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Optimisten bringen Lesestoff und ihren Schlafanzug mit

Auch nach Jahren können sich Ärzte gut an den ersten Nachtdienst erinnern

MEDI-LEARN Redaktion

Müdigkeit macht sich breit

Beim Thema Nachtarbeit gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen leiden unter dem Schlafdefizit, die anderen genießen das selbstständige Arbeiten und die ungewohnte Stille auf den Stationen und Fluren ihrer Klinik. Praktisch alle aber können sich noch Jahre später sehr genau an den allerersten Nachtdienst und ihre Aufregung in den Stunden davor erinnern.

Ein Grund für die große Uneinigkeit ist sehr wahrscheinlich, dass mit dem gängigen Begriff ganz Unterschiedliches bezeichnet wird. In Sachen Arbeitszeit gibt es in deutschen Krankenhäusern offenbar nichts, das es nicht gibt: 24-Stunden-Dienste mit einem oder zwei Ärzten, 19-Stunden-Dienste mit fünfstündiger Pause, 12-Stunden-Dienste, Drei-Schicht-Modelle, Spät-, Nacht-, Haupt- oder Nebendienste, Rufbereitschaften und manches mehr.

So verwundert es nicht, dass einige Neulinge schon nach zwei Wochen auf Station zu einem Dienst eingeteilt werden, während das bei anderen frühestens nach einem halben Jahr der Fall ist. Ob die erste Nacht ruhig wird, man vielleicht sogar die meiste Zeit schlafen kann, ist ohnehin schwer vorhersehbar. Immerhin packen Optimisten neben Kulturtasche und Wäsche zum Wechseln ein bisschen Lesestoff für die erhofften ruhigen Stunden, den Laptop und manche sogar ihren Schlafanzug ein.

Gelauscht (Foren)

Gelauscht
Irgendwann musste jeder da mal durch. Einige Berichte über die ersten aufregenden Stunden alleine auf weiter Flur findest Du hier:
Eher noch als die Anliegen der Patienten hindert dann jedoch die eigene Anspannung den Nachtdienst-Anfänger am erholsamen Schlafen. „Bammel gehört dazu“, spricht ein Nachwuchs-Arzt sicher den meisten Novizen aus der Seele. Erst nach etlichen Nächten beginnen viele von ihnen den im Vergleich zur Arbeit bei Tageslicht erheblich größeren Entscheidungsspielraum zu schätzen: „Man lernt immer was dazu. Jedes Mal!“ Und unter allen Umständen gelte es natürlich „immer schön Kompetenz auszustrahlen trotz völliger Ahnungslosigkeit“.

Ruhe zu bewahren ist deshalb einer der wichtigsten Ratschläge erfahrener Assistenzärzte. Nichts werde in Diensten so heiß gegessen wie gekocht. Jedoch müsse man seine Grenzen kennen und rechtzeitig um Hilfe bitten. Das könne eben auch bedeuten, den Oberarzt morgens um drei aus dem Schlaf zu klingeln. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Er wird Verständnis dafür haben, denn Neulinge genießen diesbezüglich Welpenschutz, und irgendwann ganz früher war er ja selbst einer.

unser Tipp

Klar, der erste Dienst ist zunächst ein angsterfüllender Gedanke und am liebsten würdest du ihn laaaaaange hinaus zögern, weil du dich nicht reif dafür fühlst. Aber es gibt eine unumstößliche Regel: Dienstfit wird man nur durch die Dienste selber!
Tipps und Unterstützung kann und sollte man sich zudem von erfahrenen Schwestern und Pflegern holen. Die wissen in aller Regel genau, welche Maßnahmen in Standardsituationen üblicherweise ergriffen werden. Ein gutes Verhältnis zu den Kollegen scheint das Erfolgsgeheimnis schlechthin für Nachtdienste zu sein – und nicht nur für die. Werden Jungmediziner nach besonders positiven oder negativen Erinnerungen an ihren ersten Dienst befragt, steht nämlich genau das durchweg im Mittelpunkt der Antworten.

Im Team wird für die Kranken gesorgt, und ebenso für die eigene Verpflegung. Nach Patienten und dem medizinischen Personal bilden offenbar nachts in deutschen Kliniken Pizzafahrer die drittgrößte Personengruppe. Auf den Stationen liegen die Prospekte gleich mehrerer Lieferdienste, die nicht selten Sonderkonditionen einräumen.

Die Debatte darüber, was und wo bestellt wird, ist ebenso ein Gemeinschaft stiftendes Ritual wie die kollektive Order und das Essen in großer, eventuell stationsübergreifender Runde. Mit einer Stulle von zu Hause würde man da schnell zum Außenseiter. Legitim ist hingegen ein Salat anstelle von Pizza oder Pasta – als Alternative für jene, die sich über Kalorienzahl und Fettgehalt ihrer Ernährung ernsthaft Gedanken machen.

Die gemeinsame Essensbestellung zu später Stunde und das Klönen mit der Nachtschwester sind ebenso typisch für das nächtliche Arbeiten in der Klinik wie die ungewohnte Ruhe, die sich irgendwann am Abend im ganzen Haus ausbreitet. Gerade altgediente Assistenzärzte nehmen selbst nach Jahren noch den verblüffenden Gegensatz zur Betriebsamkeit des Tages wahr. Schön und gespenstisch zugleich sei diese Stille, und für manche Jungmediziner ein Hauptgrund, sich trotz möglichem Schlafdefizit auf ihren nächsten Dienst sogar ein bisschen zu freuen.