teaser bild

Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

Famulatur im Urlaubsparadies

Allgemein- und Gefäßchirurgie in Honolulu

Stefanie Vedecnik

 

Vor Ort: aloha he!
5.1. Mobilität
In Honolulu gibt es ein ausgezeichnetes Bussystem, eine Monatskarte kostet 25 $,-. Busfahrpläne gibt es im Internet s.u.6. Bei großen Kaufhäuser kann für ca. 90,- $ ein Fahrrad kaufen, welches sich leicht wiederverkaufen läßt (rechtzeitig darum kümmern). Man braucht eine bike registration licence, die ca. 15,- $ kostet. Fahrradschloß und mit Batterie betriebene Fahrradlampe (notwendig, da es schon um 19 Uhr stockfinster ist) kann man aus Deutschland mitbringen.

5.2 Krankenhaus
Informationen findet man unter s.u.. Das Straub Hospital ist ein kleines Krankenhaus mit ca. 100 Betten und über 150 Ärzten, die zum größten Teil Belegärzte sind. Es ist ein Lehrkrankenhaus der Universität von Hawaii, von daher sind sehr viele hawaiianische Studenten in der Klinik. Wir hatten extremes Glück einen Platz zu bekommen, da natürlich die Unterbringung eigener Studenten Priorität hat. Aufgrund schlechter Erfahrung hatte das Straub Hospital seit mehreren Jahren keine ausländischen Studenten mehr genommen und wir waren nach langer Zeit die ersten. Deshalb bitte ich im Interesse von folgenden Studenten, sich bei der Famulatur Mühe zu geben und sich der ausländischen Kultur anzupassen. Am ersten Tag trafen wir Ellen Sakai (sie betreut inländische und ausländische Studenten) bei einer Einführungsveranstaltung für alle neuen Mitarbeiter über Hygienevorschriften, Feuersystem, Katastrophenmeldungen, Datenschutz etc. Es gibt einen eigenen Sicherheitsdienst und jeder Angestellte muß eine ID Card mit Lichtbild bei sich tragen.

5.2. Inhalt der Famulatur
Enttäuschend waren die Arbeitszeiten: im Schnitt mußten wir unter der Woche 12 Stunden pro Tag arbeiten (von wegen vacation/ rotation). Die anderen Studenten waren jede 3. Nacht on call (Rufbereitschaft), worauf wir aber verzichteten. Am Wochenende kamen die ambulanten Patienten (outpatients), die Arbeitszeiten waren dann von 7:00 bis ca. 13:00 Uhr. Susanne war in den ersten zwei Wochen in der Gefäßchirurgie und ich war in der Allgemeinchirurgie, danach haben wir getauscht. Mein general surgery team bestand aus drei attendings ( Arzt mit abgeschlossener Facharztausbildung) einen chief resident ( Arzt im letzten Jahr der Facharztausbildung) zwei interns (Arzt im ersten Jahr der Facharztausbildung) und einem anderen Studenten von der University of Hawaii. Jedem intern, der für die engmaschige Betreuung von 5- 10 Patienten verantwortlich war, wurde ein student zugeteilt. Der chief resident teilte mir einen Patienten zu, den ich während seines gesamten Krankenhausaufenthaltes mit Nachsorgeuntersuchung betreute. Auf Hawaii sind die attendings mit Krawatte und Hemd/ Kostüm und Bluse bekleidet, die students und residents tragen aber üblicherweise die bequemen scrubs (OP- Kleidung) unter ihrem Kittel.

Mein intern hat mir die verschiedenen Arbeitsabläufe erklärt. Auch wenn am Anfang alles neu ist, keine Angst, man kommt schnell in die Routine rein. Bei der Aufnahme sollte vom Patienten ein H&P (history and physical exam) gemacht werden, welches in der Patientenakte eingetragen wird. Man mußte die pre- operative orders (mit Hilfe des interns) in den order sheets eintragen. Den Patienten mußte man dann dem ganzen Team vorstellen. Vor der Operation sollte man sich den Operationssitus ansehen und über die Technik, Indikation, Komplikation etc. Bescheid wissen, da man während der OP vom attending befragt wird. Das Verhältnis zwischen student und attending ist viel lockerer als von Student zu Professor. Die attendings sind sehr daran interessiert, einem etwas beizubringen, von daher sind diese questionings enorm lehrreich. Nach der OP mußte man die post- operative orders schreiben. Offiziell haben wir uns um 6:30 Uhr mit dem ganzen Team zum Frühstück getroffen. Davor mußten man seine eigenen Patienten gesehen habe, d.h. ich war um 5:30 Uhr in der Klinik. Der intern hat oft schon um 4:30 Uhr angefangen. Nach dem SOAP Schema wurde ein Bericht in der Patientenakte eingetragen. Täglich erfolgte der Verbandwechsel. Beim Frühstück wurde dem chief resident der Zustand von jedem Patienten vorgetragen. Die Visite mit dem ganzen Team (rounds) fand morgens und abends statt. Zwischendurch habe ich dann selber mindestes noch zweimal meine Patienten angesehen und mich über die aktuellsten Laborwerte, Röntgenbilder, etc. informiert. Denn jedesmal, wenn ich einem attending oder dem chief resident über dem Weg lief, wurde ich gefragt: „How is your patient doing? What iv- fuids is he on? What´ s the plan for today?”. Dazu sollte man wissen, daß die Patienten in Amerika extrem kurz im Krankenhaus bleiben und in dieser Zeit alle Untersuchungen laufen müssen. So ist z. B. die Liegezeit bei einer Kolon- Ca-OP im Schnitt nur fünf Tage, bei Mamma- CA-Entfernung mit Aufbau drei Tage (Patienten gehen mit Redons nach Hause). Blinddarm, Hernien, Gallen- OP werden ambulant gemacht. Der intern überprüfte alle meine Arbeiten und die Anordnungen wurden mit dem ganzen Team besprochen. In den Freistunden zwischen den rounds und den OPs war ich in der Bücherei. Es bestand aber auch die Möglichkeit, ein kleines Mittagsschläfchen im call- room zu halten, was dort ziemlich üblich ist. Jeden Mittwoch morgen war eine zweistündige Vorlesung im Queens Medical Center, daran nahmen alle students, residents und attendings in surgery aus Honolulu teil.

Obwohl wir soviel gearbeitet haben, hat die Famulatur sehr viel Spaß gemacht (was nicht zuletzt an Hawaii selbst lag). Man durfte zum ersten Mal richtig praktisch tätig sein und wurde von den Ärzten und den Patienten als student doctor ernst genommen. Gelernt haben wir wirklich eine Menge, v. a. was die Anwendung von Medikamenten und postoperative Therapiepläne angeht.
 
Weiter
auf Seite