Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TdL Tarifverhandlungen 2022



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 [9] 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38

Endoplasmatisches Reticulum
26.08.2022, 11:02
Es ist auf so vielen Ebenen nicht nachvollziehbar. Auch im Makroskopischen berufspolitisch unverständlich. Der MB moniert regelmäßig zu Recht die zunehmende Klinikflucht der Ärzte, insbesondere exponentiell angeheizt durch die Pandemie. Was ist der logische Schluss? Genau: Man verzichtet auf eine Entgeltanpassung zu Gunsten einer Einmalzahlung, die allen vorenthalten bleibt, die eventuell mit einem Restgedanken gespielt haben, nach dem Corona-Purgatorium doch noch einmal der Patientenversorgung eine Chance zu geben. Die würden sich nun einfach nur über 10% weniger Arbeitsnutzen als zu der Zeit freuen dürfen, in der sie aus der Klinik geflohen sind ...

16matti
26.08.2022, 11:18
Ich muss auch sagen, dass ich einigermaßen schockiert bin vom Verhandlungsergebnis - 3,35% sind mager, wenn sie ab September 2022 gekommen wären mit kurzer Laufzeit, um dann weiter nachzuverhandeln - warum nicht, aber September 2023 - warum? (hatte erst gedacht ich habe mich verlesen...) Nicht nur dass damit über 1 Jahr eine Nullrunde generiert wird, der Marburger Bjbd manövriert sich für die nächste Verhandlungsrunde in die denkbar schlechteste Position: das 1. Argument der Gegenseite wird sein " die gierigen Ärzte haben vor einem Monat eine. Lohnerhöhung bekommen und wollen jetzt schon wieder eine - geht ja mal gar nicht...die 14 Monate vorher werden dann schön vergessen sein...

Ausserdem war doch in den Forderungen ein zentraler Punkt die Besserbewertung von Nacht- Wochenend- und Feiertagsdiensten. (Ein Punkt den ich sehr gut geheissen habe!) Hatte das Argument der TdL : "der Medizinstudent weiss ja worauf er sich einlässt, also gibt's nicht mehr" tatsächlich Erfolg? Ausser der Zusatzurlaubsregelung fehlt jeder Kommentar dazu - scheint wohl einfach unter den Tisch gefallen zu sein...und auch bei der nächsten Tarifrunde wird dahingehend nichts zu verhandeln sein, weil der MB wohl alle Hände voll zu tun haben wird sich gegen den Vorwurf der Raffgier zur Wehr zu setzen, wenn man kur einen Monat nach der letzten "grosszügigen Gehaltserhöhung" gleich wieder neue Forderungen stellt...
Der Tarifabschluss macht die Arbeit an Uniklinika mit ihrer hohen Arbetsdichte ein ganzes Stück unattraktiver

Nefazodon
26.08.2022, 11:30
der Marburger Bjbd manövriert sich für die nächste Verhandlungsrunde in die denkbar schlechteste Position: das 1. Argument der Gegenseite wird sein " die gierigen Ärzte haben vor einem Monat eine. Lohnerhöhung bekommen und wollen jetzt schon wieder eine - geht ja mal gar nicht...die 14 Monate vorher werden dann schön vergessen sein...

This!

Das Problem ist, dass man in der nächsten Verhandlungsrunde gar nicht so viel fordern kann, wie man ob des schlechten Ergebnisses in dieser Runde fordern müsste, um den Reallohnverlust auch nur ansatzweise einzufangen.
Dann müsste man in der nächsten Runde schon eine Erhöhung >10% fordern und die wirkte im Kontrast zur jetzigen Erhöhung natürlich überzogen und wird niemals durchzusetzen sein. Das Argument in den nächsten Verhandlungen wird dann sein: "Wieso, es gab doch gerade erst eine Erhöhung...."

Über so ein dilettantisches Verhandlungsergebnis kann man nur den Kopf schütteln. Bei der TdL dürften die Sektkorken knallen.

