Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Im PJ: Saft in Vene gespritzt - Kind tot
Seiten :
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
[
13]
14
Hier ist mal ein weiterer Beitrag aus dem DÄ: ich finde, dass der Studiendekan da schon ziemlich gute Argumente GEGEN die Klinik / -leitung vorbringt. Gänzlich entlasten tut das zwar den PJ nicht, aber zumindest sind da doch einige sehr interessante Aussagen drin.
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55402/Tod-nach-falscher-Spritze-Studiendekan-stellt-sich-hinter-PJler
Als Student... wäre ich doch hoffentlich nie auf die Idee gekommen, ohne Anweisung ein mir unbekanntes Mittel unbekannter Dosierung aus einer unbeschrifteten Spritze, die wer weiß wie lange schon auf dem Tisch liegt, einem Patientin intravenös zu spritzen. Ich denke, dass Fehlverhalten hier ist offensichtlich und kann kaum entschuldigt werden.
Laut o.g. Artikel hat die Schwester die (unbeschriftete) Spritze mit Worten ins Zimmer gebracht: "Hier ist das Medikament" - Und das zum Zeitpunkt, wo der Student die Viggo legt... Und vorher haben sie sich über Berg-und-Talspiegel von Antibiotika unterhalten... Und der Student hat wirklich alleine Schuld???
Das einzige, was natürlich sehr kritisch zu sehen ist, wieso eine Spritze mit einem Medikament aufgezogen im Zimmer liegt, ohne dass es adäquat beschriftet ist. So eine Spritze gehört sofort entsorgt.
Die lag eben nicht rum. Sondern wurde zu der Zeit ins Zimmer gebracht! s.o. :-nix
Laut einem Artikel, den ich mal irgendwo gelesen habe, war der Student gerade beim Blut abnehmen im Zimmer, als die Schwester reinkam und die AB-Spritze auf das Nachtkästchen gelegt hat. Er sagt, sie habe gesagt, er solle das gleich auch noch geben, sie sagt natürlich, sie habe das nicht gesagt. Aussage gegen Aussage, wird man nie wieder feststellen können, wie es wirklich gewesen ist. Ohne beim Prozess dabei gewesen zu sein, kann man vermutlich keine wirkliche Meinung zu dem Ganzen haben, weil man ja nicht alle Seiten der Medaille kennt.
Ich bin allerdings schon der Meinung, dass hier nicht nur dem PJler etwas anzulasten ist, denn jeder von uns weiß, wie die Situation in vielen Krankenhäusern aussieht (wie das in dem Münsteraner Krankenhaus speziell aussieht, dazu können uns sicher Leute aus Münster etwas sagen). Stress, kaum Teaching, man wird oft ins kalte Wasser geworfen. Wenn man dann noch eher unsicher ist oder auch einfach einen wahnsinnig schlechten Tag erwischt hat, dann kann sowas passieren.
SteveMcQueen
15.08.2013, 17:40
Hier ist mal ein weiterer Beitrag aus dem DÄ: ich finde, dass der Studiendekan da schon ziemlich gute Argumente GEGEN die Klinik / -leitung vorbringt. Gänzlich entlasten tut das zwar den PJ nicht, aber zumindest sind da doch einige sehr interessante Aussagen drin.
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55402/Tod-nach-falscher-Spritze-Studiendekan-stellt-sich-hinter-PJler
Laut o.g. Artikel hat die Schwester die (unbeschriftete) Spritze mit Worten ins Zimmer gebracht: "Hier ist das Medikament" - Und das zum Zeitpunkt, wo der Student die Viggo legt... Und vorher haben sie sich über Berg-und-Talspiegel von Antibiotika unterhalten... Und der Student hat wirklich alleine Schuld???
Die lag eben nicht rum. Sondern wurde zu der Zeit ins Zimmer gebracht! s.o. :-nix
Da liegt nämlich der Hund begraben. Ich möchte nicht wissen, wieviele Teilnehmer dieses Fred´s dem Kind den Apfelsaft injiziert hätten. Ich kann es für mich nicht ausschließen. Man stelle sich vor, man ist in diesem Zimmer, nimmt Blut ab, die Schwester kommt rein und sagt: "Hier ist das Medikament...".
Was hättet ihr gedacht/gemacht? Das ist eine Situation, die einfach ins Auge gehen kann. Dann noch 15 weitere Blutentnahmen auf dem Tablett, die Schwestern nerven mit Braunülen etc..
