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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Im PJ: Saft in Vene gespritzt - Kind tot



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Kandra
15.08.2013, 09:21
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/medizinstudenten-im-pj-das-haette-auch-schiefgehen-koennen-a-914791.html

Jetzt schiesst sich der Spiegel ein ^^

MissGarfield83
15.08.2013, 09:28
Wenn man sich dazu die Kommentare durchliest ... Da wird einem übel :-(

Coxy-Baby
15.08.2013, 09:39
Niemals Kommentare zu medizinischen Sachen lesen! Besonders nicht auf SpOn!

MissGarfield83
15.08.2013, 09:42
@coxy: Ach manchmal treibt mich doch die Neugier und dann muss ich meist doch sehr entsetzt den Kopf schütteln.

fritzline
15.08.2013, 09:55
Ich habe von dem Fall erst gestern erfahren (durch SpON :-blush - aber die Kommentare les ich da nach Möglichkeit bei KEINEM Thema!). Puh, bin ich froh, dass ich ohne Anklage durch's PJ gekommen bin. Tja, wie das in der Anästhesie so üblich ist, da lässt einen gern mal der Chef allein bei nem Patienten zur Überwachung ...

Strodti
15.08.2013, 11:31
Der Vorfall zeigt aber auch, dass wichtige Grundregeln für die praktische Arbeit auf Station nicht gelehrt werden. Eine unbeschriftete Spritze oder Infusion wird nur von demjenigen angehangen, der sie zubereitet hat. Es gibt auch bei der Verabreichung von Medikamenten die "5 R", die mir vorher klar sein müssen:
Richtiger Patient
Richtiges Arzneimittel
Richtige Dosierung (oder Konzentration)
Richtige Applikation (auch Applikationsart)
Richtige Zeit (richtiger Zeitpunkt)
Das kleine 1x1 der Stationsarbeit... lernt jeder Pflegeschüler.

In der Nachsicht sowas anzumäkeln ist natürlich nicht zielführend. Dass hier keiner der ausbildenden oder beaufsichtigenden Ärzte belangt wurde, ist mir unverständlich.

Kyutrexx
15.08.2013, 12:53
Bezüglich der Argumentation scheinen die aktuellen Artikel zum Thema eigentlich immer wieder aufzugreifen, der Student hätte das eigentlich gar nicht machen dürfen, d.h. die konkrete Tätigkeit.

Aber dass das Problem nicht an einer mangelhaften Ausführung, sondern der mangelhaften Kommunikation liegt, scheint traurigerweise unterzugehen.


Sachen zu machen, für die man nicht ausgebildet ist, ist doch ne komplett andere Schiene.


Im Endeffekt läuft es aber dennoch oft darauf hinaus, dass wer fragt, sich unbeliebt macht und das traut sich mancher nicht.
Irgendwie auch nachvollziehbar.

Das Nachfragen wird von keiner Seite gerne gesehen.
Im Pflegepraktikum hab ich das hier und da mal gemacht (bei Sachen, die ich ohnehin gar nicht hätte machen dürfen) und wurde teilweise ranzig dafür angeschnauzt.



Dass hier keiner der ausbildenden oder beaufsichtigenden Ärzte belangt wurde, ist mir unverständlich.
Naja, Anklage erhebt die Staatsanwaltschaft - und bestimmt, gegen wen überhaupt Anklage erhoben wird.

Das wiederum hängt davon ab, wie und in welcher Weise die Klinik Auskunft gegenüber der Staatsanwaltschaft macht.

Wenn die Klinik mit erhobenem Zeigefinger auf den Studenten zeigt und mit keinem Wort erwähnt, dass evtl. noch n Ausbilder daran schuld haben könnte, dann tendieren die Staatsanwaltschaften dazu, dem so auch nachzugehen.


Schon damals wirkte es für mich, als wollte die Klinik möglichst denjenigen belangen, der am wenigsten "Wert" für sie hat.
Und das ist nunmal der Student und nicht der Stations- oder Oberarzt oder die angestellt Schwester oder wer sonst noch auf der regelmäßigen Gehaltsliste steht.


Verquere Welt ...

