Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Dunkelkammer - Treffpunkt für Radiologen
querfeldein
20.04.2021, 16:36
Danke für die Rückmeldung, Firebird! Hab dir noch eine PN geschickt...
Partyarthy
28.04.2021, 10:37
Hallo,
ich stehe kurz vor dem M3 und würde gern in der Radio anfangen. In meiner Stadt gibt es zwei Häuser, in denen man die Radiologie-WB machen kann (z.B. Uniklinik). Da ich unbedingt in die Radio möchte, aber ungern umziehen würde, frag ich mich und damit euch, ob man im Falle einer Absage der Häuser in eine Praxis gehen kann (zumindest für den Anfang). Davon gibt es einige in der Stadt.
Oder geht man eher in den letzten Jahren der WB in die Praxen?
Was würdet ihr mir empfehlen?
FirebirdUSA
28.04.2021, 16:33
Am Anfang in eine Praxis macht keinen Sinn aus meiner Sicht
Tag zusammen, ich wollte mal nachfragen, ob es hier jemanden gibt, der/die den Klinik- bzw. Praxisalltag hingeschmissen hat und sich anderweitig beruflich betätigt? Interessant wären Erfahrungen zur Langzeittätigkeit als Teleradiologe.
Ich bin seit ca. 1 Jahr Oberarzt und überlege seit Monaten wie es weitergehen soll. Zum Wechsel war ich unglaublich motiviert: beruflicher Aufstieg, bisschen anderes Spektrum, eigenes Büro und paar Vollpfosten an Kollegen zurückgelassen.
Eigentlich bin ich mit meinem eher durchschnittlichen Wissensstand zufrieden, müsste jedoch in den nächsten Jahren auf Grund cheflicher Wünsche deutliche Defizite z.B. in der Kinderradiologie aufholen. Interessiert mich nicht und es besteht auch keinerlei Motivation mich diesbezüglich zu entwickeln, da das mit weiteren Einschränkungen der Freizeit einherginge, weil auf der Arbeit bringt einem in dieser Position niemand mehr was bei, zumindest nicht strukturiert, sondern nur mal hier und da.
Die interventionelle Schiene liegt mir gut, obgleich die möglicherweise notwendige Aufbesserung der Fähigkeiten beispielsweise durch passive Ellenbogen der Mitstreiter ausgebremst wird. Am Ende vom Tag ist's mir aber auch wurscht.
Das stupide Wegdiktieren von Befunden ist mittlerweile unfassbar lästig. An der Front als FA war's jedoch auch nicht gerade schön, da man ständig durch Telefonate, MTA, Aufklärungen, OA die nur Eier schaukeln und labern wollen, damit die Zeit rumgeht, gestört wurde, während die CTs munter weiterliefen.
Die Hintergrunddienstbelastung ist für mich zu hoch (10 pro Monat mit Interventionsbereitschaft ist nicht ungewöhnlich)- auch wenn das vielleicht normal oder in anderen Bereichen noch schlimmer ist (kein Argument für mich)- da diese Tage halt auch höchstens für kleinere Erledigungen gut sind. Die Frontdienste waren jedoch ebenfalls immer wieder mal miserabel, dabei war ich nur an mittelgroßen Häusern (500 Betten).
Assistenten anleiten und Befunde besprechen macht mir weiterhin viel Spaß, vor allem in der Angio und im CT. Im Austausch kann man immer wieder was dazulernen bzw. durch die übrigen Modalitäten bleibt man eben besser am Ball.
Mein Wunsch nach Teilzeit kann ich in der jetzigen Abteilung vergessen. Ein Wechsel an ein anderes Haus ist schwierig, da durch Familie und Betongold gebunden. Dazu muss ich sagen, dass ich noch keine eigenen Kinder habe. Wie das erst mal werden soll, wenn die da sind, das kann ich mir überhaupt nicht ausmalen. Schlafen, arbeiten, Abendessen, Kinder bespaßen, von vorne. Auf den nächsten Urlaub freuen, wo man mal bisschen seinen Hobbys nachgehen kann, oder auf das nächste freie, kostbare Wochenende... tolle Aussichten.
Habe mir mal was zum Teleradiologiejob erzählen lassen. ~20 Tage frei, ~10 Tage arbeiten. Klar, ist CT-Fließband, aber Verdienst ist ja nicht so schlecht, gerade, wenn man den Freizeitgewinn betrachtet. Finanziell stehe ich aktuell gut dar, in den nächsten 5 Jahren könnte es sein, dass der Job nicht mehr relevant sein wird, aber darauf kann man sich nun mal nicht 100%ig verlassen, daher vielleicht auch interessant, ob wer Teleradiologie oder was anderes für 'ne Weile gemacht hat und dann in Teilzeit zurück an die Klinik ist?
