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Miss_H
11.03.2017, 08:18
So ein ambulantes Quartal kann man ziemlich schnell einführen. An den Unikliniken gibt es viele Ambulanzen und dann noch ein paar nirgends Niedergelassene rekrutieren. Bei uns klappt es ja schon. Und ich finde es auch nicht schlecht. Und ein einheitliches 4. Fach finde ich auch gut. Ist im Moment ja auch unfair. Und so fände ich es planbarer.

Bonnerin
11.03.2017, 08:38
Eher nicht. Ich weiß nicht mehr genau, in welchem der Artikel es drinstand, aber das "Schlupfloch" Uniklinik klappt nicht. Das ambulante Quartal wurde ganz eindeutig als "ambulantes Quartal im vertragsärztlichen Bereich" deklariert. Deshalb gelten dann keine Ambulanzen an der Uniklinik (wo man ja eigentlich eh als PJler in der Fachrichtung auch in Rotation ist) sondern ganz klar im niedergelassenen Bereich. Und da mangelt es überall (zum Glück) deutlich an Kapazitäten.

davo
11.03.2017, 08:51
Interessant. Das hab ich nicht gewusst!

Andererseits: Es gibt in Deutschland 110.000 Vertragsärzte, und ca. 9.600 Absolventen pro Jahr. Sollte sich also machen lassen, auch wenn es bedeuten wird, dass einige Studenten das Quartal in einem Fach, das sie gar nicht interessiert, machen werden müssen.

Bonnerin
11.03.2017, 09:03
Das war zumindest mein letzter Informationsstand - dass die DEGAM wohl an die Hochschulambulanzen gedacht hat ^^'

Zahlenmäßig definitiv, aber ich weiß nicht, wie die rechtliche Grundlage aussieht. Prüfungstechnisch müsste es sich doch eigentlich um anerkannte Lehrpraxen der Universitäten handeln...und dann sind es auf einmal mehrere zehntausend Praxen weniger, denke ich.

Die Hausärztin, bei der ich famuliert habe hatte keine Lehrpraxis. Sie meinte, dass sie das zwar grundsätzlich gerne machen würde, aber die permanenten Fort- und Weiterbildungen zu Lehrmethoden ect. würde sie weder zeitlich schaffen, noch wollen. Und sie sagte auch, dass sie viele Kollegen hat, denen es ähnlich geht.

Das Blockpraktikum Allgemeinmedizin ist deshalb auch ne logistische Totalkatastrophe, zumindest in Bonn. Viele Praxen sind 40-60km von Bonn entfernt und ohne Auto gar nicht zu erreichen... :(

davo
11.03.2017, 09:13
Naja, sie werden sich schon was einfallen lassen (müssen). Im Zweifelsfall schraubt man halt die Anforderungen an eine Lehrpraxis runter. Es werden ja auch PJ-Tertiale in Entwicklungsländern anerkannt - wenn man an der Illusion festhält, dass ein Lehrkrankenhaus in jedem Land der Welt dasselbe sei, sollte man eigentlich kein Problem damit haben, bei inländischen Arztpraxen etwas flexibler zu sein.

Das mit dem Blockpraktikum Allgemeinmedizin ist bei uns dasselbe. Was natürlich auch daran liegt, dass Gießen etwas weniger Einwohner als Bonn hat :-p

Migole
17.03.2017, 08:35
Die entgültige Entscheidung wird vertagt, da es (wer hätte das gedacht? :-)) ) an der Finanzierung hapert.
https://www.jmwiarda.de/2017/03/16/nach-finanzierungsstreit-politik-vertagt-reform-der-medizinerausbildung/

Matzexc1
17.03.2017, 08:45
Tja das liebe Geld. Ich bin gespannt was da noch kommt

Migole
17.03.2017, 18:05
Und noch mal aus dem ÄB:
http://m.aerzteblatt.de/news/73652.htm

Rheeva
18.03.2017, 15:50
Möchte mich hier mal ganz herzlich für's "auf dem Laufenden halten" bedanken! :-top

Migole
20.03.2017, 13:04
Noch ein Artikel vom Deutschlandfunk:
http://www.deutschlandfunk.de/reform-des-medizinstudiums-aerger-um-die-finanzierung.680.de.html?dram:article_id=381523

Migole
21.03.2017, 17:28
"Bundesärztekammer warnt vor einem Scheitern bei der Reform des Medizinstudiums"
http://m.aerzteblatt.de/news/73693.htm

Hachja, das wird noch ein Spaß :-))

Bonnerin
24.03.2017, 05:05
Ich fände es interessant, wenn man die Struktur des PJ erhalten könnte (also Tertiale und Allgemeinmedizin als Wahltertial), aber man es den Studenten freistellen würde, statt Innere oder Chirurgie vllt. auch Allgemeinmedizin zu machen. Grundsätzlich fände ich persönlich eigentlich Allgemeinmedizin/Chirurgie/Wahlfach (HNO) attraktiv.
Im Umkehrschluss könnten dann auch die Leute, die wirklich nie operieren wollen eben Innere/Allgemeinmedizin/Wahlfach machen.

