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dkv22
08.02.2015, 19:43
@Trenn
Für einen Juristen mit gutem Abschluss ist Richter ein realistisch erreichbares Ziel. Man wird im Übrigen direkt nach dem 2. Staatsexamen Richter am Amtsgericht bzw. Staatsanwalt. Amtsrichter ist (bezogen auf die Karrierestufe) sicherlich nicht das Pendant zum Facharzt, Oberarzt oder gar Chefarzt, sondern zum Arzt in Weiterbildung. Im Übrigen kann ich es nicht verstehen, wieso die Absolventenflut anderer Studiengänge immer als Argument dafür genommen wird, dass man die Gehälter nicht mit den begehrteren Positionen vergleichen darf. Im Medizinstudium wird vorher bei der Bewerberauswahl extrem gesiebt und die Studienplatzanzahl (aktuell) entsprechend auf die benötigten Positionen abgestimmt. In anderen Studiengängen gibt es eben einen Überhang an Absolventen, für die es dann gar keine dem Abschluss angemessene Position gibt, was sich dann in der Bezahlungen der nicht so guten Absolventen niederschlägt.

Solara
08.02.2015, 19:49
Also für nen Richterjob braucht man jetzt ja nun nicht die Noten wie für nen Notar, klar knappes Bestehen recht nicht, aber so unerreichbar ist das nun auch nicht. Und die machen nur als Staatsanwalt mal ne Woche im Jahr Bereitschaft, ansonsten nicht.
Und falls sich jemand jetzt hier über die Verquickung von beidem wundert, die machen dort beides, wo ich studiert habe ;-), einige Zeit Richter, einige Zeit Staatsanwalt und dann eines von beidem weiter.

Kandra
08.02.2015, 19:52
Und falls sich jemand jetzt hier über die Verquickung von beidem wundert, die machen dort beides, wo ich studiert habe ;-), einige Zeit Richter, einige Zeit Staatsanwalt und dann eines von beidem weiter.

Jup, ist ganz normal. Meistens Beginn als Staatsanwalt und nach ein paar Jahren dann der Wechsel ans AG.

dkv22
08.02.2015, 20:02
Jup, ist ganz normal. Meistens Beginn als Staatsanwalt und nach ein paar Jahren dann der Wechsel ans AG.

Hängt wohl vom Bundesland ab. Bei uns wird man direkt entweder Staatsanwalt oder Richter. Für die Gehaltsdebatte ist das aber auch gar nicht so wichtig, da beide ja nach der selben Vergütungsgruppe bezahlt werden und sich die Verfassungswidrigkeit auch auf die Gehälter beider Berufsgruppen bezog.

Auch für Großkanzleien braucht man im Übrigen kein Ultraexamen, sondern eben "nur" ein vollbefriedigendes. Das schaffen natürlich auch "nur" 10%-20% der Absolventen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die Gruppe der Jurastudenten ziemlich heterogen ist, da Rechtswissenschaften nicht so extrem zulassungsbeschränkt ist. Da gibt es einige super fleißige, aber eben auch wie bei BWL viele, die das Fach nur "einfach mal so" studieren.

Thomas24
08.02.2015, 20:41
Ok, Linklaters und co wollen neben dem VB, schon auch noch den LLM und die Promotion sehen. Und nicht nur das VB- dafür ist das Einstiegsgehalt auch entsprechend.

davo
08.02.2015, 20:51
Für einen Juristen mit gutem Abschluss ist Richter ein realistisch erreichbares Ziel.

Dann schau dir einfach mal an, wie wenige Juristen einen guten Abschluss schaffen.

Und schau dir auch an, wie wenig man als Richter selbst an einem Bundesgericht verdient.

Da musst du schon an einem der großen Bundesgerichte sein, um mehr als ein stinknormaler Oberarzt, von denen es in Deutschland abertausende gibt, zu verdienen. Wenn du z.B. Richter am Bundespatentgericht bist, verdienst du netto weniger als das Grundgehalt eines Facharztes (nicht Oberarzt!) mit 7 Jahren Erfahrung.

Solara
08.02.2015, 20:57
Also Richter am Patentgericht ist jetzt nicht das schlechtbezahlteste, zudem verbeamtet.

Und so wenige Juraabsolventen oberhalb der 9/10 Punkte gibt es nun auch wieder nicht, immerhin 15%, bei Bedarf kannst du einen Verbesserungsversuch starten - geht bei uns ja nicht. Okay, da interessiert auch keine Note, wenn Mans genau nimmt. Juristen gibt es eben immer noch sehr (zu?) viele

Thomas24
08.02.2015, 20:59
Also ab R3 muss sich wirklich niemand beschweren. Und Privilegien wie Verbeamtung, Heilfürsorge, Pension etc. sind auch nicht zu verachten, da muss ein normal sozialversicherungspflichtiger Angestellter sehr lange für stricken

Muriel
08.02.2015, 21:04
Beamtengehälter kann man brutto nun wirklich nicht mit denen Angestellter vergleichen.

davo
08.02.2015, 21:07
Oberarzt wird früher oder später (heute meist früher) jeder. Das kann man von juristischen Karrieren nicht behaupten.

