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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umgang mit den Schwestern - das heikle Thema



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EVT
10.02.2013, 23:36
es ist doch bezeichnend, wenn hier manche normale umgangsformen wie immer zu grüßen, bitte, danke etc. und mal einen kuchen mitzubringen schon als anbiederei ansehen..

wenn ich sage, dass ich insgesamt vor dem studium und in den semesterferien frewillig 15 monate pflegepraktikum gemacht habe, kommt mir immer, wirklich immer, an jeder der drei unis, wo ich bisher war, nur unverständnis entgegen und äußerungen wie: hast du zu viel zeit?
ok, jemand, der sich sein studium komplett selbst finanzieren muss, schafft das nicht, aber sehr viele hätten den ein oder anderen monat zeit gehabt.
wenn mir selbst damals als pflegepraktikantin die anderen praktikanten schon negativ aufgefallen sind, muss man sich nicht wundern, wenn die dann als ärzte auch probleme haben werden. und dann liegt es bestimmt nicht an den ach so schlimmen pflegern..
daher finde ich auch nicht, dass das pflegepraktikum verkürzt werden sollte. mein doktorvater meinte letztens auch, dass er in dieser hinsicht noch immer vom kpp profitieren würde.

Mondschein
11.02.2013, 00:35
Ich glaube, wir reden hier von zweierlei Dingen:
Einerseits gibts (und zwar zu Hauf) die einfach völlig ungeschickt auftretenden ärztlichen Jungspunde, die mit jeder Schwester und jedem Pfleger erst mal ein Problem haben, weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass die erfahrenen Pfleger ihnen nix Böses wollen und sie einfach nicht so gern auf deren Hilfe angewiesen sind. Die sind dann auch mal unhöflich, meistens unaubsichtlich. Beobachte ich regelmäßig, wenn neue - auf Normalstation schon einigermaßen etablierte - Kollegen die ITS zum ersten Mal betreten. Das dauert in der Regel so nen Monat, dann hat sich das eingependelt und der gegenseitige Respekt ist endlich da. Da wundert und amüsiert man sich dann manchmal, wie naiv und unbedarft manche Jungärzte da so auftreten und dass sie sich so gar nicht bewusst sind, wie arrogant das manchmal wirkt und dass sie halt erst mal wirklich keine Ahnung haben, wie der Hase läuft. Dass manche Pflegekräfte einen da mal bewusst auflaufen lassen, wundert einen nicht und ist - in unkritischen Situationen (diese geschilderte Notfallsituation mit der Hebamme ist ja völlig inadäquat, sowas geht gar nicht!!) doch auch irgendwie nachvollziehbar. Wie gesagt, in der Regel pendelt sich das ja sehr schnell ein und das ist genau die Situation, in der v.a. gnuff und brutus hier zu mehr Respekt und Wertschätzung aufrufen. Weil wir alle schon gelernt haben, dass man als Anfänger vieles noch nicht im Griff hat und die meisten (nicht alle, man muss schon auch selbst nochmal filtern) Hinweise erfahrener Pflegekräfte da Gold wert sind.

ABER: Wir kennen doch auch alle die etwas extremeren Persönlichkeitsformen, und sowas gibts nun mal auch bei Pflegekräften (bei Ärzten auch, ohne Zweifeil) und manchmal gibts da ungute Kombinationen. Wir haben auf unserer Intensivstation - bei ansich gutem Team und echt nettem Klima - auch 1-2 so "Oberlehrer", die regelmäßig irgendwelche Informationen bewusst verschweigen, um sie dann im Rahmen der Visite selbst und äußerst besserwisserisch den Oberärzten persönlich zu präsentieren, was die sowieso schon überforderten, aber sehr bemühten Anfängerärzte dann regelmäßig dumm aussehen lässt.
Ich bin mittlerweise auch eher Erfahren, so dass mir das für mein Ego nimmer so wichtig ist. Wer in meine Visite reinquatschen will, solls tun und auch unseren Oberärzten sind die entsprechenden Leute gut bekannt, sodass das schon richtig interpretiert wird. Aber früher mal kam ich mir da total doof vor und es hat mich verunsichert. Jetzt kann ich damit leben, aber für einen unangenehmen und unkollegialen Stil halte ichs nach wie vor.
Die kollegialeren Pflegekräfte kommen fünf Minuten vor der Visite mit "du, mir ist da noch was aufgefallen, glaub, das musst du bei der Visite mal besprechen". Dann bedankt man sich und alle freuen sich. Und keiner steht blöd da.

