Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Dunkelkammer - Treffpunkt für Radiologen
FirebirdUSA
25.04.2023, 22:11
Mannitol oral hilft schon zur Beurteilung der Wand... aber hier auch nur noch bei V.a. Nahtinssufizienz rektale KM Füllung
Liebe Kollegen, wie geht ihr eigentlich mit Fehlern um, wenn ihr was übersehen habt? Ich mache jetzt seit ca. 1.5 Jahren Dienste und mir sind in den letzten 2-3 Wochen zwei Schnitzer passiert, die den Krankheitsverlauf/ Therapieverlauf der Patienten schlussendlich zum Glück nicht wesentlich beeinflusst haben. Trotzdem weiß ich auch, dass es ganz anders hätte laufen können und dass ich jetzt zwei Mal mit einem blauen Auge davon gekommen bin.
Was mich am meisten ärgert ist, dass ich weiß das ich diese Sachen im Regelfall ohne Probleme diagnostizieren kann, auch als Zufallsbefund, wenn es nicht Fragestellung gewesen wäre. In den letzten Monaten ist die Arbeitslast unfassbar gestiegen und am Wochenende/ nachts hört der Telefonterror einfach nicht auf.
Ich versuche die Fälle auch stets aufzuarbeiten und mit meinen Hintergründen darüber zu reden. Aber ich kriege meistens nur ein Schulterklopfen, ein "Das wird dir nie wieder passen. Du lernst aus solchen Fällen" oder ein "Geh schlafen, du bist müde".
Ich liebe die Radiologie wirklich. Aber diese Fehler und die vermeintlichen Folgen für die Patienten gehen mir sehr nah. Ich möchte mich auch nicht zu einem Radiologen entwickeln dem die Anforderer nicht mehr trauen können.
Über Tipps und paar Erfahrungen würde ich mich sehr freuen!
schnix25
30.05.2023, 17:16
Fehler passieren einfach. So blöd es auch klingt, aber durch jeden Fehler lernt man was dazu. Was Dinge in der Nacht angeht, ist es logisch, dass hier mehr übersehen wird als fit im Tagdienst. Daher ist es mMn wichtig, dass am nächsten tag auch alle Fälle aus der Nacht nochmal von einem Facharzt angeschaut werden (natürlich nur Schnittbildgebung). Was in der Radiologie nun mal dazu kommt, ist dass jeder Fehler absolut nachvollziehbar ist. Auch in 2 Jahren kann noch jemand deinem Befund rausziehen und sagen, hat man doch damals schon gesehen, steht nicht im Befund. In anderen Disziplinen ist das finde ich nicht so klar. Bei einer Anastomoseninsiffizienz oder Nachblutung wird halt gesagt schicksalhafter Verlauf. Aber es gibt hier natürlich auch Qualitätsunterschiede zwischen dem Operateuren und nicht bei allen entstehen Komplikationen. Oder wenn die Schraube nicht exakt steht war es halt schwieriger Zugang oder sonst was.
drroybasch
30.05.2023, 17:45
Liebe Kollegen, wie geht ihr eigentlich mit Fehlern um, wenn ihr was übersehen habt? Ich mache jetzt seit ca. 1.5 Jahren Dienste und mir sind in den letzten 2-3 Wochen zwei Schnitzer passiert, die den Krankheitsverlauf/ Therapieverlauf der Patienten schlussendlich zum Glück nicht wesentlich beeinflusst haben. Trotzdem weiß ich auch, dass es ganz anders hätte laufen können und dass ich jetzt zwei Mal mit einem blauen Auge davon gekommen bin.
Was mich am meisten ärgert ist, dass ich weiß das ich diese Sachen im Regelfall ohne Probleme diagnostizieren kann, auch als Zufallsbefund, wenn es nicht Fragestellung gewesen wäre. In den letzten Monaten ist die Arbeitslast unfassbar gestiegen und am Wochenende/ nachts hört der Telefonterror einfach nicht auf.
