Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umgang mit den Schwestern - das heikle Thema



Seiten : 1 2 3 4 5 6 [7] 8 9 10 11 12 13

SuperSonic
19.02.2013, 16:30
Sicher, daß es da wirklich ein Gesetz gibt? Ich kenne es auch anders von peripheren Stationen (offizielle Regelung), und einen entsprechenden Gesetzestext habe ich bislang noch nicht gefunden.
Expressis verbis sind solche Fälle nicht in einem Gesetzestext geregelt, aber eine i.v.-Injektion ist zunächst mal - wie jede andere u. U. erlaubte Körperverletzung - primär ärztliche Aufgabe, die unter bestimmten Rahmenbedingungen jedoch auf nichtärztliches Personal übertragen werden kann.

"Grundsätzlich nicht delegationsfähig sind nach Dienstvertragsrecht und unter Berücksichtigung der gemeinsamen Auffassungen der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie der Bundesärztekammer über die Anforderungen an die persönliche Leistungserbringung Verrichtungen, die wegen ihrer Schwierigkeiten, ihrer Gefährlichkeit oder wegen der Unvorhersehbarkeit etwaiger Reaktionen ärztliches Fachwissen voraussetzen und deshalb vom Arzt persönlich, also eigenhändig durchzuführen sind. Hierzu zählen insbesondere alle operativen Eingriffe, schwierige Injektionen, Infusionen und Blutentnahmen sowie ärztliche Untersuchungen, Diagnostik und die ärztliche Beratung des Patienten." (Quelle (http://www.albrechtwienke.de/50122298830f1e409.html))

THawk
19.02.2013, 16:42
Hab ich:
Die Empfehlung ist von 1980, ich glaub aber nicht, dass sich daran etwas geändert hat.
Heißt de facto, dass ich die oben genannten Tätigkeiten per se als Pflegekraft erstmal nicht darf. Nur dann, wenn ich sie erlernt habe und ein Arzt das bestätigen kann, und das auch durch den leitenden Abteilungsarzt gestattet wird, dann darf ich als Pflegekraft diese Tätigkeiten ausführen.
Daher wahrscheinlich auch in vielen Häusern diese ITS-Sonderregel.
Bei mir auf Station dürfen Pflegekräfte zB von Seiten des Chefarztes aus kein Blut abnehmen, auch wenn sie nen "Spritzen-Schein" haben.

Heißt aber de facto auch, dass es schon möglich ist und es wenig Aufwand ist das zu genehmigen. Nur daran fehlt es den PDL in aller Regel an Motivation. Denn von ärztlicher Seite ist die Motivation sicherlich vorhanden den Genehmigungskrams zu erledigen. Ich erlebe es bei diesen Diskussionen stets mehr von der pflegerischen Seite im Sinne von "ich will es nicht", "ich werde dafür nicht bezahlt", "ich kann es nicht" oder "ich habe dafür keine Zeit".

Wobei unsere Schwestern in aller Regel viel machen und Diskussionen recht selten sind. Die iv-Injektion als Technik ist für alle freigegeben, es gibt dann eine Positivliste für Medikamente (umfasst Morphin, Furosemid, Fenistil, Ondansetron, Prednisolon und einige mehr). Kann im Bedarfsfall innerhalb weniger Tage um weitere Medikamente erweitert werden.

alex1
19.02.2013, 17:13
Das ist schon wieder ein typisches Beispiel dafür, was aus einem Beruf mit einer ansprechender Ausbildung wird.
Die Pfleger/-innen degradieren sich zum Pfannenschieber, Bettmacher und Essensverteiler indem sie keine Verantwortung für banale Tatigkeiten übernehmen.
Dies führt zu erhöhten Kosten für alle und degradiert weiterhin das Ansehen der Pfleger/-innen in den Augen des ärztlichen Personals.


Ich arbeite in einem Spital, wo Pfleger/-innen (ja ganz normale Pfleger/-innen, mitunter auch viele, die eine Ausbildung in einer deutschen Krankenpflegeschule genossen haben) periphere Zugänge für Chemotherapie legen und diese darüber dann auch selbstständig verabreichen, ohne dass ein Arzt den Zugang kontrolliert.
Ganz abzuschweigen von den Transfusionen, die ab gewisse Grenzwerte ohne Rücksprache mit dem Arzt gemacht werden.
Ja, sind denn die Schweizer bescheuert?