Wenn mir aber jemand andererseits dann bewusst verschweigt, dass mein eh instabiler Patient grad in den letzten zehn Minuten mit der Beatmung wegkracht, dann die Pflegekraft selbst an der Beatmung rumspielt (wo ich mittlerweile doch etwas mehr kann- das war am Anfang ganz sicher anders, da hätte ich dann aber den Stationsarzt, der bei uns immer mit präsent ist, dazugeholt) und mir das alles nicht sagt, dann werd ich sauer. Weil der Patient darunter leidet und das ne Kompetenzüberschreitung ist, die ich nicht hinnehme. Im Notfall hochdrehen und dann bescheid sagen ist super und dringend notwendig, weil man als Arzt nicht überall gleichzeitig sein kann. Und unsere Pflegekräfte verstellen viel an der Beatmung, das ist normalerweise ok und klappt gut. Aber extrem verstellen und so tun, als wär nie was gewesen, ist Mist, wenn man den Patienten dann ne halbe Stunde später mit nem katastrophalen Gas antrifft, weil man nicht über den aktuellen Stand informiert wurde und somit dem Problem ne halbe Stunde hinterherhinkt. Und als Arzt kann man nicht jedes Zimmer nonstopp mit allen Aspekten überwachen, in einem Team muss ich mich drauf verlassen können, dass ich auch mal aktiv informiert werde, wenn was Unvorhergesehenes passiert (und zum Glück klappt das ja in 99% auch).

Und wenn ihr ehrlich seid, gnuff und brutus, dann sind euch doch solche Leute bestimmt auch schon mal begegnet, oder? Wie gesagt, gibts in allen Berufsgruppen, ähnliche unangenehme Vorfälle sind mir auch mit ärztlichen Kollegen passiert, manche Leute sind halt nicht teamfähig. Aber genau diese Leute erschwerens den "armen Anfängern" manchmal noch zusätzlich.

Habt Verständnis für die Anfängersorgen, wir waren doch alle mal klein... Ich finds auf jeden Fall tolll, wenn ein Team funktioniert und das Arbeiten Spaß macht.

In diesem Sinne allen Jungärzten ein bisschen mehr Gespür, aber auch allen erfahrenen Pflegekräften manchmal ein bisschen mehr Geduld wünscht Mondschein :)

][truba][
11.02.2013, 06:20
*gefaelltmir*

gabe
11.02.2013, 11:08
Fachlichen Respekt muss man sich erarbeiten, sicher.
Menschlicher Respekt gehört jedem ohne Vorleistung entgegengebracht. Dies nicht zu tun, ist nicht zu tolerieren.

Bandwurm
11.02.2013, 13:11
Leider ist es aber auch so, dass es unter bestimmtesn Umständen ständig kracht und man als Anfänger da wenig dran ändern kann. Wenn Stationen unterbesetzt sind, schroffe Umgangstöne von allen Toleriert werden oder Abläufe nicht klar sind.Wenn allerdings dann ein Anfänger kommt und bewährte Abläufe umstellt, selber schuld.. Typisches Beispiel sind die Bedarfmedikationen. Offiziell darf die Pflge da nicht viel machen. Inoffiziell gibt es in fast allen Abteilung "tradierte Absprachen" z.B. welche Schmerzmedikation oder Schlafmedikation gegeben werden darf. Wenn da die erste Schwester rundgemacht wird, weil sie eine "übliche" Bedarfsmedikation gegeben hat und der zuständige Arzt dass nicht einsieht und am nächsten Morgen keine Unterschrift dafür geben will, braucht sich der Anfänger auch nicht zu wundern, wenn man in seinem Diesten wegen ALLEM zur Unterschrift auf die Station kommen muss. Dieser "Klassiker" kommt so oder so ähnlich unter 10 Ärzten bestimmt 1-2 mal vor. Die Etwas fitteren besprechen es und es läuft später, die etwas unflexibleren verstehens auch später nicht warum alle im Dienst mehr schlafen können als sie.In der Regel bin ich ganz gut damit gelaufen persönliche Befindlichkeiten, Aussagen im Stress oder schlicht Dummheit schlichtweg zu ignorieren, zu tolerieren oder freundlich nachzufragen; bei persönlichen Beleidigungen oder Sachen die Patienten gefährden sehr klar zu sein. z.B. bei der Aussage, dass der Kollege Urlaub benötigt und ich meinen Urlaub (zur Einschulung) zurücknehmen soll, der sei nicht so wichtig. Oder den Betrunkenen, der meint alle Schwestern stehen auf ihn.Übrigens ein Tip für die Kollegen, die häufig mit unangenehmen Patienten zusammen sind. Aus Angst oder unwissenheit in zweiter Reihe zu stehen mag gehen, gerade als Anfänger, wenn man aus Angst anderen komplett die gefährlichen Situationen überlässt (z.b. randalierender Patient), ist man für seeehr lange Zeit unten durch.

