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freak1
03.10.2022, 19:25
Warum?
"Wir geben hier die Ergebnisse der Tarifverhandlungen bekannt: ab sofort, und rückwirkend für die letzten 8 Monate, haben wir einen Tariflohn von -5,35% ausgehandelt. Wir bitten, den in den letzten Monaten zu viel gezahlten Lohn, baldmöglichst auf folgendes Konto zu überweisen....." :-D

Da muss nichts überwiesen werden, dass wird einfach verrechnet und vom nächsten Lohn abgezogen.

Relaxometrie
03.10.2022, 19:45
Stimmt....das wäre auch möglich.

Dooly
05.10.2022, 19:53
Charité hat mit 1000 Kolleg:innen gestreikt und einen Verein Berliner Ärzt:inneninitiative e. V. gegründet. Hab gelesen, dass 2700 Ärztinnen aufgerufen waren. (War überrascht, dass es so wenige sind.) Somit hat mehr als 1/3 gestreikt. Ordentlich! :jump:

P. S.: Orkan Özdemir hat auch einen Tweet vom Charité Streik repostet, sowie einen Tweet von der Initiative Berliner Kinderkliniken.
https://mobile.twitter.com/orkanoezdemir/status/1577557495278555136

Dooly
08.10.2022, 22:02
So, da komm ich nach Hause und find dieses Meisterwerk vor. Nun hat der MB endlich auch mal offiziell mitgeteilt, dass die Tarifkommission dem Abschluss zugestimmt hat. Und er kündigt große Dinge an. Drück euch die Daumen, dass das nicht nur heiße Luft ist. 33372
Kann das Bild leider nicht größer hochladen.

freak1
08.10.2022, 23:02
Keine heiße Luft? Ich bin sicher, da ist genauso viel Substanz hinter wie bei den durchschnittlichen Reden von Donald Trump. Oder jeder xbliebigen Rede eines deutschen Bundespolitikers in der Regierung...

Blaulicht86
09.10.2022, 08:45
Danke für das Teilen des Artikels.
Das Vertrauen ist bei den meisten einfach weg, jetzt muss der MB mit Taten erstmal in Vorleistung gehen. Bis dahin werte ich es als heiße Luft.

Endoplasmatisches Reticulum
09.10.2022, 09:53
Spannend. Man fragt sich, warum der MB so eine Erklärung nicht vor einem Monat abgegeben hat, wo er lieber die Einmalzahlung als Entgelterhöhung gepriesen, die eigene Ohnmacht hochgehalten und mit verschränktem Armen gegen die eigenen Mitglieder gestampft hat. Die Erziehungsschelle scheint zumindest vordergründig angekommen zu sein.

Unschlüssig finde ich die vorzubereitende Eskalation. Eine Eskalation, die der MB öffentlich ausgeschlossen hat, weil "Ärzte nicht zum Streiken zu bewegen" seien. Die Schuld wurde in der Haltung der Ärzte gesehen. Ich verstehe hier nicht ganz, was eine Ummodelierung der Streikkasse daran wesentlich ändern kann. Wenn keine Streikmentalität gegeben ist, ändert sich das wirklich dadurch, dass man eine Woche länger eine Gehaltskompensation anbieten könnte? Wie viel Puffer ist denn effektiv in so kurzer Zeit aufzubauen, ohne die Mitgliedsbeiträge noch Ende diesen Jahres zu vervielfachen? Oder wo kommt das Geld her?

Ich halte die Fokussierung auf die Streikkasse ohnehin für fragwürdig. Schaue ich, wie viele Leute aus meinem Abschlussjahrgang erst 1-2 Jahre nach Examen in den Beruf gestartet sind wegen Pausenbedürfnis, Doktorarbeit, Travellife, fachlicher Unschlüssigkeit, schnöder Unlust, oder whatever. Gewollte mehrmonatige Pausen zwischen zwei Stellen zum Verschnaufen sind gefühlt auch schon bald die Regel. Der Ruf nach Sabbaticals wird auch immer lauter. Da kommt schnell eine sechsstellige Summe an entgangenem Lohn zusammen. Aber ein paar Wochen anteiliger Gehaltsausfall für nachhaltige Verbesserungen sind unmöglich? Die sich nach 3 Jahren Coronamühle für viele auch noch wie zusätzlicher Urlaub anfühlen dürften? Ich denke, wenn ein Streik von den Ärzten tatsächlich haltungsbedingt nicht mitgetragen wird, ist das zumindest in breiter Masse eher kein monetär adressierbares Problem. (Was es nicht beser macht ...)

davo
09.10.2022, 10:11
Du bist manchmal echt extrem weltfremd.