Und wie ist es nun mit Schmerzmittelperfusoren?
Dürfen denn die Pflegenden Boli über Perfusoren bei euch verabreichen (nach entsprechender ärztlicher Anordnung)?
Wo ist bitte der Unterschied zwischen 5mg mit den Daumen reinzuspritzen bzw. 5 mg mit dem Zeigefinger auf den entsprechenden Knopf des Schmerzperfusors zu geben?

papiertiger
19.02.2013, 17:29
nicht Schmerzmittel-, aber Heparinperfusor, neulich erst exakt so erlebt:

beim Labor kontrollieren im Zimmer, Pflegekraft zufällig gerade eh dabei den Heparinperfusor zu wechseln - "Ich hab grad die Laufrate von x auf y hochgesetzt in den Anordnungen, außerdem soll er jetzt auch nen Bolus von xy Einheiten kriegen - magst Du mal eben direkt, wenn Du eh grad dran bist?" - "Laufrate ist hochgesetzt, Bolus musst Du selber geben." "Bitte?" "Isso."

...

manche Sachen versteh ich einfach nicht.

Absolute Arrhythmie
19.02.2013, 17:44
@alex1: die Diskussion jetzt auf so ein Grundsatzniveu runterzubrechen finde ich albern. Ich persönlich hab schon jeden möglichen Kram gemacht, wenn es die Zeit zuließ und ich es mir zugetraut habe. Da gehören auch Sachen zu, die definitiv nicht delegierbar sind.
Aber grundsätzlich zu erwarten, dass Pflegekräfte dass doch bitteschön alles machen sollen, und am besten auch noch dankbar sein sollen, für die Gnade, dass sie ärztliche Tätigkeiten verrichten dürfen, damit ihre schnöde eigene Arbeit endlich mal aufgewertet wird (nichts für Ungut, aber genau so verstehe ich deine Aussage!), das finde ich unangemessen.

Man hat als Pflegekraft auch noch andere Dinge zu tun als Bettpfannen zu schieben. Und selbst wenn es nicht so wäre, was ist denn unwürdig oder schlecht an der Tatsache, dass man jemandem, der es alleine nicht kann, dabei hilft, seine Ausscheidungen zu verrichten? Findest du da irgendwas degradierend dran?
Also ich habe es nie so empfunden, wenn ich Menschen bei der Verrichtung ihrer Alltagstätigkeiten oder bei Ausscheidungen geholfen habe.
Wo ist der Unterschied ob ich jemandem den Finger in den Po stecke um ihn rektal zu untersuchen, oder ob ich das mache um ihm ein Zäpfchen zu schieben oder ihn digital auszuräumen?
Für mich ist das das selbe, obwohl das eine "Pflege" ist und das andere "Medizin".

Wo ist der Unterschied, ob ich jemandem ne Nadel in die Haut ramme um den BZ zu messen, oder um einen Zugang zu legen? Für mich existiert da "hierarchisch" keiner. Das eine birgt mehr Risiken für den Patienten, darum ist es grundsätzlich Ärzten vorbehalten, die dies aber deligieren dürfen.

Warum also sollte ich mich als Pflegekraft um Aufgaben reissen, die ich zusätzlich zu allen anderen in deinen Augen vllt "minderwertigen" Aufgaben tun müsste? Natürlich ohne mehr zu verdienen und ohne zusätzliche Pflegestellen dafür bewilligt zu bekommen.

Ehrlich mal, dein Kommentar macht mich sprachlos und auch tief betroffen. Ich finde es immer wieder traurig wenn man als professionell Pflegender solche Diskussionen führen muss.
Ich bin auch Fachkraft und ich habe meine eigenen Aufgabengebiete. Und ich mach das gerne und bin stolz drauf. Nicht jeder hat als höchstes Ziel im Leben, Instrumente in andere Menschen einzuführen, also vielleicht sollte man im Krankenhaus im Umgang mit anderen Berufsgruppen auch mal das Motto gelten lassen: Leben und Leben lassen.

