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*milkakuh*
31.03.2017, 12:53
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/2017/1-quartal/masterplan-medizinstudium-2020.html

Migole
31.03.2017, 13:20
"Mit der Verabschiedung des Masterplans wird eine Expertenkommission unter der Leitung von Frau Prof. Monika Harms, Generalbundesanwältin a.D., eingesetzt, die Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen auf die Studienplatzsituation und die Kosten untersucht und innerhalb eines Jahres einen Vorschlag zur Änderung der Approbationsordnung für Ärzte erarbeiten wird."

Ich hatte ja gehofft, dass ich schon das neue PJ machen kann. Das zieht sich doch eh wieder bis in alle Ewigkeit.

Ravenya
31.03.2017, 14:15
Mir bereitet gerade die Landarztquote Kopfzerbrechen. "unverzüglich" (siehe § 37 des Papiers) heißt ja sofort. Wird das noch geprüft oder meint ihr, dass schon im diesjährigen Auswahlverfahren fürs Wintersemester diese Zwangsquote untergebracht wird? :/

Bonnerin
31.03.2017, 16:32
Sehr unwahrscheinlich. Es steht ja drin, dass die eine Dame innerhalb eines Jahres die Umsetzung inkl. neuer ÄAppO untersuchen und umsetzen soll.

Ich bin nur froh und dankbar, dass ich um die Umstrukturierung des klinischen Abschnitts ja quasi zu 100% rumkomme. Und mit ganz viel Glück vllt. sogar um die PJ-Änderung.

Insgesamt ist das ein Alptraum. Absolut grauenhaft. Ich tippe jetzt spontan auf TMS für alle Unis verpflichtend und vllt. zusätzlich noch ein Test a la HamNat. Dieses ganze Gequatsche mit sozialer Kompetenz regt mich furchtbar auf. Also bedeutet sich ein, zwei Jahre lang von Maltesern/Johannitern ect. kostenlos ausnutzen zu lassen, dass man kompetent ist. Vom Schauspielern in "Empathie-Prüfungen" muss man ja gar nicht erst anfangen.

Ebenso die Praktika in Arztpraxen vor dem Abitur. Als Schülerpraktikant darf man ja eigentlich schon rein rechtlich da nichts außer Kaffee kochen und kopieren. Ich würde da auch keinen dabei haben wollen, wenn ich als Patient da bin. Insgesamt wieder so total weltfremd, wie es den Leuten da zuzutrauen war.

Kackbratze
31.03.2017, 18:27
Nicht das Amt führt zur Störung, sondern die Störung führt zum Amt.
Immerhin werden wir später mit Abstand die creme de la creme darstellen, da wird noch "alt" ausgebildet sind...

Migole
01.04.2017, 00:51
@Bonnerin: ich habe mir das Ganze jetzt noch mal in Ruhe am PC durgegelesen und stimme dir uneingeschränkt zu. Das hört sich alles wieder supi für den Otto-Normalbürger an und die Politiker können sich fröhlich auf die Schulter klopfen. Auch solche Sachen wie "Medizinnahe Ausbildungen/Studiengänge stärker bonieren", ergo werden noch mehr Plätze als bisher von Abiturienten blockiert, die eigentlich gar nicht in dem Beruf arbeiten wollen. Super durchdacht :-top Ich denke aber sowieso, dass es an den Fakultäten wahrscheinlich zu weniger Änderungen kommen wird als es sich auf dem Papier anhört. Einzig, dass die Studiengänge Deutschlandweit wieder stärker aneinander angeglichen werden und die Staatsexamina wieder für alle verpflichend sind finde ich gar nicht schlecht. Aber Physikum in zwei Teilen und tausend OSCEs?? WTF?