Feuerblick
15.08.2013, 17:43
Ich denke auch, dass die zuständigen Ärzte zumindest versäumt haben, dem Studi beizubringen, dass man nicht irgendwas spritzen darf, von dem man nicht sicher weiß, was es ist und wie es in den Körper der Patienten rein soll. Ganz ehrlich: Ich habe im PJ bereits aufgezogene, aber unbeschriftete Spritzen weggeworfen, im Plan nachgeschaut und mir das Zeug nochmal selbst aufgezogen. DAS gehört zu den Dingen, die ein Student beigebracht bekommen soll. Selbständiges Arbeiten und Hinterfragen der Tätigkeiten. Hat offensichtlich nicht funktioniert. Außerdem wäre es schon sinnvoll, gerade in so sensiblen Bereichen wie der Pädiatrie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen wie zB Spritzen, die nur dann auf einen Zugang passen, wenn sie für eine iv-Gabe gedacht sind, einzuführen. Trotzdem trägt er wie gesagt Mitschuld, denn in dem Stadium der Ausbildung sollte er ausreichend mitdenken können. Die Frage "Was ist das und soll das i.v." hätte eigentlich unbedingt fallen sollen. Alleine, weil der PJ mal kurz das eigene Hirn benutzt hat. Später als Arzt wird er das öfter tun müssen :-nix
Von einer kleinen Nebentätigkeit zur nächsten hetzen, im Hinterkopf 3 andere Dinge, die man noch erledigen soll, vielleicht zu wenig getrunken und jemand, mit dem man täglich zusammen arbeitet bittet darum, eine alltägliche Aufgabe durchzuführen (angenommen, die Krankenschwester hat ihn wirklich dazu aufgefordert).
Mir hätte das auf jeden Fall passieren können, wenn auch nur an ganz ganz wenigen Tage im PJ. Und ich glaube, fast jedem anderen auch.
Eine Schuld/Verantwortung sehe ich bei den beaufsichtigenden Ärzten aber auch nicht. Der PJ scheint bei den typischen "Studententätigkeiten" eher routiniert gewesen zu sein und ich empfinde es auch nicht Aufgabe des Stationsarztes, eine allumfassende Einweisung in was geht und was nicht bei jedem neuen Studenten zu geben.
Die 5R der Medikamentenapplikation kenne ich aus der Rettungsdienstausbildung und dort haben sie mich bei einem Einsatz nachts (müde) im letzten Moment davor bewahrt, dem Notarzt ein falsches Medikament zu geben (auch wenn es in dem Fall nicht schlimm gewesen wäre). Ich erinnere mich zwar an eine PharmaVL, in der sie vorkamen, aber während der Einführungsveranstaltung fürs PJ (bei keinem Tertial) wurden sie erwähnt. Eigentlich eine Schande.
Dass da ständig von "Arzt im Praktikum" oder "Arzt in Ausbildung" gesprochen wird, finde ich absolut lächerlich. Und wenn ich die Kommentare auf den einschlägigen Newsseiten lese, weiß ich wieder, warum ich den Menschen an sich nicht mag...
Bemerkenswert finde ich, dass der Münsteraner Studiendekan sich so deutlich hinter "seinen" Studenten gestellt hat.
Laut o.g. Artikel hat die Schwester die (unbeschriftete) Spritze mit Worten ins Zimmer gebracht: "Hier ist das Medikament" - Und das zum Zeitpunkt, wo der Student die Viggo legt... Und vorher haben sie sich über Berg-und-Talspiegel von Antibiotika unterhalten... Und der Student hat wirklich alleine Schuld???
Faszinierend finde ich den angeblichen Standard, dass Medikamente zur oralen Applikation einen roten Stopfen auf die Spritze bekommen. Bemerkenswert, was für ein guter Standard das ist, dass ein anderer Student, der wohl zur gleichen Zeit in der gleichen Klinik war, von diesem Standard nichts wusste.
Und die oralen Medikamente sollen laut Standard nicht beschriftet werden? WTF?
Nichtbeschriftete Spritzen sind böse! Egal, für welche Applikationsform sie vorgesehen sind, was nicht beschriftet ist, kommt in die Tonne. (Außer ich hab es selbst aufgezogen oder bekomme zum Medikament auch noch die Ampulle gezeigt und angesagt, womit es verdünnt ist.)
Ich bin sehr gespannt, was jetzt im Zuge der Ermittlungen gegen die Klinik herauskommt. Irgendwie hab ich das dumpfe Gefühl, dass da im Prozess gegen den Studenten nicht die volle Wahrheit ans Licht gekommen ist.
facialis
16.08.2013, 14:01
...dass er vor allem nicht nachgefragt hat, das ist ein eklatanter Fehler! SEIN Fehler!