Also sorry für die lange Antwort dazu, aber sowas unkommentiert stehen lassen kann ich nicht.

papiertiger
19.02.2013, 17:58
Naja, meines Wissens gibt es da aber eben auch deutliche Unterschiede zwischen hier und der Schweiz, schadet sicherlich nicht, alex_1 Aussage auch in diesem Kontext zu lesen.

Sehe die von Dir angesprochene Problematik (mehr Arbeit ohne dafür mehr Stellen/mehr Geld was auch immer zu kriegen) durchaus auch, aber womöglich ist das einfach eine Entwicklung, um die das Pflegewesen auch hierzulande über kurz oder lang nicht rum kommt, und die man ggf. besser mitgestalten sollte als sich stumpf dagegen zu wehren.

Unabhängig davon sind die Grenzen mitunter auch einfach so willkürlich gezogen, dass man sich nur wundern kann. Wundern sollte erlaubt sein, finde ich.

Absolute Arrhythmie
19.02.2013, 18:03
Gegen wundern habe ich auch nichts, und auch nicht dass man hinterfragt, ob Trennlinien nicht im Laufe der Zeit unscharf geworden sind oder überflüssig.
Aber was mich fuchsig macht sind solche Aussagen:


Die Pfleger/-innen degradieren sich zum Pfannenschieber, Bettmacher und Essensverteiler indem sie keine Verantwortung für banale Tatigkeiten übernehmen.
Dies führt zu erhöhten Kosten für alle und degradiert weiterhin das Ansehen der Pfleger/-innen in den Augen des ärztlichen Personals.

Ich verstehe einfach nicht, wieso es mich "degradieren" sollte jemandem ne Bettpfanne unter den Allerwertesten zu schieben? Oder inwiefern es mich jucken sollte, ob mich eben diese Tätigkeit in den Augen meiner ärztlichen Kollegen "degradiert". Zu was den degradiert? Zum Hauselfen? Zum Stiefelknecht? Zum Pöppesabwischer? Na und? Wer schonmal bettlägrig war weiß, wieviel es wert ist wenn eine freundliche Pflegekraft einem stillschweigen die Nierenschale vorhält oder eine sanft den Allerwertesten vom Durchfall befreit. Darüber sollte man auch mal nachdenken. Was "Pflege" im eigentlichen Sinne bedeutet.
Scheint vielen Ärzten ja nicht klar zu sein, dass wir als Berufsgruppe ne Daseinsberechtigung abseits vom "den Ärzten zuarbeiten" und "Handlangertätigkeiten" haben.

Sorry dass ich mich über das Thema so echauffiere, aber wenn ich solche Diskussionen führe, frage ich mich manchmal ernsthaft ob ich später mal einer berufsgruppe angehören möchte, die oft so schlecht über meine aktuelle Berufsgruppe denkt. denn dafür bin ich viel zu sehr mit Leib und Seele bei meiner Arbeit.

alex1
19.02.2013, 18:27
@alex1: die Diskussion jetzt auf so ein Grundsatzniveu runterzubrechen finde ich albern.
Es gibt nichts Besseres, als die Diskussion auf ein persönliches Niveau mit Angriffen abzulenken, wenn die eigene Argumente nicht ausreichen. Oder?


Ich persönlich hab schon jeden möglichen Kram gemacht, wenn es die Zeit zuließ und ich es mir zugetraut habe. Da gehören auch Sachen zu, die definitiv nicht delegierbar sind.
Beispiel?



