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Famulatur in Dublin, Irland vom 28.07.2003 bis 30.09.2003

Loughlinstown Hospital und Beaumont Hospital

Redaktion Medi-Learn.net

Das Beaumont Hospital

Das Beaumont Hospital verfügt über alle gängigen Fachrichtungen und ist das einzige Krankenhaus in ganz Irland, das über eine neurochirurgische Abteilung verfügt. Als ich mich an meinem ersten Tag bei meinem endokrinologischen Team zu den ward rounds meldete, war ich doch sehr geschockt. Neben mir warteten dort noch sechs weitere Studenten, und die third meds waren noch gar nicht aus den Semesterferien zurück, so dass wir schließlich zehn Studenten waren. Schnell schloss ich mich einer Gruppe von drei Mädels an. Diese waren final meds, was ja prinzipiell auch meinem Stand entsprach, wenn man das PJ nicht mitrechnet. Gleich zu Anfang bemerkte ich hier etwas sehr interessantes. Ich sah viele Studenten, die ihr Stethoskop nicht um den Hals trugen, sondern in die sowieso schon überfüllten Kitteltaschen stopften. Später erklärte mir jemand, dass nur final meds ihre Stethoskope um den Hals tragen dürften, das stünde sogar in der Studienordnung. Wieder was gelernt. Auch war es interessant zu sehen, dass die Ärzte nur als Interns und SHOs Kittel trugen, die Registrars waren zwar, wie es die irische Kleiderordnung vorschreibt, mit Hemd und Krawatte unterwegs und die Frauen zumindest nicht in Jeans, aber sie trugen keine Kittel. Somit konnte man die „Hierarchie“ schon an der Kleidung ablesen. Für Studenten war der Kittel natürlich obligatorisch. Ich trug dazu immer schwarze Hosen, was man als Oberteil trägt ist zumindest für Frauen eigentlich egal. 
Das Team der Endokrinologie war immer sehr beschäftigt, so dass sie nicht so viel Zeit hatten, sich um uns zu kümmern. Es gab zwei tutorials pro Woche, die Pflichtveranstaltungen waren und jeweils vom Registrar durchgeführt wurden. Dabei gingen wir entweder zu Patienten und übten Untersuchungstechniken oder wir hatten theoretischen Unterricht. Davon abgesehen sollten wir natürlich auch Anamnesen erheben und untersuchen, worauf insbesondere die final meds wegen ihres sich nähernden Abschlussexamens hingewiesen wurden. Trotzdem haben wir uns dazu nur selten durchgerungen. Von den tutorials einmal abgesehen, gab es pro Tag immer noch einige lectures, in die man gehen konnte. Diese dauerten eine Stunde und befassten sich mit dem Spezialgebiet des jeweiligen Referenten. Somit war es eine bunte Mischung aus allen Fächern außer Chirurgie, denn die Studenten, die sich gerade in der chirurgischen Rotation befanden, hatten ihren eigenen Stundenplan. Ich bin am Ende nicht mehr ganz so regelmäßig hingegangen, weil es sich vielfach mit dem Stoff überschnitt, den ich zu Hause schon durchgenommen hatte.
Mittwochs war hier Outpatients Clinic. Nach kurzer Zeit hatten wir herausgefunden, bei welchem Arzt sich das Zuhören lohnte und wen man eher meiden sollte, so dass man bei der Masse an Studenten sehr pünktlich kommen musste, um bei „seinem“ Arzt dabei sein zu dürfen. Die Outpatients waren hier wesentlich interessanter als in Loughlinstown. So sah ich viele Patienten mit Akromegalie, M. Addison und auch mal Diabetes insipidus. Die Diabetes Clinic, die immer Mittwochs vormittags stattfand, ließen wir dann aber öfter mal ausfallen, weil das am wenigstens spannend war.
Die consultant ward rounds waren Pflicht. Genau wie das acht Uhr tutorial des Consultants jeden Mittwoch morgen, das er für sein Team gab, Pflicht war. Er ist ein exzellenter Lehrer, aber auch sehr streng. Er war etwa beispielsweise gar nicht beeindruckt, als wir ihm nicht spontan zehn Differentialdiagnosen der Sinusbradykardie nennen konnten. Zudem waren wir die einzigen Studenten im ganzen Krankenhaus, die erscheinen mussten, wenn unser Team on call war. So mussten wir einmal auch Sonntags ins Krankenhaus kommen, um Patienten aufzunehmen. Diese durften wir dann am nächsten Tag bei den post-call ward rounds dem Consultant vorstellen. Wir hatten dann also je einen Patienten, den wir ihm vorstellten und er stellte uns dazu einige Fragen. Dabei war er sehr nett, lobte sehr oft und gab uns Hinweise, was wir noch mal nachlesen sollten.
Es dauerte zwei Wochen, bis ich endlich ein Schließfach bekam. Hier sollte man bei der Studienkoordinatorin ein wenig Druck machen, schließlich möchte man seine Sachen nicht jeden Tag nach Hause schleppen und am nächsten Tag zerknittert daherkommen.
Wann wir kamen und gingen interessierte hier herzlich wenig, solange wir zu den Pflichtveranstaltungen erschienen. Somit nahm ich mir auch ab und zu mal einen Tag frei oder verschwand schon sehr früh. Ich dachte, dass meine Anwesenheit beim Dienst dafür genügend wettgemacht hätte.

Wenn wir unsere Zeit nicht auf Station verbrachten, so waren wir oft in der Bibliothek oder im Studentenaufenthaltsraum. Dieser ist sehr nobel eingerichtet mit Kicker- und Billardtisch und einem riesigem Fernseher.
Zu den anderen Studenten bekam ich schnell Kontakt. Da das RCSI nur Studenten ab dem ersten Studienjahr aufnimmt und man nicht wie bei uns die Uni wechseln kann, fällt jedes neue Gesicht sofort auf. Somit wurde ich auch oft von Studenten angesprochen.

Auch im Beaumont Hospital waren die Ärzte, obwohl sie wesentlich weniger Zeit hatten, immer sehr um uns bemüht. Aufgrund der vielen Studenten konnten wir jedoch nicht so viel machen, aber die tutorials haben das wettgemacht. Ich würde jedem empfehlen, so wie ich, einen Monat während der irischen Semesterferien und einen Monat während des Semesters dazusein, weil man so wirklich am meisten mitbekommt.

An Literatur hatte ich mir dort auch einiges zugelegt. So ist für Studenten das Oxford Handbook of Clinical Medicine für die Kitteltasche geradezu obligatorisch. Zudem habe ich mir ein Buch über Clinical Examination gekauft, was ich sehr hilfreich fand.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir diese zwei Famulaturen in Irland sehr viel gebracht haben und dass ich sehr empfehlen kann, hier einige Zeit zu verbringen. Auch ist Irland nicht so mit deutschen Studenten überlaufen wie England, obwohl es immer mehr werden, die insbesondere an der Westküste famulieren.

S.C.

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