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Organtransplantation?

Knappe Ressource durch Informationsmangel

Constantin Wauschkuhn

Dieses Thema hatten wir – der studentische Arbeitskreis „Medizinische Ethik“ am Uniklinikum Mannheim – als Grundlage für das Ethikseminar in diesem Semester herausgesucht. Es sollte um die ethische Problematik im Rahmen einer Organtransplantation gehen.

"Organübertragungen gehören heute in Ländern mit hochwertiger medizinischer Versorgung zum Standard. Allein in Deutschland werden jährlich über 3.000 lebenswichtige Organe transplantiert. Das sind beeindruckende Zahlen, vor allem, wenn man sich vergegenwärtigt, dass in jedem Fall das Leben eines Menschen gerettet oder eine Krankheit weitgehend geheilt werden kann. Zur Realität gehört allerdings auch, dass etwa doppelt so viele Patienten auf ein Spenderorgan warten. Nicht wenige davon müssen wegen des Mangels an Organen vorzeitig sterben".

Mit diesen Worten begann am 25. Juni 1997 der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer seine Rede im Deutschen Bundestag zur abschliessenden Beratung des Transplantationsgesetzes (TPG), das schliesslich am 1. Dezember 1997 in Kraft trat.
Doch im Zusammenhang mit dem Thema Organtransplantation gibt es wenigstens zwei voneinander unabhängige medizinethische Debatten, die auch in den vergangenen fünf Jahren intensiv weiter geführt worden sind:
Erstens geht es um die Frage: Darf man einen Menschen, der biologisch und phänomenologisch noch lebt, im ethischen Sinn für "tot" erklären, so dass man seinem Körper gegebenenfalls auch ohne die vorherige ausdrückliche Zustimmung dieses Menschen noch vitale Organe entnehmen kann?
Zweitens ist zu fragen, nach welchen ethisch plausiblen Kriterien die grundsätzlich knappe Ressource Organ gerecht zugeteilt werden soll.

Surftipp

Organtransplantation
An der Knappheit der Organe hat sich nicht viel geändert, zumindest in Deutschland. In Österreich zum Beispiel werden Organe immer dann entnommen, wenn man nicht ausdrücklich widersprochen hat. Diese Regelung ist in Deutschland nicht durchzusetzen, da man die Menschen zwingen würde, sich entscheiden zu müssen. Hier gilt aber der Grundsatz, dass man auch die Freiheit haben darf, sich zu einem Thema keine Gedanken machen zu müssen bzw. nicht zu einer Entscheidung zu kommen.
Man kann also nur versuchen, möglichst viele zum Nachdenken anzuregen und sich einen Organspendeausweis zu besorgen, auf dem man dann entweder die Bereitschaft zur Organentnahme vermerkt oder eben dies verneint.Eine sehr verbreitete Meinung ist leider auch, dass man als „älterer“ Mensch nicht mehr als Organspender tauge. Dies ist völlig falsch! Es gibt keine Altersgrenze – denn gerade ältere Menschen profitieren z.B. viel von einer Nierentransplantation und können noch einige Jahre gut leben, wenn sie eine Niere eines etwa gleichen Menschen erhalten können. Auch hier besteht also die Möglichkeit, mehr Menschen zu helfen.

Gelauscht (Foren)

Denn die benachbarten Länder, die auch im Euro-Transplantverbund sind, kritisierten schon öfter, dass nach Deutschland mehr Organe geschickt werden als von Deutschland in die umgebenden Euro-Transplantländer gehen und drohten mit dem Ausstieg aus dem Verbund.

Im klinischen Alltag sowie in der studentischen Ausbildung sind dies Fragestellungen, für die leider zu wenig Zeit bleibt neben Examen kreuzen... Deshalb haben wir uns in den letzten Semestern jeweils an einem Samstag ein medizinethisches Thema/Problem ausgesucht, um mit Kommilitonen, Ärzten, Klinikseelsorgern, Juristen... zusammen anhand eines konkreten Falles zu diskutieren.
Sowohl für uns Studenten als auch für die anderen Gäste war es immer ein interessanter Austausch – einmal etwas anderes zu machen als die alltägliche Arbeit.
Aus einem der Seminare ist auch die „Ethik-Visite“ bei Priv.Doz. Dr. Quintel auf der chirurgischen Intensivstation entstanden, die wir bisher zweimal organisiert haben – bei einigen ausgewählten Patienten auf der Intensivstation wurde die Vorgeschichte erläutert und dann über das weitere Vorgehen gesprochen. Insbesondere die Frage nach maximaler Versorgung („Alles machen, was nur möglich ist“), Therapiebegrenzung oder Therapieabbruch wurde diskutiert.Auch haben sich die meisten wohl im Stillen die Frage gestellt, wie man denn selber entscheiden würde bzw. wie man möchte, dass andere entscheiden, falls man selber als Patient dort liegen würde. Einmal die High-Tech-Medizin mitzubekommen war für viele Kommilitonen etwas völlig Neues. Wenn jemand Fragen zu einem unserer Seminare hat, selber so etwas organisieren will und Informationen benötigt... kann sich gerne melden.

Kontakt, Infos:
Mail: Ulrike Hellmann


Constantin Wauschkuhn


Prof. Bauer