Aber grundsätzlich zu erwarten, dass Pflegekräfte dass doch bitteschön alles machen sollen, und am besten auch noch dankbar sein sollen, für die Gnade, dass sie ärztliche Tätigkeiten verrichten dürfen, damit ihre schnöde eigene Arbeit endlich mal aufgewertet wird (nichts für Ungut, aber genau so verstehe ich deine Aussage!), das finde ich unangemessen.
Die Arbeit der Pflegekräfte wird dadurch nicht aufgewertet. Sie entspricht lediglich dem Niveau, dessen was Pflegekräfte gelernt haben.
Das wäre effizient. Als ich vor 5 Jahren noch in Deutschland gearbeitet habe, habe ich als Assistenzarzt knapp das doppelte verdient als meine Freundin (und sie ist Krankenschwester). Wenn Krankenpfleger/-innen das machen würden, was sie auch gelernt haben (Blut abnehmen, Zugänge legen, selbstständig nach SOP/Standards banale "Probleme" beheben würden, z.B. Verstopfung & Co) könnte man in etlichen Stationen einen Assistenzarzt durch eine Pflegerin ersetzen. Und rate mal was? Es wäre noch genug Geld da, um noch eine Pflegerin einzustellen. So arbeitet man effizient und spart Kosten. Nicht indem der arme Assistenzarzt in der Früh 15 Leuten Blut abnehmen / Zugänge legen muss (wenn gerade kein PJ da ist).


Man hat als Pflegekraft auch noch andere Dinge zu tun als Bettpfannen zu schieben.
Absolut.
Das Problem ist dass eine examinierte Pflegefachperson Pfannen schieben muss. Dafür kann man auch jemanden mit deutlich weniger Qualifikationen für weniger Geld einstellen. Genauso wie Schränke auffüllen, Essensbestellungen aufnehmen, beim Einrichten des Fernsehers helfen, blablabla... Dafür brauche ich keine examinierte Pflegefachperson. Sie soll sich lieber den wichtigen Aufgaben widmen: Infusionen vorbereiten, Blutzucker messen (und oft fast selbstständig einstellen), Urinkatheter legen, usw...
Wir Ärzte wehren uns, wenn wir administrativen Quatsch erledigen müssen. Wir merken, dass andere Leute, die weniger qualifiziert sind und weniger verdienen, genauso oder sogar besser solche Aufgaben erledigen könnten (wie mit dem Taxifahrer über den Taxischein zu verhandeln oder irgendeine AKte komplett an den Kollegen zu faxen). Bei der Pflege sehe ich das nie. Jede Aufgabe wird angenommen, solange sie unter dem Niveau liegt, an dem man arbeitet. Dadurch schafft sich dieser Beruf selbst ab und wird für die kommende Generationen zunehmend inattraktiv werden.



Und selbst wenn es nicht so wäre, was ist denn unwürdig oder schlecht an der Tatsache, dass man jemandem, der es alleine nicht kann, dabei hilft, seine Ausscheidungen zu verrichten? Findest du da irgendwas degradierend dran?
Nein. Degradierend ist es nicht. Du bist bloss überqualifiziert dafür.



Wo ist der Unterschied, ob ich jemandem ne Nadel in die Haut ramme um den BZ zu messen, oder um einen Zugang zu legen? Für mich existiert da "hierarchisch" keiner. Das eine birgt mehr Risiken für den Patienten, darum ist es grundsätzlich Ärzten vorbehalten, die dies aber deligieren dürfen.

Entschuldigung, aber: i.m. spritzen tun doch auf die Schwestern bei euch, oder?
Was ist komplikationsreicher? Mit dem blauen Butterfly Blut abzunehmen oder die i.m. Injektion zu setzen?


Warum also sollte ich mich als Pflegekraft um Aufgaben reissen, die ich zusätzlich zu allen anderen in deinen Augen vllt "minderwertigen" Aufgaben tun müsste? Natürlich ohne mehr zu verdienen und ohne zusätzliche Pflegestellen dafür bewilligt zu bekommen.
Genau! Du sagst es!
Und weisst du wo das endet? Dass eines Tages nur noch überqualifizierte Pflegekräfte Pfannen schieben und Essen austeilen werden. Und dann wird ein Verwaltungsfuzzi sich denken: Hmmmm... Wieso eigentlich das? Machen wir doch einfach aus 3 Pflegestellen einfach 1 Examinierte und 2 Pfegehilfen. Da sparen wir glatt 20%.
Und warum ist das passiert? Weil die Pflege ihren Arbeitsbereich durch Ausschluss von qualifizierten Aufgaben degradiert hat.

alex1
19.02.2013, 18:37
Ich verstehe einfach nicht, wieso es mich "degradieren" sollte jemandem ne Bettpfanne unter den Allerwertesten zu schieben?

