Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Im PJ: Saft in Vene gespritzt - Kind tot
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Der hatte nämlich im PJ beispielsweise nie EKs anhängen dürfen sondern durfte nur dabei zuschauen.
Dagegen habe ich mich im PJ strikt gewehrt. Mir war beim Kreuzblut abnehmen schon nie richtig wohl...
Feuerblick
24.09.2011, 12:30
Unter Aufsicht durften meine PJler das sehr wohl. Ob ich nun danebenstehe und mir das anschaue oder selbst mache, ist kein großer Unterschied. Aber wenigstens können sie es dann als Assistenzarzt und die Gefahr des üblichen "Das machste so und so und so" mit nachfolgendem Abgang des erfahrenen Assistenten und fehlender wirklicher Anleitung ist gebannt... Ich war sehr froh, dass in meinem PJ das genau so gehandhabt wurde. Warum sollte ich mich wehren? Wenn mir jemand über die Schulter schaut, ist das immer noch besser als später alleine.
Mmh, dann läuft das bei Schamanen anders ab ;-) - bei uns muss jeder eine Transfusion als Assi unter Aufsicht machen (nach Transf.med. Einweisung), voher dürfen wir gar nicht alleine.
Und weil du schreibst, er hätte nur zuschauen dürfen beim EK anhängen im PJ - dann hat er es doch schonmal gesehen, erklärt bekommen - WARUM kann er das denn nicht?
Feuerblick
24.09.2011, 12:37
Mmh, dann läuft das bei Schamanen anders ab ;-) - bei uns muss jeder eine Transfusion als Assi unter Aufsicht machen (nach Transf.med. Einweisung), voher dürfen wir gar nicht alleine.War in der Chirurgie, bevor ich Schamanin wurde. Da wäre es durchaus üblich gewesen, das erste Mal ohne Aufsicht machen zu müssen... Insofern war ich sehr froh über die gute Anleitung im PJ (übrigens im gleichen Haus - so kann sich Ausbildung von Ausbildung unterscheiden :-)) ). Auf die Idee einer Einweisung durch die Transfusionsmediziner (die es in dem kleinen Haus auch gar nicht gab), wäre da wohl niemand gekommen. :-nix
*grins* Wobei auch beim aktuellen Kollegen niemand auf die Idee kam, einen Transfusionsmediziner dazu zu bitten... wäre hier vielleicht nötiger gewesen - so unter Schamanen :-))
Was das Zuschauen angeht: Ehrlich, wenn ich nur zuschaue ist das so ähnlich, als würde ich eine unbekannte Strecke als Beifahrer mitfahren. Du bist zwar dabei, aber die Strecke beim nächsten Mal selbst finden ist meistens nicht möglich. So in etwa fühle ich mich auch, wenn ich Dinge zwar gesehen, aber noch nie gemacht habe. Total orientierungslos...
Sag mal Funkel, transfundiert Ihr denn regelmäßig? Habe ich ja noch nie von schamanistischen Abteilungen gehört. Wir hatten ein einziges Mal eine Patientin mit irgendeiner Leukämie, die TKs brauchte. Aber das hat unsere Abteilung nicht gemacht, weil nicht ein einziger Kollege je auch nur ein Blutprodukt angehängt hatte und unsere Abteilung selbstverständlich keinen Transfusionbeauftragten hat.
War in der Chirurgie, bevor ich Schamanin wurde. Da wäre es durchaus üblich gewesen, das erste Mal ohne Aufsicht machen zu müssen... Insofern war ich sehr froh über die gute Anleitung im PJ (übrigens im gleichen Haus - so kann sich Ausbildung von Ausbildung unterscheiden :-)) ). Auf die Idee einer Einweisung durch die Transfusionsmediziner (die es in dem kleinen Haus auch gar nicht gab), wäre da wohl niemand gekommen. :-nix
*grins* Wobei auch beim aktuellen Kollegen niemand auf die Idee kam, einen Transfusionsmediziner dazu zu bitten... wäre hier vielleicht nötiger gewesen - so unter Schamanen :-))
Der Transfusionsmediziner stand natürlich nicht daneben, der arme Mensch :-)!!
Einführung gibt es, glaub ich alle paar Monate für alle Neuen, da muss man hin (alle Abteilungen) und bleibt dann da auch so für 90min.
Und in der eigenen Abteilung ist beim ersten Mal einer der OAs dabei oder gleich der Transfusionsbeauftragter der Abteilung.
