Famulatur in einem der ärmsten Länder der Welt
Lernen an der Uni Jimma
Autor der Redaktion bekannt
Die folgenden Zeilen handeln von einer Famulatur in Jimma und die Eindrücke und Erlebnisse, die mir bei diesem Aufenthalt widerfahren sind. Ich will damit meine Erfahrungen berichten und wie ich diese Land empfunden habe.
Ankunft
Selbst wäre ich vermutlich nie auf Äthiopien als Ort meiner letzten Famulatur gekommen, aber erst in jüngster Zeit hat die LMU München ein Austauschprogramm mit der äthiopischen Universität in Jimma begonnen. Als einer der sechs ersten Famulanten, flog ich im Februar nach Äthiopien. Finanziell wurden wir von der karitativen Organisation „Menschen für Menschen“ (MfM) unterstützt.
Da der Austausch von der Uni und unsere Visa von MfM organisiert wurden, kann ich nicht sagen, welcher Aufwand mit einer privaten Bewerbung verbunden ist.
Ich kannte Afrika schon einwenig aus Reisen und war folglich nicht sehr überrascht, als wir nicht wie geplant vom Flughafen in Addis Abeba abgeholt wurden.
Wir mussten uns schließlich einem der übereifrigen Taxifahrer anvertrauen. Er brachte uns zu einem Hotel, welches für Gäste von MfM bevorzugt wurde und hofften, dass dies auch das richtige war, da wir mit unserem riesigen Gepäck, zudem auch ein großer Karton mit Gehstützen für das Krankenhaus gehörte, nicht unbedingt mit den überfüllten öffentlichen Bussen fahren wollten.
Am nächsten Tag wurden wir von einem Studenten der Jimma University aus den Betten geklopft und erleichtert, dass doch noch alles geklappt hatte, brachte uns ein Minibus in den Süden Äthiopiens, nach Jimma.
Wir fuhren den ganzen Tag über Schotterstraßen durch eine neue Landschaft, in der sich trockene Savannen mit Graslandschaften und fruchtbaren Flusstäler abwechselten. Äthiopien ist ein sehr vielseitiges Land. Es ist das höchstgelegene Land des tropischen Afrikas und in diesem findet man praktisch jegliche afrikanische Landschaftsform von Felswüste über Steppe hinzu blühenden Tälern mit Wasserfällen und Seen.
Ein Großteil der Bevölkerung (85%) lebt auf dem Land und arbeitet in der Landwirtschaft. Neben einigen Getreidesorten und Hülsenfrüchte exportiert Äthiopien v.a. Kaffee, der in der südlich gelegenen Region Kaffa seinen namentlichen Ursprung haben soll.
Wir sechs quartierten uns im zentralen Jimma-Hotel ein, dass zwar für die Verhältnisse nicht sehr billig, aber dafür sauber war. Leider war die Musik abends oftmals laut und ab und zu gab es Strom- und/oder Wasserausfall. Zum Krankenhaus fuhren wir dann täglich mit den dort üblichen Kleinbus-Taxis, die von der Stadtmitte alle paar Minuten abfahren. Man bezahlt bei der Person an der Tür, der vor Ort und während der Fahrt den Ziel der Fahrt ausruft. Für ihn ist kein platz im Bus eingerechnet und so hängt er sich während der Fahrt mit dem meist überfüllten Wagen weit aus dem Fenster.
In der Klinik
Ich habe dort eine Famulatur in der Pädiatrie gemacht. Das Uni-Krankenhaus besteht aus mehreren Gebäuden, in denen die unterschiedlichen Departements untergebracht sind. Leider ist der hygienische Standart weit unter dem deutschen und die Patientenzimmer sehen recht trostlos und schmutzig aus. Auch an den eigenen, manchmal bissigen Geruch muss man sich erst gewöhnen.
Der Tagesablauf
Ich nahm am „BedSide-Teaching“ teil und war entweder in der „Outpatient clinic“ oder auf Station. Der Klinikalltag ist nicht sehr straff aufgebaut. Nach der Frühbesprechung um 8 Uhr, gab es bis 10 Uhr Teepause. Dann folgte ich den Studenten auf Station. Um 12 Uhr war einstündige Mittagspause und um vier Uhr gingen alle nach Hause. Die Studenten waren offen und erklärten mir, was zu tun sei. Sie waren teils im selben, teils in unteren Semestern, aber ihr klinisches Wissen und ihre praktischen Fähigkeiten sind schon früh den unseren voraus.