Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schweinegrippe
Feuerblick
30.04.2009, 10:22
Wenn man die Aussage mit "eher junge Menschen" auf die außerhalb Mexicos infizierten Patienten bezieht, macht es ja Sinn. Alte Menschen und Kinder reisen halt in der Regel weniger durch die Weltgeschichte...
Auch wenn die zuständigen Behörden eine hohe Warnstufe verhängt haben, glaube ich doch eher wie bei der "Vogelgrippe" an völlig verfrühte Panikmache und das Aufbauschen durch die Presse. Klar, die Wirtschaftskrise ist langsam ausgelutscht, da muss ein neues Thema her. Wahrscheinlich werden wir in ein paar Wochen genauso den Kopf schütteln wie damals bei der Vogelgrippe, als Tamiflu Modewort war und man überall Krisenpläne ausarbeitete.
MissGarfield83
30.04.2009, 11:44
Besser einmal zuviel und zu umfassend reagiert , als zu spät - auch wenn die Pathogenität dieser H1N1 Variante noch nicht abzuschätzen ist - wenigstens haben sich die Behandlungsmöglichkeiten seit 1917 um einiges verbessert.
WackenDoc
30.04.2009, 12:34
Weiss eigentlich jemand ob die Influenzaschnelltests auch auf H1N1 reagieren?
Schädelspalter
30.04.2009, 13:04
Weiss eigentlich jemand ob die Influenzaschnelltests auch auf H1N1 reagieren?
Soweit ich weiß, wird der Test auch positiv, es ist halt nur keine Abgenzung möglich, ob es sich um eine "normale" Influenza, oder diese neue H1N1 Influenza mit noch unbekannter Pathogenität handelt - um das rauszukriegen, muss AFAIK eine Probe ins Referenzlabor des Paul Ehrlich Institut.
ja, hier:
http://www.cdc.gov/flu/pandemic/phases.htm
He, das ist ja ein Service - Danke luke!
Besser einmal zuviel und zu umfassend reagiert , als zu spät - auch wenn die Pathogenität dieser H1N1 Variante noch nicht abzuschätzen ist - wenigstens haben sich die Behandlungsmöglichkeiten seit 1917 um einiges verbessert.
Mit beiden Aussagen hast du ja Recht, aber zwischen umfassend reagieren und als Medienthema Nummer 1 hochpuschen ist doch ein himmelweiter Unterschied und ich glaube un diesem Sinne wollte Feuerblick verstanden werden - ich stimme ihr da voll zu
WackenDoc
30.04.2009, 13:27
Den Schnelltest machen wir eh schon bei jedem mit ILI- und einem Teil der PAtienten mit ARE- Symptomatik. Wenn der jetzt bei PAtienten mit H1N1 auch anschlägt- um so besser. Therapie ist eh die gleiche. Und jetzt würden wir wohl zusätzlich isolieren und nachfragen wohin mit dem Patienten.
Ich fänd´s nur was übertrieben jeden Patienten mit fieberhaften Infekt mit Tamiflu zu behandeln, zu isolieren und den großen Schweinegrippealarm auszurufen.
@Schädel:weisst du zufällig ne Quelle wo man das nachlesen könnte?
hennessy
30.04.2009, 13:45
mich erinnert das ganze an die Hysterie damals, als HIV in aller Munde war. Als wir den ersten HIV-positiven Patienten in der Klinik begrüßen durften, hieß der Empfang "großer Bahnhof". Will heissen, es musste ein kompletter Behandlungsraum bis auf die Wände/Decken/Böden ausgeräumt werden, Klimatisierung abgestellt, Behandler und Hilfspersonal trugen Ganzkörper-Kondom, vor dem Behandlungsraum wurde im Schnellverfahren quasi eine Schleuse eingerichtet und der Behandlungsbereich wurde weiträumig abgesperrt. Der arme Mann tat mir so leid. Der muss sich doch vorgekommen sein wie ein pesterkrankter Lepra-Patient.