Und welcher Kollege konnte es jetzt nicht, einer damals bei den Chirurgen oder vom aktuellen Fach?
(EDIT: Vergiss die Frage *g* - ich sollte deine Beiträge auch incl des letzten Satzes lesen :-blush)
Feuerblick
24.09.2011, 12:44
Sag mal Funkel, transfundiert Ihr denn regelmäßig? Habe ich ja noch nie von schamanistischen Abteilungen gehört. Wir hatten ein einziges Mal eine Patientin mit irgendeiner Leukämie, die TKs brauchte. Aber das hat unsere Abteilung nicht gemacht, weil nicht ein einziger Kollege je auch nur ein Blutprodukt angehängt hatte und unsere Abteilung selbstverständlich keinen Transfusionbeauftragten hat.
Verblüffenderweise ist es dieses Jahr wirklich schon zweimal vorgekommen, dass wir transfundieren mussten. Eine Patientin hatte sich aufgrund größerer Wunden unter ASS Hb-wirksam runtergeblutet und der zweite Patient war so einer wie von dir erwähnt, den die Anästhesie gerne auftransfundiert haben wollte (Hb von 6,x war den Weicheiern zu wenig :-)) ), bevor sie ihn schlafenlegen wollten. :-nix Transfusionsbeauftragten haben wir auch keinen, aber zum Glück haben wir den einen oder anderen Kollegen, der entweder schon mal fachlich fremdgegangen ist oder ders eben im PJ gelernt hat. Lustigerweise fallen Transfusionen dann gerne mal auf die Tage, an denen einer von uns Dienst hat. :-wow
Und ganz ehrlich: Ich finde schon, dass man auch als Schamane sowas können sollte. Sonst stimmt es ja doch, dass wir keine richtigen Ärzte sind ;-)
Was Medikamentengaben angeht (um mal wieder zum Fall zu kommen), so wurden wir im PJ leider ziemlich alleine gelassen. Kein Mensch hat uns gesagt (geschweige denn gezeigt), wie man die einzelnen Dinge verabreichen sollte. Das darf natürlich so nicht passieren. Allerdings wurde uns zumindest eingeimpft, dass wir uns nicht einfach von den Schwestern was aufziehen lassen sollten. Wenn man seine Medis selbst aufzieht, merkt man dann hoffentlich, dass man gerade ein oral zu verabreichendes Medikament in der Hand hat... Ich glaube, inzwischen hat man das aber auch geändert. Einige Ex-PJler haben ihren Weg als Assistenzärzte in dieses Haus gefunden und zumindest einige Dinge besser gemacht als ihre Vorgänger.
LasseReinböng
24.09.2011, 13:31
An meiner Uni gab es einen ähnlichen Zwischenfall mit Todesfolge -auch da hatte ein PJler ein Medikament falsch appliziert.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß soetwas passieren kann, wenn man bedenkt, daß man im PJ häufig die Stationen wechselt und die Arbeitsabläufe anfangs nicht genau kennt aber rasch Aufgaben übernehmen soll und den meist maximal gestressten Assistenzarzt nicht ständig mit Fragen nerven will.
Was Medikamentengaben angeht (um mal wieder zum Fall zu kommen), so wurden wir im PJ leider ziemlich alleine gelassen. Kein Mensch hat uns gesagt (geschweige denn gezeigt), wie man die einzelnen Dinge verabreichen sollte. Das darf natürlich so nicht passieren.
In der Uniklinik, in der ich mein PJ gemacht habe, hat uns auch nie jemand erklärt oder gar gezeigt, wie wir Medikamente verabreichen sollten.
