Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überlegt hier noch jemand, aufgrund der aktuellen Situation zu kündigen?
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Moorhühnchen
14.11.2021, 16:49
Also: In meinem Haus ebenfalls NULL Wertschätzung gegenüber der ärztlichen Berufsgruppe.. ah.., doch. Der Thermeneintritt in der Therme um die Ecke ist für Mitarbeiter 1,50 günstiger. :-love
Bitte PN an mich, wo das ist! :-love
(Kleiner Scherz.... aber ich liebe Thermen! ;-))
Endoplasmatisches Reticulum
14.11.2021, 16:58
Das Thema spricht mir sehr aus der Seele. Ich bin ebenfalls parallel zu Corona in den Beruf eingestiegen. Auch meine Erfahrungen waren katastrophal, wenn auch im Vergleich zu manchen der hier beschriebenen Horrorstories wohl noch eher milde.
Bei meiner ersten Stelle erinnere ich mich an einen Monat, wo ich 2 oder 3 normale Arbeitstage hatte. Der gesamte Rest waren Dienste. Fachfremde Mitübernahme der Covid-Station; oder Stationen, das konnte auch mal spontan auf mehrere ausgeweitet werden. Arbeiten mit mehreren Stellen im Minus. 20 Überstunden in der Woche regelmäßig geknackt, bis Chef nach Einlauf durch die Verwaltung spontan entschied, dass es keine Überstunden mehr gibt. Dann kam er noch auf die Idee, man müsse ausgerechnet in dieser Situation jetzt noch eiligst eine neue Datenbank etablieren mit Ethikantrag und allem drum und dran für seinen PD in spe. Natürlich in der Freizeit. Dazu täglich erwartete unbezahlte Rufbereitschaft, falls jemand in Quarantäne muss. Außerdem wurden alle MFAs aus den Ambulanzen ins Covid-Testzentrum abgezogen, sodass wir die komplette Administration zusätzlich selbst erledigen mussten. Letztlich sollte mein Urlaub einen Tag vor Antritt gestrichen werden, als ich eh schon auf dem Zahnfleisch gekrochen bin. Stattdessen sollte ich 14 Tage Durcharbeiten. Ich habe mich geweigert. Der Chef schrieb meine Stelle im Ärzteblatt aus.
Bei meiner zweiten Stelle hatte ein Kollege seit meiner Hospitation gekündigt. Einer stellte sich als schwerbehindert heraus, einer war seit einem Jahr krankgeschrieben. Eine Mutti machte einfach keine Dienste, weil isso, und zwei weitere Kollegen waren Teilzeitler. Somit gab es rechnerisch 3 dienstfähige Ärzte. Zur Begrüßung wurde mir gleich wieder eine zweistellige Zahl an 24-Stunden-Diensten eingetragen.
Das alles hat mir erstmal gereicht. Ich bin derzeit nicht mehr klinisch tätig, sondern medizinfern in einer Nische, in der ich früher schon gejobbt hatte. Einerseits blutet mir das Herz, weil ich immer sehr gerne im Krankenhaus war und mich nach dem Examen sehr darauf gefreut hatte, endlich loszulegen. Es fühlt sich ein wenig so an, als hätte einem u.a. durch Corona bislang einfach niemand eine realistische Chance eingeräumt, mit Selbsterhalt vernünftig im System Fuß zu fassen. Ich hätte nie gedacht, so lange nach dem Examen zumindest "gefühlt" so wenig vorwärts gekommen zu sein. Das nagt doch ganz schön.
Andererseits wäge ich ab, ob ich mir das angesichts der vierten Welle wirklich nochmal antun soll oder den Spaß zumindest vorerst weiter aussitze. Und rückblickend würde ich mich angesichts der wirklich grässlichen Arbeitsbedingungen immer wieder genauso entscheiden.
...
Habe auch letztens erfahren, dass bei uns JEDE Berufsgruppe im Krankenhaus Weihnachtsgeld bekommt - außer Ärzte. Die sind ja eh so reich. :-love
Das mit dem Weihnachtsgeld muss man allerdings differenzierter betrachten und liegt in der Regel nicht am Arbeitgeber. Ander Berufsgruppen haben oft einen Vertrag nach TVÖD, dieser Vertrag sieht Weihnachtsgeld vor, dafür sind die Tabellengehälter niedriger angesetzt.
