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dissection
24.08.2022, 10:21
Die Klage ist der Gruß des Kaufmanns.
Die Artikel von Ärzteblatt und Co. mit den Gehältern : s.o.


Da stehe ich zu. Hätte ich nicht gedacht, dass man im Gesundheitswesen in manchen Bereichen relativ gesehen so wenig arbeiten kann bei so gutem Verdienst. Im Krankenhaus brannte immer die Hütte angesicht von Überstunden, Personalmangel und wenig attraktiven Diensten. Darf man nicht mal mehr seine Meinung vertreten, die anderen offenkundig nicht passt?

LOL. Dir scheint der Horizont für die Verdienstmöglichkeiten in Bereichen ausserhalb des Gesundheitswesens zu fehlen. Wenn du als Ingenieur oder Informatiker in die IT-Beratung gehst, bei so Läden wie Capgemini rumpimmelst (ja, ich kenne das Arbeitstempo und die Arbeitsdichte dort sehr gut) und dann als Senior Manager nen entspannten Job bei IGM machst verdienst du dort 150k und damit ein bisschen weniger als die Hausärzte in meiner Fam in der eigenen Praxis. Letztere haben aber vorher 7 Jahre studiert, 7 Jahre Facharztausbildung (ja wenn man sich breit weiterbilden will kann der internistische Facharzt an der Klinik auch mal 1-2 Jahre länger dauern), Praxisinvestionen, Arbeitgebertätigkeit, Bedarfsplanung, Stress mit MDK und KVB hinter sich. Von der Verantwortung einens Facharztes (du bist letzte Instanz und deine Aussage bzgl Diagnostik zählt) ganz zu schweigen. Deine Aussage ist also dahingehend schlichtweg falsch: a) wenig arbeiten b) viel verdienen.

Wieso überlege ich nun nach 4 Jahren kompetitiver Innerer Medizin mit Forschung und Lehre an der Uniklinik zu McK oder BCG zu gehen? Von full stack IT developpern (in working from home und teilweise overemployment) ganz zu schweigen. Der Vorteil der Praxisinhaber besteht lediglich in Steuergestaltungsmöglichkeiten in Selbstständigkeit/Freiberuflichkeit, das ist in DE mitunter der wichtigste Faktor für das was auf dem Konto landet.

Hör einfach auf Leute wie Thomas und Skywalker die den ambulanten Sektor gut und lange kennen und wissen was man in Zusammenschau für das fürstliche Gehalt (LOL #2) leisten muss. Was auf sie zukommt, siehe hier: https://app.handelsblatt.com/politik/deutschland/gesetzliche-krankenversicherung-33-milliarden-euro-defizit-droht-wenn-lauterbach-nicht-reagiert-wird-es-teuer-fuer-versicherte/28620274.html

Abschließend bleibt festzuhalten: Wir befinden uns hier im Thread zu den aktuellen Tarifverhandlungen und es ist schon extrem bezeichnend, dass ein Streit zwischen den verschiedenen Akteuren des deutschen Gesundheitswesens entbrennt. Ich kann hier nur für Solidarität und Kollegialität werben, wir alle wissen wie beschissen die Facharztausbildung mitunter ist und was Niedergelassenen mehr an Verantwortung tragen. Fallt nicht dem Prinzip von Divide et Impera anheim. Die Tatsache dass auch Ärzte relevant an Wohlstand verlieren werden und in der Mittelschicht (wenn sie es nicht geschickt anstellen) absteigen können ist nicht nur der Gesundheitspolitik geschuldet. Die expansive Geldpolitik zugunsten der Eigentümer harter Assets, Stimuli für alle zur Sicherung der Wählerschaft (Inflation Reduction Act, seriously, mehr Öl ins Feuer?), eine Unterinvestition in die wirklich tragenden Säulen der Gesellschaft (blue collar jobs, Rohstoffe, Energie,...), notwendige Deglobalisierung und reshoring (ergo Inflation die uns über die nächsten paar Jahre erhalten bleibt) bei gleichzeitigem Rennen von einer spekulativen Blase in die nächste, das ist das Problem. Das enteignet euch und raubt euch eure Kaufkraft.