In der Kinderchirurgie (!) war es Aufgabe der PJler, morgens und abends die i.v.-Antibiosen zu verabreichen, die von den Schwestern schon fertig gerichtet waren. Die Pflege durfte angeblich keine i.v.-Antibiotika spritzen, aber wir PJler - obwohl wir dafür sicherlich weniger Ausbildung hatten als jede Pflegekraft. Die meisten Kinder hatten zentrale Zugänge mit komplizierten Leitungssystemen, so dass wir nie wirklich genau wussten, welchen Schenkel wir jetzt eigentlich benutzen sollten. Die Bedienung der Perfusoren und Infusomaten wurde uns ebenfalls nie erklärt, auch auf Nachfrage nicht - das sei "eh Aufgabe der Pflege und ginge uns PJler nichts an". Aber wir sollten dann trotzdem wissen, wie wir die Geräte pausieren und wieder starten konnten bzw. wie wir damit umgehen sollten, wenn beim Blutabnehmen aus einem ZVK die Geräte anfingen zu piepsen und wir mit sterilen Handschuhen keine Chance hatten, einzugreifen, weil wir grundsätzlich wegen Personalmangel allein zu den Kindern geschickt wurden. Mehr als einmal erlebte ich peinliche Situationen mit im Zimmer anwesenden Eltern, wenn ich versuchte, die unschöne Situation möglichst gut zu überspielen. Als ich mich weigerte, ohne eine ausführliche Geräte-Einweisung weiterhin solche Aufgaben auszuführen, stieß ich auf Verständnislosigkeit ("ein PJler muss sowas können" - woher denn bitte?!) und wurde vor anderen gedemütigt ("wenn Du Dich da schon so anstellst, wie soll das erst später werden? Frag nicht so viel, mach einfach, Du hältst nur den Betrieb auf!").
Wir PJler hatten auch nirgends gelernt, welche Antibiotika und sonstigen Medikamente man direkt hintereinander spritzen darf. Einmal beobachtete ich, wie bei einer anderen PJlerin die beiden Medikamente innerhalb der Leitung miteinander reagierten und sich knallrot verfärbten. Die türkische Mutter stand völlig geschockt daneben und konnte sich nicht mal wehren, da sie der deutschen Sprache nicht mächtig war.
Keinem der Kinder ist während meiner PJ-Zeit etwas passiert, aber es gab viele kritische Situationen, in denen wir PJler uns verzweifelt Unterstützung gewünscht haben, die uns aber sehr oft einfach verweigert wurde.
Es wundert mich wirklich nicht, dass ein PJler jetzt Saft i.v. gegeben hat. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das unter Zeitdruck geschehen ist und die Anweisung einfach mangelhaft war. Für mich ist das ein Verschulden der ausbildenden Ärzte, v.a. der Oberärzte, deren Aufgabe die Betreuung der PJler eigentlich wäre, was sie aber leider meistens an die eh schon überarbeiteten und überforderten Assistenten abgeben.
medmaster
24.09.2011, 15:26
sehr traurig & tragisch das ganze. Das ganze aufzuarbeiten dürfte eine Weile dauern (Gerichtsverfahren).
Grade mit dem Formalkram... hatte der PJler eigentlich eine eigene Berufshaftpflicht oder nur "übers Haus" ?
Wenn das Haus nämlich die Verantwortung auf ihn abwälzen will, wie wehrt er sich dagegen
fachlich, juristisch, finanzielle Mittel ?:-nix
würde mich nicht wundern, wenn man da ziemlich allein gelassen wird.
Flauscheding
24.09.2011, 15:41
Ich hab mein Pj ja jetzt zum Glück fertig. Und es gab viele viele Tage, an denen ich einfach Angst hatte, einen Patienten umzubringen (es ist zum Glück nie was passiert).
Einweisungen? Gabs nicht wirklich.
Wenn man zufällig auf anderen Stationen unterwegs war (um bspw. Kollegen zur FoBi abzuholen), mußte man aufpassen, nicht von der Schwester in Beschlag genommen zu werden (PAt. X in Zimmer Y braucht JETZT SOFORT Infusion Z/ Medikament i.v. man solle das bitte machen, gerichtet/aufgezogen sei es schon). Weigern konnte man sich kaum oder es wurde als Faulheit interpretiert.
EKs anhängen? Ja, das hab ich täglich mehrmals machen müssen, ich als PJler musste das machen. Mein erstes EK,tja da hab ich drum gebeten, dass man es mir zeigt. Tja, danach mußte ich es können (und ich hab mich mit den Leitungen ganz schon abgemüht, bis ich meinen Fehler bei EK 5 oder 10 endlich selbst entdeckt habe - zum Glück rein technischer Natur und es hat den Pat. niemals gefährdet).
Erstes FFP? Ohje, da hätt ich ja fast den Bedsite-Test vergessen, weil ich es einfach nicht wußte. Ich hab durch ZUFALL eine mir liebe Kollegin getroffen und gefragt, wie ich das denn anzuhängen habe.