Wahrscheinlich war es ein Kommunikations - bzw. Aufmerksamkeitsfehler. Ja, er hätte nachfragen müssen, womit es mit der Spritze auf sich hat. Er trägt damit die Mitschuld, keine Frage. Aber dass die Schwester und der Stationsarzt und erst recht die Klinik wirklich die gesamte Schuld an das schwächste Glied abgewälzt haben, ist natürlich für alle Seiten bequem und einfach, aber nicht korrekt. Wenn das ein typischer a la "aufgebrachter Wutbürger" bzw. SPON - Kommentarschreiber geschrieben hätte (Arzt ist immer schuld, so isses am einfachsten), hätte mich das nicht gewundert, aber dass du als Arzt solche These vertrittst, halte ich für bedenklich.Gerade als Arzt/Ärztin weisst du, wie es im Krankenhaus so ist und dass so ein Fehler jederzeit jedem passieren kann, auch bei größter Aufmerksamkeit.
Feuerblick
16.08.2013, 14:04
Du liest aber schon meine Beiträge komplett, oder? Da steht (mehrfach!!!) drin, dass ich es ebenfalls nicht gutheiße, dass nur der PJ bestraft wurde. Er trägt (auch mehrfach geschrieben) Mitschuld... Also bitte erst lesen, dann meckern, okay?
Und ja, auch mir kann so ein Fehler unterlaufen. Und wer trägt dann die Schuld? Genau... ICH...
SteveMcQueen
16.08.2013, 14:17
Du liest aber schon meine Beiträge komplett, oder? Da steht (mehrfach!!!) drin, dass ich es ebenfalls nicht gutheiße, dass nur der PJ bestraft wurde. Er trägt (auch mehrfach geschrieben) Mitschuld... Also bitte erst lesen, dann meckern, okay?
Ich finde das liest sich da nicht so raus.
Und ja, auch mir kann so ein Fehler unterlaufen. Und wer trägt dann die Schuld? Genau... ICH...
Ich kann facialis da schon verstehen, denn mit solchen Sätzen sagst du dann doch, dass es nur der Fehler des PJlers war. Du bist Facharzt oder zumindesten schon "Altassi" und das ist ja ein gewaltiger Unterschied zu einem PJler. Aber selbst wenn du diesen Fehler gemacht hättest, dann würde ich da auch einen Fehler bei der Schwester sehen und auch beim Krankenhaus, weil orale Medikamente nicht in i.v. Spritzen sein sollten. Wenn du die Schuld alleine auf deiner Seite sehen würdest, dann ist das okay, aber andere Leute sehen das halt anders.
Feuerblick
16.08.2013, 14:23
Ich denke auch, dass die zuständigen Ärzte zumindest versäumt haben, dem Studi beizubringen, dass man nicht irgendwas spritzen darf, von dem man nicht sicher weiß, was es ist und wie es in den Körper der Patienten rein soll. Ganz ehrlich: Ich habe im PJ bereits aufgezogene, aber unbeschriftete Spritzen weggeworfen, im Plan nachgeschaut und mir das Zeug nochmal selbst aufgezogen. DAS gehört zu den Dingen, die ein Student beigebracht bekommen soll. Selbständiges Arbeiten und Hinterfragen der Tätigkeiten. Hat offensichtlich nicht funktioniert. Außerdem wäre es schon sinnvoll, gerade in so sensiblen Bereichen wie der Pädiatrie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen wie zB Spritzen, die nur dann auf einen Zugang passen, wenn sie für eine iv-Gabe gedacht sind, einzuführen. Trotzdem trägt er wie gesagt Mitschuld, denn in dem Stadium der Ausbildung sollte er ausreichend mitdenken können. Die Frage "Was ist das und soll das i.v." hätte eigentlich unbedingt fallen sollen. Alleine, weil der PJ mal kurz das eigene Hirn benutzt hat. Später als Arzt wird er das öfter tun müssen :-nixDann markiere ich es dir nochmal, damit du es auch rauslesen kannst...
Feuerblick
16.08.2013, 14:23
Wenn man genau liest, dann hat den Studenten offensichtlich auch niemand beauftragt, ein Medikament zu spritzen. Er hat sich eigenständig dazu entschlossen es zu tun, weil er dachte, er solle es tun. DAS hat nichts mit mangelnder Ausbildung zu tun sondern DAS ist nun einmal nur das Verschulden des PJlers. Dass er dazu nicht wusste, was er da spritzt, was in der Spritze ist, OB es gespritzt werden soll (oder vielleicht schon den ganzen Tag rumlag) und dass er vor allem nicht nachgefragt hat, das ist ein eklatanter Fehler! SEIN Fehler!
Ja, die ausbildenden Ärzte sollten ihren PJlern und Famulanten die von Strodti schon erwähnten "5Rs" erklären und ja, sie sollten natürlich auch mit in die Verantwortung gezogen werden.