Ich hatte bei meinem jetztigen Arbeitgeber auch mal einen solchen Vertrag, fahre jetzt aber mit einem TV-Ärzte VKA ohne Weihnachtsgeld trotzdem besser.
byehaveagoodtime
14.11.2021, 17:09
Das bittere ist halt einfach, dass es immer irgendwelche Ärzte gibt, die den ganzen Scheiß mitmachen. Dass sie sich selbst damit kaputt machen ist die eine Sache, die andere ist, dass sie dadurch die Arbeitsbedingungen für absolut alle anderen Kollegen, die nachkommen bzw. zu dem Zeitpunkt mitarbeiten, weiterhin vollkommen unter aller Sau halten.
Aber ja, Ärzteschaft halt.
Matzexc1
14.11.2021, 17:31
Ich fahre mit dem vka vom Grundgehalt auch besser, vorher Universität. Laut Lohnrechner 80€ nach Wechsel weniger, Realität: 70€ mehr.
Bitte PN an mich, wo das ist! :-love
(Kleiner Scherz.... aber ich liebe Thermen! ;-))
Ich habe sogar völlig freien Eintritt für nebenan liegende Therme + Sauna :-oopss
Mometasonfuroat
14.11.2021, 23:37
VIELEN DANK FÜR DIESEN THREAD!
Ihr wisst ja gar nicht, wie sehr der gerade bei mir einschlägt...und mir irgendwie auch hilft!
JA, MIR GEHTS GENAUSO UND ICH WERDE KÜNDIGEN!
Ich-kann-nicht-mehr...Sage ich ganz ehrlich, und das liegt nicht NUR an der Arbeitsbelastung.
Wen es interessiert:
- Ich bin kein Berufsanfänger mehr, ich bin FA (Anästhesie), habe diverse Zusatzbezeichnungen (u.a. auch die Intensivmedizin), und war bis ca. 2019 relativ glücklich in unserem kleinen Haus der Grund- und Regelversorgung tätig, seit 2020 in TZ 80%, da ich nebenher noch andere Dinge tue, die mich tatsächlich immer glücklicher gemacht haben: Schulunterricht für Pflegekräfte und eigene Notfalltrainings sowie Notarztfahren.
- Unsere GF hat dann gewechselt, kommunaler Träger. Massiver Druck, brutaler Absturz was Kommunikation, Wertschätzung, Perspektive angeht.
- u.a. wurde mein Chef praktisch von heute auf morgen abgesetzt, in einigen Monaten ist er nach einer Übergangszeit weg und wurde durch eine ambulante Anästhesisten-Praxis "outgesourced". D.h. die übernehmen jetzt die Säle, sind aber dafür nicht qualifiziert genug, da wir doch auch viele schwer kranke Patienten haben.
- Streit, Diskussionen, Ärger jeden Tag.
- Ich wurde nun auf die Covid-Intensivstation im benachbarten Schwerpunktversorger versetzt. Alles auf Anfang. Personalmangel, Arbeiten auf Anschlag: keine Pausen, kein Trinken, kein Toilettengang realistisch möglich. Eine Covid-Aufnahme nach der anderen. Für mich relativ neu, da ich Covid bisher "nur" aus dem NEF-Dienst kenne und wir im kleineren Haus bislang Covid-frei bleiben sollten (ist jetzt auch vorbei).
- Die Patienten kommen in Strömen, einer kränker als der andere, permanentes Telefonieren, ob man Betten hat. Ständig Bauchlage/PEEP/Intubieren/Bronchoskopieren, man kommt mit der Routine-Arbeit überhaupt nicht hinterher, alles bleibt liegen.
- Die Pflege arbeitet sich einen Buckel krumm.
Was mich schockiert hat: in der Covid-Box in Vollmontur sagt die knapp 60+-Schwester, die in 3 Monaten in Altersteilzeit geht, ihr ist schwindlig, und kippt auf Ex eine Wasserflasche im Gang. Anschlag.
- Einen Corona-Bonus gab es nicht, durch Corona generierte Minusstunden 2020 aufgrund von Saalsperrungen und Zwangs-Nachhause-geschickt-worden-sein sind entgegen aller Versprechungen nie kompensiert worden.