Danke fürs Lesen.
flopipop
18.05.2021, 22:42
ja, diese "facharztarbeit" nervt. vor allem, wenn man oa ist. ich kenne das. nadel hier, frage dort, telefon, keine blutwerte, sturz im heim nachts, ct...kriegt man brechreiz...wenn genug assistenten da sind, kann man sich in das eigene zimmer verkriechen und zum besprechen rauskommen, aber oft sind einfach zu viele häuptlinge und wenig indianer da...ich kenne leute, die nur als honorararzt arbeiten, aber die haben keine familie und sind örtlich flexibel...in der teleradiologie wird auch gesucht, aber hauptsächlich für die nachtdienste (tagsüber haben sie meistens genug leute). als alternative kann man sich ja in eine praxis einkaufen, dann stimmt wenigstens die kohle oder sich bei einer kette, die keine dienste abdeckt, anstellen lassen und ggf teilzeit aushandeln...außerdem übernehmen dort den großteil der "patientenkontaktarbeit" die mta's, man sitzt in der regel in seinem zimmer und befunded im akkord impingement schultern und wirbelsäulen, dadurch entsteht noch mehr monotoniestress, aber die arbeitszeiten sind angenehmer....tja, alles hat vor - und nachteile...
...
Praxis kommt für mich leider überhaupt nicht in Frage, nur wenn es überhaupt keine andere Alternative gibt. MSK find ich unglaublich langweilig und das macht ja nun mal einen Großteil aus. Daher würde ich da sehr schnell sehr unglücklich werden. Zumal meine Erfahrung dafür nicht ausreicht.
Mit Nachtdiensten habe ich weniger Probleme, da ich ohnehin eine Eule bin.
ehem-user-25-04-2022-1131
23.05.2021, 20:11
Praxis kommt für mich leider überhaupt nicht in Frage, nur wenn es überhaupt keine andere Alternative gibt. MSK find ich unglaublich langweilig und das macht ja nun mal einen Großteil aus. Daher würde ich da sehr schnell sehr unglücklich werden. Zumal meine Erfahrung dafür nicht ausreicht.
Mit Nachtdiensten habe ich weniger Probleme, da ich ohnehin eine Eule bin.
Bin in der Praxis und finde MSK auch eher langweilig. Hat jemand Erfahrung inwieweit man einen neuroradiologischen Schwerpunkt in der Praxis "ausleben" darf ?
schnix25
24.05.2021, 14:57
Hat hier zufällig wer mal Erfahrungen mit den Fortbildungen "International Diagnostic Course Davos (IDKD)" oder "Röntgenfortbildung" gemacht? Ist das empfehlenswert?
Was äußerst interessant klingt und zumindest im Internet gute Bewertungen hat ist der 4-wöchige Kurs des American Institute for Radiologic Pathology. Aber vermutlich war dort noch niemand aus dem Forum hier nehme ich. Die lange Dauer und Aufenthalt in USA ist leider recht unpraktikabel (zeitlich und finanziell).
Gibt es bei euch in der Abteilung viele Quereinsteiger in die Radiologie? Bis zu welchem Alter ist das sinnvoll?
Gibt es bei euch in der Abteilung viele Quereinsteiger in die Radiologie? Bis zu welchem Alter ist das sinnvoll?
Wir hatten damals einige (UCH, Innere), die aber meist nach 6-12 Monaten in die Radio gekommen sind.
Alter? Was glaubst du denn selbst?
Wahrscheinlich mit 63 nicht mehr so sinnvoll...oder was denkt ihr?
GelbeKlamotten
30.05.2021, 22:44
Von etwa 25 Assistenzärzten sind bei uns 4 bereits Fachärzte anderer Fachrichtungen und ich schätze etwa 8 weitere haben eine zeitlang eine andere Fachrichtung gemacht.
FirebirdUSA
31.05.2021, 18:43
Von etwa 25 Assistenzärzten sind bei uns 4 bereits Fachärzte anderer Fachrichtungen und ich schätze etwa 8 weitere haben eine zeitlang eine andere Fachrichtung gemacht.
Etwas geringere Rate aber ähnlich...
Klar macht es mit 63 keinen Sinn mehr. Aber wie schätzt ihr so generell den Cutoff ein wie alt man maximal sein darf um noch relevant Fuß zu fassen bzw. überhaupt eine Stelle zu finden?
ehem-user-25-04-2022-1131
31.05.2021, 21:19
Klar macht es mit 63 keinen Sinn mehr. Aber wie schätzt ihr so generell den Cutoff ein wie alt man maximal sein darf um noch relevant Fuß zu fassen bzw. überhaupt eine Stelle zu finden?
Also ggf. ist meine Antwort etwas subjektiv. Aber ich finde nicht, dass es ein Höchstalter für einen Fachwechsel gibt. Dazu habe ich einerseits schon Ärzte über 40 teils sogar über 50 kennen gelernt, die jeweils spät die Weiterbildung abgeschossen hatte, andererseits war ich z.b. auch schon 32 beim Start in der Radio.
