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Endoplasmatisches Reticulum
29.10.2022, 17:01
Die bekommen die mickrigen 3,9 % (bei > 10 % Inflatio)
Schlimmer!

10,4 % Steigerung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahr (Quelle (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/10/PD22_458_611.html))
+ 4,5 % zum Zeitpunkt "Oktober 2021" (Quelle (https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/Tabellen/Verbraucherpreise-12Kategorien.html#236118))

Der reale Kaufkraftverlust seit der Vortarifrunde liegt also eher im Bereich von 14 - 15 % und könnte bei aktueller Tendenz bis zum Jahresende (wo die Tabellenerhöhung dann greifen wird) die 17 - 18 % knacken.

Ich halte den Verbraucherpreisindex dabei für unterschätzend. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke haben aktuell eine Verteuerungsrate von 18 % (!), Wohnung/Wasser/Strom/Gas/Brennstoffe von 13 %. Tendenz weiter steigend. Das ist wohl für die meisten relevanter als die 6,1 % bei Alkohol/Tabak und die 3,4 % bei Bekleidung und Schuhe, die den Gesamtindex (Mittelwert der vier Kategorien) runterdrücken. Realistisch haben wir über 2 Jahre die 20 % bereits geknackt.

milz
29.10.2022, 17:25
Die ökonomische Frage ist, wie die Krankenhäuser deutlich höhere Löhne finanzieren sollen, wenn sie ebenfalls unter der Inflation leiden und vielfach auch so schon in den roten Zahlen sind. Die bekommen deswegen ja auch nicht mehr Geld von der GKV oder vom Staat und können nicht wie andere Wirtschaftsunternehmen einfach die Preise erhöhen.

Endoplasmatisches Reticulum
29.10.2022, 17:43
Naja, es ist ja nicht so als existierten da keine Ansätze.

Es gibt Häuser, die kriegen das gut hin, und es gibt solche, bei denen klappt das überhaupt nicht. Da wäre eine Frage, worin der Unterschied liegt und ob sich daraus Innovationshebel für die schwarzen Schafe ergeben.

Dann könnte man die Länder ins Visier nehmen. Die sind zuständig für die langfristige Finanzierung von Erhaltungs- und Investitionsprojekten, kommen ihrer finanziellen Verantwortung aber seit vielen Jahren nicht nach. Das war einer der Gründe, warum die Krankenhäuser angefangen haben, ihre Betriebsumsätze statt zur Refinanzierung u.a. des Personals ins verrottende Anlagevermögen (Gebäude, Ausbau, langfristig abschreibbare Maschinen) zu stecken. Und das wiederum hat u.a. dazu geführt, dass die Pflege aus den DRGs ausgegliedert wurde, um das dafür von den Krankenkassen entrichtete Geld gewissermaßen "zweckzubinden". Die von den Ländern geschaffene Finanzierungslücke im Anlagebereich wurde in Teilen durch Umlagerung von Krankenkassengeldern gestopft und so in eine Finanzierungslücke im Personalbereich umgewandelt. Ob das als Argument für eine Arbeitsentwertung der Arbeitnehmer so haltbar ist?

Man kann Leistungen umverteilen um Redundanzen abzubauen und Löcher im Fass zu stopfen. Das wird auch seit Jahren mit kleineren Reformen praktiziert. Es geht aber unter, weil das ganze System an allen Ecken und Enden so dermaßen krankt, dass man im Wesentlichen mit einem Zahnputzbecher versucht, Wasser vom Deck der Titanic zu schaufeln.

Konzeptuell immer weiter sinkende DRGs erzeugen finanziellen Spielraum. Der wird wieder aufgefressen u.a. von den steigenden Fallzahlen bei alternder Bevölkerung etc. Wenn die Bevölkerung immer älter wird und dadurch die Gesundheitsausgaben natürlicherweise ansteigen - statt wie gerne vorgeworfen durch Missbrauch der Leistungserbringer -, dann muss man mal in sich gehen und als Bevölkerung moralisch überlegen, ob man mehr Geld für Gesundheit ausgeben will oder lieber - erneut - die Arbeit des Gesundheitspersonals entwertet. Und wie nachhaltig so ein Ansatz ist bei einem Strukturproblem in der Bevölkerung, das so schnell nicht verschwinden oder sein Wachstum umkehren wird.