Auch bei sehr gut verdienenden, sehr gut abgesicherten Menschen mit guten outside options sorgt ein Streik IMMER für finanzielle Sorgen und Ängste. Ein Streik ist für den einzelnen Arzt stets unfreiwillig, und man weiß nicht, wie lange er andauert, wann und wie er enden wird, etc. Ein Streik hat somit stets viel weniger Erholungseffekt als eine freiwillig gewählte Auszeit.

Also ja, eine solide Streikkasse ist eine wichtige Voraussetzung für die Zukunft. Ganz egal wieviele Ärzte sich gerne Auszeiten nehmen o.ä.

Endoplasmatisches Reticulum
09.10.2022, 10:23
Ich habe nirgends gesagt, dass eine Streikkasse unwichtig oder der Aufbau einer solchen nicht sinnvoll sei. Aber es ist als Angelpunkt einer 180°-Wende im Gebaren des MB vor dem Hintergrund der vor einem Monat noch verfochtenen Argumentation unschlüssig.

davo
09.10.2022, 10:26
Lies dir deinen eigenen Beitrag vielleicht nochmal durch...

Endoplasmatisches Reticulum
09.10.2022, 10:51
Keine Ahnung, warum du in letzter Zeit immer so getriggert bist. :-nix

Dieses Widersprechen aus Prinzip wird langsam rostig. Du pickst dir eine Aussage aus einem Drei-Paragraphen-Text heraus, ignorierst den Kontext, willst sie mit einer Aussage widerlegen die zu meinem Beitrag nichtmal wirklich im Konflikt steht, und ignorierst den ganzen übrigen, eigentlichen Inhalt des Beitrages. Geh auf das ein, was ich geschrieben habe, dann diskutiere ich gerne mit dir.

davo
09.10.2022, 11:19
Ich bin auf das eingegangen, was du geschrieben hast. Aber leider verkraftest du Gegenargumente nicht - wenn jemand eine andere Sichtweise als du hat, muss sie falsch sein.

h3nni
09.10.2022, 11:24
Ich dachte, das Argument war, man würde nicht nur für Lohn streiken. Nachdem nächstes Mal aber Schichtsachen und Bedingungen im allgemeinen (zusätzlich?) aufs Tapet gebracht werden sollen, würde ein Streik aber denkbar.

Endoplasmatisches Reticulum
09.10.2022, 12:01
Ich dachte, das Argument war, man würde nicht nur für Lohn streiken. Nachdem nächstes Mal aber Schichtsachen und Bedingungen im allgemeinen (zusätzlich?) aufs Tapet gebracht werden sollen, würde ein Streik aber denkbar.

Das ist eben der Knackpunkt.

Wenn die mangelnde Finanzierbarkeit des Streiks das Problem ist, muss die Finanzierung verbessert werden. Der nächste Abschluss steht fürs vierte Quartal 2023 an, das heißt die Gelder müssten umgehend mobilisiert werden. Da ist die Frage, wie genau das geschehen soll. Um eine perspektivisch relevante Veränderung zu erreichen, müsste die Streikkasse deutlich aufgestockt werden. Kann das Geld durch Umschichtung innerhalb des MB mobilisiert werden? Wenn ja, von wo? Alternativ braucht es massive Beitragserhöhungen jetzt sofort - also bereits in der Beitragszahlung Anfang Januar. Andernfalls werden die benötigten Gelder nicht rechtzeitig vorhanden sein, um dem Marburger Bund im Laufe des nächsten Jahres bei Verhandlungseintritt zur Verfügung zu stehen. Dieser erhöhte Betrag stünde aber in jedem Fall im nächsten Jahr nur einmalig gezahlt zur Verfügung - logisch. Also wie hoch müsste der Aufschlag sein, um die Streikkasse so deutlich aufzustocken, dass ein zuvor lt. MB überhaupt nicht finanzierbarer Streik plötzlich über Wochen oder gar Monate möglch wird? Und wenn dieser Betrag rechnerisch feststeht - wäre er politisch ohne Aufschrei und erneute Austrittswelle kommunizierbar? Ich weiß es nicht. Die entsprechenden Größen sind m.W. nicht publik. Aber ich bin skeptisch.