Aszites-/Pleurapunktionen hab ich 2x unter Aufsicht gemacht und mich wohl ganz gut angestellt. Danach durfte/musste ich das eigenständig machen. Mich hats natürlich sehr gefreut, wohl war mir bei der Sache nicht.
ZVK-Anlage: ja, das wollte ich gerne mal machen. Mein erster ZVK war unter Aufsicht (anders hätte ich das definitiv nicht gemacht), allerdings in die subclavia. Ich hatte echt Schiss. Im nachhinein hab ich erfahren, dass die subclavia den Fachärzten Anästhesie vorbehalten ist in diesem Haus.
Danke auch. Danach hab ich mich erstmal umgezogen, weil so durchgeschitzt war - reiner Angstschweiß.
Oft war ich alleine auf Station. i.v.-Runde war Aufgabe der PJler, ob nun durch ne Viggo oder den ZVK. Ich hab beim ersten mal ZVK-bedienen ne Stunde nen Doc gesucht, der es mir erklärt. Und dann die blöde Frage: "Du kannst das nicht? Warum nicht? Da kannste nix falsch machen, also mach einfach". Äh hä?
Sehr schön auch die Situtation: ich mal wieder alleine auf Station, alle DOc im OP und Notfall bei einem wirklich schwer kranken PAtienten. ICH wurde angerufen, ICH solle das bitte regeln.
Alleine einen Zugang beim schockigen Patienten zu finden, war schon eine echte Herausforderung. 5min. später (gefühlte 2h später) kam dann mal ein Doc angewackelt. "Wie? Kein Zugang? Was machste denn nach dem Examen? Da kannste auch nicht umm Hilfe rufen!"
Ganz ehrlich? Wenn ich nen Pat. umgebracht hätte, mich würds nicht wundern. Ich hab dort ne Menge gelernt, aber richtig war das alles nicht.
Und ich denke, das ist der Alltag im PJ.
Ausnahmen, positive wie negative, gibts immer.
Dass der arme PJ da jetzt als Bauernopfer dargeboten wird, find ich ziemlich frech und sehr sehr traurig.
Solange alles gut geht, sind die PJler diejenigen, die die Station am laufen halten, wenn was passiert, wills wieder keiner gewesen sein.
Flauscheding, ich kann leider so ziemlich alles, was Du schreibst, unterschreiben. Mein PJ lief auch etwas so katastrophal. :(
Ich bin an den meisten Tagen mit Angst zur Arbeit in die Klinik gegangen, weil ich wusste, dass ich z.B. in chirurgischen Abteilungen wieder mal den ganzen Tag allein auf Station sein würde (ich konnte wegen einer Behinderung nicht im OP arbeiten) und niemand da sein würde, den ich um Rat fragen konnte. Wer es einmal gewagt hat, im OP anzurufen, um den eigentlichen Stationsarzt etwas zu fragen, was sich im Nachheinein als "Pillepalle" herausstellte, und dann entsprechend runtergeputzt wurde, weil man wegen sowas im OP gestört hat, wird sich den nächsten Anruf gut überlegen. Als PJler ist man aber leider mangels Erfahrung nicht in der Lage, zu entscheiden, wann eine Situation kritisch ist und wann nicht. Man braucht jemanden, der einem eine Zeitlang sagt, wann schnelles Handeln nötig ist und wann man einfach abwarten kann, bis das Team wieder aus dem OP kommt. Ich hatte oft Glück, dass nette und erfahrene Schwestern für mich entschieden haben, wann etwas sofortiges Eingreifen erforderte und dann für mich im OP Hilfe angefordert haben.
Die kritischste Situation in meinem PJ hatte ich gleich in der ersten Woche in der Inneren, als ich einen ZVK ziehen sollte. Ich hatte noch nie zuvor einen ZVK gesehen - das mag sich zwar für einige sehr ungewöhnlich anhören, aber wenn man eher an psychiatrischen Fächern interessiert ist oder seine Famulaturen viel in Ambulanzen verbracht hat, kommt man um ZVKs wohl lange herum.