par
11.02.2013, 14:08
Fachlichen Respekt muss man sich erarbeiten, sicher. Menschlicher Respekt gehört jedem ohne Vorleistung entgegengebracht Schön differenziert!

//stefan
11.02.2013, 15:09
So, nach 2 1/2 Seiten hab ich aufgehört, wurd mir etwas zu persönlich und pauschalisierend.

Ich sehe mich aber trotzdem irgendwie in der Pflicht, etwas zur Frage des Threadstarters zu schreiben.

Kurz zu meiner Person: Ich bin selber Krankenpfleger und habe nach dem Examen direkt in der Anästhesie angefangen (Gott sei Dank!!) und dort auch 3 volle Jahre gearbeitet. Und seit letztem Jahr darf ich nun endlich auch studieren, das war immer das Ziel und habe mir das auch hart "erwartet"... :-)

Als Neuling ist es nunmal so, dass man einen Großteil des Wissens und der manuellen Tips und Kniffe von der Pflege lernt, denn in der Realität sind die Hintergrund FA/OA´s zügig weg sobald sie sehen das du die richtigen Knöpfe am Beatmungsgerät drücken kannst. Ich finde, ohne dich zu kennen, bist du nach grade mal 4 Wochen verpflichtet, auf jeden in der Abteilung (egal ob Pflege oder Arzt) zu hören. Die wollen nicht den Patienten schaden, sondern (vor allem die Pflege) es so machen wie es immer schon gemacht wird, denn nur so läuft der laden. Es gibt wenig schlimmeres als einen probierfreudigen Jungarzt, der auch noch dazu unerfahren ist. Das kostet nicht nur richtig Zeit sondern stellt den Patienten (und damit einen selbst) vor kritische und herzfrequenzsteigernde Probleme.

Es ist aber keineswegs so, dass du buckeln und alles über dich ergehen lassen musst! Hast du die ganzen "tollen" Ratschläge vielleicht mal hinterfragt? Ich war nach einigen Wochen auch genervt davon, wenn wieder einer mit Verbesserungsvorschlägen kam (sowohl pfelgerisch wie auch ärztlichen Inhalts). Allerdings habe ich teilweise den Sinn darin erst viel später (nach Monaten) erkannt bzw. gesehen.

Ich habe jetzt schon Bammel davor, wie es für mich sein wird, als Famulant oder irgendwann als fertiger Arzt in der Anästehsie, mit 3 Jahren beruflicher Erfahrung (und ich habe viel machen dürfen, hab immer genervt und gefragt ob ich an den Kopf kann, hier und da mal ZVK oder Spinale, Arterien waren meist sowieso Pflegeaufgabe). Ich denke auch für mich wird erstmal gelten, Ohren auf, Mund zu und machen, so wie es einem gesagt wurde. Es wird mir sicher viel leichter fallen mich zügig anzupassen... aber das Klima mit dem Personal darf nicht durch "ärztegehabe" vergiftet werden.

Ich hab mich z.B. die ersten Monate fast täglich hingesetzt und die Themen des Tages im großen Striebel oder Taschenatlas d. Anästhesie nachgelesen. Das solltest du vll auch tun, so hast du auch das nötige theoretische Wissen, die "Befehle" des Personals kritisch oder eben interessiert zu hinterfragen.

Es ist nunmal so, dass der Arzt einem vll die genauen Blut-Gas-Verteilungskoeffizienten von diversen volatilen Anästhetika aufsagen kann, die Pflege weiss aber einfach wann man den Topf zudreht und wieviel Frischgas-Flow man einstellt.

Kannst du beides, bist du der King und kannst die Schwester in Grund und Boden Argumentieren, aber bis dahin ist es ein längerer Lernprozess.