Ob den Verhandlungsführern vom MB bewusst ist, was sie da getan haben?

freak1
26.08.2022, 11:32
Ob den Verhandlungsführern vom MB bewusst ist, was sie da getan haben?

So ein Ergebnis ohne Vorsatz ist nur schwer vorstellbar.

Nefazodon
26.08.2022, 11:39
So ein Ergebnis ohne Vorsatz ist nur schwer vorstellbar.

Bei so einem Ergebnis muss man sich schon fragen, wie es zustande gekommen ist.

Ich bin fassungslos.

winton90
26.08.2022, 11:39
Ich stehe mittlerweile kurz vorm M3 und mir ist Angst und Bange mit so einer "Unterstützung" arbeiten zu gehen. Vor dem Studium habe ich 6 Jahre in einer IGBCE vertretenen Job gearbeitet und auch im Betriebsrat des Standortes der Firma mitgemacht (weltweit bekannte Firma). Über Abschlüsse dieser Art hätte der Betriebsratsvorsitzende seinen Rücktritt bekanntgeben können ..
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen welche Umstände dazu führen, dass solche Abschlüsse akzeptiert werden. Ist es Bestechung? Ist es eine Art Nepotismus zwischen MB und Arbeitgeberseite? Ist es einfach Unfähigkeit - wobei ich letzteres nicht glauben kann, selbst bei vollkommener Unfähigkeit muss man merken, dass man Sch**** verzapft..

3,35% im September 2023 bei einer Verhandlung die _gerade_ endete? Ich fass es einfach nicht

Sorry für meinen ramble :I

h3nni
26.08.2022, 12:25
Wir vergessen alle, dass vor 16 Jahren der Marburger Bund mal ganz tolle Sachen gemacht hat. Auf diese Ergebnisse kann man nur verweisen und sich auf ihnen ausruhen!

dissection
26.08.2022, 12:27
Bei so einem Ergebnis muss man sich schon fragen, wie es zustande gekommen ist.

Ich bin fassungslos.

Die Pandemie, der Fokus auf die Gesundheitssysteme, die knappe Personalsituation bei gleichzeitiger uns in die Hände spielender demographischer Entwicklung, die hohe Inflation und die zahlreichen besseren Tarifabschlüsse aller möglichen Gewerkschaften waren eine unglaublich starke Verhandlungsposition und eine in unserer Karriere wohl einmalige Chance. Sie ist ein für alle mal verloren und der Rückstand im Ausgleich des Reallohnverlustes wird nicht aufzuholen sein. Dementsprechend sind auch die hier zu lesenden fatalistischen Reaktionen nur angemessen. Der MB sägt an seiner Existenzgrundlage.
Gibt es eine Möglichkeit durch die Gewerkschaftmitglieder einen Tarifbeschluss in diesem Stadium noch zu blockieren?

Anne1970
26.08.2022, 12:45
http://www.marburger-bund.de/bundesverband/pressemitteilung/marburger-bund-und-laender-einigen-sich-auf-tarifkompromiss

DrSkywalker
26.08.2022, 12:49
Der Abschluss ist ungenügend, keine Frage, aber für einen WBA im ersten oder zweiten JAhr ist die netto Sonderzahling von 4500 Euro doch ganz gutes Geld finde ich.

Anne1970
26.08.2022, 12:50
und hier noch was zu den Uni-Klinika Marburg/Gießen in Hessen ( gehören nicht zur TDL)

http://www.marburger-bund.de/hessen/pressemitteilung/aerztinnen-und-aerzte-hessischen-unikliniken-duerfen-nicht-wieder-vergessen

MrCorcoran
26.08.2022, 12:56
Der Abschluss ist ungenügend, keine Frage, aber für einen WBA im ersten oder zweiten JAhr ist die netto Sonderzahling von 4500 Euro doch ganz gutes Geld finde ich.
Die Zahl ist Blendwerk, Augenwischerei, Farce. Bei einer Einmalzahlung fehlt die Wirkung des Zinseszinseffektes bei künftigen Verhandlungen. Dazu hat eine Einmalzahlung keinerlei Effekt auf Überstunden, Zuschläge, Dienstvergütungen usw.

