Carle Foundation University of Illinois - Fachabteilung Chirurgie
Ein fancy PJ - oder was man alles bei den Amis als PJ darf
Peter Enns
Nötiger Papierkram vorweg
Viele Unterlagen wurden angefordert: Deans Leter of Recommendation, Kranken- und Haftpflichtversicherung (Malpractice insurance), ein Brief von meiner Bank (Zahlungsfähigkeit - mind. 1000 $ / Monat) und natürlich alle möglichen Impfnachweise. Für das Visum brauchte ich dann eine offizielle Einladung der University of Illinois at Chicago, die wiederum Unterlagen von mir forderte. Alles das forderte ziemlich viel Geduld und Mähe.
Der Deans Letter war kein Problem, das Visum mußte auch rechtzeitig beantragt werden (kein Besuchervisum, sondern ein „J1“ - für Studenten, etc.). Die Wohnung sollte selbst organisiert werden, da hatte ich noch mal Glück dank meiner Beziehung und durfte bei einem Arzt in der Nähe wohnen. Die Mühe hatte sich wirklich gelohnt: Die erste Woche gab es für uns (8 Studenten in der Surgery-Rotation) einen klinischen Einführungskurs. Vom Theorie Level war das nicht besonders schwierig für mich, bot aber eine exzellente Möglichkeit sich ins Medical English einzudenken und einzusprechen. Die Seminare waren sehr gut (meist von Ober- und Chefärzten abgehalten).
Auf in die Praxis
Dann ging‘s in die Praxis. Ein jeder Student kriegte einen digitalen Pager (damit man immer und egal wo - auch zu Hause - erreichbar ist). Kittel wurden allerdings nicht von dem Haus bereitgestellt, deshalb mußte ich mir einen kaufen (mit meinem Kittel von zu Hause konnte ich dort nichts machen, amerikanische Studenten tragen kurze Kittel, damit man sie von den Ärzten unterscheiden kann). Noch eine Not gab es am Anfang: Studenten gehen dort nur in Hemd + Krawatte (keine Jeans), deshalb mußte ich schnellst ins Geschäft. Ich durfte meinen Rotationsplan mitgestalten und wurde für 5 Wochen Allgemein- und Unfallchirurgie, 3 Anästhesie, je 2 Wochen Orthopädie und Neurochirurgie eingeteilt.Nebenbei wurde es von einem erwartet, noch mind. 1. Nachtdienst/Wochenenddienst mitzumachen. Diese waren so gut dass einige Studenten sich um die Dienste fast gestritten haben. Das Haus ist nämlich ein Trauma Level I Centre (D.h., es macht eine (Poly-)Trauma-Maximalversorgung). Somit gab es dann rund um die Uhr was zu tun: Auto- und Motorradunfälle, Schußwunden, u.v.m. gehörten zur Tagesordnung. Wenn man engagiert war und rechtzeitig in der Notaufnahme bei den „Trauma-calls“, durfte man alles tun was man konnte und sich zutraute. Besonders gut war es für uns Studenten nachts, wo nicht so viele Leute da waren. Wenn es dann mehr als ein Verletzter vom Crash waren, dann durfte man mal auch selbst das Management von einem Patienten übernehmen (mit komplettem ATLS-Chek up und Diagnostik nach Rücksprache mit dem Dienstarzt).