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PhineasGage
02.02.2007, 20:05
Hallo sagen, Vorstellen.
Fragen was passiert ist (Fremdanamnese?!)
Erstes Anschauen des Patienten, fällt noch direkt was anderes auf?!
Anamnese:
Was ist passiert, weiß er warum er umgefallen ist ("Schwarz vor augen geworden".....)
Ist er orientiert ( Zeit, Ort, Person)?

Zaphod.Beeblebrox
02.02.2007, 20:21
Den letzten beiden Postings ist ja nicht mehr viel hinzuzufügen. Mich würde noch interessieren, ob einer der Passanten den Sturz beobachtet hat. War der alte Mann bewusstlos? Wenn ja, wie lange? Oder hat er möglicherweise gekrampft?
Vielleicht noch in der Mund schauen: Zungenbiss?

Rugger
02.02.2007, 21:02
Wenn es tatsächlich auf einer Landstrasse passiert ist, gilt es erstmal, die "Unfallstelle" zu sichern!

R.

Evil
03.02.2007, 08:59
OK, das ist ja schon eine ganze Menge :-top

Vitalzeichen sind soweit ok (RR 130/70, P 88).
Auf Anfrage gibt der Patient an, er sei gerade auf dem Weg zur Sparkasse gewesen und die Straße entlang gelaufen, da sei ihm schwindelig geworden und er sei deswegen gestürzt. Das Bewußtsein habe er nicht verloren, aber er habe sich zunächst zu schwach zum Aufstehen gefühlt und sei deshalb liegen geblieben, bis die anderen ihm aufgeholfen hätten. Jetzt müsse er aber auch unbedingt weiter zur Sparkasse.
Räumlich zeitlich ist er orientiert, er hat eine oberflächliche Kopfplatzwunde, die mittlerweile nicht mehr blutet und vom RA verbunden wurde.
Der eingetroffene RTW hat die Straße in Fahrtrichtung gesichert, allerdings gibt es keine Spuren (Blut o.ä.) und keinerlei Anzeichen für die Beteiligung von Fahrzeugen am Sturzereignis (außerdem ist Samstag morgen, es kommen nur wenig Autos vorbei).

Zaphod.Beeblebrox
03.02.2007, 10:05
Mir fällt jetzt nicht viel mehr ein, was man an der E-Stelle noch machen könnte. Aber mitnehmen würde ich ihn gerne, um im KH die Chirurgen mal auf die Wunde schauen zu lassen, nach dem Grund für den Schwindelanfall zu fahnden und ihn außerdem ein bisschen zur Beobachtung dort zu behalten - ein CT auf Verdacht finde ich ein bisschen übertrieben, aber ich will ihn auch nicht mit einer Subarachnoidalblutung in seeiner Wohnung liegen haben, wenn's ganz dumm kommt. Weiter zur Sparkasse kann ich also nicht beführworten ;-)

Mein Vorschlag wäre also: Jetzt einpacken und ins KH fahren. Was denkt ihr?

THawk
03.02.2007, 10:18
Dafür wär ich auch.
Vielleicht vorher noch kurz mit den Ersthelfern quatschen ob die noch was anderes / zusätzliches bemerkt haben, dabei kann man sich ja auch mal bei denen für ihre Hilfe bedanken.
Dann begeben wir uns daran ihn zu überzeugen, dass man das im Krankenhaus mal abklären sollte.
Im RTW dann 6-Kanal-EKG (Arrhythmien?) und etwas Anamnese: Synkopen in der Vergangenheit, Rhythmusstörungen, Schwindelattacken, neurologisches?

Mehr fällt mir spontan auch nicht ein!?

Eilika
03.02.2007, 10:44
Auch wenn er keine Schmerzen mehr angibt, Bodycheck gehört dazu...

Evil
03.02.2007, 22:10
Beim Aufnehmen der Personalien bemerkt Euer Fahrer, daß der Mann in einem Heim für geistig Behinderte untergebracht ist.
Den Vorschlag, erstmal mitzukommen, lehnt er wie auch weitere Untersuchungsmaßnahmen rigoros ab. Er besteht darauf, weiter zur 2km entfernten Sparkasse zu laufen.

Was jetzt?

