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Mit zitternder Stimme und feuchten Augen

Den Angehörigen schlechte Nachrichten überbringen müssen

Redaktion (MEDI-LEARN)

Wenige Berufsgruppen nehmen so unmittelbar wie die Ärzte am Glück ihrer Klientel teil, wenn nämlich Heilung gelingt oder sogar ein Leben gerettet wird. Ebenso sind Mediziner aber mit dem Leid anderer konfrontiert, wo der Therapie-Erfolg fraglich ist oder ein Leben tragisch endet. Häufig sind zudem sie es, die den Angehörigen ihrer Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen haben. Zwar wird diese Aufgabe niemals einfach, doch kannst du dir selbst und den Betroffenen die Situation immerhin erleichtern.

Das beginnt mit der Wahl einer geeigneten Umgebung. Das sollte ein Raum sein, in dem ihr für die Dauer des Gesprächs ungestört bleibt. Häng eventuell einen entsprechenden Zettel an die Tür, damit wirklich niemand unversehens hereinplatzt. Und räum vorher bei Bedarf ein bisschen auf: Im Arztzimmer offen herumliegende Akten können durchaus ein Datenschutz-Problem darstellen. Sind die Angehörigen eingetroffen, dann lass sie nicht warten. Wenn du in diesem Augenblick die Zeit partout nicht erübrigen kannst, bitte einen Kollegen, für dich einzuspringen.

Biete den Angehörigen gleich zu Beginn Wasser, Saft und Gläser an, aber schenk die Getränke nicht für sie ein. Es ist bei großer seelischer Anspannung für die meisten Menschen sehr hilfreich, selbst etwas mit den Händen tun zu können. Und dann komm ohne Umwege zur Sache, denn der Zweck des Gesprächs ist ohnehin zu erahnen. Einleitend könntest du beispielsweise sagen: „Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass Ihr Mann nach der Operation vor zwei Tagen noch immer nicht wach geworden ist. Deshalb wurde heute eine Computertomografie von seinem Kopf gemacht, und wir haben leider festgestellt, dass er auf der linken Seite einen großen Schlaganfall erlitten hat.“

Genau jetzt solltest du vor dem Weitersprechen unbedingt einen langen Moment warten! Erstens muss die Information „sacken“, also ihren Weg von den Ohren bis in den Bauch nehmen können, was mehrere Sekunden dauert. Und wahrscheinlich erfolgt dann eine Reaktion, auf die du eingehen kannst: Manche Menschen brechen in Tränen aus, andere beginnen gleich, dich mit Fragen zu überschütten: Wie geht es weiter? Was bedeutet das für ihn? Was wird er noch können? Wird er wieder wach? Hat er Schmerzen? Nimmt er seine Umgebung wahr?

Versuch ruhig und ehrlich Antworten zu geben, soweit das bereits möglich ist. Lass dich nicht zu hellseherischen Prognosen hinreißen, sondern sag lieber rundheraus, was dir nicht bekannt ist, und verweise gegebenenfalls auf noch ausstehende Untersuchungen. Hat der Patient allerdings offenkundig einen Zustand erreicht, der statt kurativer lediglich noch palliative Therapien erlaubt, sollte dies offen angesprochen werden. „Das wird schon wieder!“ ist in einer derartigen Situation ein völlig unangemessener Satz, auch wenn generell deine Sprache gerade jetzt einfach und verständlich zu sein hat. Medizinische Fachausdrücke sind sowieso meist nicht die bessere Wahl und zeugen speziell in solchen Situationen weniger von Professionalität als von mangelndem Einfühlungsvermögen.
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