Kackbratze
24.03.2017, 05:24
Auf dem Weg zum spezialisierten Studium wie es im Ausland praktiziert wird. Wenn etwas funktioniert und international anerkannt ist, MUSS man es einfach reformieren, damit es weniger Geld kostet. Das ist nämlich das grosse Ziel. Weniger Kosten. Die Ausbildung ist doch sekundär. Und wenn darunter der Wissensschatz der zukünftigen Ärzte leidet....interessiert doch keinen Politiker, die haben eh Chefarzttarife. Das wird schon.

Kandra
24.03.2017, 06:14
Im Umkehrschluss könnten dann auch die Leute, die wirklich nie operieren wollen eben Innere/Allgemeinmedizin/Wahlfach machen.

Meiner Meinung nach sollten aber auch Leute, die nie operieren wollen, grundsätzliche Dinge der Wundversorgung beherrschen. Und das lernst du eben auch in der Chirurgie. Ich fands schon immer peinlich, wenn die Internisten bei einem leicht durchgebluteten Verband und venöser Sickerblutung den Chirurgen kommen lassen, anstatt mal selber an den Druckverband etc zu denken (Ausnahmen bestätigen die Regel ;) ). Und warum nicht selber ne kleine Wunde nähen, wenn man zB als Allgemeinarzt damit konfrontiert wird?
Wenn man nicht in den OP will, wählt man halt sein PJ-Haus entsprechend. Die chirurgische Notaufnahme würde ich aber nicht missen wollen.

davo
24.03.2017, 06:30
Eigentlich müsste man dafür sorgen, dass alles, was jeder können soll, in die Blockpraktika kommt. Das internistische Blockpraktikum war bei uns zwar ganz nett, aber war sehr wenig strukturiert, je nach Krankenhaus völlig unterschiedlich, viel zu früh im Studium, usw. War eigentlich eher etwas Anamnese und Pathophysiologie, mehr nicht. Hätte man zu einem späteren Zeitpunkt viel sinnvoller nutzen können.

Zur Chirurgie: Gerade Sachen wie Wundversorgung, Fadenentfernung, Verbandwechsel, Gips/Schienen, usw. wurden bei uns bisher nie behandelt, obwohl wir fast jedes Semester zu mehr oder weniger sinnvollen "skills lab"-Terminen antreten dürfen. (Ich hoffe mal, dass solche Sachen dann im Blockpraktikum Chirurgie kommen, aber bin da noch nicht wirklich überzeugt...)

Das Problem bei all solchen Sachen ist glaube ich, dass man sie ohne Übung wieder verlernt. Natürlich wäre es sinnvoll, wenn ein Internist einen Verband wechseln oder ein Allgemeinmediziner eine Wunde versorgen kann. (In meiner Hausarztfamulatur am Land war das auch völlig alltäglich.) Aber wenn man das nach dem Studium nie macht, werden einem ein paar Tage Praktikum während des Studiums auch nichts bringen - das Wissen wird sehr schnell wieder weg sein.

Das darf man nie vergessen, wenn man für eine sehr breite medizinische Allgemeinbildung während des Studiums plädiert. Wenn die dann nur von ganz wenigen Absolventen genutzt wird, hätte man die Zeit anders sinnvoller verwenden können.

Bonnerin
24.03.2017, 12:33
@Kandra: Ich glaube, es war in der alten Approbationsordnung möglich, Chirurgie generell durch irgendwas mit operativem Aspekt zu ersetzen (wenn ich mich richtig erinnere). Da könnte man dann auch die Wundversorgung erlernen.

@davo: Da stimme ich dir zu. Ich finde, dass die Basis eigentlich in den Blöcken behandelt werden muss und nicht erst im PJ. Das ist eigentlich peinlich und eine Armutserklärung für das Studium.

Aber wenn ja jetzt alle Fächer in der Klinik aufgelöst und in "Kompetenzbereiche" umgewandelt werden, wird das ganz sicher viel besser werden. Also bestimmt. Das hat die Regierung ja auch beim Abi schon so erfolgreich gemacht, dass kaum einer mehr vernünftig Mathe kann -.-

davo
25.03.2017, 16:21
Ja, die Kompetenzbereiche machen mir auch schon Angst. Man kopiert einfach hirnlos die dümmsten Aspekte der britischen, kanadischen, amerikanischen Ausbildung. Dann kann man Hunderte Seiten an Kompetenzlisten, Checklisten usw. fabrizieren, die Studenten und Unis mit noch mehr Bürokratie zumüllen, die Medien jubilieren, weils ja so modern ist, aber obs den zukünftigen Ärzten irgendwas bringt? Egal. Hauptsache anders :-)) :-p

pillango
27.03.2017, 10:23
"Die Verhandlungen sind vertagt." - ohne Zeitangabe:

https://www.jmwiarda.de/2017/03/23/masterplan-medizinstudium-einigung-m%C3%B6glicherweise-noch-vor-dem-wochenende/

Kackbratze
27.03.2017, 16:15
Nach der Bundestagswahl werden die Karten neu gemischt...

-pixel
31.03.2017, 10:07
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/junge-aerzte/article/932843/medizinstudium-2020-masterplan-kommt-aber-keiner-will-zahlen.html
Kommt jetzt wohl doch^^