Und sofern es nur diese eine Schwester ist... keep cool. Scheint ihr Problem zu sein, ertrags und wenn du "alt" genug bist gehs sachlich an und wenn sich nix ändert: ihr Pech, die wirst auch die dann nicht mehr ändern! Wir hatten übrigens eine von genau dem gleichen Schlag in der Abteilung. Die sagte mir nach einem Monat "du bist ungeeignet für die Anästehsiepflege".... nach 3 Jahren waren fast alle traurig das ich weg war, diverse Aufgaben musste jetzt anderweitig besetzt werden und der Chefarzt hält mir schonmal nen Platz aufm RTH frei... (nein, das hat er ganz sicher nicht ironisch gemeint!!! ;-) :-) :-)).

Also, durchbeißen... aber von nix, kommt nix. Und wie schon einer vor mir sagte (ich galub Brutus), mit dem Alter wird man ruhiger... und das muss nicht immer in Jahren gemessen werden. Das geht auch schneller....

flopipop
11.02.2013, 15:57
wenn ich sage, dass ich insgesamt vor dem studium und in den semesterferien frewillig 15 monate pflegepraktikum gemacht habe

respekt..und warum hast du das gemacht?

EVT
11.02.2013, 16:38
ich war auf ner extrem coolen intensivstation wo ich viel gelernt habe. ich wollte auch nicht sofort mit dem studium anfangen zum ws, sondern erst zum ss und da ich nicht der typ bin, der nach dem abi oder in den ferien nur rumgammelt, hat sich das so ergeben. 2 monate habe ich mir auch mal ein anderes kh angeguckt und bin in den restferien auch mal in den urlaub gefahren, so ist das nicht ;-) aber wie gesagt, ich muss mir mein studium auch nicht alleine finanzieren.

McDreamy
11.02.2013, 19:20
*räusper*

Aaaalso, dann klink ich mich auch mal wieder hier rein. Wahnsinn, danke euch allen für eure tollen Kommentare, manche waren echt grenzgenial! (Danke auch an die "Windmühlen-Gegner" wie nurbanu, ich fand deine Postings äußerst scharfsinnig).

Was ich nicht wollte (was aber wohl nicht zu vermeiden war), war eine Diskussion über den hirarchischen Stellenwert der Pflege in Bezug zu den Ärzten. Mir ist das blunzn (wie wir ösis sagen würden), wer hierarchisch über wem steht - ich habs am liebsten kollegial.

Mir geht es aber um eine ganz bestimmte Situation bzw. um ein ganz bestimmtes Feeling, das etwas schwer zu beschreiben ist - werde versuchen es noch näher zu erläutern:

Mir ist ja bewusst, dass ich von der Pflege viel lernen kann, manchmal sogar mehr als von manchen OÄ, die irgendwas von Resorptionsatelektasen faseln während ich mit der Einstellung der Beatmung kämpfe. Ich hab das auch so kommuniziert und kommuniziere das eigentlich bei ALLEN Pflegekräften so, dass ich um jeden Tip froh bin - bin ich ja auch. Was mich an dieser konkreten Situation jedoch erheblich gestört hat, war die Art und Weise (eben diese Schuljungen-Anweisungen) und die Frequenz ihrer "Verbesserungsvorschläge", die im Sekundentakt auf mich einprasselten und mir nicht den Bruchteil einer Sekunde gaben, vielleicht mal kurz selbst zu überlegen (es ging dabei NICHT um Leben oder Tod). Weiters kommt erschwerend hinzu (und jetzt hör ich euch schon: "wellcome to the club" rufen!), dass wahrhaftig von JEDEM WAS ANDERES kommt. Der eine sagt: "nimm den Güdel", der andere sagt: "bist wahnsinnig? Willst an Laryngospasmus provozieren?" Und so geht das den ganzen Tag.

Dann ist es natürlich so, dass die Pflegekräfte während der Narkose auch ständig wechseln. Die sind mal hier und mal da, und vertschüssen sich dann auch meistens nach der Einleitung gleich wieder. Ich steh dann aber da und muss beim 110kg-Pat. mit der Larynxmaske klarkommen und nicht sie. Und am Ende steht mein Name auf dem Protokoll und nicht alle Namen der teilnehmenden Pflegekräfte.