- Bonuszahlungen, Fahrtkostenzuschuss oder sonstige finanzielle Incentives, dass man dem völlig ausgebrannten Stammpersonal im Schwester-Haus hilft, wird es nicht geben. Dazu gab es Sätze vom Betriebsrat, die wie blanker Hohn wirken oder das "Angebot" der GF, jede Überstunde bei Auszahlung mit 1 Euro Extra zu vergüten. Auf Antrag natürlich nur.
- Auf der Intensivstation ist für den Nacht-Dienst das Schlaf-Zimmer (nicht das Arztzimmer) unmenschlich: wird als "Knast" bezeichnet. Wenn ich euch Bilder schicken würde, da bleibt jedem aus einer anderen Branche die Spucke weg: Eine Pritsche mit Bettzeug, sonst gibt es NICHTS im Zimmer. NICHTS. Nichtmal Vorhänge. Die Toilette gegenüber: kein Klopapier, keine Seife/Desinfekt, das Waschbecken ist nicht nutzbar, weil das Abflussrohr abmontiert, es läuft aus dem Waschbecken raus. Sie wollen da jetzt eine "Lösung" finden. Klar, einfach nicht mehr hinlegen geht.
- Und viele weitere Geschichten.
Ich hab das nicht mehr nötig, ich werde fristgerecht zum März kündigen und bin in der Bewerbungsphase für patientenferne Jobs aus dem Medizinsektor: Industrie, Pharma, Medizinproduktehersteller, Software etc.
Habe schon einige interessierte Rückmeldungen.
Es ist vorbei. Ich sehr für mich keine Zukunft in der Krankenhausmedizin mehr. Momentan auch nicht in der niedergelassenen Medizin.
Es tut mir wirklich leid, dass du solche Erfahrungen machen musstest und wünsche dir von Herzen dass du einen guten Neustart hast. Dennoch ist auch die Industrie ein Ausbeuter und Ausquetsch-Betrieb hoch drei! Ich komme nämlich von dort und bin schreiend zurück in meine FA-Weierbildung.
Daher am besten schauen dass man sich in die Selbstständigkeit begibt. Dort tut man sich den besten Gefallen und arbeitet für sich und nicht als Angestellter. Man kann durch geschickte Steuergestaltung das größte Netto für sich einstreichen.
Bei mir ist es bald soweit und freue mich riesig darauf!
Die Erfahrungsberichte decken sich mit denen, die ich von ehemaligen Kollegen kenne. Ich bin vor der Pandemie in die Praxis gewechselt. Hauptgründe war die fehlende Ausbildung bei gleichzeitiger Verschlechterung der Arbeitssituation.
Nach knapp 2 Jahren in der ambulanten Medizin werde ich aber wieder zurück in die Klinik gehen. Ich hoffe ich finde eine Nische. Ich hatte schon ein paar Gespräche, die meisten waren aber Ausbeuter ...
Cingulum123
15.11.2021, 07:31
Nach knapp 2 Jahren in der ambulanten Medizin werde ich aber wieder zurück in die Klinik gehen. Ich hoffe ich finde eine Nische. Ich hatte schon ein paar Gespräche, die meisten waren aber Ausbeuter ...
Magst du berichten, warum es zurück in die Klinik geh, was ambulant nicht gepasst hat?
- Unsere GF hat dann gewechselt, kommunaler Träger. Massiver Druck, brutaler Absturz was Kommunikation, Wertschätzung, Perspektive angeht.
- u.a. wurde mein Chef praktisch von heute auf morgen abgesetzt, in einigen Monaten ist er nach einer Übergangszeit weg und wurde durch eine ambulante Anästhesisten-Praxis "outgesourced". D.h. die übernehmen jetzt die Säle, sind aber dafür nicht qualifiziert genug, da wir doch auch viele schwer kranke Patienten haben.
- Streit, Diskussionen, Ärger jeden Tag.
Naja, altes Thema, hat damals bei unserem Nachbarkrankenhaus auch nicht funktioniert. Dort wurden die OP-Säle tagsüber durch eine Anä-Praxis versorgt (oder auch nicht), für die leidigen Dienste sollten die (noch) am Haus angestellten Anästhesisten herhalten... Hat auch nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat. Mittlerweile wieder eine eigene, am Haus angestellte, Anäthesieabteilung... :-nix
- Ich wurde nun auf die Covid-Intensivstation im benachbarten Schwerpunktversorger versetzt. Alles auf Anfang. Personalmangel, Arbeiten auf Anschlag: keine Pausen, kein Trinken, kein Toilettengang realistisch möglich. Eine Covid-Aufnahme nach der anderen. Für mich relativ neu, da ich Covid bisher "nur" aus dem NEF-Dienst kenne und wir im kleineren Haus bislang Covid-frei bleiben sollten (ist jetzt auch vorbei).