WiWi18
24.08.2022, 10:46
LOL, wer kennt Sie nicht, die üppigst bezahlten Fach/Oberärzte und Niedergelassenen, mit ihrer extrem guten Lobby...
Die eine GOÄ auf dem Stand von 1996 (!!!) haben und seit Jahren Steigerungen unterhalb der Inflationsrate erfahren, während die Kosten für Personal, Mieten, EDV, sonstige Auflagen etc. natürlich ebenfalls auf dem Stand von 1996 eingefroren geblieben sind. DSGVO, IT, KIM, QM etc. verursachen ja gar keine Kosten :-keks.

Floatender Punktwert im EBM? Kein Problem- wir rechnen ja zu einem Festpreis ab, dessen Wert ja bereits im Vorhinein feststeht und nicht erst 2 Quartale später... :-slap Mengenbegrenzung, Budget, Regresse, Richtlinien und Prüfziffern- alles kein Thema im echten Leben, nur Hetze aus der rechten Springer Presse- denn das Gesundheitssystem ist ja ein unerschöpfliches Füllhorn *gefaelltmirnicht*


A propos Punktwert und Inflation: Der EBM-Punktwert steigt doch nur um ca. 1% pro Jahr, Inflation hin oder her?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein zweistelliges Inflationsniveau für die meisten Praxen lange gutgeht. 10% Real-Umsatzkürzung sind ja nicht 10% Gewinnkürzung. Hast du als Praxis eine Reinertragsmarge von 40% (?), und Kosten von 60%, und deine Kosten steigen um 10%, dann verschiebt sich das Verhältnis zu 66% vs 34%, man hat also de facto eine Reinertragskürzung von 6/40 ~ 15%.

Entsprechend ist nach 3-4 Jahren die Hälfte deines nominalen (!) Reinertrages in der Luft verpufft.

Besserung ist nicht in Sicht, das Gesundheitssystem ist ja de facto jetzt schon pleite (siehe Handelsblatt von heute).

Wenn jemanden die Gehälter interessieren, die bei McKinsey, BCG und Bain ("MBB") so gezahlt werden (kenne mehrere Leute, die bei diesen Läden arbeiten): Einstieg mit Promotion mittlerweile 130k, innerhalb von zwei Jahren steigt das Gehalt automatisch auf 150-160k. Dann kann man sich entscheiden ob man auf irgendeine Strategiestelle im Konzern abhaut (selbes Gehalt, sehr viel weniger Arbeit), in der Beratung bleibt, sofern man die Beförderung zum Teamleiter schafft (Gehalt steigt innerhalb von ~3 Jahren auf bis zu 250k), oder zu irgendeinem Investmentfonds geht (direkt deutlicher Gehaltssprung, aber nochmal mehr Arbeit als in der Beratung).

Kenne auch Leute, die ein duales Studium gemacht haben (3 Jahre), im selben Konzern eingestiegen sind und nach 5 Jahren dort mittlerweile im außertariflichen Bereich gelandet sind. Vertragliche und tatsächlich konsequent durchgezogene 40h-Woche, Gehalt über 100k ohne Bonus. Bei denen schlägt sich der "Fachkräftemangel" auch im Gehalt wider. Anders als bei uns, wo bei sinkendem Reallohn einfach die Besetzung schlechter wird.

Mit Juristen in Großkanzleien (viele verlangen nicht mal mehr Prädikat, und selbst das schaffen gut 30%, in einem quasi NC-freien Studienfach), müssen wir gar nicht anfangen.

Ja, im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung verdienen wir ganz gut. Aber wenn man unser Gehalt ins Verhältnis zur Ausbildung, Arbeitszeit und zur Verantwortung setzt, ist es einfach nicht mehr verhältnismäßig. Und durch die Inflation wird es absehbar immer schlimmer.