Es geht hier nicht um die Bettpfanne. Und du wirst nicht degradiert, weil du die Bettpfanne schiebst. Du wirst nur dann degradiert, wenn du nur noch Bettpfannen schieben willst. Dann kannst du gleich eine neue Berufsgruppe erfinden: Bettpfannenschieber M.Sc.

Es geht darum, dass es Kolleginnen von dir gibt, die nur noch solche Aufgaben als Teil ihrer Berufstätigkeiten sehen und jegliche andere Aufgabe, die mit Verantwortung verbunden ist, strikt ablehnen. Das degradiert den Beruf der Pflegerin und des Pflegers. Und es passiert aus 2 Gründen:
a) "Ich habe kein Bock; ich werde dafür nicht genung bezahlt; ich habe keine Lust mir sagen zu lassen, was ich machen soll von einem 25jährigen Jungen."
b) "Es könnte was Schlimmes passieren, man könnte mich verklagen!"

Es gibt Kliniken, wo der Arzt gerufen wird, jedes Mal wenn ein Medikament in eine Infusion steckt, das zum ersten Mal einem Patienten gegeben wird. "Das ist die Erstgabe!" Wo steht dieser Schmarrn schon wieder, dass man einen Arzt dabei haben muss?

Blut wird sowieso keins abgenommen, obwohl die meisten von euch es in der Schule gelernt haben. Wieso lernt man eigentlich in der Pflegeschule etwas, was man später sowieso nicht machen "darf"?

Denüse
19.02.2013, 18:58
Genau! Du sagst es!
Und weisst du wo das endet? Dass eines Tages nur noch überqualifizierte Pflegekräfte Pfannen schieben und Essen austeilen werden. Und dann wird ein Verwaltungsfuzzi sich denken: Hmmmm... Wieso eigentlich das? Machen wir doch einfach aus 3 Pflegestellen einfach 1 Examinierte und 2 Pfegehilfen. Da sparen wir glatt 20%.
Und warum ist das passiert? Weil die Pflege ihren Arbeitsbereich durch Ausschluss von qualifizierten Aufgaben degradiert hat.Schon mal Sorry für die Polemik ;-), aber das kann man so ja nicht stehen lassen: Genau. Und während das Pflegepersonal damit beschäftigt ist, sich das Ansehen des ärztlichen Standes mit Erfüllung dessen Aufgaben zu verdienen, bleiben die Patienten eben in ihren Exkrementen liegen bis die Verwaltung ein paar minder qualifizierte Pflegehelfer eingestellt hat.... :-(

Man muss hier unterscheiden - wie schon mehrfach erwähnt - zwischen den ärztlichen Aufgaben, die an das Pflegepersonal delegiert werden können und den Aufgaben, die eine Pflegekraft eben aufgrund des Personalmangels ausführen muss. Die von Dir angeführten Servicekräfte zum Austeilen des Essens, Schränke auffüllen etc. sind gute Beispiele.

Gibt es dieses Personal auf Station nicht und es sind auch keine Stellen vorgesehen, dann MUSS diese Aufgabe durch die Pflege übernommen werden, um überhaupt noch sowas wie normales Arbeiten zu ermöglichen.

Natürlich gibt es Pflegekräfte, die liebend gern ärztlich delegierte Aufgaben übernehmen. Im Idealfall fühlen sie sich darin sicher und können diese auch im Sinne der "ärztlichen Kunst" erledigen, z. B. Zugänge legen & Blut abnehmen. Allerdings zeigt die Erfahrung (ok, ich kann nur ein Kreiskrankenhaus und 2 Uniklinika bieten), dass für solche Dinge gar keine Zeit bleibt. Eine 50 Betten Innere ist kein Kindergeburtstag. Da kommt man kaum hinterher mit Waschen, Schüsseln und Medis... Gerade bei grottigen Personalschlüsseln. :-wand

Da kann man noch so überqualifiziert oder intelligent sein an dieser Stelle. Es gibt die Arbeit, sie muss gemacht werden. Punkt! Auch dann, wenn man es gern anders hätte.... Letztlich sollte man miteinander kommunizieren und sich nicht gegenseitig behindern.