Viel wichtiger finde ich persönlich die Bereitschaft neues zu lernen, die Motivation und ein generelles Interesse an Radio. Von deiner Vorerfahrung kannst du nur profitieren. Ich würde aber nicht empfehlen das Fach "nur" zum Ausstieg aus dem anderen Fach zu beginnen. Die fehlende Überzeugung bzw. das fehlende Interesse würde sich irgendwann rächen... Zumindest meiner Meinung nach ...
Ich glaube bei der Suche nach einer Stelle ist das Alter nicht das wichtigste Kriterium.
LG
Sagen wir so: Ich suche ein Ausstiegsfach, das stimmt - nur eines, das mich auch interessiert. Am vernünftigsten wäre wohl Allgemeinmedizin, aber an Radiologie hätte ich deutlich mehr Interesse.
Du würdest also sagen, dass ein Einstieg mit Mitte dreißig durchaus nicht unüblich ist und zu keinen eingeschränkten Chancen führt?
Sagen wir so: Ich suche ein Ausstiegsfach, das stimmt - nur eines, das mich auch interessiert. Am vernünftigsten wäre wohl Allgemeinmedizin, aber an Radiologie hätte ich deutlich mehr Interesse.
Du würdest also sagen, dass ein Einstieg mit Mitte dreißig durchaus nicht unüblich ist und zu keinen eingeschränkten Chancen führt?
Wenn wirklich Radiologie DAS Fach ist, was man immer machen wollte und man einfach ein Spätberufener ist...spielt das Alter keine Rolle.
Wenn es einfach nur um einen Job geht, würde ich mir mal anschauen, ob dir das Fach (insbesondere Befundung) wirklich gefällt.
Du solltest mal ein paar Tage hospitieren und eigene Eindrücke sammeln.
Du würdest also sagen, dass ein Einstieg mit Mitte dreißig durchaus nicht unüblich ist und zu keinen eingeschränkten Chancen führt?
Hast du Avancen Ordinarius zu werden und willst du als Forscher-Komet die Welt umkrempeln? Dann ist es zu spät. Du willst FA für Radiologie werden, hast keine Fanatasien im Lebenslauf mindestens 3 x Erstautor Radiology und 1 x Letztautor Lancet stehen zu haben und möchtest dann in die Praxis oder ins MVZ entspannt befunden? Dann ist Mitte 30 definitiv noch nicht zu spät. Musst halt die Zähne zusammenbeißen und mit Ende 30 nochmal ein paar Jahre Nachtdienste kloppen. Wobei es auch Häuser gibt, die das elegant an Teleradiologien ausgegliedert haben.
Bei uns gibts kaum Quereinsteiger (mir fällt kein einziger ein); aber wir sind als große Uniabteilung vielleicht auch speziell.
Man fängt ja als Quereinsteiger auch nicht bei Null an. Wenn man vorher Unfallchirurg war, kann man schon halbwegs Knochenröntgen befunden, als Internist oder Chirurg hat man bestimmt schon ein paar Bauch-CTs gesehen. Das ist nicht ganz so schlimm wie grad frisch von der Uni.
Das stimmt, man macht sich von der Bildgebung die man veranlasst ja auch erstmal selbst ein Bild bevor man den Befund liest oder mit dem Radiologen spricht. Manches was man wissen will steht ja auch gar nicht im schriftlichen Befund (z.B. anatomische Varianten). Und zumindest sonografisch gestützt hat man ja auch schon einiges an Interventionen hinter sich. Es ist halt nicht dokumentiert, so dass man bei den Zahlen und der vorgeschriebenen WB-Dauer eben doch wieder bei Null anfangen würde, da könnte man wahrscheinlich nicht relevant viel abkürzen (soweit ich weiß kann man sich nicht viel anrechnen lassen). Und was das angeht ist man auf den guten Willen der Weiterbilder angewiesen. Von Karriere spreche ich gar nicht. Nur davon zu allen Sachen zu kommen, ernst genommen zu werden und auch für den interventionellen Teil ausgebildet zu werden - wäre schlecht wenn dann jeder denkt "bei dem nicht, da investieren wir lieber in den der einen geradlinigeren Lebenslauf hat".
Für den Facharzt hilft es nicht, das stimmt. Aber in den Vorstellungsgesprächen hatte ich schon eher einen Vorteil gegenüber den blutigen Anfängern, denen man noch alles beibringen muss. Ein fortgeschrittener Anfänger kann wenigstens in ein paar Monaten dienstfertig werden und darum geht es den OAs ja hauptsächlich. In meiner Unfallchirurgie waren wir in der Notaufnahme quasi ganz auf uns allein gestellt, die Befunde der Radiologen kamen erst Tage später.
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