Ich versuche die Fälle auch stets aufzuarbeiten und mit meinen Hintergründen darüber zu reden. Aber ich kriege meistens nur ein Schulterklopfen, ein "Das wird dir nie wieder passen. Du lernst aus solchen Fällen" oder ein "Geh schlafen, du bist müde".
Ich liebe die Radiologie wirklich. Aber diese Fehler und die vermeintlichen Folgen für die Patienten gehen mir sehr nah. Ich möchte mich auch nicht zu einem Radiologen entwickeln dem die Anforderer nicht mehr trauen können.
Über Tipps und paar Erfahrungen würde ich mich sehr freuen!
Hatte gestern auch so einen Schnitzer.
Distalen AMS Verschluss in ner Fokussuche Abdomen übersehen. War monophasisch p.v. (Entzündungssuche, 20k Leukos, Labor sonst blande). Kliniker hat auf Appendix getippt, schlussendlich kam die Klinik vermutlich vom dahinfaulenden darm.
Ist schwierig, letzlich aufm falschen Fuß erwischt. Wenn man mir "laktat hoch" hinwirft seh ich den Verschluss.
Arbeite das mit meinem HG auf, versuche meinen Algorithmus zu verbessern.
Schlussendlich muss ich sagen war der Pat. 88, und an irgendwas stirbt man dann halt. Ich geb immer mein bestes, erfahrene OÄ haben entschieden dass ich dienstreif bin, und wenn mir doch was durchrutscht ist es vll.manchmal auch schicksalhaft?
Mein OA sagt mir dann immer "Sie werden noch so viel übersehen in ihrem Leben..". Fun fact, er hats selbst auch übersehen.
Wollte eigentlich was ganz anderes posten, aber bin an deinem Beitrag hängen geblieben;
Kann mir jemand was zur Zusatzweiterbildung Nuklearmedizin für Radiologen sagen?
Lohnt sich das in der Praxis? Oder stellen Praxen weiterhin lieber die Doppelfachärzte ein? Wie ist das mit der Abrechnung (Stichwort PET-CT)?. Finde das Fach zunehmend reizvoll, und überlege das zu machen.
FirebirdUSA
30.05.2023, 22:34
Fehler passieren jedem, die Frage ist wie man damit umgeht und ob es eine sinnvolle Fehlerkultur gibt (MoMo Konferenz?) - warum ist es passiert? Was kann man tun, damit es in Zukunft nicht wieder passiert? Zum Glück ist es meist eine Verkettung von Fehlern und eben nicht ein Fehler die am Ende zu den ganz großen Katastrophen führen und somit keiner in der Regel alleine sich schlecht fühlen muss. Weder ist es sinnvoll sich selbst völlig fertig zu machen, noch die Variante "ist mir egal, passiert jedem" ...
Hallo liebe Kollegen,
ich mache mir Gedanken, wie es für mich nach dem Facharzt weitergeht und welche Möglichkeiten in Frage kommen. Langfristig gesehen sehe ich mich nicht in einer Tätigkeit im Krankenhaus mit dem hohen Workload und Diensten. Inhaber/Teilhaber einer radiologischen Praxis zu werden ist ja bekanntlich schwer und auch mit finanziellen Risiken verbunden (hohes Kreditvolumen, Geräte werden teurer, steigende Energiepreise, Fallpauschale für Abrechnungen sind in den letzten Jahren gesunken). Da bleibt noch die Möglichkeit als angestellter Radiologe in der einer Praxis. Da habe ich jetzt über verschiedene Kollegen mitbekommen, dass die Fallzahl nochmal viel größer als in der Klinik sei und man regelhaft zur Befundmaschine wird, da ja u.a. Demos, kollegialer Austausch etc. wegfallen und diese Kollegen am Ende des Tages teilweise erschöpfter seien als in der Klinik. Das sind jetzt einpaar Eindrücke, die ich von Kollegen mitbekommen habe. Kann vlt jemand von seinen Erfahrungen als angestellter Radiologe in der Praxis erzählen (auch im Vgl. zur Klinik)? Wird man ungefähr wie ein Oberarzt nach Tarif bezahlt oder ist noch mehr drin?