- Die Patienten kommen in Strömen, einer kränker als der andere, permanentes Telefonieren, ob man Betten hat. Ständig Bauchlage/PEEP/Intubieren/Bronchoskopieren, man kommt mit der Routine-Arbeit überhaupt nicht hinterher, alles bleibt liegen.
- Die Pflege arbeitet sich einen Buckel krumm.
Was sagt denn der AV? Musst Du im "Nachbarkrankenhaus" arbeiten? Also selbst wenn für Dich die Entscheidung klar ist zu gehen, lohnt sich doch ein Blick in Deinen Vertrag. ;-)
Im Zweifel auch mal beraten lassen (MB, RA für Arbeitsrecht).
Was mich schockiert hat: in der Covid-Box in Vollmontur sagt die knapp 60+-Schwester, die in 3 Monaten in Altersteilzeit geht, ihr ist schwindlig, und kippt auf Ex eine Wasserflasche im Gang. Anschlag.
Überlastungsanzeige, Betriebsmediziner, Betriebsrat, Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit. Und ALLES schriftlich an alle diese Stellen. Dann kann hinterher niemand sagen, es habe niemand etwas gewusst...
- Einen Corona-Bonus gab es nicht, durch Corona generierte Minusstunden 2020 aufgrund von Saalsperrungen und Zwangs-Nachhause-geschickt-worden-sein sind entgegen aller Versprechungen nie kompensiert worden.
Ganz wichtig! Minusstunden verfallen mit dem Ende des Arbeitsverhältnis! Da darf NICHTS abgezogen werden vom Arbeitslohn. Wenn Du es nicht "abarbeiten" kannst, oooooooch, ist das Schade lieber AG, Überstunden habe ich nicht. Und leider kann ich das nicht ausgleichen. Das ist aber das Risiko des AG...
Und die Geschichte mit dem Coronabonus nervt mich auch gewaltig. JEDER im KH hat den bekommen. Selbst die Verwaltungsmitarbeiter im Homeoffice. Rate mal, wer nicht! :-wand :mad: :-keule
- Bonuszahlungen, Fahrtkostenzuschuss oder sonstige finanzielle Incentives, dass man dem völlig ausgebrannten Stammpersonal im Schwester-Haus hilft, wird es nicht geben. Dazu gab es Sätze vom Betriebsrat, die wie blanker Hohn wirken oder das "Angebot" der GF, jede Überstunde bei Auszahlung mit 1 Euro Extra zu vergüten. Auf Antrag natürlich nur.
Auch hier: Beraten lassen. Und lieber auf die Couch als auf dem Konto...
- Auf der Intensivstation ist für den Nacht-Dienst das Schlaf-Zimmer (nicht das Arztzimmer) unmenschlich: wird als "Knast" bezeichnet. Wenn ich euch Bilder schicken würde, da bleibt jedem aus einer anderen Branche die Spucke weg: Eine Pritsche mit Bettzeug, sonst gibt es NICHTS im Zimmer. NICHTS. Nichtmal Vorhänge. Die Toilette gegenüber: kein Klopapier, keine Seife/Desinfekt, das Waschbecken ist nicht nutzbar, weil das Abflussrohr abmontiert, es läuft aus dem Waschbecken raus. Sie wollen da jetzt eine "Lösung" finden. Klar, einfach nicht mehr hinlegen geht.
Wie oben schon gesagt: Arbeitsschutz, Betriebsarzt und ggf. Ordnungsamt? Bei uns im Bereich wurde wegen solcher Zustände schon mal eine Rettungswache dichtgemacht. Und verlieren kannst Du eh nichts mehr... ;-) :-nix
Ich hab das nicht mehr nötig, ich werde fristgerecht zum März kündigen und bin in der Bewerbungsphase für patientenferne Jobs aus dem Medizinsektor: Industrie, Pharma, Medizinproduktehersteller, Software etc.