Mir fiel damals der nette Spruch wieder ein: Wenn bei diesen Maßnahmen noch ein kleines Virlein durchkommen sollte, dann soll es "Houdini" heissen. :-))
Ich möchte nicht wissen, wie viele positive Patienten ich seither behandelt habe, ohne es zu wissen und "nur" mit den normalen üblichen Hygieneregeln. Wir sind alle negativ und werden es hoffentlich immer bleiben.
Die "Schweinegrippe" stellt wie die "Vogelgrippe" eine schwer einschätzbare Bedrohung dar, weil es erneut zur Rekombination von tierpathogenen und menschenpathogenen Influenza-Viren gekommen ist.
Inwieweit dadurch die Virulenz oder Pathogenität erhöht ist, kann man derzeit schlecht sagen, möglicherweise wurde beides aber auch vermindert.
Fakt ist, laut CDC ist in den USA bei bisher rund 110 gesichert Infizierten ein Todesfall vorgekommen (http://www.cdc.gov/swineflu/), was die Gefährlichkeit aktuell nicht höher als bei der "normalen" Grippe erscheinen läßt.
Und gefährdet sind entgegen der ersten Meldungen doch eher die Immunschwächeren (Alte, Kinder, Kranke).
Nichtsdestoweniger wurden Notfallpläne zur Isolation in den Kliniken ausgearbeitet (mein Chef ist habilitierter Infektiologe), was zumindest mich direkt betrifft, weil unsere Klinik nicht weit von Regensburg entfernt ist und ich dieses WE auch im Dienst bin.
Und für die Bereitstellung von Tamiflu (Oseltamavir) wurden ebenfalls Maßnahmen ergriffen.
Wir können uns übrigens glücklich schätzen, daß nicht z.B. H3N2 oder so rekombiniert hat, weil dagegen viele Virostatika nicht wirken.
Auch sollte man nicht vergessen, daß die "normale" Grippe jährlich allein in Deutschland rund 10.000 Menschen dahinrafft.
Ein bissl gehypt wird in den Medien schon.
Bislang ist ja noch nicht einmal klar, ob einen die jährliche Influenza-Impfung überhaupt schützt bzw. vor Schlimmerem bewahrt.
Wie airmaria schon sagte: Der große Unterschied besteht einfach darin, dass die Übertragung nun direkt von Mensch zu Mensch erfolgt. Und wie ich gestern hörte, ist noch kein Schwein (also ein echtes ;-)) daran gestorben. Die Tatsache, dass aber bereits Menschen aufgrund ihrer Infektion mit H1N1 gestorben sind, stimmt nicht gerade positiv, wie ich finde.H1N1 (übrigens eine Unterart der "normalen" Grippe) gehörte zu den Stämmen, die im letzten Impfserum enthalten waren, eine gewisse Schutzwirkung durch die Impfung ist daher anzunehmen.
Soweit ich weiß, wird der Test auch positiv, es ist halt nur keine Abgenzung möglich, ob es sich um eine "normale" Influenza, oder diese neue H1N1 Influenza mit noch unbekannter Pathogenität handelt - um das rauszukriegen, muss AFAIK eine Probe ins Referenzlabor des Paul Ehrlich Institut.
Jap. Der Influenzaschnelltest weist lediglich Infuenza A nach, das umfaßt alle HN-Subtypen, also auch z.B. die "Vogelgrippe". Der Test ist aber weder besonders spezifisch noch sensitiv, eigentlich nützt er im klinischen Alltag gar nix.
So wie es bislang aussieht scheint die Letalität bei 1% nicht besonders hoch zu sein - prognostisch wichtiger für den Verlauf ist wohl die Frage, wie hoch die Kontagiosität ist. Im günstigsten Falle ist es nur bei engstem Kontakt übertragbar, aber im schlimmsten Falle könnten sich an öffentlichen Einrichtungen und öffentlichen Verkehrsmitteln viele Menschen infizieren.
Das wäre dann auch wirtschaftlich eine große Katastrophe da durch viele Krankschreibungen die öffentliche Versorgung stark zu leiden hätte.