Jedenfalls sagte ich dem Stationsarzt, dass ich sowas noch nie gemacht hätte und gerne beim ersten Mal einfach zuschauen würde. Die Reaktion war, wie Flauscheding schon schrieb, sowas wie: "Stell Dich nicht so an, das ist ganz einfach, Du musst nur ziehen! Ich hab jetzt keine Zeit, geh schon." Das wichtigste sei, so wurde mir eingetrichtert, die Spitze des ZVKs möglichst steril abzuschneiden, in ein Röhrchen zu stecken und das in die Mikrobio zu schicken. Die Utensilien fürs ZVK-Ziehen musste ich mir bei der Pflege irgendwie "zusammenbetteln" - auch da ernete ich ungläubige Blicke und "stell Dich nicht so an, das kann doch nicht sein, dass Du sowas nicht kannst".
Ich fand irgendwie heraus, dass ich die Fäden aufschneiden musste. Und dann zog ich den ZVK. Dummerweise, ohne dem Patienten Atemkommandos zu geben. Hatte mir ja niemand gesagt. Und mir hatte auch niemand gesagt, dass man da dann draufdrücken muss. Ich konzentrierte mich darauf, wie befohlen, die verdammte ZVK-Spitze steril abzuschneiden und zu verpacken - dafür braucht man ja beide Hände. Mein Glück war eine Pflegekraft, die zufällig ins Zimmer kam, zum Patienten stürzte und auf seinen Hals drückte. Hätte eine Luftembolie geben können. Hat es nicht, Glück gehabt, und ich werde nie mehr in meinem Leben ZVKs ziehen, ohne o.g. Dinge zu beachten. Aber es ist schrecklich, wenn man das auf diese Weise lernen muss und dabei unwissentlich Patienten gefährdet.
Flauscheding
24.09.2011, 16:08
Ja Cookie, und dann wundern sich die Herren OÄs, wenn was passiert.
Ich möchte im Grunde gar nichts schlechtes über das Haus sagen, denn sie waren alle sehr nett zu mir. Ich hab mich menschlich sehr wohl gefühlt, fachlich habe ich echt viel gelernt und viel machen dürfen. Aber es war schlicht und einfach verantwortungslos den Patienten ggü.
Dass dann auch mal etwas passiert, auch schlimmeres, ist wohl zwangsläufig so und nur eine frage der Zeit.
Auch wußte ich zu Beginn gar nicht, was ich tun darf und was nicht. Auf Nachfrage hiess es, ich dürfe ALLES machen, sofern es mir halt vorher gezeigt wurde.
Es gab brenzlige Situationen. Niemand ist zu Schaden gekommen, aber ich stand dadurch natürlich latent unter Dauerstress. Und zum Ende des PJs habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich den Beruf des Arztes so überhaupt noch ausüben möchte und hatte mit mir selbst mehr als nur einen Gewissenskonflikt.
Und dann passieren eben auch bei der eigentlichen Routine Fehler.
Wem kann man es da verübeln?
Feuerblick
24.09.2011, 16:16
Das Schlimme ist, dass es als Assistenzarzt oft genauso weitergeht. Ab ins kalte Wasser und schwimmen lernen. Wenn manche Patienten wüssten, wie häufig sie Teil von "Jugend forscht" sind... Es hat schon Gründe, warum ich Operationen an mir selbst ganz unbedingt in Vollnarkose haben möchte.:-nix
Und zum Ende des PJs habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich den Beruf des Arztes so überhaupt noch ausüben möchte und hatte mit mir selbst mehr als nur einen Gewissenskonflikt.
Ich bin froh, dass das nicht nur mir so ging. Ich habe mich nach einem Versuch, in diesem verrückten System zu arbeiten, dafür entschieden, daraus auszusteigen. Aber mich lässt es auch noch so lange Zeit nach dem Studium und v.a. dem PJ nicht los, was damals alles war.
Ich schließe aus den vielen Beiträgen hier, dass ich offensichtlich nicht die einzige bin, die mit dem bisherigen System der Ausbildung von angehenden Ärzten im PJ unzufrieden ist - aber ich frage mich, wieso sich so wenige von uns jemals dagegen gewehrt haben.
Zu meiner Zeit habe ich es versucht und Erlebnisse von uns PJlern aufgeschrieben; damit bin ich dann sogar zum Studiendekan gegangen. Dort wurde ich nur "milde belächelt" und es hieß, ich sei da wohl eine absolute Ausnahme und aus meinem Handeln würde man v.a. schließen, dass ich für den Arztberuf nicht geeignet sei. Das hat mich, die ich durch die schlimmen Erlebnisse im PJ sowieso schon verunsichert war, natürlich noch mehr in Selbstzweifel gestürzt. Ich habe mich dann dem allgemeinen stillen PJler-Leiden und -Schweigen angeschlossen und versucht, das PJ irgendwie zu überleben und dabei niemanden umzubringen. Dabei hätte ich so gerne so vieles gelernt, aber unter für mich und die Patienten geschützteren Bedingungen. Es ist schön, dass es inzwischen an vielen Unis SkillsLabs gibt, wo man einiges schon mal üben kann, aber es bräuchte noch viel mehr, um eine wirklich gute praktische Ausbildung zu gewährleisten.