davo
01.04.2017, 08:02
Die noch stärkere Bonierung ist wirklich absurd. Das Abitur wird weiter entwertet, noch mehr wertvolle Ausbildungs- und Studienplätze werden mit Leuten, die daran überhaupt kein Interesse haben, blockiert, und man reduziert die Arbeitszeit als Arzt noch stärker, weshalb die Ausbildungskosten pro Arztjahr weiter steigen. Und die ganzen "gemeinnützigen Vereine" (LOL :-))) werden sich, wie Bonnerin ganz richtig erkannt hat, auf die ganzen unfreiwilligen kostenlosen Arbeitssklaven freuen (was nebenbei bemerkt wahrscheinlich auch noch bezahlte Arbeitsplätze vernichten wird). Insgesamt eine wirklich schwachsinnige Idee. Und das alles basierend auf der höchst fragwürdigen Prämisse, dass man mit schlechtem Abi mehr soziale Kompetenz habe. Wenns nicht so traurig wäre, könnte man echt gut drüber lachen :-))

Auch die Aufteilung des Physikums halte ich für fragwürdig, v.a. wenn man bedenkt, dass man in den ersten zwei klinischen Semestern nicht so viele Dinge lernt, die man im mündlich-praktischen Teil sinnvoll abprüfen könnte. (Pathophysiologie und Histopathologie, sowie die Grundlagen pathologischer Aspekte in der makroskopischen Anatomie und der Biochemie, sind implizit ja schon heute Teil des Physikums.) Leute, die gerne woanders studieren würden, werden sich allerdings freuen, dass sie so einen zweiten normierten Zeitpunkt zum Studienplatztausch bekommen.

Nachdem jetzt April 2017 ist, also bis April 2018 erst ein Vorschlag zur Änderung der Approbationsordnung erstellt werden soll, gehe ich allerdings davon aus, dass die, die bis 2019 mit dem PJ anfangen, auch von den PJ-Änderungen verschont bleiben sollten.

Graupappe
01.04.2017, 19:51
nicht nur die Bonierung ist absurd. Insbesondere deren rechtsichere Abwicklung. Legendär auch Auswahlgespräche, bei denen sich,nach sozialer Schichtung, über Anlagestrategien unterhalten wird. Die GroKo hat sich erneut blamiert.
Schlimm auch, wie Gymnasiallehrer das Schulsystem vor sich zusammen brechen sehen.

Chriman
02.04.2017, 15:05
Legendär auch Auswahlgespräche, bei denen sich,nach sozialer Schichtung, über Anlagestrategien unterhalten wird..

Was genau meinst du mit "nach sozialer Schichtung"?

Graupappe
02.04.2017, 16:33
Was genau meinst du mit "nach sozialer Schichtung"?

dass auch angeblich klare Standards einfach nicht eingehalten werden können. Und das Ganze sehr subjektiv werden kann.
Wahrscheinlich wird das AdH aber ähnlich wie heute aussehen. Abi , Tms und 10 Prozent Praktika etc. oder vielleicht auch mehr.
Das wäre dann ja keine so große Änderung.

Philip_MHH
02.04.2017, 16:58
Und mal wieder ist neu nicht besser...schön, dass man es schon hinter sich hat und sich damit nicht mehr rumplagen darf.

Chriman
02.04.2017, 17:34
Also aus meiner Sicht ändert sich beim Auswahlverfahren ,verglichen mit dem heutigen ADH , auch nicht so viel. Es ist doch jetzt schon oftmals geprägt durch eine ,gezwungenermaßen, subjektive Einschätzung derer ,die den Bewerber im Rahmen eines Auswahlgespräches o.ä. auf Motivation / Eignung prüfen sollen.
Für mich ist die Landarztquote ein viel problematischerer Punkt in dieser ganzen Reform.

Kackbratze
02.04.2017, 20:51
Es geht nicht mehr eindeutig um Leistung sondern mehr und mehr um blabla. Damit wird der Leistungsgedanke mehr und mehr ad absurdum geführt.

milz
02.04.2017, 21:11
Anstatt die Hausarzttätigkeit in der Provinz attraktiver zu machen, will man die Leute dazu zwingen dort zu arbeiten. Es ist unglaublich!

davo
02.04.2017, 21:15
Wird, wie ich schon mal gepostet habe, IMHO dazu führen, dass Hausärzte noch stärker belächelt werden, und dass sehr schnell einige versuchen werden, sich aus der so eingegangenen Verpflichtung rauszuklagen. IMHO eine echt sehr schlechte Lösung.