Abschließend bleibt festzuhalten: Wir befinden uns hier im Thread zu den aktuellen Tarifverhandlungen und es ist schon extrem bezeichnend, dass ein Streit zwischen den verschiedenen Akteuren des deutschen Gesundheitswesens entbrennt. Ich kann hier nur für Solidarität und Kollegialität werben, wir alle wissen wie beschissen die Facharztausbildung mitunter ist und was Niedergelassenen mehr an Verantwortung tragen. Fallt nicht dem Prinzip von Divide et Impera anheim. Die Tatsache dass auch Ärzte relevant an Wohlstand verlieren werden und in der Mittelschicht (wenn sie es nicht geschickt anstellen) absteigen können ist nicht nur der Gesundheitspolitik geschuldet. Die expansive Geldpolitik zugunsten der Eigentümer harter Assets, Stimuli für alle zur Sicherung der Wählerschaft (Inflation Reduction Act, seriously, mehr Öl ins Feuer?), eine Unterinvestition in die wirklich tragenden Säulen der Gesellschaft (blue collar jobs, Rohstoffe, Energie,...), notwendige Deglobalisierung und reshoring (ergo Inflation die uns über die nächsten paar Jahre erhalten bleibt) bei gleichzeitigem Rennen von einer spekulativen Blase in die nächste, das ist das Problem. Das enteignet euch und raubt euch eure Kaufkraft.

So ist es. Durch die harten Reallohnsenkungen wird der Arztberuf nochmal unattraktiver - ganz besonders im niedergelassenen Bereich. Irgendwie stimmt der Deal mittlerweile einfach nicht mehr.

Sehe, speziell für uns, aber auch keine Lösung außer einer radikalen Reform des Gesundheitssystems, wobei aktuell niemand die politische Kapazität dafür hat. Unterstützung aus der Bevölkerung brauchen wir uns nicht erhoffen - man schaue nur mal in die Kommentarspalten der großen Zeitungen bei Artikeln über die Situation in deutschen Krankenhäusern. Die deutsche Neidkultur gönnt niemandem, mehr zu verdienen als man selbst, egal, wie hart dafür gearbeitet wurde, und gleichzeitig wird vom Gesundheitspersonal irgendwie erwartet, aus reiner Menschenliebe zu arbeiten ("Berufung, nicht Beruf").

h3nni
24.08.2022, 11:41
Ich befürchte ehrlich gesagt auch noch größere politische Umwerfungen mit nichtärztlichem Personal. Wieso braucht man Notärzte, wenn man Notfallsanitäter (mittlerweile mit Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde) hat, bildgebende Kardiologen, wenn das Echo auch die MTFAs machen können usw?
Ich glaub, ich habe das schon einmal gesagt, aber nur die Tatsache, dass wir am Ende unterschreiben und Verantwortung übernehmen, rechtfertigt nicht die Masse und das Gehalt, das bezahlt wird (befürchte ich), wenn es drauf ankommt. Wenn nicht "gehorcht" wird, dann gibt es einfach weniger Ärztestellen, weil auch nichtärzte sie besetzen dürfen.

anignu
24.08.2022, 12:43
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein zweistelliges Inflationsniveau für die meisten Praxen lange gutgeht. 10% Real-Umsatzkürzung sind ja nicht 10% Gewinnkürzung. Hast du als Praxis eine Reinertragsmarge von 40% (?), und Kosten von 60%, und deine Kosten steigen um 10%, dann verschiebt sich das Verhältnis zu 66% vs 34%, man hat also de facto eine Reinertragskürzung von 6/40 ~ 15%.

Entsprechend ist nach 3-4 Jahren die Hälfte deines nominalen (!) Reinertrages in der Luft verpufft.
Mei, musst halt schneller arbeiten ;-)

freak1
24.08.2022, 12:56
Einfach mehr Privatpatienten behandeln.