Und, wie oben bereits jemand geschrieben hat: Es wird ja nach dem PJ nicht einfacher, weil man dann als Assistenzarzt auf einmal wirklich die Verantwortung hat, aber die ganzen Dinge immer noch nicht kann - und nun? Am Tag meines 3. Stex mischte sich in die Freude über das bestandene Examen auch die Angst vor dem Arbeiten als Ärztin. Und sie verließ mich nie mehr.
Flauscheding
24.09.2011, 16:33
Ich bin froh, dass das nicht nur mir so ging. Ich habe mich nach einem Versuch, in diesem verrückten System zu arbeiten, dafür entschieden, daraus auszusteigen. Aber mich lässt es auch noch so lange Zeit nach dem Studium und v.a. dem PJ nicht los, was damals alles war.
Ich schließe aus den vielen Beiträgen hier, dass ich offensichtlich nicht die einzige bin, die mit dem bisherigen System der Ausbildung von angehenden Ärzten im PJ unzufrieden ist - aber ich frage mich, wieso sich so wenige von uns jemals dagegen gewehrt haben.
Zu meiner Zeit habe ich es versucht und Erlebnisse von uns PJlern aufgeschrieben; damit bin ich dann sogar zum Studiendekan gegangen. Dort wurde ich nur "milde belächelt" und es hieß, ich sei da wohl eine absolute Ausnahme und aus meinem Handeln würde man v.a. schließen, dass ich für den Arztberuf nicht geeignet sei. Das hat mich, die ich durch die schlimmen Erlebnisse im PJ sowieso schon verunsichert war, natürlich noch mehr in Selbstzweifel gestürzt. Ich habe mich dann dem allgemeinen stillen PJler-Leiden und -Schweigen angeschlossen und versucht, das PJ irgendwie zu überleben und dabei niemanden umzubringen. Dabei hätte ich so gerne so vieles gelernt, aber unter für mich und die Patienten geschützteren Bedingungen. Es ist schön, dass es inzwischen an vielen Unis SkillsLabs gibt, wo man einiges schon mal üben kann, aber es bräuchte noch viel mehr, um eine wirklich gute praktische Ausbildung zu gewährleisten.
Und, wie oben bereits jemand geschrieben hat: Es wird ja nach dem PJ nicht einfacher, weil man dann als Assistenzarzt auf einmal wirklich die Verantwortung hat, aber die ganzen Dinge immer noch nicht kann - und nun? Am Tag meines 3. Stex mischte sich in die Freude über das bestandene Examen auch die Angst vor dem Arbeiten als Ärztin. Und sie verließ mich nie mehr.
Was willste denn machen?
Ich bin nun auch niemand, die sich nicht zu wehren weiß.
Aber:
-die OÄs prüfen dich im HEX, also spielst du das Spiel brav mit.
-man weiß zu Beginn nicht, was man darf und was nicht. Und wenn man es dann mal weiß, hat mans schon so oft getan, dass man auch bei solchen Sachen eine Routine entwickelt hat
- man möchte etwas lernen. Wenn das der einzige Weg ist, und man die ersten beiden Punkte bedenkt, speilt man auch hier wieder mit.
Ich für mich habe mich jetzt entschieden, einen Berufszweig auszuwählen, der doch eine gewisse Begleitung durch OÄs oder Altassis - gerade zu Beginn - unumgänglich macht.
Ich habe desweiteren für mich im Hinterkopf die Option, nach meinem FA ins Ausland zu gehen und einer beratenden Tätigkeit nachzugehen. So dass es im Grunde einen Plan B gibt, sollte ich das so auf die Art hier in diesem Land nicht machen wollen.
Alles weitere wird sich zeigtn (und wäre jetzt hier auch offtopic)
liebe PJs, als Nicht-Mediziner und potentieller Patient läuft es mir kalt den Rücken runter wenn ich eure Beiträge so lese.