Janny
03.02.2007, 23:34
Ich würd das Heim anrufen,
denn
- ich darf ihn nicht trotz Gegenwehr einfach einpacken, festschnallen & mitnehmen geht bekanntermaßen nicht.
- Wenn er in einem Heim für GB wohnt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass er einen gesetzl. Betreuer hat, den ich im Falle einer KH-Behandlung ohnehin bräuchte und weshalb der Pat. selber eine Behandlung dann gar nicht ablehnen kann.
- Das Heimpersonal weiss am ehesten, wie ich mit ihm umgehen kann/muss.
Fraglich ist m.E. eher, ob die Wissen, wo er sich gerade herumtreibt.

Evil
06.02.2007, 17:27
Nun ja, mittlerweile setzt er sich in Bewegung Richtung Sparkasse... laßt Ihr ihn laufen?

THawk
06.02.2007, 18:09
Ach Mann, du bist fieß, Evil ;-)

Ich bin mir jetzt absolut nicht sicher, aber was mir so durch den Kopf geht:
1. Darf ich ihn als Notarzt selber überhaupt festhalten? Soviel ich weiß nur in der Situation akuter Eigengefährdung. Ansonsten bräuchte ich die Hilfe der Kollegen in grün, oder?
2. Besteht Eigen- oder Fremgefährdung? -> Habe ich Anzeichen für ein akutes neurologisches Geschehen mit entsprechenden Risiken (ICB / Schlaganfall / ...)? Kann ich diese aufgrund der (vermuteten) geistigen Behinderung überhaupt richtig einschätzen? Ist der Patient einwilligungsfähig (oder wie das heißt?)?

Ich würde also auch möglichst auf schnelle Infos aus dem Heim hoffen. Vom Gefühl her würde ich ihn natürlich gerne festhalten und ins Krankenhaus bringen (sicher ist sicher). Aber ich glaube eher nicht, dass ich's juristisch dürfte.

Klärt mich bitte auf! ;-)

Zaphod.Beeblebrox
06.02.2007, 18:13
jeden anderen patienten würde ich ggf. dieses Formular unterschreiben lassen, dass ich ihn aufgeklärt habe und er gegen ärztlichen Rat nicht mitkommen will. Fühlt sich dann immer noch blöd an, aber man kann ja eigentlich niemanden zwingen. Aber wie das bei jemanden ist, der im Zweifelsfall eine Betreuung hat (die jetzt möglicherweise nicht zu erreichen ist) - keine Ahnung. Ich schließ mich THawk an: Fies, aber sehr interessant ;-)

Evil
06.02.2007, 19:42
In dem Fall besteht schon zumindest Eigengefährdung, er ist ja schon mindestens 1x gefallen und hat sich verletzt.
Wir rufen also den grünen Trachtenverein zu Hilfe, bis die Jungs da sind wirkt unser Fahrer beruhigend auf ihn ein (d.h. 1,95m Feuerwehrmann bauen sich vor dem Patienten auf und kucken drohend ;-)).

Bei dem Patienten kann eine schwerwiegende Kopfverletzung adhoc nicht ausgeschlossen werden, er gehört zumindest in einer chirurgischen Ambulanz untersucht.
Abgesehen davon ist er ganz offensichtlich momentan vernünftigen Argumenten nicht zugänglich, d.h. wir benachtrichtigen auch den Betreuer und bestellen ihn in das KH, wo der Patient hingebracht wird.
Sicherheitshalber fährt der NA auf dem RTW mit, allerdings hält er einen gewissen Sicherheitsabstand ein.

Nachdem das erledigt ist, rückt Ihr wieder ein... bis die Höllenmaschine von Piepser wieder losgeht...