Dooly
24.08.2022, 16:34
Sehe, speziell für uns, aber auch keine Lösung außer einer radikalen Reform des Gesundheitssystems, wobei aktuell niemand die politische Kapazität dafür hat. Unterstützung aus der Bevölkerung brauchen wir uns nicht erhoffen - man schaue nur mal in die Kommentarspalten der großen Zeitungen bei Artikeln über die Situation in deutschen Krankenhäusern. Die deutsche Neidkultur gönnt niemandem, mehr zu verdienen als man selbst, egal, wie hart dafür gearbeitet wurde, und gleichzeitig wird vom Gesundheitspersonal irgendwie erwartet, aus reiner Menschenliebe zu arbeiten ("Berufung, nicht Beruf").In den letzten Tagen kamen viele Berichte zu den Auswertungen des "MB Monitor" und in den Kommentaren wird meistens vom Thema abgelenkt darauf, wie schwer es anderen Leuten in anderen Jobs geht. Gewissermaßen verstehe ich das auch, dass man kein vollständiges Bild von nem fremden Beruf bekommt, egal, wie viel man versucht eine Situation zu erklären. Tlw. hat man das ja sogar aus demselben Beruf in den verschiedenen Fachgruppen.

Das Medizinstudium ist so begehrt und für viele ist der ärztliche Beruf ein absoluter Traumberuf oder für bestimmte Interessierte sogar Berufung. Häufig wird als Grund für den Berufswunsch genannt, dass man Menschen helfen will. Das find ich auch problematisch, egal, ob das die tatsächliche Motivation ist oder ob man nur denkt, dass das gesellschaftlich die einzig akzeptable Antwort ist. Damit verpflichtet man sich moralisch selbst. Ich find übrigens, dass auch Gründe, wie hohes Ansehen oder hohes Gehalt, sich mit der Zeit relativieren.
Die Pflege ist da, meiner Meinung nach, sogar noch mehr am Arsch. Der spricht man mit dem Berufungs-Quatsch auch noch die Fachlichkeit ab. Während des Streiks in NRW ist die Stimmung in der Bevölkerung merklich gekippt. Von irgendwelchen Lappen, die nicht eine Sekunde im Gesundheitswesen gearbeitet haben, wird sowohl vor Ort als auch online randaliert. "Wie viele Menschen sind schon wegen des selbstsüchtigen Streiks gestorben?" "Wer so was zulässt ist falsch im Beruf."

Ich hoffe es kommen gleich noch Neuigkeiten zu den Verhandlungen von heute. Bin sehr gespannt!

WiWi18
24.08.2022, 17:04
In den letzten Tagen kamen viele Berichte zu den Auswertungen des "MB Monitor" und in den Kommentaren wird meistens vom Thema abgelenkt darauf, wie schwer es anderen Leuten in anderen Jobs geht. Gewissermaßen verstehe ich das auch, dass man kein vollständiges Bild von nem fremden Beruf bekommt, egal, wie viel man versucht eine Situation zu erklären. Tlw. hat man das ja sogar aus demselben Beruf in den verschiedenen Fachgruppen.

Ja. Aber ich kenne genug Leute außerhalb der Gesundheitsversorgung und die sind eigentlich durch die Bank fassungslos, wenn man ihnen erzählt, was so in den Kliniken abläuft.



Während des Streiks in NRW ist die Stimmung in der Bevölkerung merklich gekippt. Von irgendwelchen Lappen, die nicht eine Sekunde im Gesundheitswesen gearbeitet haben, wird sowohl vor Ort als auch online randaliert. "Wie viele Menschen sind schon wegen des selbstsüchtigen Streiks gestorben?" "Wer so was zulässt ist falsch im Beruf."


Entspricht leider der deutschen Mentalität, Gesundheitsdienstleistung nicht als Dienstleistung, sondern als elementares Menschenrecht zu sehen (zu einem gewissen Teil stimmt das auch), das ihnen jederzeit und in maximalem Umfang zusteht (stimmt schonmal nicht) und dessen Verknüpfung mit Monetarisierung daher eine Art Frevel ist, als wollte man die Luft zum Atmen versteuern.