Daß quasi Arzt-Azubis lernen müssen und dabei auch Fehler machen ist klar.
Daß ihr alle unter Druck steht inkl. der Assidocs weiß ich nur zu gut (habe beruflich viel Kontakt zu Meds).
Daher mein Appell: Wenn ihr etwas ändern wollt, müsst ihr die Arschbacken zusammenkneifen und aufstehen.
Es kann nicht sein, daß ihr euch unterbuttern lasst, nur um "keins auf den Deckel zu bekommen". Genauso aber auch die Assistenzärzte !!
Auch diese werden im Kampf um Fortbildung und Karriere offenbar im Klinikbetrieb ausgenutzt.
Wenn man also von "Schuld" spricht, finde ich nach vielem Lesen hier im Forum, liegt diese am ehesten im System & dessen Finanzierung begründet. Trotzdem muß man mal einen Anfang machen, weil ihr die Sache ausbaden müsst, wenn Sie, wie hier geschehen, schief geht.
Es ist mir unbegreiflich warum ihr (PJ+Ärzte) euch die Zustände so wie Sie sind gefallen lasst.
Angst um Ansehen und den künftigen Job dürfte dabei eine große Rolle spielen. Ist ja auch verständlich.
Evtl. gibt es Patientenvertreter die eure berechtigten Anliegen wie hier geschildert aus Eigeninteresse ernst nehmen.
Eine an Tatsachen interessierte Presse ebenfalls (ok, schwierig zu finden).
Gibt es eigentlich bei Krankenhäusern für die Angestellten (inkl. Pflegekräfte) eine vom Klinikträger unabhängige Institution, die eine Möglichkeit bietet anonym Beschwerden zu äußern und diese sammelt.
Häufen sich hier Berichte könnte man über Presse dem KH und der lokalen Politik Druck machen, sonst läuft nix.
Unabhängiger Klinikbeauftragter mit Steuermitteln finanziert, unabhängig von Klinikträger und auch unabhängig von den Krankenkassen (um hier Schmu aufdecken zu können) mit umfassenden Einsichtsrecht aktenmäßig.
Holzweg oder klingt das vernünftig ?
Man kann ja dran arbeiten...
Giant0777
24.09.2011, 17:13
an unserer uni müssen wir jährlich eine belehrung unterschreiben, dass wir selbständig keine ek´s anhängen dürfen! gleichzeitig erklärt uns der transfusionsmediziner immer wieder, warum ( es gab an unserer uni leider auch ein schlimmes ereignis, nachdem ein pj´ler ek´s angehängt hat ).
ich bin jetzt im pj und hänge nichts an, was "mal eben ganz schnell gemacht werden müsste". mir ist es total wurscht, wenn schwester ursula dann sauer auf mich ist oder jemand meint, der giant sei ´ne faule made. und wenn ein assi zu mir sagt, kein thema, total easy werde ich erst recht mistrauisch. also, egal wie schlimm das in dem o.g. fall gelaufen ist, ein spielball ist man als pj´ler noch lange nicht. und da es nicht nur um meine approbation geht, sondern im schlimmeren fall um patientenschäden bin ich da eben auch konsequent.
im übrigen ist die ausbildung in meinem haus im großen und ganzen sehr ordentlich. wir müssen nicht bis dauernd drängeln oder sonstwas, sondern werden viel und ordentlich angeleitet. so bekomme ich dann auch handlungssicherheit, weil spätestens nach dem hex eben kaum noch einer nachts um 2 uhr dir irgendwas erklären kann!
meine gedanken zu dem thema!
Feuerblick
24.09.2011, 17:17
Leider ist es wie überall im Leben: Solange nichts passiert, kümmert sich kein Schwein um Beschwerden, Anzeigen, Bitten um Abhilfe. Und wenn dann wie in Bielefeld was passiert, dann ist das Geschrei groß... :-nix
Flauscheding
24.09.2011, 17:19
Leider ist es wie überall im Leben: Solange nichts passiert, kümmert sich kein Schwein um Beschwerden, Anzeigen, Bitten um Abhilfe. Und wenn dann wie in Bielefeld was passiert, dann ist das Geschrei groß... :-nix
Meine Rede, Funkel.
Ich frag mich auch, was das schwächste Glied der Kette ausrichten soll?
Gefragt sind da doch eher die Damen und Herren OÄs/CÄs ...
Aber warum sollten die was dran ändern?
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