Hypnos
07.02.2007, 07:12
jeden anderen patienten würde ich ggf. dieses Formular unterschreiben lassen, dass ich ihn aufgeklärt habe und er gegen ärztlichen Rat nicht mitkommen will. Fühlt sich dann immer noch blöd an, aber man kann ja eigentlich niemanden zwingen. Aber wie das bei jemanden ist, der im Zweifelsfall eine Betreuung hat (die jetzt möglicherweise nicht zu erreichen ist) - keine Ahnung. Ich schließ mich THawk an: Fies, aber sehr interessant ;-)

Zu "diesem Formular" gibt es bereits zahlreiche Urteile, deren Resultat alle lautet: Das Formular ist nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt ist. Kurz zur Begründung:
Jeder Patient in einer Notfallsituation wird vom Richter per se als nicht ausreichend aufgeklärt angesehen. Und selbst, wenn Worte wie "Tod und Siechtum" handschriftlich vom Notarzt hinzugefügt werden, so gibt es doch eine Reihe von Urteilen, in denen dann die Gutachter erklärten, daß es natürlich einem Patienten in eben dieser Notfallsituation (im Gegensatz zum med. Fachpersonal) nicht bewusst SEIN KANN, welche Tragweite für Ihn die Entscheidung für oder wider "mitfahren" haben kann. In den mir bekannten Urteilen wurde ausnahmslos im Sinne der Patienten und gegen die Ärzte entschieden... Man ist also als Notarzt auf jeden Fall der Depp.
Und das ist auch mit einer der Gründe, weswegen ich persönlich eine wachsende Unzufriedenheit im Notarztwesen verspüre...
Und Beispiele dieser und anderer Art könnte ich 20-30 aus eigener Erfahrung aufzählen.

Dazu sei noch angemerkt, daß auch der Trachtenverein sich in solchen Situationen nicht immer kooperativ verhält. Da fallen da schon mal schnell Äusserungen wie: das ist doch nicht unser Problem...etc...

Wie dem auch immer sei: weiterhin frohes Retten:-)

Es grüßt,

Hypnos

Dr. Pschy
07.02.2007, 08:08
Ich interpretiere dich richtig, dass du im Notarztdienst ausnhamslos jeden Patienten mitnimmst, notfalls mit gruen?

PhineasGage
07.02.2007, 08:34
Ich vermute, dass er das zumindest bei jedem Patienten tut, bei dem das indiziert ist - wirklich jeden "Notfall" wird er wohl auch nicht mitnehmen....

Und das Problem mit dem Papier hab ich auch schon mitbekommen....
ist eben etwas uncool, nen unkooperativen Patienten zu Hause zu lassen nur damit er drei Stunden später endlich fürs KH bereit ist - mit nem dicken hypovolämischen Schock wg. spritzender Ulcusblutung......

Hypnos
07.02.2007, 20:44
Ich interpretiere dich richtig, dass du im Notarztdienst ausnhamslos jeden Patienten mitnimmst, notfalls mit gruen?

Falls ich eine ernsthafte Erkrankung NICHT sicher ausschließen kann, versuche ich einen jeden von der Güte meiner Absicht zu überzeugen (und das ist mir bis auf ich glaube inzwischen 7 Pat. immer gelungen)

Evil
18.02.2007, 09:48
Ihr macht gerade ein Nickerchen in der Nachmittagssonne, da werdet Ihr jäh vom Piepser geweckt.
Euer Fahrer erwartet Euch schon (er kaut noch ;-)) und gibt Euch gleich die Meldung weiter: eine alte Dame hat den Notruf gewählt, weil ihr Mann auf einmal etwas wirr und desorientiert sei.

Ihr kommt zu einer Wohnung im 4. Stock, die Ehefrau (schätzungsweise Anfang 70) erwartet Euch an der Tür und führt Euch ins Schlafzimmer, wo der Mann im Bett liegt.

Dann mal los...

Ehemaliger User 20130505
18.02.2007, 09:57
Falls diese Mittagsonne eine Supersommermittagssonne war, würdeich fragen, ob er in letzter Zeit immer genügend getrunken hat.

hypnotel
18.02.2007, 16:32
Irgendwas zwischen maligner Exsikkose und TIA im Kopf, bitten wir Evil, den im Bett sitzliegenden Herrn noch kurz weiter zu beschreiben; AZ, EZ, Hautkolorit, Reaktion auf eintreff. NA ;-)

Währenddessen anamnestische Vernehmung der Gattin (Alter, Vorerkr, Med. des Pat.; Beschwerden wie und seit wann genau,..?), falls möglich auch Selbstanamnese des Pat., alsdann wird ein erster grober neurol. Status erhoben und körp. untersucht, v.a. Cor, Pulmo und Pulse.