Habe schon einige interessierte Rückmeldungen.
Und man wundert sich schon, wie manche AG trotz derzeitiger Personalnot noch so agieren. Aber wahrscheinlich müssen sie erst so richtig in der Scheiße landen, bevor man umdenkt... Naja, richtige Entscheidung, alles Gute außerhalb dieser Zustände...
Magst du berichten, warum es zurück in die Klinik geh, was ambulant nicht gepasst hat?
In gewisser Weise eine Sackgasse: kaum fachliche Weiterentwicklung, wenig Interesse des Inhabers für Veränderungen/ Innovationen, Teilhaberschaft schwierig bzw. zu ungünstigen Konditionen, Perspektive von 30 Jahren ohne weitere Herausforderung.
Kurzum ich stehe vor dem Bore Out.
Ich werde noch einen Facharzt und evtl eine Zusatzbezeichnung zusätzlich machen.
Jukka666
15.11.2021, 13:50
Vielen Dank an alle für die tolle Rückmeldung und eure Sicht der Dinge in eurem Alltag!
Wie man sieht, geht es ja vielen ähnlich.
Mr. Pink online
15.11.2021, 14:54
Viele der vorgebrachten Beschwerden hätte man vor drei oder vier Jahren schon genau so formulieren können. Corona hat vielleicht manches verstärkt, aber sogut wie nichts davon ausgelöst. Die Weiterbildung ist schon seit Jahren eine Zumutung. Viele Dienste, viele nichtärztliche Tätigkeiten, viele redundante Stationsarbeit, kaum bis keine Funktionsweiterbildung, vielfach in Folge befristete Verträge, systematischer Bruch des Arbeitszeitgesetzes/Tarifvertrag, und und und...
Nur man muss auch mal ehrlich die Frage stellen, warum sich so ein System erhält?!
Natürlich nur weil es genug rückratlose Figuren unter-, ober-, und innerhalb der Karrierestufen gibt. Kollegen die ständig einspringen bis zum Burnout, OÄ die sich einen Sch*** um ihre Assistenten scheren, Kollegen die privat groß rumtönen aber vor dem Chef den Schwanz einziehen, keine Überlastungsanzeigen stellen etc. Dieses kaputte System muss einmal richtig gegen die Wand fahren bevor sich vielleicht wieder was bewirken lässt. Sollte Corona diesen Prozess beschleunigen, bin ich darüber geradezu dankbar! Ausländische importierte Ärzte werden den Verfall auch nicht aufhalten können. Für eine gelingende Inklusion braucht es nämlich auch eine gewisse Anzahl sprach- und fachlich bewanderter Kollegen in den entsprechenden Einsatzgebieten. Aber auch das wir man noch irgendwann lernen...
Endoplasmatisches Reticulum
15.11.2021, 16:06
Dieses kaputte System muss einmal richtig gegen die Wand fahren bevor sich vielleicht wieder was bewirken lässt. Sollte Corona diesen Prozess beschleunigen, bin ich darüber geradezu dankbar!
Ich fürchte eher, nach Corona wird das Fass noch weiter trocken laufen als vor Corona. Bloß weil es im Vergleich zur Corona-Zeit selbst wieder besser ist, wird es dann als Entspannung verkauft und gefeiert.
Cor_magna
15.11.2021, 16:21
Es gibt keinen Ärztemangel! Auf den Schreibtischen der Chefärzte in der Derma oder plastischen Chirurgie stapeln sich die Bewerberungen meterhoch. Nur in Kliniken mit miserablen Arbeitsbedingungen und Fächern mit schlechten Gehaltsperspektiven findet sich kein Nachwuchs. Die Lösung der "interessierten" Politik ist nach Ärztemangel zu kreischen, den Markt dann mit Ärzten zu schwemmen, damit junge Kollegen letztendlich mangels Alternativen gezwungen sind in solchen Ausbeuterkliniken bzw. in Hartz-4-Niederlassungen zu gehen.
Na, ich rede aber nicht von Derma und plastische, und zudem von Fachärzten. Die Chefs die ich hier so kenne sind doch gut verzweifelt weil sie da keine guten Leute finden.