Trotzdem beobachtet man gerne mal bei manch einem PJ komplette Selbstüberschätzung. Und meiner Ansicht nach ist genau diese an dieser tragischen Geschichte beteiligt.
Wäre schön, wenn Kliniken und Studenten aus diesem Fall ihre Lehren ziehen und zum einen die Leute gescheit anlernen und zum anderen erst denken und dann spritzen/anhängen. :-meinungUnd hier auch nochmal.... Nun gelesen?
Ich sehe (mein Gott, wie oft muss ich es eigentlich wiederholen, bis irgendwer von euch das auch liest??????) die Schuld auf BEIDEN Seiten!!!! Ist das denn so verdammt schwer zu kapieren? Der PJ hat nicht gefragt und einen Fehler gemacht und das KH hat versagt, ihm das rechtzeitig beizubringen. PUNKT! Nichts anderes schreibe ich hier seit diversen Beiträgen. :-(
Ich kann facialis da schon verstehen, denn mit solchen Sätzen sagst du dann doch, dass es nur der Fehler des PJlers war.
Nicht nur, aber hauptsächlich. Nach dem, was veröffentlicht worden ist, hat er unaufgefordert den Saft injiziert.
Das ist die Faktenlage, von der das Gericht ausgeht, und nach der hat er den entscheidenden Fehler begangen, nicht jemand anders. Ob das tatsächlich so gewesen ist, ist eine andere Frage. Und die Umstände begünstigen solche Unfälle, daher gehören die dringend geändert.
WSkinner
16.08.2013, 15:46
Wobei diese Tatsache in unterschiedlichen Publikationen anders dargestellt wird. Interessant wäre das Aktenzeichen zum Urteil, um einmal die genaue Urteilsbegründung (und die Auffassung über den Tathergang nach Beweisaufnahme) zu erfahren.
@evil: das ist eben NICHT so einfach....
Die Schwester kam rein mit dem Satz "Dies ist ein Antibiotikum" in einer Spritze.... Wie würde man den Satz denn verstehen wollen?
(dies ist zumindest die Info, die wir als Mit-Kommilitonen zu dem Fall erhalten haben)
@evil: das ist eben NICHT so einfach....
Die Schwester kam rein mit dem Satz "Dies ist ein Antibiotikum" in einer Spritze.... Wie würde man den Satz denn verstehen wollen?
(dies ist zumindest die Info, die wir als Mit-Kommilitonen zu dem Fall erhalten haben)
Ich weiss ja nicht, aber das wäre für mich keine Aufforderung, das dann auch sofort i.v. zu geben. Eher schon "Und das soll ich jetzt spritzen?" oder "Und was mache ich jetzt damit?" zu fragen.
Nachgefragt hat er nicht - diesen fehler kann man ihm sicher vorwerfen. By the way..
wer von euch hat im stationsalltag mal so eben dinge ohne nachfragen erledigt? Vielleicht in der hektik? Im nachhinein ist man immer schlauer
Ja, aber wenn meinetwegen dann ein Kind tot ist, muß ich für dafür dann auch geradestehen.
Kackbratze
16.08.2013, 17:56
Nachgefragt hat er nicht - diesen fehler kann man ihm sicher vorwerfen. By the way..
wer von euch hat im stationsalltag mal so eben dinge ohne nachfragen erledigt? Vielleicht in der hektik? Im nachhinein ist man immer schlauer
Gerade WEIL sowas passieren kann, mache ich Dinge im Stationsalltag nicht ohne Rückfrage. Hektik hin oder her.
By the way...gerade wenn Hektik ist passiert sowas, weswegen ich mich nicht der Hektik anschließe, sondern weiter MEINEN Job mache.
Herzkasperl
16.08.2013, 18:15
Feuerblick hat völlig Recht. Da ist eine Mitschuld und das das wurde auch korrekt dargestellt. Das Urteil mit den paar Tagessätzen ist für ein totes Kind nahezu ein Freispruch und entspricht ziemlich genau Feuerblicks Analyse. Dass nun der PJler als erstes juristisch aufbereitet wurde ist auch nachvollziehbar, denn er war am nächsten dran. Jetzt wird man mal sehen, was die Stationsschwester und die Klinik dort noch so zu erwarten haben. Angesichts der paar Tagessätze scheint das Gericht auch der Auffassung zu sein, dass an anderer Stelle durchaus strafrechtlich noch was zu finden sein könnte. Dass die StA so vorgeht, ist vollkommen normal - denn nun hat sie gerichtliche Hinweise, wo weiter nachgebohrt werden kann.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.