Man kann den Topf größer machen. Das ist ja keine Kulturkonstante, sondern eine makropolitisch sehr bewusst getroffene Entscheidung. Das auf die kleinen Arbeiter abwälzen ist nur der einfachste Weg.

SineNomine
30.10.2022, 08:55
Die ökonomische Frage ist, wie die Krankenhäuser deutlich höhere Löhne finanzieren sollen, wenn sie ebenfalls unter der Inflation leiden und vielfach auch so schon in den roten Zahlen sind. Die bekommen deswegen ja auch nicht mehr Geld von der GKV oder vom Staat und können nicht wie andere Wirtschaftsunternehmen einfach die Preise erhöhen.

na doch - DRGs basieren auf Durchschnittskosten. werden wir im Durchschnitt teurer, erhöhen sich auf Sicht auch die DRGs. Und zwar nur dann. Ansonsten könnten wir nie eine Lohnsteigerung erreichen, weil das im DRG nie vorgesehen ist. Oder manmachts wie die Pflege und wird aus den DRGs rausgenommen.

FirebirdUSA
30.10.2022, 10:18
Ich würde mal behaupten Krankenhäuser die nicht „optimiert“ abrechnen oder eine gewisse Selektion bei den Krankheitsbildern betreiben, die sie versorgen sind in der Regel in den roten Zahlen. Wenn alle sich so verhalten wie die in den schwarzen Zahlen würde die Versorgung ganz schön mau aussehen, davon bin ich überzeugt.
Klar müssen die Länder es finanzieren, aber auch dort klaffen große Lücken - mal eine Schule von innen gesehen in letzter Zeit? Auch da mag es Ausnahmen geben - mal davon abgesehen, dass Länder und Kommunen auch die Heizkosten etc weiter tragen müssen (denen geht es ja nicht anders wie Privathaushalten)… das ist aber natürlich alles kein Grund nach wenigen Tagen sich mit einer Einmalzahlungen zufrieden zu geben.

h3nni
01.11.2022, 19:40
https://mobile.twitter.com/steffenveen/status/1587459276951502849

Und klar verdienen Flugbegleiter weniger als Ärzte, aber mehrere Einmalzahlungen und zumindest 9% mehr für alle, vielleicht überleg ich mir doch noch einmal die Rückgabe der Approbation :/

Bluej
18.11.2022, 07:37
IG Metall Abschluss ist durch. 8,5 % mehr Gehalt und 3000 Euro steuerfrei. Im Durchschnitt erhält ein Facharbeiter 7000 Euro mehr Gehalt.

h3nni
18.11.2022, 07:52
Ja, auf 24 Monate. 5 Prozent im Juni, 3 Prozent ab Mai 24.
Und die Einmalzahlung auch aufgeteilt in 2 Tranchen März 23 und 24.

Nefazodon
18.11.2022, 08:20
Aber immer noch besser als der Tarifabschluss des Marburger Bundes mit der TdL.

Bonnerin
18.11.2022, 09:36
Aber immer noch besser als der Tarifabschluss des Marburger Bundes mit der TdL.

Tiefer kann man die Messlatte aber auch nicht anlegen...

freak1
18.11.2022, 17:30
Klar, der MB hätte -10% Gehalt und Rücknahme der Dienstobergrenzen sowie Ausnahmegenehmigung für 48h Anwesenheitsdienste entgegen des AZSG vorschlagen können.

Heerestorte
18.11.2022, 17:57
Ich bin ja gespannt, wie es uns erwischt... Ver.di fordert für uns 10,5%, jedoch mindestens 500€. Im Januar geht es los.

h3nni
18.11.2022, 18:17
Pscht Torte, Verdi ist der Teufel und Ärztehasser! Die können nichts vernünftiges rausbringen!

Heerestorte
18.11.2022, 18:31
Pscht Torte, Verdi ist der Teufel und Ärztehasser! Die können nichts vernünftiges rausbringen!