Hinzu kommt der Sozialneid. Dass ein Assistenzarzt für seine 3000-4000€ netto gerne mal 50-60h die Woche knechtet (gibt da ja einen anderen, interessanten Thread) ist dann auch egal. Dass ein Praxisinhaber mit 150-200.000€ Reingewinn eine enorme Investition und jahrzehntelange Ausbildung hinter sich hat (neben Verantwortung und Arbeitszeit), ebenfalls egal.

Brutus
24.08.2022, 17:09
Ja. Aber ich kenne genug Leute außerhalb der Gesundheitsversorgung und die sind eigentlich durch die Bank fassungslos, wenn man ihnen erzählt, was so in den Kliniken abläuft.
Jaja, aber Du hast wahrscheinlich auch keinen arbeitslosen Arbeitslosen Herbert Schwakowiak in Deinem Bekanntenkreis! :-nix :D

Thomas24
24.08.2022, 17:13
A propos Punktwert und Inflation: Der EBM-Punktwert steigt doch nur um ca. 1% pro Jahr, Inflation hin oder her?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein zweistelliges Inflationsniveau für die meisten Praxen lange gutgeht. 10% Real-Umsatzkürzung sind ja nicht 10% Gewinnkürzung. Hast du als Praxis eine Reinertragsmarge von 40% (?), und Kosten von 60%, und deine Kosten steigen um 10%, dann verschiebt sich das Verhältnis zu 66% vs 34%, man hat also de facto eine Reinertragskürzung von 6/40 ~ 15%.

Der Orientierungswert im EBM ist um ca 1,25% gestiegen. Die MFA Tarife wurden letztes Jahr um 6% erhöht und dieses Jahr um weitere 3%. Die Energiekosten in der Nebenkostenabrechnung sind noch nicht seriös abschätzbar...

Aber alles egal in der fröhlichen Welt der alternativen Fakten eines "Kollegen" Holthusen- eben alles unsubstantiiertes Lamento (Die Klage ist der Gruß des Kaufmanns- jaja, nicht alles was hinkt, ist auch ein Vergleich. Nochmal zum Mitschreiben für alle Muppets: Freiberufler sind *keine* Kaufmänner, weil Preise und Mengen der angebotenen Dienstleistung durch staatliche Organe festgelegt werden und es im zu Tode regulierten deutschen GKV Gesundheitswesen weder Preisfindung über den Markt, noch Wettbewerb durch Qualität gibt). Aber- was interessieren schon Daten, wenn man eine Meinung hat? :-oopss Diese ostentativ zur Schau getragene toxische Mischung aus absoluter Ahnungslosigkeit bei gleichzeitiger kompletter Faktenresistenz... einfach nur wow :-nix



Abschließend bleibt festzuhalten: Wir befinden uns hier im Thread zu den aktuellen Tarifverhandlungen und es ist schon extrem bezeichnend, dass ein Streit zwischen den verschiedenen Akteuren des deutschen Gesundheitswesens entbrennt. Ich kann hier nur für Solidarität und Kollegialität werben, wir alle wissen wie beschissen die Facharztausbildung mitunter ist und was Niedergelassenen mehr an Verantwortung tragen. Fallt nicht dem Prinzip von Divide et Impera anheim. Die Tatsache dass auch Ärzte relevant an Wohlstand verlieren werden und in der Mittelschicht (wenn sie es nicht geschickt anstellen) absteigen können ist nicht nur der Gesundheitspolitik geschuldet. Die expansive Geldpolitik zugunsten der Eigentümer harter Assets, Stimuli für alle zur Sicherung der Wählerschaft (Inflation Reduction Act, seriously, mehr Öl ins Feuer?), eine Unterinvestition in die wirklich tragenden Säulen der Gesellschaft (blue collar jobs, Rohstoffe, Energie,...), notwendige Deglobalisierung und reshoring (ergo Inflation die uns über die nächsten paar Jahre erhalten bleibt) bei gleichzeitigem Rennen von einer spekulativen Blase in die nächste, das ist das Problem. Das enteignet euch und raubt euch eure Kaufkraft.