Daher sind alle WBA, welche die Stufe 1 verlassen haben, mehr als 40 h die Woche arbeiten sowie natürlich alle FA/OA/LOA in steigendem Außmaß gekniffen.

Der Abschluss ist so unsagbar schlecht, dass ich die Verlautbarung des MB mehrfach lesen musste, weil ich dachte, dass ich mich verlesen habe oder Tippfehler drin sind.
Das erweckt den Anschein, als ob gar nicht verhandelt worden wäre und man einfach das 1. Angebot der AG-Seite übernommen hätte.

Dooly
26.08.2022, 12:56
Wow. Bin ebenfalls entsetzt.

Wir vergessen alle, dass vor 16 Jahren der Marburger Bund mal ganz tolle Sachen gemacht hat. Auf diese Ergebnisse kann man nur verweisen und sich auf ihnen ausruhen!Dem MB viel Erfolg mit seinen treuen Mitgliedern aus den 2000er Jahren.

Obscura
26.08.2022, 13:00
Wow. Bin ebenfalls entsetzt.

Same.
Auf Instagram (https://www.instagram.com/p/Cht7LaOsx_d/) lässt Botzlar posten, dass es zu "substanziellen finanziellen Verbesserungen bei kurzer Laufzeit" gekommen sei - das kann doch nur ein Witz sein.

freak1
26.08.2022, 13:08
Vielleicht hat sich auch jemand verschrieben und es ist der 1. September 2022 gemeint. 3,35% wären zwar immer noch mickrig, aber in Kombination mit 4500€ Einmalzahlung halbwegs verkraftbar. ???

Coxy-Baby
26.08.2022, 13:18
Na was heißt verkraftbar, die 4500 sind als Corona Sonderzahlung deklariert. Es ist also eine Nullrunde....

freak1
26.08.2022, 13:22
10%+ Inflation und 14 Monate NULLRUNDE. Das muss man sich mal vorstellen. Wenn die TdL mit sich selbst verhandelt hätte, hätte sie nicht weniger rausholen können.

Ich glaube, es ist an der Zeit, aus dem MB auszutreten.

Zum Glück wird der Tarifvertrag auch auf keinsten Fall den Mitgliedern zur Abstimmung vorgelegt. Das Ergebnis könnte die Führungsriege verunsichern.

h3nni
26.08.2022, 13:28
http://www.marburger-bund.de/bundesverband/pressemitteilung/marburger-bund-und-laender-einigen-sich-auf-tarifkompromiss

Du meintest doch bei VKA selbst, Einmalzahlungen sind nicht gut, sollten nicht mit einbezogen werden in die Berechnung, alles was zählt sind tabellenbezogene Erhöhungen.

Die 4500 sind doch das mindeste dafür, dass nicht alle Ärzte bis jetzt einen Bonus erhalten haben bzw. teilweise explizit ausgeschlossen waren.

Endoplasmatisches Reticulum
26.08.2022, 14:27
Der Abschluss ist ungenügend, keine Frage, aber für einen WBA im ersten oder zweiten JAhr ist die netto Sonderzahling von 4500 Euro doch ganz gutes Geld finde ich.

Nein! Das ist eben die Falle solcher Tricksereien. Du musst der Einmalzahlung die Opportunitätskosten der ausgebliebenen Entgeltanpassung gegenrechnen. Das kann man leicht modellieren.

