ärzte dadurch 14 (!) Dienste im Monat hätten ableisten müssen, wurde das Wort "Honorkraft" erstmalig in den Mund genommen. Bettensperrungen oder gar OPs abzusagen kam aber selbst da noch lange nicht in Frage ...
An meinem letzten Arbeitsplatz war das Maximum offiziell 12 Patienten pro Arzt.
Da quasi gar keine Pflege mehr da war, hatte ich zwischenzeitlich durch Bettensperrungen nur 10 Patienten weil mehr mangels Pflege nicht machbar war. Dann war wieder mehr Pflege da, man konnte von pflegerischer Seite 18 Patienten versorgen und schon war das maximal 12-Patienten-pro Arzt Ding komplett vergessen und ich musste alleine 18 Patienten betreuen. Nichtmal null Arzt war Argument genug um Betten zu sperren, dann musste eben der Arzt aus Ambulanz oder Funktion schauen, dass er zwischendrin mal noch eben die Station macht.
Aber letzten Endes ist das Gras halt auf der anderen Seite des Zaunes immer grüner :-nix
Ich persönlich möchte auch echt nicht mit unseren Pflegekräftes tauschen und habe zum Glück auch ein Team aus Pflegekräften, die durchaus wissen, dass mein Job auch keine überzahlte Spaßveranstaltung ist.
Ich weiß, dass die Ambulanzpflege (Sprechstunde) von meiner Hiwi-Stelle dasselbe sagte. War die ärztliche Besetzung vorübergehend ausgedünnt, wurden Termine abgesagt. Als Pflegekräfte ausgefallen waren und es schwierig war, die Stellen nachzubesetzen, wurde die Ambulanz normal weiter betrieben und die Aufgaben der Pflege wurde teilweise auf das ärztliche und studentische Personal umgeleitet. Die Pflege hat sich konstant darüber beschwert. Wer weiß, was der Hintergrund dieses Postings oben ist, vielleicht so was ähnliches.
P. S.: Die Pflege hält den MB, das ärztliche Selbstverständnis und aus irgendwelchen Gründen auch die Ärztekammern für ganz mächtige Instrumente. Auch im o. g. Beispiel war es das Problem. „‚Die‘ können das einfach so entscheiden, an uns denkt niemand und wir dürfen nie mitreden.“
Als Pflegekräfte ausgefallen waren und es schwierig war, die Stellen nachzubesetzen, wurde die Ambulanz normal weiter betrieben und die Aufgaben der Pflege wurde teilweise auf das ärztliche und studentische Personal umgeleitet. Die Pflege hat sich konstant darüber beschwert. Wer weiß, was der Hintergrund dieses Postings oben ist, vielleicht so was ähnliches.
Klassiker. Pflege fällt aus, die Aufgaben werden den sowieso unterbesetzten Ärzten mit aufgebürdet und die Pflege beschwert sich trotzdem darüber.
Solange sich das Ausfallkonzept "dann macht's halt der Arzt" rentiert, sind wir viel, viel, viel zu billig. Gäbe es in den USA, bei dem Stundenlohn ab board certified, in tausend Jahren nicht.
Endoplasmatisches Reticulum
02.10.2022, 21:56
Wenn Ärzte und Studenten zur Erledigung pflegerischer Tätigkeitkeiten herangezogen werden, ist das doch kein "normaler Weiterbetrieb" der Ambulanz.
Im Zusammenhang mit der Anzahl der Termine halt. Fehlen Ärzt:innen kann man die Termine nicht einhalten, wenn die Pflege fehlt, dann eben schon. Die ärztliche Besetzung war im Normalfall sehr gut. Eine Spezialsprechstunde mit Terminen. Subjektiv war die Situation nun mal ein Problem für die Pflegekräfte und subjektiv fühlen sie sich immer übergangen. Genau wie die Leute auf IG.
Wenn ich in der Ambulanz keine Pflege habe, dann können die ja gerne weiter unverändert die Patienten einbestellen, die warten dann aber leider bis übermorgen weil ich ohne die Pflege/MFAs nur noch im Schneckentempo arbeiten kann. Das wäre auch der Fall wenn man nur eine der 4 Ambulanzmitarbeiter da wäre…da kann auch ein Student nichts rettern.
Das ist eben dieses subjektive Gefühl, dass man selbst es immer am schlimmsten hat. Das mein Tag als Ärztin auch eine absolute Katastrophe ist wenn ich mit komplett unterbesetztem Pflegepersonal in der vollen Ambulanz oder der Station sitze, wird halt dann gerne vergessen.
Dass die 3,35 % erst in einem Jahr kommen wird evtl auch nicht so wahrgenommen. Ich bin mal gespannt was demnächst mit den kommunalen KH verhandelt wird, der Vertrag läuft nur bis 12/22, bei dieser Signalwirkung des TDL Vertrags. Evtl. auch nur 0 Runde?
Endoplasmatisches Reticulum
03.10.2022, 09:32
Dass die 3,35 % erst in einem Jahr kommen wird evtl auch nicht so wahrgenommen.
Natürlich nicht. Dafür hat der MB ja gesorgt. Welcher Pfleger liest sich denn schon unseren Tarifabschluss im Detail durch? Die kennen halt die medial durchgereichten Überschriften, und da wurde dieses unwichtige Detail schon von der Quelle bewusst unterschlagen.
(Und die Minderheit, die sich doch umfassender informiert, liest dann vermutlich auch die Presseerklärung, in welcher zusammen mit der Einmalzahlung eine Lohnsteigerung von über 10 % gefeiert wurde ...)
Weniger als Nullrunde geht nicht. Vielleicht ist es ja auch vorteilhaft, dass nur das Geld verhandelt wird. Der MB sagte mal, dass sie bei jeder Runde Schwerpunkte setzen müssen und das ist in der anstehenden VKA Runde dann automatisch gegeben.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/beamten-bund-will-bis-zu-elf-prozent-mehr-gehalt-fordern-a-6007e721-a65a-433a-b5e1-4aab6b02b878
Sogar der deutsche Beamtenbund, der nicht streiken darf, fordert 8 bis 11 Prozent. Meint aber, sie sollten eigentlich das Doppelte fordern...
Relaxometrie
03.10.2022, 14:56
Weniger als Nullrunde geht nicht.
Warum?
"Wir geben hier die Ergebnisse der Tarifverhandlungen bekannt: ab sofort, und rückwirkend für die letzten 8 Monate, haben wir einen Tariflohn von -5,35% ausgehandelt. Wir bitten, den in den letzten Monaten zu viel gezahlten Lohn baldmöglichst auf folgendes Konto zu überweisen....." :-D
Hahaha stell dir das mal vor. 🫣 Jemand schrieb hier doch, dass die TdL nicht vorteilhafter mit sich selbst hätte verhandeln können. Hätten sie sehr wohl! Gibt ja auch immer noch keine offiziellen Infos zu den Entschlüssen der Tarifgremien, die TdL hat möglicherweise abgelehnt und eine Nachzahlung gefordert. 😂
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