Der nächste Punkt ist der mit den Grenzen: Ich finde auch, dass man auch als Anfänger mal die Grenze ziehen muss, weil man sonst irgendwie untergebuttert wird bzw. sich einfach nicht den Respekt, sondern das Gegenteil verdient. Ich finde es nicht schlimm, auch einer Pflegekraft, die 20 Jahre mehr Erfahrung hat als ich (hatte sie ja nicht, waren erst 5 ;-) , freundlich mitzuteilen, dass der Ton vielleicht nicht angebracht war, dass ich mir die Tips gerne nach der Narkoseeinleitung oder nach dem Venflonlegen in Ruhe anhöre, mich aber nicht gern vor versammelter Mannschaft anpflaumen lasse.(Ausgenommen natürlich, ich bin grad dabei, wen umzubringen, dann darf sie mich auch gern vor allen Leuten zur Sau machen :-))

Ach ja, und zu Coxy´s Parallelnarkosen wollte ich noch sagen:
Du hast zwar recht, aber in praktisch allen Fällen, wo was schiefging, hat (auch) der Arzt am Ende den Kopf hingehalten!

McDreamy
11.02.2013, 19:36
Also zusammengefasst:

ich kenne wahrscheinlich schon die Lösung des Problems (= mir bewusst werden, dass es nur die eine Person ist, mit der ich das Probelm habe, dieses sich aber höchstwahrscheinlich in einem klärenden Gespräch leicht beseitigen lässt).

Ich wollte aber auch gern mal eure Erfahrungen zu dem Thema hören, weil es mir irgendwie schwerfällt, hier ne gescheite Linie zu finden. Dies v.a. vor dem Hintergrund, dass es viele Persönlichkeiten gibt mir v.a. auch unterschiedlichem Erfahrungs- und Ausbildungsstand und es mir als Anfänger verdammt schwer fällt, zu differenzieren wer was kann und wer nicht.

Zitat einer OA letztens: "Auf die xy solltest du eher nicht hören, die hat keine Ahnung..." etc....

Naja, sieht so aus, als müsste man eben durch. (das mit dem Dschungel und dem Tiger gefällt mir :-).

ehem-user-02-08-2021-1033
11.02.2013, 20:11
Ich habe jetzt schon Bammel davor, wie es für mich sein wird, als Famulant oder irgendwann als fertiger Arzt in der Anästehsie, mit 3 Jahren beruflicher Erfahrung

Dir kann vermutlich im Berufsstart alles passieren. 6 Jahre Studium lassen nunmal auch die 3 Jahre Berufserfahrung ergrauen. Du wirst immer der Neuling sein und manches wirst du auch vergessen haben.
(Hausinterne Verfahrensabläufe, evtl. andere Geräte usw... mal außen vor)
Mit Glück kannst du allerdings von deinem Vorwissen profitieren.

@all

Ein bischen pauschalisierend finde ich die ganze Diskussion nun schon.
Denn es gibt arrogante oder unsympathische Ärzte, aber selbe gibt es auch in der Pflege. Bei beiden Seiten kann es natürlich auch vom Auge des Betrachters abhängen, wie man jemanden empfindet.

Schlicht und ergreifend möchte ich meine Kritik zur pauschalen Betrachtungsweise ergänzen:
Ich glaube man kommt am besten durchs Leben, wenn man sein Gegenüber als Mensch erkennt mit den Stärken und Schwächen, die jeder hat. Da ist es egal, ob jemand Pfleger ist oder Oberarzt. Deswegen helfen die pauschalen und theoretischen Verallgemeinerungen, die hier im Forum ausgetauscht werden garnichts.
Weder die Aussage, dass alle Pflegekräfte mehr Wissen als junge Ärzte (//stefan wäre unter Umständen z.B. hier eine Ausnahme), noch dass man als Arzt Pflegekräften gegenüber der absolute Oberking ist.

Das hilft beides nicht. Denn es muss zu Person, Situation und dem Gegenüber passen, was man hier für Ratschläge erteilt.

Ich wiederhole mich:
Am einfachsten fährt man vermutlich, wenn man Mensch bleibt und sein gegenüber als Mensch betrachtet. Seinem Gegenüber aufgeschlossen und höfflich gegenübertritt und sich auch interessiert für dessen Empfinden zeigt. Vielleicht einfach ausgedrückt: Das man freundschaflich Miteinander umgeht und am Ende der Arbeit vielleicht zusammen mal etwas trinken geht.
Das hilft oft, weil man so Menschen auch mal von einer anderen Seite kennenlernt.

antonia123
11.02.2013, 20:14
ich habe bisher die erfahrung gemacht, dass mindestens 8 von 10 hinweisen oder tipps die einem schwestern geben auch sinn machen oder manchmal sogar gold wert sind.