Es gibt ja sogar im Forum angestellte Fachärzte für Strahlentherapie, die -mittlerweile unter ihrer fünften oder sechsten Accountreinkarnation- immer wieder denselben postfaktischen Unsinn von sich geben und sich mittlerweile sogar nicht mehr entblöden, den eigenen Berufsstand gerne mit Friseuren und Schornsteinfegern vergleich wollen. Was soll man dazu noch sagen
:-keks

Fun fact: ca. 60% der Deutschen haben mittlerweile 0% Möglichkeiten, sich etwas von ihrem Arbeitseinkommen zurückzulegen, da ihr komplettes Nettoeinkommen für die Deckung der Lebenshaltungskosten benötigt wird (!!!). Nach Einführung der Gasumlage wird die Inflationsrate -sogar nach Schätzung der Bundesbank- auf über 10% steigen (btw: die letzten PPI´s lagen im Juli bei 37,2% yoy), aber "Kollege" Holthusen wird uns in wenigen Wochen dann sicher apodiktisch erklären, dass eine Gaspreisbegrenzung doch sicher eine tolle Idee ist und alle Probleme beseitigen wird, genauso wie er uns in einer seiner letzten Reinkarnationen weiß machen wollte, dass eine Vervierfachung der Baufinanzierungskosten innerhalb von 6 Monaten nur geringe Auswirkungen auf den Immobilienmarkt haben dürfte.

Ansonsten stimme ich deiner Annahme zu, dass wir einen Wohlstandsverlust bis in die Mittelschichten sehen werden. Insofern drücke ich euch allen die Daumen für erfolgreiche Tarifverhandlungen.

Cor_magna
24.08.2022, 20:32
Wie sieht eigentlich die finanzielle Situation in privaten Laboren aus, Bonnerin? Schrammen die auch so an den roten Zahlen vorbei oder sind schon drin?

Holthusen
24.08.2022, 20:38
Nochmal zum Mitschreiben für alle Muppets: Freiberufler sind *keine* Kaufmänner, weil Preise und Mengen der angebotenen Dienstleistung durch staatliche Organe festgelegt werden und es im zu Tode regulierten deutschen GKV



Da gibt es klare Vorgaben unserer Geschäftsführung.Alles Machen was medizinisch möglich und noch im Rahmen ist und was man am besten abrechnen kann. Was sinnvoll ist, ist die zweite Frage immer. Mein MVZ Arbeitgeber ist ein Geschäftsbetrieb mit maximalen Gewinnanspruch. Nicht mehr und nicht weniger.
GKV? In unserem MVZ ist ein hoher Anteil PKV Patienten und das lohnt sich.
Praxisinhaber oder MVZ Kette ist kein Kaufmann-Geschäft? Die MVZ Ketten Investoren machen das aus reinster Barmherzigkeit. Ja klar. Das war der beste Witz, den ich je gehört habe. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Die Beiträge sind ungefähr so, wie wenn man früher russiatoday angeschaut hat. Die etwas andere Sicht der Dinge, die aber manche Tatsachen komplett unter den Tisch kehrt, weil sie nicht ins eigene Weltbild passen.

Es gibt quasi zwei Welten. Während im ambulanten Bereich also Gehälter auch für Angestellte 150k plus relativ einfach möglich sind (Praxisinhaber oder Teilhaber verdienen natürlich mehr) mit 40h Woche , gibt es auch unattraktive Schattenseiten im Gesundheitswesen wie insbesondere Assi mit einer Vielzahl an Diensten und 60-80h Woche. Übrigens sind auch die 200k für Angestellte nicht so schwer zu erreichen. Und da kann nun wirklich nicht für bessere Arbeitsbedingungen oder höheren Lohn demonstrieren. In MVZ oder Praxen wird dieser eh individuell festgelegt und in Kliniken immer mehr AT.