Nehmen wir zwei Szenarien an. Einmal (1) das jetzt eingetretene mit 4.500 € netto + 3.35 % in einem Jahr, und einmal (2) das hypothetische Szenario der MB-Forderung von 8.9 %. Nehmen wir ferner völlig aus der Luft gegriffen an, dass der MB in Zukunft jeweils jährlich ein Entgeltplus von 4 % durchsetzen kann. Da in Szenario 1 in 14 Monaten wieder Entgelt verhandelt wird und wir den einen Monat mit den 3.35 % vernachlässigen können, sagen wir einfach, dass im Szenario 1 in genau einem Jahr 4 % auf die jetzigen 3.35 % ausgehandelt werden (1.0335 * 1.0400 = 1.0748; 7.5 %). Gehen wir von einem Erstjahres-AiW mit 5.000 € brutto im Monat Grundgehalt aus, also 60.000 € Bruttojahreslohn. Sagen wir vereinfacht das mache 36.000 € Netto (60 % vom Brutto).

Szenario 1:
Lohn(Y = 1) = 4.500 + 36.000
Lohn(Y = 2) = Lohn(1) + 36.000 * 1.0748
Lohn(Y > 2) = Lohn(Y-1) + 36.000 * 1.0748 * 1.04^(Y-2)

Szenario 2:
Lohn(Y = 1) = 36.000 * 1.089
Lohn(Y > 1) = Lohn(Y-1) + 36.000 * 1.089 * 1.04^(Y-1)

Dann kann man durch Subtraktion S2 – S1 die Netto-Opportunitätskosten des Szenarios 1 ggü. Szenario 2 nach Y Jahren grob approximieren:

Y1: -1.296 €
Y2: 783 €
Y3: 2.946 €
Y4: 5.195 €
Y5: 7.534 €
...
Y10: 20.709 €
Y20: 56.242 €
Y30: 108.839 €

Die Einmalzahlung ist im ersten Jahr ein finanzieller Vorteil für den AiW - allerdings deutlich geringer, als es die Summe von 4.500 € suggeriert. Bereits im zweiten Jahr kippt das Ganze deutlich ins Verlustgeschäft. Ab da geht es dann irreparabel immer steiler bergab.

Ist natürlich ganz grob vereinfacht und trifft viele haltlose Annahmen, aber für die Tendenz kriegt man ein Gefühl. Die Differenz klafft noch deutlich weiter auseinander, wenn man Zuschläge und den Einfluss des Grundlohns auf diese berücksichtigt, Tabellenaufstufungen mit zunehmender Berufserfahrung, die Differenz zu einem positiven Zinssatz am Markt anlegt (was man bei Opportunitätsbetrachtungen eigentlich tut), oder ein höheres Ausgangsgehalt (AiW > 1. Weiterbildungsjahr) zu Grunde legt. Nimmt man das alles mit rein, zieht das Gros der Ärzte vermutlich schon nach weniger als einem Jahr gleich.

Im Wesentlichen hat man sich also eine komplette Nullrunde mit fünf- bis (über die Berufstätigkeit) sechsstellig akkumulierenden Opportunitätskosten getauscht gegen ... einen einmaligen Realbonus von 1.000 - 2.000 €.

Nefazodon
26.08.2022, 14:32
Es ist einfach UNGLAUBLICH. 14 Monate Nullrunde bei 10% Inflation bedeuten nichts anderes, als dass das Grundgehalt aller Ärzte nach diesem Jahr dauerhaft 10% niedriger ist. Da man davon ausgehen muss, dass die Inflation weiterhin hoch bleibt, wird der MB dann in der nächsten Runde ca. 7% (10%-3% Erhöhung im letzten Monat vor Verhandlung) nominale Lohnsteigerung erreichen müssen, alleine, damit es nicht zu einer *weiteren* Entwertung des Lohnes kommt, der nur noch 90% beträgt.

Der Reallohnverlust wird also weitergehen.

Wenn man sich das mit einer Einmalzahlung von 4500 Euro erkaufen kann, ist das ein guter Deal für die TdL.

Kann man nur mit dem Kopf schütteln.

Edit: ER war etwas schneller und hat das Ganze gut ausdifferenziert.