Feuerblick
15.08.2013, 13:08
Wenn man genau liest, dann hat den Studenten offensichtlich auch niemand beauftragt, ein Medikament zu spritzen. Er hat sich eigenständig dazu entschlossen es zu tun, weil er dachte, er solle es tun. DAS hat nichts mit mangelnder Ausbildung zu tun sondern DAS ist nun einmal nur das Verschulden des PJlers. Dass er dazu nicht wusste, was er da spritzt, was in der Spritze ist, OB es gespritzt werden soll (oder vielleicht schon den ganzen Tag rumlag) und dass er vor allem nicht nachgefragt hat, das ist ein eklatanter Fehler! SEIN Fehler!
Ja, die ausbildenden Ärzte sollten ihren PJlern und Famulanten die von Strodti schon erwähnten "5Rs" erklären und ja, sie sollten natürlich auch mit in die Verantwortung gezogen werden.
Trotzdem beobachtet man gerne mal bei manch einem PJ komplette Selbstüberschätzung. Und meiner Ansicht nach ist genau diese an dieser tragischen Geschichte beteiligt.
Wäre schön, wenn Kliniken und Studenten aus diesem Fall ihre Lehren ziehen und zum einen die Leute gescheit anlernen und zum anderen erst denken und dann spritzen/anhängen. :-meinung

Brutus
15.08.2013, 13:15
Ja, das ist schon richtig, allerdings sind ja in der jetzigen Berichterstattung doch viele Sachen einfach untergegangen.
Und da haben mehr Leute als nur ein Student versagt:

^^ Hmm. Ich weiß nicht, ob ich das Urteil so gut finde...
Da sind einfach zu viele Sachen nicht berücksichtigt worden. Wieso hat die Mutter, die ja mit im Raum war, und nach der Schilderung dem Kind das Antibiotikum in den Mund träufeln sollte, nix gesagt, als der Student dieses Medikament iv gegeben hat??? Auch die anderen Beteiligten sind ja irgendwie sehr "unbeteiligt" gewesen. Hinterher will es niemand gewesen sein... Mal sehen, ob es noch weiter geht...
Und mich würde auch interessieren, ob die Uni MS auch Taten ihren Worten folgen lässt! Da hieß es nämlich in einer Fortbildung, dass man die Kooperation mit den evangelischen Kliniken Bielefeld einstellen würde. Und außerdem wolle man auf jeden Fall in Revision gehen, damit derartige Fälle auf jeden Fall geklärt werden. :-nix
Alles in Allem hätte dies so nie passieren dürfen, aber alles auf dem "Kleinsten" abzuwälzen... nee, das ist zu einfach...

Feuerblick
15.08.2013, 13:20
Ist es, aber das war ja zu erwarten, oder? :-nix

Miss_H
15.08.2013, 14:28
Aber deshalb muss man die Entscheidung nicht gut finden?!
Und zu sagen, dass der PJler keinen Auftrag hatte etwas mit der Spritze zu machen, das ist auch nur deine Vermutung. Leider wird sich nie klären welche Worte dort gefallen sind. Meiner Meinung nach ist es nicht die alleinige Schuld des PJlers.

SteveMcQueen
15.08.2013, 14:35
Wenn man genau liest, dann hat den Studenten offensichtlich auch niemand beauftragt, ein Medikament zu spritzen. Er hat sich eigenständig dazu entschlossen es zu tun, weil er dachte, er solle es tun. DAS hat nichts mit mangelnder Ausbildung zu tun sondern DAS ist nun einmal nur das Verschulden des PJlers. Dass er dazu nicht wusste, was er da spritzt, was in der Spritze ist, OB es gespritzt werden soll (oder vielleicht schon den ganzen Tag rumlag) und dass er vor allem nicht nachgefragt hat, das ist ein eklatanter Fehler! SEIN Fehler!
Ja, die ausbildenden Ärzte sollten ihren PJlern und Famulanten die von Strodti schon erwähnten "5Rs" erklären und ja, sie sollten natürlich auch mit in die Verantwortung gezogen werden.
Trotzdem beobachtet man gerne mal bei manch einem PJ komplette Selbstüberschätzung. Und meiner Ansicht nach ist genau diese an dieser tragischen Geschichte beteiligt.
Wäre schön, wenn Kliniken und Studenten aus diesem Fall ihre Lehren ziehen und zum einen die Leute gescheit anlernen und zum anderen erst denken und dann spritzen/anhängen. :-meinung

Ich bin nicht überzeugt, dass das alles wirklich so ohne Anweisung gelaufen ist. Wer dann letztendlich was zu wem gesagt hat, lässt sich in solchen Situationen schwerlich beweisen, da auf einmal alle bedeutende Lücken in ihrer Erinnerung aufweisen.

Feuerblick
15.08.2013, 14:37
Hab ich ja auch nie behauptet. Aber er hat Mitschuld, das sollte man zumindest auch anerkennen. Natürlich (und das schrieb ich ja) müssen auch die für die Ausbildung verantwortlichen Menschen zur Verantwortung gezogen werden. Dass das nicht passiert, liegt daran, dass es für das KH im Zweifelsfall billiger ist, den Kleinsten zu hängen als sich in lange Schadensersatzprozesse zu stürzen. Gut finde ich das nicht, aber zu erwarten wars... :-nix

Miss_H
15.08.2013, 14:46
Dass er dazu nicht wusste, was er da spritzt, was in der Spritze ist, OB es gespritzt werden soll (oder vielleicht schon den ganzen Tag rumlag) und dass er vor allem nicht nachgefragt hat, das ist ein eklatanter Fehler! SEIN Fehler!