Vielen Dank für Eure Antworten! :)
flopipop
17.06.2023, 15:12
Hallo liebe Kollegen,
ich mache mir Gedanken, wie es für mich nach dem Facharzt weitergeht und welche Möglichkeiten in Frage kommen. Langfristig gesehen sehe ich mich nicht in einer Tätigkeit im Krankenhaus mit dem hohen Workload und Diensten. Inhaber/Teilhaber einer radiologischen Praxis zu werden ist ja bekanntlich schwer und auch mit finanziellen Risiken verbunden (hohes Kreditvolumen, Geräte werden teurer, steigende Energiepreise, Fallpauschale für Abrechnungen sind in den letzten Jahren gesunken). Da bleibt noch die Möglichkeit als angestellter Radiologe in der einer Praxis. Da habe ich jetzt über verschiedene Kollegen mitbekommen, dass die Fallzahl nochmal viel größer als in der Klinik sei und man regelhaft zur Befundmaschine wird, da ja u.a. Demos, kollegialer Austausch etc. wegfallen und diese Kollegen am Ende des Tages teilweise erschöpfter seien als in der Klinik. Das sind jetzt einpaar Eindrücke, die ich von Kollegen mitbekommen habe. Kann vlt jemand von seinen Erfahrungen als angestellter Radiologe in der Praxis erzählen (auch im Vgl. zur Klinik)? Wird man ungefähr wie ein Oberarzt nach Tarif bezahlt oder ist noch mehr drin?
Vielen Dank für Eure Antworten! :)
Als angestellter Radiologe in einer Praxis oder MVZ verdient man in der Regel mehr (ca. 150T brutto bei Vollzeit), als in der Klinik und hat keine Dienste. Dafür macht man mehr Schnittbilder, ca. 3-5/h je nach Praxis, aber es fallen oft auch andere Tätigkeiten weg wie Nadeln legen und Aufklärungen machen, sodass man die ganze Zeit am PC sitzt. Ich habe es nie bereut, in die Niederlassung zu gehen.
FirebirdUSA
18.06.2023, 18:43
Wobei durchaus auch bis zu 10 Schnittbilduntersuchungen/h jenach Praxis möglich ist.
Wobei ich mich ernsthaft frage, wie da die Qualität sein soll? 10 Schnittbilder / h kriegt man vielleicht für native Köpfe hin die nichts haben, aber bei allem anderen stelle ich mir das schwer vor in einer vernünftigen Qualität.
Ach das geht schon !
In der Praxis sind die Patienten ja eher etwas gesünder oder haben offensichtliche Diagnosen. In die Kliniken vielleicht generell etwas kränker :-)
Und wenn offensichtlicher Mist passiert, dann ruft man als Kliniker ja auch in der radiologischen Praxis an mit der Bitte sie mögen den Befund ändern... ;-)
Hi,
Ich habe meine Weiterbildung in der Radiologie dieses Jahr begonnen und jetzt habe ich eine Frage. Ich habe gesehen, dass seit letztem Jahr man nur nach WBO 2021 gebildet werden darf. In der Liste der weiterbildungsbefugten Ärzte haben alle bis 2024 Befugnis für 12 Monate. Die Frage wäre, darf man bei einem Arzt nur 12 Monate arbeiten, die danach für die Weiterbildung anerkannt werden? Wenn ja, bedeutet das, dass ich die Weiterbildung bei 5 Krankenhäusern/Praxen absolvieren muss? Kann ich trotzdem in einem Krankenhaus arbeiten, wo der Arzt "nur" WBO 2004 Befugnis hat, und dann wird diese Zeit als Weiterbildungszeit anerkannt?
