Der Präp-Kurs ist sicherlich DAS Highlight der vorklinischen Ausbildung: denn hier lernt der angehende Mediziner den Aufbau des menschlichen Körpers bis in das letzte Detail kennen. Wir waren neugierig, wie Studenten hierzulande den Präp-Kurs erlebt haben. Lies unsere Interviews, die dir einen Einblick in die Erfahrungswelt junger Mediziner liefern.
1. Kannst du dich noch an den Augenblick und die Szene erinnern, als du den Präp-Saal zum ersten Mal betreten hast? Wie sah das aus und was ging dabei in dir vor?
Ich werde nie die Schritte den langen Gang zum Präp-Saal hinunter vergessen. Eigentlich hatte ich Hunger, holte ein Knoppers aus meiner Jackentasche und überlegte dauernd, ob mir eher mit leerem Magen oder nach einem Riegel übel werden würde. Bis heute weiß ich, welche Kleidung ich trug. Der Formalingeruch ist völlig präsent.
2. Hast du auch im Vorfeld vor dem ersten Termin des Präp-Kurses schon vermehrt an das „Erste Mal Präppen“ gedacht? Habt ihr in der Vorlesung dieses Thema ausführlicher behandelt?
Ja, mehrfach. In der Vorlesung wurde auch ein Video über das Verhalten im Präp-Saal, aber auch die Skalpelle und die Schnitttechnik gezeigt. Einmal hatten wir auch einen präparierten Leichnam im Hörsaal.
3. Mit welchen Erwartungen bist du in den Präp-Kurs gegangen? Wurden Sie erfüllt oder eher enttäuscht?
Sehr viel zu lernen. Das wurde nicht ganz erfüllt, weil wir doch oft sehr auf uns selbst gestellt waren, nach dem Motto: "macht mal". Teilweise fehlten Tischbetreuer oder die Zuständigkeiten waren unklar.
4. Was war in deinen Augen das absolute Highlight des Präp-Kurses, an das du dich noch heute erinnerst?
Ein menschliches Herz in der Hand zu halten, das war schon ein "irrer" Moment.
5. Welches Themengebiet fandest du am schwierigsten zu lernen?
Auf jeden Fall die Nerven, die waren ungeheuer komplex zum Lernen.
6. Was hat dir beim Präppen am meisten Spaß gemacht?
Der Situs hat mir sehr viel Spaß bereitet. Die Organe in ihrer Lage zueinander zu sehen und sie dann frei zu legen, war super interessant.
7. Und im Gegenzug: was fandest du beim Präp-Kurs am unangenehmsten?
Die Neuroanatomie fand ich sehr komplex und schwierig zu lernen.
8. Wie häufig und wie lang fand der Präp-Kurs statt?
Der Bewegungsapparat und Situs fanden 4x pro Woche ca. 3 Stunden ein Semester lang statt und die Neuroanatomie1x pro Woche ca. 3 Stunden und 7 Wochen lang.
9. Konnten am Präp-Nachmittag alle gleichzeitig und im Team präparieren oder ging das abwechselnd?
Wir waren zu zehnt am Präp-Tisch, soweit man sich nicht behinderte, haben wir alle gleichzeitig präpariert.
10. In welcher Form und Häufigkeit mussten Testate und Prüfungen absolviert werden?
Mündliche Prüfungen am Leichnam gab es je eine für Bewegungsapparat und Situs. Bei der Neuroanatomie hatten wir sieben Kurzklausuren alternativ zu einer großen Abschlussklausur.
11. Der Umgang mit Leichen ist sicher für einen Anfänger nicht leicht. Hattest du hier auch im weiteren Verlauf noch Probleme oder hast du dich einfach dran gewöhnt?
Gewöhnt ja, trotzdem ließ es mich nicht ganz los. Öfters dachte ich abends noch an den Anblick und hatte vor allem den Geruch in der Nase.
12. Wurde über die Herkunft der Personen und den nötigen Ablauf, sich der Lehre und Wissenschaft z.B. für den Anatomie-Kurs zur Verfügung zu stellen, gesprochen?
Hierüber wurde leider nur sehr kurz gesprochen, mich hätten mehr Details interessiert.
13. Gab es nach dem Ende des Präp-Kurses eine Art Trauerfeier, an der auch die Präp-Kurs-Studenten teilnehmen konnten? Falls ja: was ging dabei in dir vor, woran hast du gedacht und welche Bilder stiegen in deinem Innern auf?
Ja, es fand eine von Studenten gestaltete Trauerfeier statt. Hochachtung und Dankbarkeit gegenüber den Spendern und deren Angehörigen.
14. Würdest du gerne den Präp-Kurs noch einmal absolvieren (weil es so großen Spaß machte und interessant war) oder bist du der Ansicht "Einmal genügt".
Ambivalent: Eine Wiederholung täte gut, man würde heute die Dinge besser einordnen können, weil man weiß, wozu das Detailwissen gut ist. Trotzdem finde ich den Präp-Saal einen bedrückenden, unerfreulichen Arbeitsplatz - Anblick der Leichen, erschreckend taktloses Verhalten Einzelner, Geruch, Lärm durch Klimaanlagen, usw.
15. Welche Tipps würdest du Studenten geben, die den Präp-Kurs noch vor sich haben?
Gut vorbereitet sein, dann ist der Lerneffekt größer. Gegenseitig Themen referieren, während des Präppens. Ganz praktischer Tipp: breite Schweißbänder o.ä. besorgen, damit die Kittelärmel nicht so schnell dreckig werden!