Und ich bin überzeugt, die wenigsten Schwestern nehmen z. B. kein Blut ab, weil sie einfach keinen Bock haben. Vielmehr ist es in einigen Häusern A) entweder nicht erlaubt, außer man hat eine spezielle Einweisung oder B) ist einfach keine Zeit da.

Und für den Fall C), also: keinen Bock. Was soll man sagen? Menschen, die intelligent & lernwillig sind wie ein Sack Badewannenstöpsel gibt es überall. AUCH unter Ärzten bzw. Medizinstudenten... ;-)

alex1
19.02.2013, 19:08
Schon mal Sorry für die Polemik ;-), aber das kann man so ja nicht stehen lassen: Genau. Und während das Pflegepersonal damit beschäftigt ist, sich das Ansehen des ärztlichen Standes mit Erfüllung dessen Aufgaben zu verdienen, bleiben die Patienten eben in ihren Exkrementen liegen bis die Verwaltung ein paar minder qualifizierte Pflegehelfer eingestellt hat.... :-(

Ich habe noch nie eine Stationsleitung erlebt, die gesagt hat "Ich gebe euch eine unserer Pflegestellen ab, wenn ihr mir dafür 2 Servicekräfte gebt, die Essen bestellen / austeilen, Infusomaten putzen, Geld fürs Patiententelefon einzahlen, Schränke auffüllen, Wasser den Leuten bringen, usw..."
Nein, nein, nein... Diese Aufgaben gehören zum Bereich der Pflege und werden von überqualifizierten Examinierten gemacht.

Und genau weil diese Aufgaben immer mehr und mehr werden (das Krankenahaus schaut natürlich, dass der Service stimmt), bleibt der Rest, von dem was die Pflege eigentlich gelernt hat und tun sollte auf, der Strecke.

Man ist eben in der Pflege überdurchschnittlich happy, wenn man einfache Aufgaben ohne viel Verantwortung erledigen kann. Das ist leider mein Eindruck.

Denüse
19.02.2013, 19:22
Ich habe noch nie eine Stationsleitung erlebt, die gesagt hat "Ich gebe euch eine unserer Pflegestellen ab, wenn ihr mir dafür 2 Servicekräfte gebt, die Essen bestellen / austeilen, Infusomaten putzen, Geld fürs Patiententelefon einzahlen, Schränke auffüllen, Wasser den Leuten bringen, usw..." Die Pflegekräfte an sich sind doch schon viel zu wenige... Und dann noch Stellen streichen für Hilfskräfte? Das ist auch nicht der richtige Weg... *find* Aufstocken schon eher. Auf Kinderstationen ist es Usus, dass Pflegekräfte PFLEGEN und Hilfskräfte HELFEN. Nur leider habe ich das selbst noch nie auf einer Erwachsenenstation erlebt. OK, vielleicht hat sich das geändert. Bin ja nun auch schon wieder 2 Jahre raus aus der Pflege.



Man ist eben in der Pflege überdurchschnittlich happy, wenn man einfache Aufgaben ohne viel Verantwortung erledigen kann. Das ist leider mein Eindruck.Damit tust Du vielen engagierten Pflegekräften Unrecht, die sich in ihrem Job aufopfern und Herzblut investieren. Und die gibt es. Es ist immer einfach alle über einen Kamm zu scheren. Die Realität besteht nunmal aber nicht nur aus Stereotypen. ;-)

][truba][
19.02.2013, 19:26
Die Rechnung ist interessant. Ich kenne aber ein Haus, dort gibt es "Serviceassistenten".

So, natürlich ist es nett, wenn anders qualifizierte diese Tätigkeiten (Essen bestellen, austeilen, etc.pp.) übernehmen. Das Ende vom Lied ist allerdings nicht unbedingt eine "Arbeitserleichterung" sondern nur die Verschiebung.

Jetzt hat jede Schwester einfach mehr Patienten zu versorgen, da der Personalschlüssel angepasst wurde. Und das bei sowieso meistens schon schlechtem Personalschlüssel. Bleibt dort jetzt mehr Zeit für die angesprochenen Aufgaben? Nein, auch in diesem Modell gibt es diese Zeit nicht. Auch wenn es dein Eindruck ist, ist dein letzter Satz quatsch.