Ich danke euch im Voraus für die Antworten.
Kommt auf deine LÄK an. In Bayern zB ist es ab August 2022 eben so, dass die WBO 2021 gilt. Um Antragsstau zu vermeiden gibt es vorläufige Befugnisse nach 2021, die im Verlauf vollständige werden können. Stichwort "Novelle-Starteffekt". Diese Befugnisse gelten dann 18 Monate ab Antrag für jeweils 12 Monate je Arzt.
Ja, genau. Also was muss/soll ich machen? Nach 12 Monate das Krankenhaus wechseln? Wenn ja, das bedeutet dass evtl in das neue Krankenhaus ich nur 3-4 Monate arbeiten kann, bis die Befugnis von diesem Arzt nicht mehr gültig ist.
Naja, man kann schon fragen, ob ein Antrag auf die frühere Befugnis gestellt wurde. Würde ich such machen. Aber dann kann man auch länger bleiben
@mrad: du hast das Problem dass bei dir die neue WBO gilt. Es gibt aber fast noch keine "echten" Weiterbildungsbefugnisse für die WBO 2021, sondern eben meist nur die genannten 12 oder 18 Monate (je nach Landesärztekammer) und die dann eben auch nur befristet. Eben als "Novelle-Starteffekt" damit die Leute, für die die neue WBO verpflichtend ist, erstmal überhaupt einen Weiterbildungsbefugten finden können. Alles andere wird in nächster Zeit dann laufen.
Bei den Chirurgen ist es so dass die innerhalb des ersten Jahres erstmal Zahlen sammeln müssen und diese dann einreichen um eine "endgültige WBB" zu bekommen. In der Radiologie vermutlich ähnlich. Man kann sich bzgl. der dann tatsächlich gewährten Dauer vermutlich an den WBB der alten WBO orientieren. Wenn eine Uni-Radiologie vorher eine komplette WBB hatte, wird es wahrscheinlich nach neuem Antrag wieder so sein. Wenn eine Radiologie-Praxis davor 12 Monate hatte etc...
Und selbst wenn die genannte Frist ausläuft und du dann quasi eine gewisse Zeit zwischen Novelle-Starteffekt und endgültiger WBB hast, dann wird in der Regel die maximal mögliche Zeit bei dem WBB betrachtet und das auch anerkannt. Ist in Bayern der §10 mit der Anerkennung gleichwertiger Weiterbildung. Wenn man bei einem Weiterbilder z.B. 36 Monate ist und der hatte initial den Novelle-Starteffekt noch 6 Monate, der lief dann aus und der hat dann 4 Monate später eine Befugnis über 48 Monate bekommen... dann ist davon auszugehen dass die 4 Monate für die keine offizielle WBB bestand trotzdem anerkannt werden. Ich hatte sowas, war überhaupt kein Problem.
Mein Tipp daher: erstmal entspannen. Dann nachschauen was die eigene Weiterbildungsstätte in der ALTEN WBO als Zeiten hatte. Und dann wieder entspannen weil das doch deutlich mehr Monate sind als die bisher vergangenen. Und dann irgendwann vielleicht mal beim Chef nachfragen ob er für die neue WBO die Befugnis schon beantragt hat. Wenns passt. Oder bei den Kollegen nachfragen ob es von denen jemand weiß. Habt ihr einen Assistentensprecher? Vielleicht weiß der auch was...
Vielen Dank für ihre Antworten!
runningMan18
06.09.2023, 20:30
Kriegt man eigentlich in einer Praxis seine Zahlen innerhalb seiner Assistenzarztzeit voll?
Formal nur, wenn sie etwas mit Angio dabeihaben, also in der Regel eine Klinik mitbetreuen. Ob die ÄK das prüft, wenn es einfach bescheinigt wird, ist die andere Frage.
TaraTamm
07.09.2023, 10:29
Arbeitet jemand von euch hier in der Teleradiologie und kann etwas zu den Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und Gehalt sagen?
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