Aber er hat Mitschuld, das sollte man zumindest auch anerkennen.

Also ich sehe zwischen diesen beiden Aussagen einen deutlichen Unterschied, aber du hast es ja schon geklärt.

Und wenn du findest, dass einige PJler an Selbstüberschätzung leiden, dann sagst du ihnen das auch hoffentlich sofort?! Denn nur dadurch können sie lernen. Mach ihnen auch klar was passieren hätte können. Nur schimpfen bringt nämlich keinem etwas.

Feuerblick
15.08.2013, 14:48
Das Problem ist, dass genau diese PJler oft keinerlei Einsicht zeigen. Und da ist es egal, ob der Kommilitone und Mit-PJ oder der Stationsarzt oder gar der Chefarzt sie darauf hinweist. Leider! Darauf hingewiesen wurden sie natürlich...

Kandra
15.08.2013, 15:50
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bielefeld-ermittlungen-gegen-klinik-nach-tod-eines-babys-a-916808.html

Vielleicht gehts den Klinikverantwortlichen ja doch noch an den Kragen. Auch wenn ich das eigentlich bezweifel, da belastet sich ja keiner gegenseitig.

Miss_H
15.08.2013, 15:56
Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe nur Bedenken, dass bei dieser Debatte die unsichern Leute noch mehr verunsichert werden. Denn wenn ich höre, dass man sich mit Nachfragen unbeliebt macht, dann denke ich mir "ist mir egal, bevor ich jemanden gefährde frage ich wenn nötig auch 10 mal nach". Ich kann mir aber gut vorstellen, dass unsichere Menschen die Verantwortung ganz abgeben und dadurch auch weniger Lernen. Und das nur aus Angst, das ist genau so falsch wie durch Selbstüberschätzung schwere Fehler zu machen.
Es bleibt nur zu hoffen, dass man einen guten Lehrenden hat, der die Person einschätzen kann und ihr genau die richtige Kommunikation entgegenbringt.

Nessiemoo
15.08.2013, 15:57
ich finde es schon krass, dass der PJ'ler anscheinend als einziger Beteiligter angeschuldigt worden ist.

MissGarfield83
15.08.2013, 16:58
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55499/Tod-durch-falsche-Spritze-Staatsanwaltschaft-ermittelt-nun-doch-gegen-Klinik

Irgendwie brauchen Juristen doch einfach etwas länger ...

psycho1899
15.08.2013, 17:06
Natürlich (und das schrieb ich ja) müssen auch die für die Ausbildung verantwortlichen Menschen zur Verantwortung gezogen werden.

Ich frag mal ganz ketzerisch... warum?

Unter der Prämisse, dass es stimmt, dass dem Studenten nicht der Auftrag gegeben worden sei, direkt nach Anlage der Venenverweilkanüle ein Antibiotikum zu spritzen, versetzten wir uns doch mal Lage der Beteiligten:

Als Student... wäre ich doch hoffentlich nie auf die Idee gekommen, ohne Anweisung ein mir unbekanntes Mittel unbekannter Dosierung aus einer unbeschrifteten Spritze, die wer weiß wie lange schon auf dem Tisch liegt, einem Patientin intravenös zu spritzen. Ich denke, dass Fehlverhalten hier ist offensichtlich und kann kaum entschuldigt werden.

Als Stationsarzt, dem der PJ-Student zugeteilt ist... welche Schuld trage ich? Offenbar war der PJler in der Lage, intravenöse Zugänge zu legen. Wenn ich ihm den Auftrag gebe, dies zu tun (und weiss, das er es kann) und der Student entscheidet sich dann dazu, ein Medikament ohne Auftrag zu spritzen, wie hätte man das als Stationsarzt verhindern sollen?
Wer von Euch läuft denn den PJs bei Blutentnahmen und Viggos legen hinterher, um zu verhindern, dass diese nicht noch zusätzlich eigenverantwortlich irgendwelche Medikamente applizieren oder sonstigen Unsinn anrichten? Wir reden hier schliesslich von Mit-20- bis Anfang-30er mit mind. 5 J Studium hinter sich.

Als Oberarzt/Chefarzt... dito.

Das einzige, was natürlich sehr kritisch zu sehen ist, wieso eine Spritze mit einem Medikament aufgezogen im Zimmer liegt, ohne dass es adäquat beschriftet ist. So eine Spritze gehört sofort entsorgt.