Wenn man für Verständnis in der Bevölkerung für die harten Arbeitsbedingungen von nachrangigen Klinikärzte wirbt, muss man das möglicherweise expliziter deutlich machen. Vllt ist das Anliegen auch momentan hoffnungslos, wenn man sich hier einige Beiträge durchliest.

anignu
24.08.2022, 21:00
Es gibt quasi zwei Welten. Während im ambulanten Bereich also Gehälter auch für Angestellte 200k plus relativ einfach möglich sind ( Praxisinhaber oder Teilhaber verdienen natürlich mehr. ) mit 40h Woche , gibt es auch unattraktive Schattenseiten im Gesundheitswesen wie insbesondere Assi mit einer Vielzahl an Diensten und 60-80h Woche.
Also quasi 5-6 Jahre buckeln und dann Kohle scheffeln ohne Ende? Ganz ehrlich: wenn das die Realität wäre wäre es gar nicht schlecht.

Bonnerin
24.08.2022, 21:01
Wie sieht eigentlich die finanzielle Situation in privaten Laboren aus, Bonnerin? Schrammen die auch so an den roten Zahlen vorbei oder sind schon drin?

Kann man m.M.n. nicht allgemeingültig beantworten. Gerade die Labore, die Covid-PCRs durchführen (egal, ob inhabergeführt oder MVZ einer Kette) haben auch in diesem Jahr guten Puffer.
Ansonsten sind rote Zahlen oft wohl eher nicht die Regel, ganz tiefschwarz aber oft auch nicht. Man hat halt extrem hohe Kosten (gerade, wenn mal wieder ein neues Gerät geleast wird) und braucht halt einen Personalstamm, der mit regulären Praxen nicht vergleichbar ist.
In den 80ern sah das ganze noch anders auch, da hat man unfassbar viel verdienen können (berichten die älteren Kolleg:innen oft).

Da die Untersuchungen im KV-Bereich ja feste Sätze haben ist gerade reguläre GKV nur mäßig lohnenswert. PKV ist durchaus einträglich, IGeL natürlich auch. Beim Krankenhausgeschäft (macht auch nicht jedes Labor) kommts auf die Individualverträge an. Insgesamt gilt halt aber natürlich: je mehr Proben, desto höher der Umsatz. Wenn der Vollautomat halt in der Stunde 400 Proben analysiert statt nur 100 macht man über kurz oder lang halt Gewinn.

Arbeitsbedingungen sind halt meistens für Medizin-Verhältnisse recht gut (zumindest muss man i.d.R. nicht mehr auf irgendwelchen Pritschen vor Ort nächtigen). Das Gehalt stimmt trotz Investoren als FA eigentlich auch (zumindest aktuell noch). Der demographische Wandel spielt da den wenigen Ärzt:innen, die es machen schon gewissermaßen in die Hände.

Cor_magna
24.08.2022, 21:21
Strahlentherapie hat zumindest in Süddeutschland mit die höchsten Gehälter für angestellte Ärzte, höher auch als zb angestellte Radiologen.Die Zahlen von Holthusen treffen also sicher nicht auf jedes Fach zu.


Und danke für die Infos @Bonnerin

Thomas24
25.08.2022, 08:22
Die Klage ist der Gruß des Kaufmanns- jaja, nicht alles was hinkt, ist auch ein Vergleich. Nochmal zum Mitschreiben für alle Muppets: Freiberufler sind *keine* Kaufmänner, weil Preise und Mengen der angebotenen Dienstleistung durch staatliche Organe festgelegt werden und es im zu Tode regulierten deutschen GKV Gesundheitswesen weder Preisfindung über den Markt, noch Wettbewerb durch Qualität gibt). Aber- was interessieren schon Daten, wenn man eine Meinung hat?



