Buchtipps für den lehrbuchgeschädigten Studiosus
Es gibt ein Lesen neben dem Studium!
Nawied Tehrani
In der MLZ-Ausgabe 03/08 haben wir einige Buchtitel vorgestellt, die den Wiedereinstieg ins normale Lesen ermöglichen sollten, ohne dabei ganz auf Medizin zu verzichten. Von „Kaffee, Käse, Karies“, Biochemie im Alltag, ging es bis zum „Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“. Diesmal wollen wir ein paar Bücher vorstellen, die dem Denken neben dem Studium auf die Sprünge helfen.
Woher die Zeit kommen soll
Eine der Hauptfragen, die im Zusammenhang mit Büchern neben dem Medizinstudium auftaucht: „Und wann soll ich das bitteschön alles lesen?“ Die Antwort darauf fi ndet sich in David Allens Erfolgsbuch „Getting Things Done“ (deutsche Version: „Wie ich die Dinge geregelt kriege“). Es stellt euch nützliche Denkhilfen zur Seite, um den Alltag effektiver zu meistern, den Kopf für das Wesentliche freizukriegen und die Prokrastination, die berühmt-berüchtigte lange Bank, auf die man gerne alles schiebt, ein wenig zu verkürzen. Es gibt Menschen, die sogar behaupten, nach der Lektüre dieses Titels ordentlicher geworden zu sein!
Wohin das alles führen soll
In ein ähnliches Horn wie Allen stößt Stephen Covey in seinem Klassiker „The 7 Habits of Highly Effective People“. Auch er reißt das Thema Zeitplanung an. Bei ihm ist sie jedoch nur eine von sieben Schlüsseleigenschaften, die zu Erfolg führen. Covey verschafft seinen Lesern Einblicke in Bereiche, in denen man sich ansonsten unbewusst orientiert.
Dies kann nicht nur bei der persönlichen Lebensplanung hilfreich sein, sondern auch beim Umgang mit anderen Menschen. Was man im Gespräch lieber auslassen sollte Diesen wiederum beschreibt Marshall Rosenberg in seinem Klassiker „Gewaltfreie Kommunikation“ sehr viel genauer und widmet sich vor allem Konfl ikten. Wer vor diesen immer zurücksteckt, wird in Rosenbergs Buch wirksame Rezepte fi nden, ein Problem anzusprechen, ohne einen apokalyptischen Streit heraufzubeschwören. Auf dem Weg zur perfekten Konfl iktlösung erfahren wir Wissenswertes über verschiedene Wege der Kommunikation, die Rolle von Gefühlen und die Macht der Empathie.
Wenn die Welt in einen Kopf passen soll
Sehr viel davon verlangt der Autor Valentin Braitenberg. In „Das Bild der Welt im Kopf“ versucht er nichts Geringeres, als sein gesamtes Weltbild in einem Buch zusammenzufassen. Was absurd klingt, erweist sich nach einer überraschend kurzen Eingewöhnungsphase als unterhaltsame und lehrreiche Lektüre. Dabei lädt Braitenberg zur Meditation über tiefgründige Fragen ein.
Was man lieber nicht fragen sollte
Im Vergleich dazu oberfl ächlich sind die Fragen, denen Mark Leyner und Billy Goldberg in ihrem Buch „Warum schlafen Männer nach dem Sex immer ein?“ nachgehen. Diese versuchen sie einerseits wissenschaftlich fundiert und andererseits mit der sich jeweils anbietenden Portion Humor zu beantworten. Da anscheinend mehrere Leser des in der MLZ 3/2008 vorgestellten Vorgänger- Buchs des Autorenduos „Warum haben Männer Brustwarzen?" wissen wollten, ob einem nach dem Verzehr von Samen Pfl anzen im Bauch wachsen können, hatten die Autoren die Gelegenheit, mit nur einer Antwort gleich mehrere Menschen zu veralbern.
Was uns ein ehemaliger Arzt bringen soll
An Humor mangelt es auch dem ehemaligen Kollegen Eckart von Hirschhausen bekanntlich nicht. Im Gegenteil: Wer „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ noch nicht gelesen hat, dem sei dies hiermit wärmstens empfohlen. Egal ob Call- Center, Fruchtfl iegen oder Matratzenkauf: Hirschhausen umschreibt Alltagssituationen mit großem Witz, gewinnt mit vielen Ansichten die Sympathien des Lesers und tröstet über manche Unannehmlichkeit des Lebens mit Humor hinweg. In diesem Buch steckt noch der Hirschhausen, den die F.A.Z. feierte und nicht der Hirschhausen, über den sie sich lustig macht.
Warum Vince Ebert lieber nicht für Sie denken sollte
Der ehemalige Unternehmensberater Vince Ebert ist nicht nur ein Freund von Hirschhausen, sondern sein Buch „Denken Sie selbst! Sonst tun es andere für Sie“ steht in vielen Buchhandlungen gleich neben „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“. Eberts Buch jedoch ist keine wirkliche Denkhilfe im Leben. Man hätte stutzig werden können, dass auf der Rückseite ein Lob von Stefan Raab das Buch anpreist. Leider hat es an vielen Stellen auch dessen Niveau: zu viele Klischees, wie Witze über Auto klauende Polen, trüben die Lesefreude. Wer Privatfernsehen für einen Segen hält, kann diesem Buch etwas abgewinnen. Für alle anderen heißt es, zwischen den wenigen Stellen mit intelligentem Witz durchzuhalten.
Falls das nicht reichen sollte
Wer alle diese Bücher gelesen hat, sollte wissen, warum Inder im Verkehr so viel hupen, dass man sich nicht selbst beim Denken beobachten kann und warum man zuerst versuchen sollte zu verstehen, bevor man versucht, verstanden zu werden. Wer danach keinen Unterschied zu vorher feststellt, hat entweder schon alles gewusst oder beim Lesen nicht mitgedacht. In diesem Sinne: aufschlussreiche Lektüre!