Naja, die verhandeln halt für mehrere Millionen Angestellte des Bundes/Kommunen und für Soldaten wird die Besoldung dann daran angeglichen, also abwarten :-))

https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++d6eea43e-496f-11ed-895d-001a4a160129

Chriman
18.11.2022, 18:33
Ich bin ja gespannt, wie es uns erwischt... Ver.di fordert für uns 10,5%, jedoch mindestens 500€. Im Januar geht es los.

Sorry,leicht off topic:

Wie verhält sich das eigentlich bei euch als Sanitätsoffiziere? Bekommt ihr straight den Sold eurem Dienstgrad entsprechend oder wird das ggf (nach oben) angepasst?

Heerestorte
18.11.2022, 19:27
Sorry,leicht off topic:

Wie verhält sich das eigentlich bei euch als Sanitätsoffiziere? Bekommt ihr straight den Sold eurem Dienstgrad entsprechend oder wird das ggf (nach oben) angepasst?

Immer eine Stufe höher als es dem "normalen" Dienstgrad entspricht.

schnix25
30.11.2022, 13:44
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/139287/Tarifabschluss-fuer-Aerzte-der-Charite-mehr-Gehalt-Sonderzahlung-neue-Arbeitszeitdokumentation

Es geht also auch anders. Insgesamt schade, dass die Arbeitsbedingungen zwischen den bundesländern immer weiter auseinanderdriften und es der MB nicht schafft einen einheitlichen Tarifabschluss zu erzielen. Insbesondere die 5 Tage Fortbildung sollten an allen Unis Standard werden.

davo
30.11.2022, 13:56
Aus strategischer Sicht dennoch ein enormer Vorteil für die Arbeitnehmerseite. Einheitliche Tarifverträge stellen den kleinsten gemeinsamen Nenner dar, sind meist recht schlecht für die Arbeitnehmer. Durch Differenzierung kann Konkurrenz entstehen und die Arbeitgeber müssen sich gegenseitig überbieten - für die Arbeitnehmer mittel- und langfristig die viel bessere Variante.

Das mit der Arbeitszeitdokumentation ist ein enormer Fortschritt, und das mit dem kurzfristigen Einspringen ist ebenfalls wichtig.

Choranaptyxis
30.11.2022, 13:59
Das mit der Arbeitszeitdokumentation ist ein enormer Fortschritt, und das mit dem kurzfristigen Einspringen ist ebenfalls wichtig.

Das liest sich für mich auch so. Und nicht noch so etwas wie war ja nicht angeordnet, wird nicht freigegeben durch OA o.ä.

Dooly
11.12.2022, 11:49
Aber gut, der MB hat mir (außer beim Geldeintreiben) ja wie gesagt noch nie geantwortet.


Hab alles an den LV weitergeleitet und noch ein kleines Anschreiben davor gesetzt, in dem ich meine Kritik mitgeteilt hatte, sowie erneut um die Bestätigung meiner Kündigung gebeten hatte. Aber ich werd weiterhin geghostet. Vielleicht melden die sich im Juni 23 dann mit ner Zahlungsaufforderung.

Kurze Realsatire vom Muchti-Verein und meiner Kündigung von 06/22, die in E-Mail Form nicht akzeptiert und in geforderter Form nie bestätigt wurde. Gestern hab ich tatsächlich Post bekommen. Allerdings eine Zahlungsaufforderung für den Mitgliedsbeitrag. :-peng


Die Landesverbände werden daher noch in diesem Herbst mit einem Dialog über die zukünftige Ausrichtung der Tarifpolitik für die Universitätsklinika beginnen. Hierzu werden sowohl Netzwertreffen vor Ort wie auch im Online-Format stattfinden, in denen wir vor allen Dingen Ihre Sicht auf die Arbeitsbedingungen und die notwendigen Änderungen erfahren wollen. Zugleich sollen diese Treffen aber auch der Vernetzung untereinander und mit dem Verband sowie dem Aufbau von belastbaren Strukturen für die zu erwartende Auseinandersetzung mit der TdL dienen. Zugleich wollen wir mit Ihnen aber auch darüber diskutieren, was aus Ihrer Sicht notwendig ist, einen – möglicherweise auch langen – Arbeitskampf erfolgreich zu führen.War das an einem Standort im Herbst erfolgt? Bei uns war gar nix los.