Praxisinhaber oder MVZ Kette ist kein Kaufmann-Geschäft? Die MVZ Ketten Investoren machen das aus reinster Barmherzigkeit. Ja klar. Das war der beste Witz, den ich je gehört habe. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Die Beiträge sind ungefähr so, wie wenn man früher russiatoday angeschaut hat. Die etwas andere Sicht der Dinge, die aber manche Tatsachen komplett unter den Tisch kehrt, weil sie nicht ins eigene Weltbild passen.


Man fragt sich langsam wirklich, ob die Fähigkeit zu sinnerfassendem Lesen bei Dir a) nie vorhanden war, oder b) bewusst alles falsch verstehen möchtest und an der Sache vorbei redest. Daher nochmal gaaaanz langsam zum mitschreiben: ein Unternehmen/Praxis/ Kanzlei/ Ingenieurbüro etc. mit Gewinnerzielungsabsicht zu betreiben, transformiert einen FREIBERUFLER im Regelfall nicht zu einem KAUFMANN. Ein Geschäft mit Gewinnerzielungsabsicht zu betreiben ist ungleich mit einer Kaufmannseigenschaft.

Der Freiberufler ist *NICHT* Vorsteuerabzugsberechtigt, seine Verträge unterliegen im Regelfall den Regeln des BGB, nicht den abweichenden Regeln des HGB, Freiberufler haben im Regelfall keine Bilanzierungspflicht, Ärzte können Ihre Haftung gegenüber Patienten nicht durch eine Änderung der Rechtsform begrenzen usw. pp.

Ein KAUFMANN spielt steuertechnisch, Bilanzierungstechnisch, Haftungsrechtlich und nach ganz anderen Regeln als ein FREIBERUFLER. Die gemeinsame Eigenschaft ist die Gewinnerzielungsabsicht- ansonsten unterscheiden sich beide sehr deutlich voneinander. Aber egal, wir schmeißen gerne alle Begriffe lustig durcheinander. Als nächstes kommt von Dir noch, dass Freiberufler zwar keine Kaufleute sind, wegen ihrer Gewinnerzielungsabsicht aber wenigstens wohl Gewerbetreibende:-keks, komisch dass das Finanzamt, die KV, die IHK und auch sonst alle das anders sehen :-keks

Holthusen
25.08.2022, 18:28
Der Spruch ist auf den Kaufmann gemünzt. Diese kleinkarierte Spießigkeit fand leider in der gewählten Ausdrucksweise keine Wertschätzung.

Heute drüber gestolpert:

https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/arnsberg-arzt-approbation-100.html

Die Approbation wird sehr sehr selten, erst nach langen Prüfungen entzogen, da die quasi einen Berufsverbot Gleichkommen. Oder hier einen Verbot des Geschäftsmodells. Immerhin ist man hier so ehrlich und gibt es offen zu
Der Entzug der Approbation ist noch nicht rechtskräftig. Man kann also noch dagegen klagen und einen Aufschub bewirken.

Leider auch kein gutes Beispiel für die Tarifverhandlungen, auch wenn der Kollege nicht im Tarifvertrag war.

Nefazodon
25.08.2022, 18:33
@Holthusen: Meinst Du nicht, dass eure Diskussion jetzt sehr weit vom Thema Tarifvertrag abgedriftet ist?

Und der oben genannte Arzt war ganz einfach ein Betrüger. Er war ein Krimineller.

Das taugt jetzt nicht in deiner Diskussion mit Thomas24 darüber ob Ärzte Kaufmänner sind. (Sind sie nicht).

Holthusen
25.08.2022, 18:45
Geschäftsleute...

Aber ja, wir sind weg vom Thema. Gibt's denn was neues bzgl Tarifvertrag?

Dooly
25.08.2022, 22:06
Leider nein. Seit letzter Woche ist Funkstille. Gestern und vorgestern waren Verhandlungstage.

DrArzt
25.08.2022, 22:29
Zum Vergleich und als Referenzpunkt:

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/hafenarbeiter-tarife-101.html