Und auch einen Patienten artgerecht zu Lagern, ihm seine Eigenständigkeit soweit es geht zu ermöglichen und und und ist meiner Meinung nach keine Aufgabe mit wenig Verantwortung (nur weil man den Patienten dabei nicht aufschneidet).

Ich finde allerdings auch das die Pflegenden sich, nach Vorbild der Ärzte, mal ordentlich organisieren könnten. Dort könnten sie auch mal mit etwas mehr Druck eventuelle "Forderungen" durchsetzen.

MfG Thomas

Denüse
19.02.2013, 19:28
[truba][;1605724']
Ich finde allerdings auch das die Pflegenden sich, nach Vorbild der Ärzte, mal ordentlich organisieren könnten. Dort könnten sie auch mal mit etwas mehr Druck eventuelle "Forderungen" durchsetzen.Jup, die Bildung einer Pflegekammer schwebt ja schon seit Jahren unvollendet im Raum. Das wäre mal ne Maßnahme! :-top

Fr.Pelz
19.02.2013, 19:32
Um was ging´s denn? Banalitäten oder wirklich therapeutische Maßnahmen?

Nichts akut Lebensbedrohliches, aber auch nichts total unwichtiges: zusätzlliche Infusionen bei einem trinkschwachen Demenzkranken, Abführmaßnahmen bei Passagestörung.. das sind schon Anordnungen im eigentlichen Sinn, über die sich auch nicht viel streiten lässt.

Naja. zur restlichen Diskussion kann ich nur zustimmen wenn es um das zusätzliche Einstellen von Hilfskräften geht. Erstens ist das ein super Job auch für Ungelernte (sozialer Kontakt, das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun), zweitens werden ohne Hilfskräfte die ganz einfachen Tätigkeiten oft von Pflegeschülern gemacht, die ja auch eigentlich die eigentlichen Pflegeaufgaben lernen sollen.

][truba][
19.02.2013, 19:35
Sicher, wenn dann keine Pflegestellen gekürzt werden ist sicher jeder dafür (außer die, die es bezahlen sollen ;) ).

Ansonsten finde ich, das das natürlich nicht geht, was deine Schwester da gemacht hat.
Hast du Ihr das gleich nochmal gesagt?

Ansonsten ist ein offizieller Rüffler wohl die einzige Möglichkeit.

Fr.Pelz
19.02.2013, 19:39
[truba][;1605730']Sicher, wenn dann keine Pflegestellen gekürzt werden ist sicher jeder dafür (außer die, die es bezahlen sollen ;) ).

Ansonsten finde ich, das das natürlich nicht geht, was deine Schwester da gemacht hat.
Hast du Ihr das gleich nochmal gesagt?

Ansonsten ist ein offizieller Rüffler wohl die einzige Möglichkeit.

Nee die ist leider seitdem krank. Habs heut dem OA erzählt, der meinte, ich wäre nicht die einzige, die das gemerkt hat, aber beim Chef stößt man mit Kritik an ihr wohl auf taube Ohren. :-( Aber so lange es nur die eine Schwester ist und die Patzer nicht zu groß werden, muss man sich wohl arrangieren.