ich habe gerade die abteilung gewechselt und bin heilfroh wenn ich morgens zur arbeit komme und da eine erfahrene schwester sitzt. die sind mir extreme hilfen.

auf welcher seite soll der zugang sein wenn der pat nen ICD bekommt, wo wenn er einen Schrittmacher kriegt, vor welcher untersuchung wird die antikoagulation wann pausiert... das sind alles dinge die man nicht weiß, wenn man in der abteilung neu ist. ich bin für solche tipps extrem dankbar. und heute wurde ich sogar gefragt "sag mal ist das in ordnung wenn ich dir kleine zettel in die kurve lege wenn mir etwas auffällt? manche mögen das ja nicht so" :-love

das finde ich ganz toll. mit den zettelchen passieren viele flüchtigkeitsfehler nicht und trotzdem ändert sie nicht eigenhändig dinge in der kurve sondern macht mich einfach darauf aufmerksam wenn ich im eifer des gefechtes etwas übersehe (z.B. heute habe ich bei einer patientin die erst marcumar unter- und jetzt überdosiert ist, vergessen neben dem marcumar auch das heparin zu pausieren.. oder statt unacid zu oralisieren habe ich cefpodoxim geschrieben weil ich irgendwie dachte der patient hatte rocephin.. da war ich für das kleine zettelchen bzw. eine kurze nachfrage sehr dankbar :-))


auf der anderen seite muss man sich - gerade als anfänger - auch manchmal durchzusetzen wissen. in meiner alten abteilung gibt es z.b. einen pfleger, der das knallhart ausnutzt, dass oft unerfahrene kollegen kommen.. so nach dem motto "guck mal antonia.. die XYZ hat gestern abc angesetzt... aber das braucht man doch nicht. ich hab das jetzt nicht gemacht" oder "wieso darf der patient nicht essen? so ein kleines brot geht ja wohl?!"

epeline
11.02.2013, 21:02
kann von "meinen" schwesterlein momentan auch nichts negatives berichten (anders im letzten tertial!)
die sind so fit und toll
neulich erst, ich hab ein kind aufgenommen, brauchte nen zugang und flüssigkeit. ich hatte aber aktuell nicht parat, wie viel die so als bolus immer geben und ärzte waren akut keine da. da kam mir sofort schwester j. zur seite: "ach, machen sie mal fertig, wir kümmern uns um den rest" *freude*
ich empfehle, wenn möglich, gemeinsame betriebsfeiern. die weihnachtsfeier mit der ganzen station zu tertialbeginn war echt gold wert.

Fr.Pelz
12.02.2013, 20:06
@antonia- finde auch toll, wenn Schwestern das machen. Bei uns sind regelmäßig bleistiftgeschriebene Fragezeichen in den entsprechenden Spalten der Kurve. Für mich heißen die: Kann das oralisiert werden? Wollen wir mal was für Stuhlgang tun? Kann die Kost gesteigert werden?
Wenn man mal mit einem Ohr bei der Schwesternübergabe lauscht (bei uns im gleichen Raum) bekommt man nochmal soviel mehr vom Patienten mit, das ist wahnsinnig hilfreich. Andererseits finden es die Schwestern auch gut wenn ich zuhöre, weil ich dann auch gleich die ein oder andere Frage beantworten kann. Ist echt eine gute Zusammenarbeit bei uns.

Schlafmützchen
12.02.2013, 21:44
Das war auf meiner alten Intensivstation auch so. Die Ärzte sollten bei der Plegeübergabe dabei sein und die Schichtleitung der Pflege bei der Arztübergabe, so dass gleich relevante Fragen/Abläufe etc. geklärt werden konnten. Man hat dadurch oft Dinge mitbekommen, die sonst untergegangen wären.
Wenn ich hier lese, dass irgendwer der Dienstleister des anderen sein soll, könnte ich spucken. Das sind alles Arbeitsabläufe die ineinander greifen um den Patienten zu versorgen. Und wenn die Pflege Dienst nach Vorschrift macht, hat man in fast allen Bereichen ganz schnell verloren.
Natürlich gibt es auf allen Seiten schwierige Persönlichkeiten. Ich habe hier auch 1-2 Pflegekräfte mit denen ich mich (und übrigens auch viele andere) echt schwertue. Das wird sich nie vermeiden lassen, da muss man sich halt dann durchbeißen und versuchen doch irgendwie klar zu kommen. Und vor allem sollte man die Dinge nicht persönlich nehmen. Den großen Macker zu markieren ist da normalerweise nicht der richtige Weg.