Wenn die mangelnde Streikbereitschaft aber in der Haltung der Ärzte selbst liegt, und das war bisher das hauptsächliche Argument des MB, muss man sich eben fragen, warum und was nächstes Jahr anders wird. Wenn ein Reallohnverlust von > 10 % nach drei Jahren Corona aus Sicht des MB nicht genug Triebstoff für einen Streik geboten hätte, halte ich es für fraglich, ob das bloße in den Topf schmeißen einiger struktureller Verbesserungen unklaren Ausmaßes und noch unklarerer Durchsetzbarkeit aus AiW-Sicht plötzlich die Mauer bricht und die Leute in breiter Masse zum streiken bringt. Der MB hat behauptet, das wäre der Fall. Ich habe Zweifel. Aber das ist am Ende Meinung gegen Meinung ...

h3nni
09.10.2022, 12:19
Naja, an der Charité haben am Warnstreik auch 1000 von 3000 Ärzten teilgenommen. Also ganz streikmüde sind Ärzte glaub nicht unbedingt.
Berichterstattung war zwar deutlich weniger als Eurowings oder IG Metall, aber war schon ein Zeichen, finde ich.

Endoplasmatisches Reticulum
09.10.2022, 12:45
Naja, an der Charité haben am Warnstreik auch 1000 von 3000 Ärzten teilgenommen. Also ganz streikmüde sind Ärzte glaub nicht unbedingt.
Sehe ich ganz genau so! :)

Man weiß es natürlich nicht, bis man es probiert hat. Aber der MB hatte dieses Jahr in oligokratischer Manier entschieden, dass es der Fall sei. Hier im Forum teilten ja auch nicht wenige Kollegen diese Auffassung.

Salatsultan
10.10.2022, 16:12
Die Situation ist an der Charité anders. Meiner Meinung nach ist das zwar völlige Energieverschwendung aber die Kolleg*innen dort sind sehr engagiert und kampfbereit.

Das halt. Wenn das größte andere Engagement in Kündigungsschreiben und dem einfordern von Bestätigungen dieser liegt ... ngmi

Salatsultan
10.10.2022, 16:15
Ich finds krass, wie Influencing funktioniert. In den Kommentaren wird sich zum größten Teil auf die 4500 € „Corona-Bonus“ fixiert und dann mit dem eigenen Bonus verglichen. Dass das kein Corona-Bonus ist, spielt genauso wenig eine Rolle wie die katastrophalen Aussagen rund um die Tarifrunde und der Gewerkschaft. Es geht scheinbar darum, den Tarifabschluss zu diskutieren, aber niemand hat sich über die Tarifrunde informiert. Selbst mit der Auszahlung der 4500 € scheint sich niemand beschäftigt zu haben. Und niemand von denen hat ja ne schlechte Absicht (denk ich mal).

P. S.: Da schreibt jetzt sogar jemand, dass diese „Gehaltserhöhung“ „ein Schlag ins Gesicht für die Pflege“ sei. -_-

Das Argument, dass die Ablehnung dieser Einmalzahlung zumindest möglicherweise medial um die Ohren geflogen wäre (und man möglicherweise mehr wirklich nicht holen konnte) ist halt nicht vollkommen ungerechtfertigt - auch wenn hier die Rezeption anders ist.

Dooly
10.10.2022, 18:24
Wie jetzt? Ein Argument für die Einmalzahlung ist, dass die Ablehnung dessen dem MB oder seinen Mitgliedern medial um die Ohren geflogen wäre? Der Unterschied zu der Prämie, die während der VKA Runde angeboten wurde liegt am höheren Betrag?
33373

Wir können ja mal hier festhalten, damit das Nachvollziehen einfacher wird, was in Berlin noch passieren wird. Was sind die Forderungen? Die hier vom April?
https://www.marburger-bund.de/berlin/brandenburg/meldungen/tarifverhandlungen-fuer-aerztinnen-und-aerzte-der-charite-starten-am
6,9 % Lohnerhöhung
Weniger Bereitschaftsdienste
Zuverlässige Dienstplanung
Zuschläge bei kurzfristigem Einspringen
weitere Zuschläge bei Sa+So+Feiertagsdienst
Konkreter steht da nix, im Juni wurde dasselbe mitgeteilt, außer der Gehaltserhöhung.
Bin gespannt, wie dieser Thread weiter altern wird.

Salatsultan
11.10.2022, 06:47
Natürlich ist das ein Argument. Wie gewichtig kann sich jeder selber beurteilen. Wenn du eine Einmalzahlung die den Monatslohn vieler Menschen in Deutschland übersteigt ablehnst (und wie beschissen und vergiftet so eine Zahlung ist haben wir ausreichend diskutiert), wird dir das medial um die Ohren gehauen und zieht die interprofessionellen Gräben halt noch tiefer.

Aber fair - auch die Zahlung sorgt jetzt für böses Blut :)