Erdbeermond
19.02.2013, 21:03
Aber was seht ihr denn dann bitte als "richtige Pflegeaufgaben"?
Ich arbeite in nem Haus der Maximalversorgung, bei uns gibt es auf jeder Station ne Stationsassistentin, die sich um den ganzen Papierkram kümmert, es gibt versorgungspersonal, dass die schränke auffüllt und es gibt servicehelfer, die Essen austeilen.
Und? Hab ich deswegen Zeit, Braunülen zu legen, it abzunehmen oder sonstige ärztliche Dinge zu übernehmen? Auch wenn ich es gelernt habe? Nein hab ich nicht.
Ich muss meine Patienten versorgen und zwar mit waschen (da spielen Prophylaxen eine wichtige Rolle, Hautbeobachtung), ich muss Verbände machen, meine Patienten mobilisieren (Prophylaxen, Sturzgefahr), Essen eingeben (Aspirationsgefahr), Lagern (Hautbeobachtung, Prophylaxen), Pat. Beraten. Etc. Wenn ich das alles richtig machen will, dann brauch ich dafür auch meine Ausbildung, denn das sind alles Dinge, die eine ungelernte Hilfskraft nicht richtig machen kann, weil ihr das Fachwissen fehlt (auch wenn sie es tun, aber das ist ein anderes Thema).
Oder will mir jemand erzählen, dass er im Pflegepraktikum gelernt Hat, auf was er beim waschen achten muss? Pneumonie und Thromboseprophylaxe, Hautbeobachtung, richtige Hautpflege? ich glaube nicht.
Viele Stellen sich Pflege so einfach vor, dabei ist professionelle Pflege so viel mehr, auch wenn das für euch nicht offensichtlich ist.
So und wenn du mir genug Pflegekräfte gibt, um das gut zu bewerkstelligen, dann nehm ich dir auch gern dein Blut ab, wenn ich Zeit hab (und wenn es erlaubt ist - bei uns gibt es ne dienstanweisung, nach der das nur in bestimmten Bereichen -onko, Its, notaufnahme - gestattet ist).

Und zum Thema Medikamente i.v. - habt ihr euch schon mal überlegt, dass eine Pflegekraft nicht einfach irgendwas i.v. verabreichen will, wovon sie nicht weiß, wie es wirkt, welche Nebenwirkungen auftreten können, etc? Oder dass sie es weiss und es genau aus diesem Grund nicht gibt (beispiel atemdepression bei morphin)?
Ich hab jetzt ne dreijährige Ausbildung hinter mir - der Pharmaunterricht betrug 8 Stunden.

THawk
19.02.2013, 21:04
Ich sehe die Situation wie Alex. Der Kostendruck wird größer in den Krankenhäusern und wenn das Selbstverständnis der Pflegenden gerade Tätigkeiten, die eine geringe Qualifikation benötigen wie oben genannt, umfasst, wird der Personalschlüssel gekürzt werden. Weil das andere Hilfskräfte günstiger und nicht schlechter machen werden. Welche Konsequenzen kann man daraus ziehen?
Variante 1: Ich warte, Stellenschlüssel wird gekürzt, man hat mehr zu tun bei weniger Stellen und darf im Zweifelsfall (am Wochenende etc.) wieder die Arbeit mit übernehmen, die unter der Woche z.B. die Hostessen übernehmen.
Variante 2: Man schaut voraus, kümmert sich um eine medizinische Qualifikation der Pflegenden und kann höher qualifizierte Aufgaben übernehmen; für die gering qualifizierten werden Hostessen etc. eingestellt.

Ich habe den Eindruck, dass sich die Pflege professionalisieren möchte (Studium etc.), sich dabei aber von der Medizin immer weiter entfernt. Pflegediagnosen, Pflegeanamnese, ATLs im Computer dokumentieren etc. Ich weiß nicht wann das angefangen hat. Meine Mutter (Kinderkrankenschwester, bis 1982 im Beruf gearbeitet) macht große Augen wenn ich ihr sage was heute von Schwestern abgelehnt wird weil es nicht ihre Aufgabe ist; die waren damals viel mehr in der Medizin drin als die Pflegenden heute.
Wir brauchen die Pflegenden am Kind - zum Inhalieren, zur Krankenbeobachtung, zur Medikamentengabe, zur Anleitung von Eltern, zur Ausscheidungsbeurteilung, zur Infusionskontrolle, gerne auch zum Blutabnehmen / Flexülen legen, Blasenkatheter legen etc. Wir brauchen Hilfskräfte für das drumherum: Betten putzen, Stellplätze vorbereiten, Betten für Begleitpersonen richten, nach Essenswünschen fragen, Milch warmmachen, Breie aus der Küche geben, Patienten durchs Haus zu Untersuchungen bringen, Labor eintüten, Akten heften, Patienten einbestellen.

Erdbeermond
19.02.2013, 21:04
Ach ja Fr. Pelz: das geht gar nicht, dass die sowas nicht macht - das ist zum Beispiel Dinge, die wir eigenständig tun...