@ McDreamy: Die größte Schwierigkeit ist es anfangs Tatsächlich erstmal herauszufinden auf wen man sich verlassen kann und auf wen nicht. Aber das wird, hab ein wenig Geldud.
Und auch, dass einem am Anfang jeder was anderes sagt ist leider so. Und das nervt. Irgendwann weiß man dann, wie man die Sachen machen will und wird mit zunehmender Erfahrung immer mehr in Ruhe gelassen. Aber erstmal muss man da durch.
mach dir nicht zu viele Gedanken, das klingt alles relativ normal was du da schreibst.

Absolute Arrhythmie
13.02.2013, 09:23
Zudem darf eine Pflegekraft genau genommen gar nicht "Dienst nach Vorschrift" machen und einen Arzt "gegen die Wand rennen" lassen. Auch wir unterliegen der Remonstrationspflicht, das heißt, ich habe als Pflegekraft die Pflicht, den Arzt darauf aufmerksam zu machen, wenn ich der Überzeugung bin, dass seine Anordnung fehlerhaft oder gar gefährlich für den Patienten ist. Genauso habe ich als Pflegekraft das Recht, eine Anordnung zu verweigern, wenn sie definitiv falsch und gefährlich ist.

Die Frage ist halt immer, wie man das rüberbringt. Es kommt bei uns (Psychiatrie) relativ häufig vor, dass somatische Medis falsch, gar nicht, zur falschen Uhrzeit angesetzt oder zB Antibiosen oder Elektrolyte nicht wieder abgesetzt werden. Wäre mein Stationsarzt jetzt beledigt, wenn mir das (als Ex-Somatik-Schwester) beim Tabletten stellen auffällt? Das würde mich doch sehr wundern. Genauso wenig sollte man beledigt sein, wenn ne Anästhesie-, OP-, oder ITS-Schwester am Anfang eben mehr Erfahrung in einigen Dingen hat. Das ist normal und bei jedem Berufseinsteiger so.

Ich denke aber auch, dass man sich jemanden, der wirklich impertinent seine Großkotzigkeit raushängen lässt, ruhig mal freundlich (!) aber bestimmt zur Brust nehmen kann, um ihm deutlich zu machen, dass das so nicht geht. Kann aber passieren, dass man danach erst Recht verschissen hat.
Ich glaub als Anfänger ist man eben empfindlich und auf seine kaum vorhandene Erfahrung fixiert. Das ist aber auch in jedem Job so, ging mir nach dem Krankenpflegeexamen nicht anders. Aber man kommt ganz schnell zurück auf den Boden der Tatsachen. Das tut erstmal weh, aber da muss man durch, und hinterher ist man dankbar, dass erfahrene Kollegen - egal aus welcher Berufsgruppe - einem geholfen haben.

nitas
13.02.2013, 21:38
Nach 3 Jahren Arbeitsleben bin ich in die Intensivrotation gekommen. Im Rahmen der Bereitschaftsdienste war ich natürlich schon öfter nachts/wochenends dort, um Patienten zu hüten oder eben Notfälle aufzunehmen. Fest eingeteilt bin ich jetzt seit paar Monaten.
Mit den meisten Schwestern bin ich schon anfangs gut klargekommen, aber sicherlich nicht, weil ich fachlich so toll war, sondern weil alle sich um einen (wie oben bereits gesagt) menschlich korrekten, respektvollen Umgang bemüht haben und wir uns aneinander gewöhnt haben.

Freude bei den Schwestern über meine Anwesenheit in den Diensten oder gar jetzt zu Beginn der Rotationszeit kam aber erst auf, nachdem ein paar schwierige Situationen gemeinsam überstanden wurden und die Schwestern bei mir merkten, daß ich in der Lage bin, sowohl selbständig rasche, gute Entscheidungen zu treffen, wie auch im Fall von Nicht-Ahnung entsprechende Ratschläg der seit-20-Jahren-Intensivschwester zum Beispiel bzgl. ARDS-Beatmung anzunehmen.