Und angenommen es infizieren sich bei hoher Kontagiosität "nur" 10% der Population in Deutschland, dann sind die 1% Letalität in absoluten Zahlen immerhin 80.000 Menschen - das ist schon etwas mehr als bei der saisonalen Influenza.
Mittlerweile ist auch eine Krankenschwester betroffen, die sich bei einem der 3 Betroffenen angesteckt hat - irgendwo zwischen Regensburg und Landshut - laut Medien wurde sie ambulant versorgt.
EDIT: der Spiegel meint, der Regensburger Patient war zuvor in Mallersdorf, die Krankenschwester zeigte anschließend deutliche Symptome und wurde daraufhin behandelt.
airmaria
01.05.2009, 12:20
Auch wenn die zuständigen Behörden eine hohe Warnstufe verhängt haben, glaube ich doch eher wie bei der "Vogelgrippe" an völlig verfrühte Panikmache und das Aufbauschen durch die Presse.
nicht ganz: die vogelgrippe hat 2 jahre gebraucht, bis sie in der europäischen presse wahrgenommen wurde... derweil haben asiatische politiker längst millionenfach federvieh als potentielle virenträger notgeschlachtet.
Besser einmal zuviel und zu umfassend reagiert , als zu spät - auch wenn die Pathogenität dieser H1N1 Variante noch nicht abzuschätzen ist
das sehe ich genau so: es geht bei der stufe 5 ja nicht darum, eine vorhandene durchseuchung zu beschreiben, sondern ein risikopotential aufzuzeigen und einzudämmen. da kann es uns doch nur äusserst recht sein, wenn jeder informiert ist. daher ist es in meinen augen gut, dass die böse presse in fetten überschriften malt.
airmaria
....um sich von der vogelgrippe abzugrenzen wäre meiner meinung nach jedoch der begriff "mexiko-grippe" besser gewesen
Hellequin
01.05.2009, 12:24
daher ist es in meinen augen gut, dass die böse presse in fetten überschriften malt.
Informieren ist ja eine Sache, Panikmache und Falschinformationen verbreiten eine andere. Und wenn sich die BLÖD-Zeitung sich wiedermal einen auf den Weltuntergang abhobelt, dann ist das der Sache nicht unbedingt zuträglich.:-meinung
TonyClifton
01.05.2009, 12:31
Informieren ist ja eine Sache, Panikmache und Falschinformationen verbreiten eine andere. Und wenn sich die BLÖD-Zeitung sich wiedermal einen auf den Weltuntergang abhobelt, dann ist das der Sache nicht unbedingt zuträglich.:-meinung
:-meinung
Es gibt nun mal wirklich Leute die die Weltuntergangsmeldungen der Bild für voll nehmen, dabei gibts nun wirklich wenig Gründe konkret um sein Leben zu bangen oder zu befürchten dass 50% der Weltbevölkerung dahingerafft werden, genau diesen Eindruck vermittelt der Boulevard aber.
Feuerblick
01.05.2009, 12:36
Information und Vorbeugung sind prima, Mary, aber hast du in den letzten fünf Tagen zufällig mal Nachrichten geschaut? Dann weisst du, was mich so stört. Dieses Thema wird wieder einmal derart ausgeschlachtet, dass man glauben möchte, die Schweinegrippe wird uns á la "Outbreak" allesamt dahinraffen und nur noch öde Landschaft und verlassene Städte hinterlassen. Sorry, aber bisher gibts wahrlich keinen Grund, irgendwelche Panik zu haben. Aber so manch eine Nachrichtensendung suggeriert, dass man sich am besten gar nicht oder nur noch mit Mundschutz nach draußen trauen sollte.