Das wirkliche Geld macht man IMHO in internationalen Großkanzleien, aber diese Option steht nur den allerbesten Absolventen offen, und da auch nur denen die seeehr viel arbeiten wollen.

davo
08.02.2015, 21:08
(Und keine Angst, ich habe natürlich netto verglichen!)

dkv22
08.02.2015, 21:15
Dann schau dir einfach mal an, wie wenige Juristen einen guten Abschluss schaffen.
Hast du Dir mal angeschaut, wie wenige Abiturienten überhaupt einen Medizinstudienplatz bekommen? Das Argument des geringen Anteils von Abschlüssen mit guten Berufsaussichten zieht im Vergleich von stark zulassungsbeschränkten Studiengängen mit kaum zulassungsbeschränkten Studiengängen einfach nicht.

Im Übrigen erhält man als (beisitzender) Bundesrichter 110.000€ Jahresgehalt (R6) mit Verbeamtung. Das entspricht gehaltstechnisch umgerechnet auf einen Angestellten, der selbst ohne eingerechnete Altersversorung etwa 130.000€ pro Jahr verdienen müsste, sicherlich einem Leitenden Oberarzt in einer Abteilung eines großen Krankenhauses oder dem Chefarzt einer kleinen Abteilung. Das wird als Arzt sicherlich alles andere als jeder.

Absolute Arrhythmie
08.02.2015, 21:20
Wieviel beisitzende Bundesrichter gibt es denn so? Mal aus reinem Interesse.

Heerestorte
08.02.2015, 21:21
Im Übrigen erhält man als (beisitzender) Bundesrichter 110.000€ Jahresgehalt (R6) mit Verbeamtung. Das entspricht gehaltstechnisch umgerechnet auf einen Angestellten, der selbst ohne eingerechnete Altersversorung etwa 130.000€ pro Jahr verdienen müsste, sicherlich einem Leitenden Oberarzt in einer Abteilung eines großen Krankenhauses oder dem Chefarzt einer kleinen Abteilung. Das wird als Arzt sicherlich alles andere als jeder.

Und insgesamt gab es bisher, grob überschlagen, 1300 Bundesrichter in ~60 Jahren.
Und wie viele Chefärzte, leitende Oberärzte etc. gab es in der Zeit?

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_deutschen_Bundesrichter

Wenn man da auf die einzelnen Links geht, dann findet man die Anzahl.
Und wenn man dann die Anzahl der Bundesrichter mit der Anzahl an Jura-Absolventen vergleicht, dann würde ich meine Karten eher auf die Medizin setzen ;)

Solara
08.02.2015, 21:39
Und: Richter am Patentgericht sind nicht zwangsläufig Juristen, die Hälfte hat was anderes studiert (und abgeschlossen natürlich ;-) )

Christoph_A
08.02.2015, 22:31
Naja, 6 stellig ist als Niedergelassener oder OA jetzt aber schon nicht so schwer.
Finde die Diskussion ermüdend. Das Gehalt als Arzt passt in D mittlerweile schon ganz gut, die Arbeitsbedingungen und -zeiten dagegen sind sehr ausbaufähig. Und da sollten wir in Zukunft ansetzen und weniger bei der Kohle. Was nützt mir mehr Geld, wenn ich keine Zeit habe, es genussvoll auszugeben.

Thomas24
08.02.2015, 22:37
Bratze hat eigentlich das wesentliche schon auf den Punkt gebracht, und darüber hinaus hab ich den Eindruck, dass hier ein paar Teilnehmer munter aneinander vorbei reden/ schreiben.

Relaxometrie
08.02.2015, 22:41
Finde die Diskussion ermüdend.
Geht mir genau so, deswegen mache ich bei diesen merkwürdigen Vergleichen von völlig unterschiedlichen Berufsfeldern auch nicht mit. Daß das Gehalt einer Person nicht ausschließlich etwas mit Leistung zu tun hat, ist klar. Man kann mit oder ohne viel Bildung Glück oder Pech haben.
Aber Vergleiche, wie: "die andere Berufsgruppe verdient aber viel mehr, obwohl sie doch viel weniger leistet" kann man endlos weiterführen und dreht sich dabei so wunderschön im Kreis.....am Ende kommt nichts dabei raus.

Das einzige, was ich auch unterschreiben möchte, ist das, was Absolute Arrhythmie weiter oben schon geschrieben hatte, und diesem Zitat entspricht:

Das Gehalt als Arzt passt in D mittlerweile schon ganz gut, die Arbeitsbedingungen und -zeiten dagegen sind sehr ausbaufähig. Und da sollten wir in Zukunft ansetzen und weniger bei der Kohle.

McDreamy
09.02.2015, 20:37
Sätzen wie "Mehr Geld bringt eh nix" kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Solange die Arbeitsbedingungen vielerorts eben nicht stimmen, sehe ich es schon als legitim, dafür mehr Kohle zu verlangen.

Arbeitszeit = Lebenszeit. Wenn ich 6 Monate im Jahr kein Tageslicht sehe (Achtung: Übertreibung=Stilmittel), dann möchte ich wenigstens ordentlich dafür bezahlt werden. Mehr Geld bringt die Wahl, auf Teilzeit umzusteigen oder irgendwann genug Kohle gespart zu haben, um die Tretmühle zu verlassen

Absolute Arrhythmie
09.02.2015, 20:41
Aber wenn man schon Forderungen stellt, warum dann nicht die nach besseren Arbeitsbedingungen? Was spricht dagegen dafür zu kämpfen?