Aber der Hammer war neulich (wohlgemerkt nach 3 Jahren Berufstätigkeit und Monaten auf der ITS!), daß ein Intensivpfleger am Patientenbett zu mir sagte, nachdem ich was über die Thoraxdrainage beim Patienten gesagt hatte: "Das ist wirklich eine gute Idee von dir gewesen". Da war ich platt und bin natürlich vor Stolz sofort 2 Meter groß geworden.
Der AHA-Effekt in diesem Moment war für mich selbst überraschend: Ich hatte mir seit längerem gewünscht, daß dieser Intensivpfleger, der einfach was drauf hat, mit MIR als Stationsärztin zufrieden sein würde, denn ich schätze seine Meinung....

Zum Thema Zusammenarbeit und Hierarchie: Es klappt überhauptnichts ohne Vertrauen und Zuverlässigkeit.
Wichtige Regeln für den Anfänger:
1. Regel: Wenn man mündlich etwas anordnet, muß man es immer unterschreiben.
2. Regel: Wenn man an Perfusoren oder Beatmungen dreht und es falsch war, muß man immer zugeben, daß man es war.
3. Regel: So profan es klingt: den anderen ausreden lassen und es sich anhören, auch wenn man es persönlich für unwichtig hält. Hat man die Info schon gehabt, kann man das einfach ruhig sagen ("Du, das ist nett von dir, aber ich wußte das schon.") Wenn man der Meinung ist, die Info ist falsch, dann kann man das auch ruhig sagen ("Du, ich sehe das anders und zwar aus diesem-oder-jenem-Grund und darum machen wir das lieber anders."). Dann muß man aber auch mit dem Ergebnis leben, natürlich!
4. Regel: Wenn Schwestern zum selben Patienten ein paar Mal kurz hintereinander Fragen haben/ im Dienst anrufen, dann sollte man anbieten, vorbeizukommen und den Patienten vor Ort mit der Kurve/ am Bett zu besprechen. Ich habe erlebt und gelernt, daß es für die Schwestern, die sich gerade auf ITS eine ganze Schicht lang, also ca. 8 Stunden (!) um eine kleine Anzahl von Patienten intensiv kümmern müssen, es fürchterlich finden, wenn man als Arzt weit weg ist und vom Schreibtisch oder aus dem Bett heraus "regieren" will. Sie haben eine enge fachlich und persönliche Bindung zum Patienten und möchten, daß man das Ernst nimmt und sich genauso intensiv kümmert.
5. Regel: Mal kleine Arbeiten von der Pflege übernehmen / beim Lagern helfen / einen Alarm quittieren / Medikamente mal schnell selbst aufziehen, anstatt rumzustänkern, daß es lange dauert. Zum Dank haben die Schwestern schon häufig für mich Dinge erledigt, die eigentlich nicht ihre Aufgaben sind (Braunüle legen, Angehörige über Allgemeine Dinge informieren, Befunde sortieren), wenn sie gesehen haben, daß mir die Zeit fehlt.

Habe auch schon arrogante Anfänger mit der Einstellung "Ich Arzt- du Schwester" auf der ITS absaufen sehen...
Die hatten in ihrer Weisheit nicht bemerkt, daß bei allen invasiv-beatmeten Patienten eine ganze Schicht keine einzige Blutgasanalyse gelaufen war. Sowas fällt bei Oberarztvisite sehr unangenehm auf. Meistens machen die Schwestern das bei den Patienten mit arterieller Kanüle. Aber es ist nicht selbstverständlich!
Ich habe auch schon einen Kollegen gehabt, die sich alle EKGs selbst schreiben mußten, weil die Schwestern "keine Zeit" dafür hatten, nachdem der Kollege einmal sehr unsanft darauf aufmerksam gemacht hatte, daß ER EIN EKG ANGEORDNET HATTE, DENN ER SEI JA HIER DER ARZT !

Also ihr lieben Anfänger: ob es euch schmeckt oder nicht und ob ihr findet, dem Akademiker sei der Respekt gebührend - die Realität ist da immer noch ein bißchen anders und "Dienst nach Vorschrift" wünscht ihr euch wirklich nicht, glaubt uns...

nitas
13.02.2013, 21:39
gerade fällt mir auch noch eine Fachrichtung ein, in der man wohl ganz gut "Dienst nach Vorschrift" machen kann und jeder bei seinem Leisten bleibt:

Radiologie vielleicht? Allerdings natürlich ohne den interventionellen Teil. Da wird es schon wieder schwierig.

Kackbratze
13.02.2013, 22:07
gerade fällt mir auch noch eine Fachrichtung ein, in der man wohl ganz gut "Dienst nach Vorschrift" machen kann und jeder bei seinem Leisten bleibt:

Labormedizin
Humangenetik
Medizinethik