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Ein paar Benimmregeln können nicht schaden

Höflichkeit gegenüber Vorgesetzten schützt vor allem dich selbst

Redaktion (MEDI-LEARN)

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Flache Hierarchien sind seit einigen Jahren in aller Munde. In deutschen Krankenhäusern ist davon allerdings bisher wenig zu spüren. Wie in kaum einem anderen Bereich des öffentlichen Lebens haben sich hier vertikale Strukturen erhalten: Jeder weiß oder lernt sehr schnell, wer „oben“ und wer „unten“ ist. Da können ein paar Benimmregeln für den richtigen Umgang mit Vorgesetzten nicht schaden.

Hat dein Chefarzt einen Professorentitel, löst sich das Problem der korrekten Anrede fast von allein. „Herr Professor“ klingt respektvoll, und das ist schon mal die Hauptsache. Andernfalls bleibt es beim ebenso korrekten „Herr Doktor“ plus Familienname. Ganz unangebracht ist das saloppe „Chef“: Dieses kurze Allerweltswort ist auch in Autowerkstätten und Supermärkten häufig zu hören und kann – nicht nur deshalb – für einen Akademiker regelrecht beleidigend klingen. 
Mit einem respektvollem „Sie“ machst du als neuer Assistenzarzt auch im Gespräch mit dem Oberarzt nichts verkehrt. Ob andere Assistenten mit ihm „per Du“ sind, spielt dabei keine Rolle. Möglicherweise kennen die ihn schon aus dem Studium oder seit langem privat. Warte also unbedingt ab, bis dir der Vorgesetzte gegebenenfalls das Du anbietet, statt vermeintliche „Gepflogenheiten“ auf deiner Station spontan zu übernehmen. Weglassen darfst du hingegen den „Doktor“, insbesondere wenn du selber einer bist. Unter halbwegs gleichrangigen Promovierten wird dieser Titel bei der Anrede nicht verwendet.

Durch kategorische Höflichkeit schützt du vor allem dich selbst. Denn welche Einstellung du menschlich zu deinen Vorgesetzten hast, müssen und sollten sie nicht erfahren. Letztlich sitzen die immer am längeren Hebel, und ein allzu offenes Wort von dir kann noch nach Jahren Einfluss zum Beispiel auf ihre personellen Entscheidungen haben, vielleicht ohne dass ihnen das selbst noch bewusst ist. 

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist die Anrede „Sie“ unter Kollegen, denn erstens gibt es auch zwischen Gleichgestellten immer mal Konflikte, die sich auf dieser Ebene leichter miteinander besprechen lassen, ohne dass jemand die Sache gleich persönlich nimmt. Und zweitens ändern sich viele hierarchische Verhältnisse im Laufe der Zeit: Irgendwann wird aus dem einen oder anderen Kollegen durch Beförderung ein Vorgesetzter, und dieser muss von nun an Arbeitsanweisungen geben, was für ihn „per Sie“ deutlich einfacher ist. 

Trotz der Wahrung traditioneller Umgangsformen sind Vorgesetzte heute selbstverständlich nicht mehr die unumschränkten Herrscher von einst. Fühlst du dich ungerecht behandelt oder sogar diskriminiert, wende dich unbedingt bald an einen Kollegen deines Vertrauens. In vielen Kliniken gibt es sogenannte Assistentensprecher, die eine Mittlerrolle zwischen „oben“ und „unten“ einnehmen können. In eher arbeitsrechtlich gelagerten Fällen lohnt der Gang zum Personal- oder Betriebsrat.

 

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