PS: Hab eh nie verstanden wieso so viele unbedingt in die Derma wollen, ist auch kein gelobtes Land da drüben :-))
Mr. Pink online
15.11.2021, 17:00
Ich fürchte eher, nach Corona wird das Fass noch weiter trocken laufen als vor Corona. Bloß weil es im Vergleich zur Corona-Zeit selbst wieder besser ist, wird es dann als Entspannung verkauft und gefeiert.
Wem wird was als Entspannung verkauft? Der Pflege und den Ärzten? Die Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind nämlich allen schei**egal. Der Verwaltung, der Politik, den Bürgern... Erst wenn die medizinische Versorgung so vor die Wand gefahren wurde, dass es sogar der letzten Schnarchnase in irgendeinem Kabinett auffällt, wird sich vielleicht was ändern. Um es bildlich auszudrücken: die Menschen müssen auf der Straße am Blinddarm erliegen, vor den Augen aller, vorher wird sich keiner des Problems bewusst werden.
Colourful
15.11.2021, 17:23
. Sollte Corona diesen Prozess beschleunigen, bin ich darüber geradezu dankbar! Ausländische importierte Ärzte werden den Verfall auch nicht aufhalten können. Für eine gelingende Inklusion braucht es nämlich auch eine gewisse Anzahl sprach- und fachlich bewanderter Kollegen in den entsprechenden Einsatzgebieten. Aber auch das wir man noch irgendwann lernen...
Ja, in der Tat. Ich bin sehr viel damit beschäftigt insbesondere einer Kollegin (mit Berufserlaubnis, aber fachlich sehr kompetent) Deutsch beizubringen und ihr beim Schreiben ihrer Briefe etc. zu helfen, muss Aufnahmebefunde korrigieren von Leuten, die weder Deutsch noch Medizin richtig können und dazu noch das Arbeitspensum schaffen, was man auch gut mit einer vollen Stelle machen könnte. Und ich beantworte noch den halben Tag auch fachliche Fragen.
Von der Pflege fange ich nicht an, das ist, bis auf wenige Ausnahmen, echt richtig gruselig. So Leute, die vorher LKW-Fahrer waren, und dann so einen Crashkurs gemacht haben, um dann hier als examinierte Pflegekraft zu arbeiten.
Endoplasmatisches Reticulum
15.11.2021, 17:45
Die Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind nämlich allen schei**egal.
Mein Reden. Aber ich sehe es schon kommen: "Ihr Ärzte habt doch während Corona viel mehr gearbeitet als jetzt nach Corona. Was wollt ihr denn jetzt höhere Tariflöhne für weniger Arbeit?"
Von der Pflege fange ich nicht an, das ist, bis auf wenige Ausnahmen, echt richtig gruselig.
In einer früheren Abteilung von mir bestand das Pflegeteam auf Station mit Ausnahme von zwei oder drei Leuten nur noch aus Zeitarbeit. Die wussten nichts und konnten nichts, von pflegerischen Besonderheiten des Faches ganz zu schweigen. Unsere Außenlieger waren pflegerisch 5x so gut versorgt, wie die Patienten auf unserer eigenen Station! Was war die Folge? Yup, die pflegerischen Besonderheiten des Faches wurden einfach auch wieder auf die Ärzte übertragen. Zur Verbesserung der Behandlungsqualität ...
Colourful
15.11.2021, 17:50
Was war die Folge? Yup, die pflegerischen Besonderheiten des Faches wurden einfach auch wieder auf die Ärzte übertragen. Zur Verbesserung der Behandlungsqualität ...
Ja, es ist zum Beispiel auch wieder unser Job, darauf zu achten, ob der DK läuft oder ob der Pat. nicht doch einen Harnverhalt entwickelt und dann eine wunderbare Urosepsis bekommt, weil niemandem auffällt, dass Herr X ja nie klingelt und auch keine nasse Schutzhose hat. Unter der Woche fällt das ja noch meistens meinen Kolleginnen auf, am Wochenende ist das lustig. Nicht.
I
Mukopolysaccharid
15.11.2021, 18:05
Ich verstehe es auch nicht. Wir sind die einzige Berufsgruppe die es trotz massiver Gesundheitsgefährdung, extremer psychischer Belastung und Überstunden nicht geschafft hat, auch nur ansatzweise eine Verbesserung herauszuhandeln. Seit zwei Jahren Pandemie. was haben wir erreicht ?Nichts. In meinem Freundeskreis werde ich teilweise schon ausgelacht
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