Das ganze Zusatzblabla halte ich auch für sinnlos... am Ende müssen halt alle denselben Zusatzmüll machen, TMS-Gebühren zahlen, gratis Arbeit verrichten, sinnlose Ausbildung machen, usw., um danach wieder genau gleich gereiht zu werden wie zuvor :-p Etwas ernster gemeint: Kinder aus wohlhabenden Familien werden sich langwierige unbezahlte Praktika, aufwändige Tests, professionelle Vorbereitung auf Auswahlgespräche, usw. viel eher leisten können als Kinder aus ärmeren Familien. Wenn jemand davon profitiert, dann die Oberschicht.

Philip_MHH
02.04.2017, 21:20
weil das einfacher ist, die Leute dazu zu Zwingen. Bedingungen ( und damit auch Vergütung) zu ändern, attraktiver zu gestalten, würde nämlich Arbeit und Geld kosten. Die Studenten zwingen ist einfach und es kostet nicht mal Geld. Als ob ein einziger davon mehr Hausarzt würde, weil er vom System gezwungen wird in einem (noch mehr) Zeit zu verbringen.

Kackbratze
02.04.2017, 21:57
...man kann ja auch den Job 5 Jahre auf einer Arschbacke absitzen und dann eine "richtige" FA-Ausbildung anfangen...

][truba][
03.04.2017, 05:13
Die 5 Jahre schon aber ich glaub es sollen ja noch 10 Jahre danach "verpflichtend" sein, oder?

Kandra
03.04.2017, 05:42
Krieg ich dann eigentlich die Praxis auch irgendwie subventioniert oder verpflichte ich mich dann mit knapp 18 auch dazu, in ein paar Jahren ne Menge Schulden zu machen? Wobei, auf dem richtigen Land bekommt man die Praxis mittlerweile ja eh geschenkt ^^

Luffy123
04.04.2017, 08:30
Der sog. Masterplan ist meiner Ansicht nach mehr ein Griff ins Klo.
Man müsste Anreize schaffen und den sog. Landärzten mehr Geld und andere Mittel verschaffen. Warum in aller Welt sollte sich ein junger Mensch freiwillig mitten in der Pampa niederlassen, bei einer niedrigen und vor allem schrumpfenden Bevölkerung und damit einhergehend schlechten Zukunftsperspektiven. Und ich glaube nicht, dass ich ein schlechtes Gewissen hätte, wenn ich nicht die nette Oma von nebenan jede Woche in meiner Praxis hätte.
Ich glaube hier sollte man überlegen, ob man wirklich jede Praxis in jedem Kuh-Dorf aufrecht erhalten möchte und auch mal über eine Zusammenlegung von Praxen nachdenken sollte. So wären Hausbesuche auch besser tragbar.
Eine andere Möglichkeit wäre ein ähnliches System, wie es mal einst in Griechenland War.
Dort hatte man kein PJ, stattdessen mussten die Studenten nach 5 Jahren Studium und Abschlussprüfung 3 Jahre eine sog. Allgemeinarzt Praxis "light" in irgendwelchen Bergdörfern und Felseninseln mit 5 Ziegen, 3 Schafen und 2 Bauern führen, ohne Entlohnung. Wenigstens mussten sie keine Mieten bezahlen.

So könnte man zum Beispiel ähnlich auch in Deutschland verfahren. Das Studium ein bisschen zusammenraffen zu 5,5 Jahren mit M2 nach 9 Semestern und dann noch 3 Quartale PJ. Und anschließend noch ein (! ) Jahr verpflichtend irgendwo mitten in der Pampa was für die Allgemeinheit tun und Hausarzt Light spielen. Zusätzliche Anreize (Geld) anschaffen, für Leute, denen es dann dort gefällt. Und falls sich keiner freiwillig dort niederlassen möchte, hätte man zumindest für 1 Jahr die vermeintliche Versorgung in der Region dort weiter aufrecht erhalten.
Wäre das nicht eine bessere Lösung?