Ergo: Man übertreibt wieder einmal. Und das ist, was mich so wahnsinnig nervt!
airmaria
01.05.2009, 14:48
Ergo: Man übertreibt wieder einmal. Und das ist, was mich so wahnsinnig nervt!
gewagte aussage, noch wissen wir das nicht... und vielleicht führen nur die - in deinen augen übertriebenen massnahmen dazu - dass es hoffentlich so bleibt!
noch ist das viech ungefährlich, noch ist es nicht verbreitet. auch, weil jeder sofort isoliert wird.
wenn dann ein mexikanischer präsident - noch dazu in zeiten der wirtschaftskrise - sein ganzes land dazu aufruft, 5 tage lang zu hause zu bleiben, gehört dem erstmal eine gehörige portion respekt.
ein australischer virologe (kennedy shortridge) schätzt die situation so ein:
mit der ausbreitung steigt das risiko, dass der erreger gefährlicher wird. denn mit zunehmender verbreitung steigt die chance, dass es sich neu zusammensetzt, sich mit anderen zirkulierenden viren mischt und so gefährlicher werden kann. die wahrscheinlichkeit einer mutation sei erheblich und beunruhigend!
ich lese bei euch immer das wort PANIK... die sehe ich nirgens, wo ist denn die panik?! und wenn alle mit mundschutz rumlaufen würden, wo ist das problem?
airmaria
Feuerblick
01.05.2009, 15:10
Nochmal: Ich finde die Maßnahmen in Ordnung, vielleicht ein klein wenig verfrüht, aber die Warnstufen sind ja nun einmal klar definiert. Nicht gut finde ich, dass JEDER einzelne kleine Fall jetzt in den Medien breitgetreten wird. Das hatten wir doch schon einmal und letztlich war es nur heiße Luft.
Wachsam sein reicht doch völlig aus - ohne gleich zur Massenverabreichung von Tamiflu zu schreiten...:-meinung
ein australischer virologe (kennedy shortridge) schätzt die situation so ein:
mit der ausbreitung steigt das risiko, dass der erreger gefährlicher wird. denn mit zunehmender verbreitung steigt die chance, dass es sich neu zusammensetzt, sich mit anderen zirkulierenden viren mischt und so gefährlicher werden kann. die wahrscheinlichkeit einer mutation sei erheblich und beunruhigend!
Ähm, man möge mich korrigieren, aber war nicht genau DAS schon immer das "Problemchen" mit jedem kleinen Influenza-Virchen?Oder kann das Schweinegrippen-Virus das deutlich besser als andere Influenza-Erreger?
mit der ausbreitung steigt das risiko, dass der erreger gefährlicher wird. denn mit zunehmender verbreitung steigt die chance, dass es sich neu zusammensetzt, sich mit anderen zirkulierenden viren mischt und so gefährlicher werden kann. die wahrscheinlichkeit einer mutation sei erheblich und beunruhigend!
Zutreffend. Und?
Diese Situation besteht bereits seit geraumer Zeit und könnte durchaus schon einige ziemlich fiese Virenstämme hervorgebracht haben, nur haben wir es bislang nicht bemerkt... und trotzdem überlebt.
Dieses Mal wurde es bemerkt, es werden von den Kliniken und Gesundheitsämtern Maßnahmen ergriffen, und damit hat es sich.
Vorschläge wie von den Franzosen, man möge doch alle Flüge nach Mexico einstellen, sind genau die Art von kontraproduktiv, die Funkel meint. Was soll bitte so ein Blödsinn?
Prinzipiell hast Du aber recht, Mary, eine sachliche Diskussion über die "Schweinegrippe" tät man in einem Medizinerforum eigentlich schon erwarten.
Haben wir ja auch jetzt :-D
Ich möchte hier mal einstreuen, dass unser Viro Chef damals zu Zeiten der Vogelgrippe meinte, man solle viel mehr mal auf die Schweine achten - die sind uns so ähnlich, dass deren Viren viel gefährlicher für uns sind. Guck an, der hatte recht.
Dr. Pschy
01.05.2009, 17:54
Wenn ich mir die neusten Fakten von heute ansehe und die Grippe mittlerweile auch in Asien angekommen ist glaube ich, dass es eher noch schlimmer wird und wir den Gipfel bei weitem noch nicht erreicht haben. Zwar weit von medial gepushten Weltungergangsszenarien entfernt, aber immerhin. Ich hab mir auf jeden Fall mal ne Packung Tamiflu heimgelegt.
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